{"id":2699,"date":"2026-02-13T10:04:16","date_gmt":"2026-02-13T10:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/2699\/"},"modified":"2026-02-13T10:04:16","modified_gmt":"2026-02-13T10:04:16","slug":"stellenabbau-bei-der-uno-fuer-auslaendische-absolventen-in-genf-wird-es-eng","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/2699\/","title":{"rendered":"Stellenabbau bei der UNO: F\u00fcr ausl\u00e4ndische Absolventen in Genf wird es eng"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/GettyImages-157180342.jpg\" width=\"3504\" height=\"2336\" alt=\"Eine Allee aus Flaggen verschiedener L\u00e4nder\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Die UNO steht unter Druck. Das bekommen auch Studentinnen und Studenten zu sp\u00fcren.            <\/p>\n<p>            Markus Seidel        <\/p>\n<p>        Der Ruf Genfs als multilaterale Drehscheibe wird auf die Probe gestellt: Die Budgetk\u00fcrzungen verringern die Besch\u00e4ftigungsaussichten f\u00fcr internationale Studierende, die in der Stadt eine Karriere im humanit\u00e4ren Sektor anstreben. Ausl\u00e4ndische Absolventinnen und Absolventen haben M\u00fche, in Genf zu bleiben. F\u00fcr Studierende, die aus aller Welt kommen, schliesst sich leise die T\u00fcr.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        21. Dezember 2025 &#8211; 07:00\n<\/p>\n<p>Im Lauf des letzten Jahres haben die Institutionen der Vereinten Nationen in Genf 3300 Stellen abgebaut, da sie umstrukturiert werden und mit K\u00fcrzungen der wichtigsten Beitragszahler konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Im Herbst dieses Jahres teilte die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mit, sie erw\u00e4ge eine dauerhafte Verlegung ihres Hauptsitzes. Im selben Monat gab das UNO-Kinderhilfswerk Unicef bekannt, dass der Grossteil seiner Belegschaft nach Rom umziehen werde.<\/p>\n<p>\u00abEinige internationale Organisationen mussten sich von einem Drittel ihres Personals trennen\u00bb, sagt Fr\u00e9d\u00e9ric Ballenegger von der St\u00e4ndigen Vertretung der Schweiz bei der UNO.<\/p>\n<p>Von diesen K\u00fcrzungen sind vor allem Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus L\u00e4ndern ausserhalb der Europ\u00e4ischen Union betroffen, da sie sich ohne Arbeitsgenehmigung nicht in der Schweiz aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele von ihnen waren die UNO-Institutionen der einzige Arbeitsmarkt, der ihnen offenstand. Ihre Hauptmotivation, in Genf zu studieren, war die Aussicht auf eine Karriere im UNO-System.<\/p>\n<p>Viele Schulen in Genf decken diese Nachfrage ab. Dazu geh\u00f6ren das Graduate Institute, die Universit\u00e4t Genf, das International Institute, die Genfer Schule f\u00fcr Diplomatie und die Genfer Akademie.<\/p>\n<p>Sie alle bieten Kurse in internationalen Beziehungen, Interessenvertretung, Diplomatie, internationalem Recht und Menschenrechten oder humanit\u00e4rer Hilfe an.<\/p>\n<p>Am Internationalen Institut in Genf, das unter anderem Bachelor-Studieng\u00e4nge in internationalen Beziehungen und Kommunikation anbietet, machen die Nicht-EU-Studierenden nach Angaben des Pr\u00e4sidenten Eric Willumsen 30-40% der Studierenden aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie gibt es in Genf \u00abausserhalb des UNO-Systems so gut wie keine Arbeitsm\u00f6glichkeiten\u00bb, sagt er. Nach Schweizer Recht m\u00fcssen private Arbeitgeber zun\u00e4chst nachweisen, dass sie nicht in der Lage waren, eine Fachperson aus der Schweiz oder der EU anzustellen \u2013 ein Verfahren, das die meisten Arbeitgeber vermeiden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Julia Pion Da Rocha Paranhos, Psychologin und Beraterin im Karrierezentrum der Universit\u00e4t Genf, sind die Auswirkungen der UNO-Budgetk\u00fcrzungen in den t\u00e4glichen Gespr\u00e4chen mit Studierenden sp\u00fcrbar.<\/p>\n<p>Sie berichtet von zunehmender Angst, schrumpfenden Einstiegsm\u00f6glichkeiten und von Nicht-EU-Absolventinnen und Absolventen, die entweder gar keine Antworten oder Angebote erhalten.<\/p>\n<p>Die Zahlen hinter dem Kampf<\/p>\n<p>Die Daten von Adrien Guillod, einem Statistiker an der Universit\u00e4t Genf (UNIGE), zeigen, wie gross die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit schon vor den Budgetk\u00fcrzungen war. Im ersten Semester 2025 z\u00e4hlte die Universit\u00e4t 3211 Studierende aus Drittstaaten, was 17,7% der gesamten Studierendenschaft entsprach.