{"id":31545,"date":"2026-03-06T04:09:14","date_gmt":"2026-03-06T04:09:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/31545\/"},"modified":"2026-03-06T04:09:14","modified_gmt":"2026-03-06T04:09:14","slug":"hisbollah-das-falsche-pferd-im-libanon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/31545\/","title":{"rendered":"Hisbollah: Das falsche Pferd im Libanon"},"content":{"rendered":"<p>Jahrzehntelang war die Hisbollah die schlagkr\u00e4ftigste Terrormiliz im Nahen Osten, bis an die Z\u00e4hne bewaffnet, finanziert und politisch gest\u00fctzt vom Regime in Teheran. Doch nach Jahren der Kriege und Niederlagen wirkt die schiitische Organisation heute wie ein Schatten ihrer selbst. W\u00e4hrend Israel und die USA gegen den Iran Krieg f\u00fchren, versucht die Hisbollah zunehmend, ihre Rolle neu zu definieren \u2013 und sich zumindest rhetorisch von ihrem wichtigsten Geldgeber zu distanzieren.<\/p>\n<p>Diese neue Linie zeigte sich deutlich in einer Fernsehansprache von Hisbollah-Chef Naim Qassem. Die Raketenangriffe auf Israel seien eine Reaktion auf angebliche israelische Verletzungen der Waffenruhe, erkl\u00e4rte er. Vor allem aber betonte Qassem, die Angriffe st\u00fcnden \u00bbin keinem Zusammenhang mit irgendeiner anderen Schlacht\u00ab \u2013 eine bemerkenswerte Formulierung inmitten des eskalierenden Konflikts zwischen Israel, den USA und dem Iran.<\/p>\n<p>Mit dieser Botschaft versucht die Organisation offensichtlich, sich von dem regionalen Krieg ihres wichtigsten Verb\u00fcndeten zu distanzieren. Die Hisbollah entstand in den 1980er-Jahren mit iranischer Unterst\u00fctzung, wurde von den Revolutionsgarden ausgebildet und entwickelte sich zum zentralen Instrument der iranisch-imperialistischen Bestrebungen im \u00f6stlichen Mittelmeer.<\/p>\n<p>Die Terrormiliz wurde von den Revolutionsgarden ausgebildet<\/p>\n<p>Shmuel Bar, einst hochrangiger israelischer Geheimdienstmitarbeiter, ist heute Sicherheitsforscher und Mitglied der Organisation \u00bbCommanders for Israel\u2019s Security\u00ab. Aus seiner Sicht l\u00e4sst sich der Einfluss Teherans auf die Miliz kaum \u00fcbersch\u00e4tzen. \u00bbMan kann den Iran nicht vom Libanon trennen, denn die Hisbollah ist komplett unter der Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden\u00ab, erkl\u00e4rt er. Lange Zeit sei sie das wichtigste Instrument der regionalen Strategie Teherans gewesen. \u00bbDie Hisbollah war das Kronjuwel der Teheraner Proxystellungen.\u00ab<\/p>\n<p>Andere Verb\u00fcndete des Iran, Milizen im Irak und in Syrien sowie die Huthi im Jemen und die Hamas im Gazastreifen, seien heute derzeit deutlich eingeschr\u00e4nkter handlungsf\u00e4hig. Deshalb habe Teheran in der Vergangenheit besonders auf die Hisbollah gesetzt. Gleichzeitig sei Israel sich dieser Lage bewusst gewesen, sagt Bar. Jerusalem habe deshalb entschieden, einen Pr\u00e4ventivschlag gegen die Organisation zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Israel wolle jedoch nicht erneut tief in den Libanon eindringen, sondern die Hisbollah vor allem so weit schw\u00e4chen, dass die libanesische Armee und Regierung die Kontrolle \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. \u00bbDas ist die Schl\u00fcsselstrategie Israels derzeit\u00ab, interpretiert Bar. \u00bbDenn es ist eine goldene M\u00f6glichkeit, den Wiederaufbau der Hisbollah zu stoppen.\u00ab<\/p>\n<p>Sicherheitsforscher Shmuel Bar: \u00bbEs ist eine goldene M\u00f6glichkeit, den Wiederaufbau der Hisbollah zu stoppen.