{"id":29565,"date":"2026-03-04T18:16:14","date_gmt":"2026-03-04T18:16:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/29565\/"},"modified":"2026-03-04T18:16:14","modified_gmt":"2026-03-04T18:16:14","slug":"barcelona-hier-waechst-der-hoechste-kirchturm-der-welt-und-die-baustelle-bleibt-trotzdem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/29565\/","title":{"rendered":"Barcelona: Hier w\u00e4chst der h\u00f6chste Kirchturm der Welt \u2013 und die Baustelle bleibt trotzdem"},"content":{"rendered":"<p>Barcelona ist 2026 \u201eWelthauptstadt der Architektur\u201c. Ein Grund: Ein weiterer Turm der Sagrada Fam\u00edlia wird fertig, offiziell am Todestag ihres Sch\u00f6pfers Gaud\u00ed. Aber es spricht mehr f\u00fcr eine Visite in Spaniens zweitgr\u00f6\u00dfter Stadt \u2013 etwa ein ziemlich unbekanntes Juwel des spanischen Jugendstils.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Ger\u00fcste. Kr\u00e4ne. Metallene Schl\u00e4ge. Nicht anders kennt Mar\u00eda Jes\u00fas Tom\u00e9 in ihrer Heimatstadt <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/barcelona-staedtereise\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/barcelona-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Barcelona<\/a> die Sagrada Fam\u00edlia, die S\u00fchnekirche des Architekten Antoni Gaud\u00ed. Doch der Baul\u00e4rm spielt f\u00fcr die 51-j\u00e4hrige Journalistin keine Rolle, denn: \u201eJedes Mal, wenn ich die Sagrada Fam\u00edlia sehe, beeindruckt sie mich wie am ersten Tag.\u201c<\/p>\n<p>Tom\u00e9 ist eng mit dem Mammutbau verbunden. Viele Jahre hat sie nebenan gewohnt und vom Schlafzimmer auf die T\u00fcrme geblickt. Ihr Sohn hat in der Krypta, wo Gaud\u00ed begraben liegt, Taufe und Kommunion empfangen. Dass die Kirche nach mittlerweile \u00fcber 140 Jahren Bauzeit jemals fertig wird, will sie seltsamerweise nicht: \u201eDann w\u00fcrde sie f\u00fcr mich ihren Reiz verlieren. Ich kenne sie nur als Baustelle.\u201c<\/p>\n<p>Bald schreibt die Sagrada Fam\u00edlia ein neues Kapitel ihrer Geschichte. Am 10. Juni 2026, p\u00fcnktlich zum hundertsten Todestag von Gaud\u00ed, steht die Einweihung des Turms Jesus Christus an. Besetzt mit einem Kreuz aus einer Werkstatt aus dem s\u00fcddeutschen Gundelfingen, steigt er mit 172,5 Metern zum h\u00f6chsten Kirchturm der Welt auf. Zum Vergleich: Der Ulmer M\u00fcnster ist 161,5 Meter hoch und die Basilika Notre-Dame de la Paix in der Elfenbeink\u00fcste 158 Meter. Der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/koeln-staedtereise\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/koeln-staedtereise\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">K\u00f6lner<\/a> Dom kommt auf 157 Meter.<\/p>\n<p>Zudem tr\u00e4gt Barcelona im n\u00e4chsten Jahr den Titel \u201eWelthauptstadt der Architektur\u201c, den der Internationale Verband der Architekten regelm\u00e4\u00dfig verleiht. Damit weitet sich der Blick auf andere Werke und Meister. \u00dcber allem steht gleichwohl Gaud\u00ed.<\/p>\n<p>Die Sagrada Fam\u00edlia war von Schlie\u00dfung bedroht<\/p>\n<p>Das Volk \u2013 nicht die \u00f6ffentliche Hand \u2013 sollte die S\u00fchnekirche finanzieren, deren Vorhaben Gaud\u00ed 1883 im Auftrag der \u201eGeistlichen Vereinigung von Verehrern des Heiligen Josef\u201c \u00fcbernahm. Laia Vinaixa, die 51-j\u00e4hrige Leiterin des Dokumentationszentrums der Sagrada Fam\u00edlia, wei\u00df: \u201eEr suchte Sponsoren im Gro\u00dfb\u00fcrgertum, aber w\u00e4hrend der Zeit des Ersten Weltkriegs gingen die Spenden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Sagrada Fam\u00edlia war von der Schlie\u00dfung bedroht. Deshalb nahm man ab 1915 Eintrittsgelder: je eine Peseta f\u00fcr den Zugang zu den Entwurfsmodellen und den unvollendeten T\u00fcrmen.<\/p>\n<p>Heute garantieren die Einnahmen von knapp f\u00fcnf Millionen Besuchern pro Jahr den Fortgang des Projekts, f\u00fcr das Chefarchitekt Jordi Faul\u00ed verantwortlich zeichnet. Als Kind, erinnert sich der 66-J\u00e4hrige, spielte er im Park vor der Sagrada Fam\u00edlia und sah die T\u00fcrme heranwachsen. \u201eWir arbeiten absolut getreu nach den Pl\u00e4nen und Modellen Gaud\u00eds\u201c, versichert Faul\u00ed.