<\/p>\n<p>Laut Umfragen, die er zwischen 2018 und 2024 durchf\u00fchrte, wollten 83% der Nicht-EU-Masterabsolventinnen und -absolventen der UNIGE nach Abschluss ihres Studiums in Genf bleiben.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter waren es jedoch nur noch 26,8% \u2013 ohne Studierende mit Langzeitbewilligung und ohne diejenigen, die als Doktorierende oder zur Aus\u00fcbung einer Postdoc-T\u00e4tigkeit bleiben.<\/p>\n<p>Eine schweizweite Studie des Wirtschaftsverbands Economiesuisse aus dem Jahr 2019 war sogar noch konservativer und sch\u00e4tzte, dass nur 15% der Studierenden aus Drittstaaten nach ihrem Studium in der Schweiz bleiben.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/607720780_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Ein Mann auf einer Slackline \u00fcber dem Genfersee\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Genfer Organisationen\n        <\/p>\n<p>        Genf sp\u00fcrt Trump: Die neue Weltordnung schl\u00e4gt durch    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        08. Sep. 2025                    <\/p>\n<p>                Genf sieht sich mit weniger Geld, weniger Personal und der Konkurrenz durch billigere L\u00e4nder konfrontiert, die um eine internationale Rolle buhlen.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/genfer-organisationen\/genf-sp%c3%bcrt-trump-die-neue-weltordnung-schl%c3%a4gt-durch\/89904608\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Genf sp\u00fcrt Trump: Die neue Weltordnung schl\u00e4gt durch<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Studie hat ergeben, dass Absolventinnen und Absolventen von Schweizer Universit\u00e4ten weltweit auf dem Arbeitsmarkt gesch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>Die UNIGE geh\u00f6rt zu den 250 besten Universit\u00e4ten in Bezug auf die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit ihrer Absolventinnen und Absolventen. Die Schweiz hat jedoch nach wie vor Probleme damit, einen grossen Teil derjenigen zu halten, die im Land bleiben und arbeiten m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Die Schweizer Regelungen, die Schweizer und EU-\/EFTA-B\u00fcrger:innen auf dem Arbeitsmarkt bevorzugen, erschweren es Nicht-EU-Absolvent:innen erheblich, innerhalb der \u00fcblichen sechs Monate, die sie nach ihrem Studium im Land bleiben d\u00fcrfen, eine Stelle zu finden.<\/p>\n<p>Nachbarl\u00e4nder wie Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien, \u00d6sterreich oder die Niederlande bieten nun spezielle Aufenthaltsgenehmigungen an, die einen Aufenthalt von 12 bis 24 Monaten erm\u00f6glichen. Dies gibt ihnen Zeit, sich nach Arbeit umzusehen oder ein Unternehmen zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/54653966203_751f01866f_o_crop.jpg\" width=\"3515\" height=\"2343\" alt=\"Studierende posieren in einem Saal mit einem riesigen Gem\u00e4lde an der Wand\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                83% der Master-Absolventinnen und Absolventen der Universit\u00e4t Genf, die nicht aus der EU stammen, wollten nach Abschluss ihres Studiums in Genf bleiben.            <\/p>\n<p>            CC4.0 UN Photo\/Adrian Manivarma Vasu Veluppillai        <\/p>\n<p>Heiraten f\u00fcr eine Arbeitsbewilligung<\/p>\n<p>Matt, der seinen Nachnamen nicht nennen m\u00f6chte, ist ein Absolvent des Graduate Institute in Genf, das sich auf internationale Angelegenheiten und Entwicklung spezialisiert hat.<\/p>\n<p>Zwei Jahre nach seinem Abschluss sucht er immer noch nach einer Stelle im Bereich der humanit\u00e4ren Hilfe in Genf. \u00abSeit den Budgetk\u00fcrzungen bei der UNO im letzten Jahr gibt es viele Bewerberinnen und Bewerber, aber nur sehr wenige freie Stellen\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>F\u00fcr sein sechsmonatiges Praktikum bei der UNO erhielt er 1000 Franken im Monat \u2013 und das in einer Stadt, in welcher der gesetzliche Mindestlohn bei 4200 Franken liegt.<\/p>\n<p>Nach mehreren kurzfristigen Beratervertr\u00e4gen mit der UNO ist es Matt nicht gelungen, eine Stelle in Genf zu finden. Viele seiner Freunde aus Nicht-EU-L\u00e4ndern h\u00e4tten das Land nach und nach verlassen, sagt Matt.