{"id":29366,"date":"2026-03-04T15:26:07","date_gmt":"2026-03-04T15:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/29366\/"},"modified":"2026-03-04T15:26:07","modified_gmt":"2026-03-04T15:26:07","slug":"berlinale-skandal-der-eine-satz-der-tricia-tuttle-wohl-den-job-kosten-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/29366\/","title":{"rendered":"Berlinale-Skandal: Der eine Satz, der Tricia Tuttle wohl den Job kosten wird"},"content":{"rendered":"<p>Bei der Abschlussgala der Berlinale lie\u00df Tricia Tuttle die Drohung eines pal\u00e4stinensischen Aktivisten von der B\u00fchne unwidersprochen. Auch zuvor agierte sie instinktlos. Nun soll die Festival-Chefin abberufen werden. Es hat etwas Tragisches \u2013 denn in Vielem war sie ein Lichtblick.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Paukenschlag am Mittwochnachmittag, an Tag vier nach der skandaltr\u00e4chtigen Abschlussgala der Berlinale: Deren Chefin, die US-Amerikanerin Tricia Tuttle, erst seit April 2024 im Amt, soll gehen. Das <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/druck-von-merz-minister-weimer-berlinale-chefin-wird-nach-skandal-foto-abgeloest-699eb62dd7de5a808f60c60b#fromWall\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/druck-von-merz-minister-weimer-berlinale-chefin-wird-nach-skandal-foto-abgeloest-699eb62dd7de5a808f60c60b#fromWall&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">berichtet die \u201eBild\u201c-Zeitung<\/a> im Hinblick auf eine au\u00dferordentliche Sitzung der F\u00fchrungsgremien der \u201eKulturveranstaltungen des Bundes in Berlin GmbH\u201c (KBB) am Donnerstag. Dort soll Tuttles Abberufung auf der Tagesordnung stehen. Einberufen habe die Sitzung Kulturstaatsminister Wolfram Weimer.<\/p>\n<p>Die Berlinale wollte sich zu Spekulationen nicht \u00e4u\u00dfern. Doch der Ton ist zerknirscht. Auch aus Regierungskreisen vernimmt man, dass die Meldung stimmt.<\/p>\n<p>Am Samstagabend war es bei der Abschlussgala zu einem Zwischenfall gekommen, w\u00e4hrend der Dankesrede des Regisseurs Abdallah Alkhatib, der als pal\u00e4stinensischer Fl\u00fcchtling in Deutschland lebt. Sein Spielfilmdeb\u00fct \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article698b29709501f81648ced0ba\/berlinale-2026-angsteinfloessende-prognose-aus-deutschland-gewinnt-goldenen-baeren.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article698b29709501f81648ced0ba\/berlinale-2026-angsteinfloessende-prognose-aus-deutschland-gewinnt-goldenen-baeren.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chronicles From The Siege<\/a>\u201c, das tragikomisch vom Alltag in einem ungenannten Kriegsgebiet erz\u00e4hlt, hatte den Nachwuchspreis der Sektion \u201ePerspectives\u201c gewonnen, verliehen von einer unabh\u00e4ngigen Jury.<\/p>\n<p>Alkhatib trat nach vorn, mit Pal\u00e4stinensertuch zum schwarzen Anzug, und schwadronierte in einer wirren Rede davon, Deutschland w\u00e4re Partner eines vermeintlichen \u201eV\u00f6lkermords in Gaza\u201c. Und weiter, schon aus der beschworenen Perspektive eines k\u00fcnftig \u201ebefreiten\u201c Pal\u00e4stinenserstaats: \u201eWir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war.\u201c Man muss nicht sehr fantasiebegabt sein, um hierin eine Drohung zu erkennen. Es kam zu unverst\u00e4ndlichen Zwischenrufen. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) verlie\u00df aus Protest den Saal. Moderatorin D\u00e9sir\u00e9e Nosbusch versuchte windelweich, die Wogen zu gl\u00e4tten.<\/p>\n<p>Was man vermisste, war ein deutlicher Widerspruch. Auch und gerade von Tuttle \u2013 die seit ihrer Berlinale-Premiere im vergangenen Jahr, die auch von Gaza-Protesten \u00fcberschattet war, wusste, wie sensibel das Thema hierzulande ist \u2013 h\u00f6rte man an dieser Stelle: nichts. Man kann die Position vertreten, dass Kunst- und Meinungsfreiheit allerlei Unsinn deckt. Pal\u00e4stinensische Stimmen sollen selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt werden. Pal\u00e4stinensische Filme sollen selbstverst\u00e4ndlich pr\u00e4miert werden, so sie denn preisw\u00fcrdig sind.