{"id":269877,"date":"2026-08-27T17:55:10","date_gmt":"2026-08-27T17:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/269877\/"},"modified":"2026-08-27T17:55:10","modified_gmt":"2026-08-27T17:55:10","slug":"peter-nadas-ist-tot-einer-der-in-europas-abgruende-blickte-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/269877\/","title":{"rendered":"P\u00e9ter N\u00e1das ist tot: Einer, der in Europas Abgr\u00fcnde blickte &#8211; Kultur"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-lead\" data-news-landmark=\"article-lead\">Der virtuose Sprachk\u00fcnstler folgte in seinen Texten den Spuren von Gewalt, Hass und menschlicher Niedertracht. Und auch seine Fotografien haben etwas Sezierendes an sich. Nun ist P\u00e9ter N\u00e1das im Alter von 83 Jahren verstorben.<\/p>\n<p>  Jetzt h\u00f6ren<\/p>\n<p>            Jetzt h\u00f6ren<\/p>\n<p class=\"article-author__name\" data-news-landmark=\"article-author-name\">\n                        Autor:\u00a0<\/p>\n<p>      Franziska Hirsbrunner<\/p>\n<p class=\"article-author__date js-dateline\" data-publicationdate=\"2026-08-26T15:16:29+02:00\" data-modificationdate=\"2026-08-26T15:16:29+02:00\" data-i18n-text-published-today=\"Heute, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-published-yesterday=\"Gestern, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-published-else=\"#DATE#, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-today=\"Aktualisiert heute, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-yesterday=\"Aktualisiert gestern, #TIME# Uhr\" data-i18n-text-modified-else=\"Aktualisiert #DATE#, #TIME# Uhr\" data-news-landmark=\"article-author-date\">\n            26.08.2026, 15:16\n        <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Es gibt eine wahre Geschichte, die viel \u00fcber P\u00e9ter N\u00e1das\u2019 Fiktion erz\u00e4hlt: N\u00e1das war acht Jahre alt, als er seiner Mutter verk\u00fcndete, er hasse Juden. Sie stellte ihn daraufhin vor einen Spiegel und sagte: \u00abSchau hin, da hast du einen Juden. Du kannst ihn ruhig hassen.\u00bb<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\" P\u00e9ter N\u00e1das\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Das Leben und die Erz\u00e4hlungen von P\u00e9ter N\u00e1das sind von den Gr\u00e4ueltaten gepr\u00e4gt, die er unter den Nationalsozialisten und sp\u00e4ter von der Zensur durch die Kommunisten erlebt.<\/p>\n<p>                    Keystone \/ Alessandro della Bella<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Es war ein Schock f\u00fcr den Jungen, aber auch ein Moment der Erkenntnis, der weit \u00fcber das Pers\u00f6nliche hinausging. Mit dem Hass und den Opfern des Hasses setzte sich P\u00e9ter N\u00e1das in seinem Werk sp\u00e4ter immer wieder schonungslos auseinander. Sein Thema waren die europ\u00e4ischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts \u2013 sein Credo war das Erinnern, mochte es noch so unbequem sein.<\/p>\n<p>\n        Nicht, dass man auch nur irgendetwas vergessen k\u00f6nnte.\n    <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">\u00abBuch der Erinnerung\u00bb heisst sein erster grosser Roman, mit dem sich P\u00e9ter N\u00e1das 1986 in die Riege der europ\u00e4ischen Erz\u00e4hler schrieb. Zehn Jahre hatte er an dem \u00fcber 1200-seitigen Buch gearbeitet. Akribisch hielt er die weitverzweigte Familiengeschichte, sein Aufwachsen, die Entdeckung seiner Homosexualit\u00e4t sowie die Verheerungen von Krieg und Diktatur fest. \u00abNicht, dass man auch nur irgendetwas vergessen k\u00f6nnte\u00bb, heisst es gleich zu Beginn.