<\/p>\n<p>Obgleich die Originale im Spanischen B\u00fcrgerkrieg 1936\u201339 vernichtet wurden, gab es gen\u00fcgend Beschreibungen und abfotografierte Skizzen von vorher. Gaud\u00ed, oft als \u201eArchitekt Gottes\u201c apostrophiert, plante ein Bauwerk mit 18 T\u00fcrmen.<\/p>\n<p>\u201eJedes Element des christlichen Glaubens sollte vertreten sein: der zentrale Turm Jesus Christus, der Turm Mariens, die T\u00fcrme der zw\u00f6lf Apostel und die vier T\u00fcrme der Evangelisten, ohne die wir nichts vom Leben Christi w\u00fcssten\u201c, sagt Faul\u00ed. Er w\u00fcrdigt Gaud\u00ed als vollendeten Architekten: \u201eEr bedachte alles: die Struktur, das Material, den Bau und die Menschen, deren Herzen er f\u00fcllen wollte.\u201c<\/p>\n<p>Fertig ist die Kathedrale noch lange nicht<\/p>\n<p>Regelrecht prophetisch war des Meisters Aussage, die Faul\u00ed wie folgt zitiert: \u201eEs werden Leute aus aller Welt kommen, um zu sehen, was wir hier machen.\u201c Und das wird noch einige Zeit dauern. Es fehlen vier weitere T\u00fcrme. Faul\u00ed wagt kaum Prognosen: \u201eVielleicht haben wir in zehn Jahren damit angefangen. Oder erst 2040. Die Zukunft kennt nur Gott.\u201c<\/p>\n<p>M\u00e4rchenhaft wirkt im Innern der Sagrada Fam\u00edlia der geneigte S\u00e4ulenwald. Fast unwirklich flutet das Licht durch die Buntglasfenster. \u201eEs gibt keine dunklen Winkel\u201c, sagt F\u00fchrerin Christina Hartman. <\/p>\n<p>Gaud\u00ed, 1852 in der Stadt Reus geboren, stammte aus einer Generation der Genies, die sich dem Modernisme verschrieben, der katalanischen Version des Jugendstils. Vielbesucht in Barcelona sind seine fantasiereichen Zivilbauten Casa Mil\u00e0 und Casa Batll\u00f3. Kr\u00f6nung der Casa Mil\u00e1 ist die Dachterrasse mit Ensembles aus W\u00e4chterskulpturen, die Kamine ummanteln. Ein S\u00e4ulensalon in der Casa Batll\u00f3 gilt als Sixtinische Kapelle des Modernisme.<\/p>\n<p>Architekten im Schatten Gaud\u00eds<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4re Gaud\u00ed nicht gewesen, w\u00fcrde man viel mehr von den anderen Architekten reden\u201c, reflektiert Berufskollege Faul\u00ed. Damit meint er Llu\u00eds Dom\u00e8nech i Montaner (1849-1923) und Josep Puig i Cadafalch (1867\u20131956). F\u00fcr einen Schokolade-Magnaten gestaltete Puig in Nachbarschaft der Casa Batll\u00f3 einen Stadtpalast in eine Traumwelt um: die Casa Amatller.<\/p>\n<p>Besucher f\u00fchlen sich in eine Zeitkapsel aus Salons und Extravaganzen versetzt \u2013 bis hin zur gedeckten Tafel neben dem Kamin. Glanzlichter Dom\u00e8nechs waren der Spitalkomplex Sant Pau und der Palau de la M\u00fasica Catalana, den man mit katalanischem Selbstgef\u00fchl als \u201esch\u00f6nsten Konzertsaal der Welt\u201c bezeichnet. Beide Werke z\u00e4hlen zum Welterbe. Architektonische Zeichen des dritten Jahrtausends setzen der B\u00fcrokomplex Torre Gl\u00f2ries und daneben das Designmuseum.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu Gaud\u00ed: Kann es einen Geheimtipp von ihm geben? Ja! Am Stadtrand im Bezirk Sant Gervasi versteckt sich die Torre Bellesguard, ein Juwel des Modernisme und anders als die Sagrada Fam\u00edlia: ein 1909 fertig gestelltes. Das Landhaus, \u00fcber dem ein Spitzturm aufragt, ist von einem Garten umgeben. Wochentags kommen im Schnitt 40 Besucher \u2013 im Gegensatz zu 15.000 in der Sagrada Fam\u00edlia. Rundum zwitschern V\u00f6gel, wiegen sich Zweige von Zedern im Wind, herrscht himmlische Ruhe. Fern von Baul\u00e4rm.<\/p>\n<p>Tipps und Informationen:<\/p>\n<p>Reiseziel: Barcelona, Spaniens zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt, liegt am Mittelmeer in Katalonien.<\/p>\n<p>Anreise: Von Deutschland aus gibt es zahlreiche Flugverbindungen direkt nach Barcelona.<\/p>\n<p>Eintritte: Der Zugang zur Sagrada Fam\u00edlia kostet ab 26 Euro (sagradafamilia.org\/en\/sagrada-familia-ticket) \u2013 beim Online-Ticketkauf ist Vorsicht geboten, es gibt Websites privater Anbieter, die Tickets zu deutlich teureren Preisen verkaufen. Einzeln kosten Casa Mil\u00e0 (lapedrera.com\/de) und Casa Batll\u00f3 je ab 25 Euro Eintritt (casabatllo.es\/de).<\/p>\n<p>Auskunft: barcelonaturisme.com<\/p>\n<p>dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Barcelona ist 2026 \u201eWelthauptstadt der Architektur\u201c. 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