<\/p>\n<p>Letztlich ist Matt nur deshalb in der Schweiz geblieben, weil er seine Partnerin, eine in Genf lebende EU-B\u00fcrgerin, geheiratet hat. \u00abWir haben es diskret gemacht, nur damit ich bleiben kann\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>\u00abWenn man kein Europ\u00e4er ist, kann man nur hierbleiben, wenn man jemanden heiratet\u00bb, sagt Jessica, eine mexikanische Studentin des internationalen Rechts, die ebenfalls ihren Nachnamen nicht nennen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Sie sagt, das System sei strukturell gegen Studierende von ausserhalb Europas ausgerichtet: \u00abWenn deine Familie dich nicht unterst\u00fctzen kann, ist es unm\u00f6glich zu bleiben. Diejenigen, die es schaffen, kommen in der Regel aus privilegierten Verh\u00e4ltnissen.\u00bb<\/p>\n<p>Ihr UNO-Praktikum wurde mit 1200 Franken entl\u00f6hnt, was nicht zum Leben reichte. Nachdem ihr Beratervertrag aufgrund von Budgetk\u00fcrzungen nicht verl\u00e4ngert wurde, war sie gezwungen, die Schweiz zu verlassen.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/623429224_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Ein Platz mit vielen Flaggen und einem \u00fcbergrossen Stuhl\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Internationales Genf\n        <\/p>\n<p>        Das internationale Genf in Zahlen    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        07. Okt. 2024                    <\/p>\n<p>                Das internationale Genf stellt ein einzigartiges \u00d6kosystem von Institutionen dar. Wir pr\u00e4sentieren einige Fakten und Zahlen.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/internationales-genf\/das-internationale-genf-in-zahlen\/87662349\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Das internationale Genf in Zahlen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Praktika und unbezahlte T\u00e4tigkeiten<\/p>\n<p>Gr\u00e9gory Pasche, der Koordinator der Professionalisierungsaktivit\u00e4ten an der Genfer Akademie f\u00fcr humanit\u00e4res V\u00f6lkerrecht und Menschenrechte, stellt fest, dass die Studierenden \u00abdefinitiv besorgter sind als fr\u00fcher\u00bb.<\/p>\n<p>Viele von ihnen verl\u00e4ngern ihre Aufenthaltsgenehmigung nach dem Abschluss und verlassen sich auf ein Flickwerk aus Praktika oder auf das UNO-Freiwilligenprogramm, das lediglich ein begrenztes Stipendium f\u00fcr den Lebensunterhalt bietet. \u00abDie finanziellen Realit\u00e4ten des Lebens in Genf kommen ins Spiel\u00bb, sagt Pasche. \u00abViele m\u00fcssen schliesslich nach Hause zur\u00fcckkehren.\u00bb<\/p>\n<p>Trotz der Turbulenzen ist Willumsen vom Internationalen Institut in Genf zuversichtlich, dass Praktika weiterhin zu Einstiegsjobs f\u00fchren werden. In diesem Sinn hat das Institut Partnerschaften mit UNO-Einrichtungen aufgebaut, um Studierende f\u00fcr Praktika zu vermitteln.<\/p>\n<p>F\u00fcr Studierende aus Nicht-EU-L\u00e4ndern, die anderswo nur schwer eine Anstellung finden w\u00fcrden, stehen diese Praktika nun auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Pasche warnt jedoch davor, dass Praktika nur selten zu einer Anstellung bei der UNO f\u00fchren. \u00abIm UNO-System werden Praktika nicht auf die Berufserfahrung angerechnet\u00bb, sagt er.<\/p>\n<p>Das bedeutet, dass Absolventinnen und Absolventen Genf oft verlassen m\u00fcssen, um sich den erforderlichen beruflichen Hintergrund anderswo anzueignen. Erst dann kehren sie mit einem Profil zur\u00fcck, das f\u00fcr eine Anstellung infrage kommt.<\/p>\n<p>Das ist auch die Meinung von Matt: \u00abGenf ist kein Ort, um eine Karriere zu beginnen\u00bb, sagt er. \u00abEs war noch nie einfach, hier einen Einstiegsjob zu finden, aber jetzt wird es fast unm\u00f6glich.\u00bb<\/p>\n<p>Der Brite will Genf verlassen und sich anderswo umsehen, in der Hoffnung, eines Tages zur\u00fcckkehren und sich in der Stadt niederlassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/newsletter_teaser_international_geneva.jpg\" width=\"880\" height=\"587\" alt=\"Newsletter Internationales Genf\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Internationales Genf\n        <\/p>\n<p>        Das Internationale Genf    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                Das Internationale Genf ist eine Welt f\u00fcr sich. 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