<\/p>\n<p>Aber ebenso selbstverst\u00e4ndlich stehen Institutionen des deutschen Staates \u2013 und die Berlinale ist eine ma\u00dfgebliche \u2013 in der Pflicht und Verantwortung, unverbr\u00fcchliche \u00dcberzeugungen zu vertreten, notfalls offensiv. Dazu geh\u00f6rt an vorderster Stelle die Solidarit\u00e4t mit Israel, der Einspruch gegen V\u00f6lkermord-Fantasien und die Bek\u00e4mpfung jeglicher Tr\u00e4ume, den israelischen Staat von der Karte zu tilgen, wie sie in der tragischerweise zur Folklore gewordenen Terrorparole \u201e<a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article694586aeba368aa01269e504\/antisemitismus-im-kulturbetrieb-die-botschaft-bleibt-gleich-aber-die-ausgrenzung-ist-subtiler.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article694586aeba368aa01269e504\/antisemitismus-im-kulturbetrieb-die-botschaft-bleibt-gleich-aber-die-ausgrenzung-ist-subtiler.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">From the river to the sea<\/a>\u201c zum Ausdruck kommen. Stattdessen hatte Tuttle bei der Premiere des sp\u00e4ter ausgezeichneten Films zwischen Pal\u00e4stinenserflaggen und -t\u00fcchern posiert. Auch das mindestens eine Instinktlosigkeit.<\/p>\n<p>Tragik ist das Stichwort: Tuttle war eigentlich ein Lichtblick nach den d\u00fcrren Chatrian-Jahren zuvor. Die Berlinale hat mit vielen Problemen zu knapsen, nicht zuletzt wegen der ver\u00e4nderten Marketingstrategie der gro\u00dfen Studios, die vor allem auf Social Media setzen und vielleicht noch auf Cannes oder Venedig, aber nicht mehr auf Berlin. Mit mickrigen Bordmitteln hat Tuttle einen super Job gemacht. Der diesj\u00e4hrige Wettbewerb war ordentlich bis sehr gut, Tuttle selbst fand meist den richtigen Ton, uneitel, informiert und sympathisch. <\/p>\n<p>Wenige Tage zuvor hatte sie auf einen <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article6991ea85f4d0b8d94ca1d433\/berlinale-2026-bardem-swinton-co-beweisen-dass-richtig-ist-was-sie-kritisieren.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/kino\/article6991ea85f4d0b8d94ca1d433\/berlinale-2026-bardem-swinton-co-beweisen-dass-richtig-ist-was-sie-kritisieren.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">offenen Brief von Schauspielern um Tilda Swinton<\/a> noch couragiert geantwortet. Und davor ihren Jury-Pr\u00e4sidenten Wim Wenders beherzt verteidigt. Mit seiner Weigerung, einen behaupteten V\u00f6lkermord in Gaza offiziell zu verurteilen, und stattdessen seinem Bekenntnis zur Unabh\u00e4ngigkeit der Kunst von der Politik war der ganze Schlamassel erst losgegangen. 80 Schauspieler, darunter neben Swinton auch Javier Bardem, hatten auf Wenders\u2019 \u00c4u\u00dferung hin in ihrem \u00f6ffentlichen Protest das \u201einstitutionelle Schweigen\u201c des Festivals zum Gaza-Krieg angeprangert.<\/p>\n<p>Dass Tuttle im konsequenten Widerspruch gegen israelfeindliche Fake-News auf der Zielgeraden die Luft ausgegangen ist, mag auch daran liegen, dass ihr f\u00fcr die spezifisch deutschen Befindlichkeiten, die in den USA oder England so nicht gelten m\u00f6gen, das Sensorium oder der Gestaltungswille fehlen. Wom\u00f6glich ist ein absehbares Ende des Arbeitsverh\u00e4ltnisses auch gar nicht so einseitig. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Tuttle nach den Erfahrungen der ersten beiden Jahre als Chefin Lust oder Kraft fehlen, den verminten Boden weiter zu beackern. Ihr Abgang tr\u00e4fe die Berlinale in harten Zeiten umso h\u00e4rter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei der Abschlussgala der Berlinale lie\u00df Tricia Tuttle die Drohung eines pal\u00e4stinensischen Aktivisten von der B\u00fchne unwidersprochen. 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