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">P\u00e9ter N\u00e1das schl\u00e4gt dabei einen weiten Bogen. Von der Belagerung Budapests durch die sowjetische Armee 1944\/45 geht er weit in die Geschichte zur\u00fcck, nimmt dann den Ungarnaufstand von 1956 und schliesslich die DDR der 1970er-Jahre in den Blick. Wie ein Seismograf tastet er eigene und fremde Erinnerungen ab. Die Vergangenheit ersp\u00fcrt er in der Gegenwart. <\/p>\n<p>                                                        Ein Leben im Schatten der Unterdr\u00fcckung<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Er kreist dabei um Unterdr\u00fcckung und Gewalt, wie sie auch sein Leben fr\u00fch bestimmten. Geboren 1942 in Budapest, \u00fcberlebte P\u00e9ter N\u00e1das mit seiner Familie den Holocaust in Verstecken. Seine Eltern, Antifaschisten und \u00fcberzeugte Kommunisten, machten nach dem Krieg Karriere in der Kommunistischen Partei Ungarns. In den 1950er-Jahren fielen sie in Ungnade.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Die gespenstische Stimmung von Denunziationen, Verhaftungen und Verh\u00f6ren beschrieb der Sohn sp\u00e4ter immer wieder. Als N\u00e1das 13 Jahre alt war, starb seine Mutter. Der Vater, verzweifelt \u00fcber den Verlust seiner Frau und zerm\u00fcrbt vom politischen Druck, nahm sich drei Jahre sp\u00e4ter das Leben.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"P\u00e9ter N\u00e1das signiert ein Buch.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Bis 1977 verhinderte die Zensur in Ungarn die Publikation seines ersten Werks \u00abEnde eines Familienromans\u00bb.<\/p>\n<p>                    imago images \/ Depositphotos<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Als Erwachsener geriet auch Peter N\u00e1das ins Visier des Regimes. Er studierte zun\u00e4chst Chemie, dann arbeitete er als Fotoreporter und Journalist. 1968 stieg er aus. Er hatte genug von den Propagandal\u00fcgen und zog sich aufs Land zur\u00fcck, um zu schreiben. Doch seine Texte wurden von der Zensur blockiert. Sein erster Roman, \u00abEnde eines Familienromans\u00bb, erschien erst 1977.<\/p>\n<p>                                                        Ein skeptischer Humanist<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">P\u00e9ter N\u00e1das erz\u00e4hlte hart, manchmal brutal. Und auch seine Fotografien haben etwas Sezierendes. Sie blieben f\u00fcr N\u00e1das zeitlebens eine Form, festzuhalten und gleichzeitig zu hinterfragen. Besonders sch\u00f6n zeigt sich dies im Band \u00abEtwas Licht\u00bb, der Fotografien zwischen 1958 und 1998 versammelt. Sein fotografisches Oeuvre schenkte N\u00e1das 2012 dem Kunsthaus Zug.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>            Sternstunde Philosophie<br \/>\n            Archiv: P\u00e9ter N\u00e1das \u00fcber seine Schreibpassion<\/p>\n<p>Kultur<br \/>\n                Laufzeit 56 Minuten.<\/p>\n<p>                56 Minuten\n            <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">P\u00e9ter N\u00e1das, der virtuose Erz\u00e4hler und Sprachk\u00fcnstler, galt als Anw\u00e4rter auf den Literaturnobelpreis. In all seinen Texten folgte er den Spuren von Gewalt, Hass, politischen Verheerungen und menschlicher Niedertracht. Dabei befragte er sich immer auch unerbittlich selbst. Und bei aller Skepsis blieb er Humanist.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Nun ist P\u00e9ter N\u00e1das im Alter von 83 Jahren gestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der virtuose Sprachk\u00fcnstler folgte in seinen Texten den Spuren von Gewalt, Hass und menschlicher Niedertracht. 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