\u00ab<\/p>\n<p>Zugleich habe Israel verhindern wollen, dass die Miliz erneut, wie nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023, den Norden des Landes unter Dauerbeschuss nimmt. \u00bbMan will auf keinen Fall wieder evakuieren. Das w\u00e4re ein wirklich falsches Symbol\u00ab, sagt Bar. \u00bbStattdessen will Israel dem Libanon ein f\u00fcr alle Mal klarmachen, dass sie mit der Hisbollah auf das falsche Pferd setzen.\u00ab<\/p>\n<p>Die Kriege der vergangenen Jahre haben die milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten der Miliz stark geschw\u00e4cht. Israelische Operationen zerst\u00f6rten gro\u00dfe Teile ihrer Infrastruktur im S\u00fcden des Libanon und dezimierten ihre F\u00fchrung. Auch der langj\u00e4hrige Generalsekret\u00e4r Hassan Nasrallah wurde im Verlauf des Konflikts get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Hinzu kommt wachsender politischer Druck im eigenen Land. Nach neuen Raketenangriffen auf Israel erkl\u00e4rte die libanesische Regierung Anfang der Woche, milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten der Hisbollah seien nicht mehr akzeptabel. Ministerpr\u00e4sident Nawaf Salam betonte, die Entscheidung \u00fcber Krieg und Frieden liege ausschlie\u00dflich beim Staat und verbot T\u00e4tigkeiten der Miliz. Gleichzeitig gibt es Berichte, dass Sicherheitskr\u00e4fte mutma\u00dfliche Hisbollah-K\u00e4mpfer festnehmen und Waffen beschlagnahmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Terrorgruppe ist das eine dramatische Entwicklung. Jahrzehntelang war sie faktisch ein Staat im Staat \u2013 mit eigener Armee, eigenem Raketenarsenal und gro\u00dfem Einfluss auf die Politik. Nun versucht Beirut erstmals ernsthaft, dieses Machtmonopol anzutasten.<\/p>\n<p>Stimmen im Libanon danken Israel<\/p>\n<p>Auch innerhalb der libanesischen Gesellschaft w\u00e4chst der Widerstand. Viele Menschen werfen der Hisbollah vor, das Land immer wieder in Konflikte hineinzuziehen, die vor allem iranischen Interessen dienen. Selbst fr\u00fchere Unterst\u00fctzer \u00e4u\u00dfern zunehmend Frustration dar\u00fcber, dass der Libanon f\u00fcr regionale Machtspiele geopfert werde. Es gibt sogar Stimmen im Land, die Israel daf\u00fcr danken, das Ende der Hisbollah eingel\u00e4utet zu haben.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund k\u00f6nnte Qassems Botschaft auch als politisches Signal nach innen verstanden werden. Indem er betont, der Konflikt mit Israel sei unabh\u00e4ngig vom Krieg gegen den Iran, versucht er offenbar zu zeigen, dass die Hisbollah nicht mehr automatisch im Namen Teherans handelt. Wie glaubw\u00fcrdig diese Distanzierung ist, bleibt jedoch offen. Zwar bleibt die Organisation finanziell und milit\u00e4risch stark vom Iran abh\u00e4ngig \u2013 doch Teheran hat derzeit andere Probleme, als gro\u00dfe Ressourcen in seine Stellvertreter zu investieren.<\/p>\n<p>Auch die F\u00fchrung in Beirut steht unter enormem Druck: wirtschaftliche Krise, politische Instabilit\u00e4t und die Angst vor einem weiteren verheerenden Krieg mit Israel. In dieser Situation versuchen staatliche Institutionen erstmals ernsthaft, die Kontrolle \u00fcber bewaffnete Gruppen zur\u00fcckzugewinnen.<\/p>\n<p>So entsteht ein paradoxes Bild: Eine Bewegung, die einst als Speerspitze der iranischen \u00bbAchse des Widerstands\u00ab galt, versucht nun, ihre Rolle neu zu definieren \u2013 nicht mehr als regionaler Stellvertreter im Namen Teherans, sondern als angebliche nationale Verteidigungskraft des Libanon. Ob diese Neujustierung im eigenen Land gelingt, ist schwer vorherzusagen. Klar ist jedoch: Die Hisbollah befindet sich in einer Phase tiefgreifender Schw\u00e4che \u2013 milit\u00e4risch, politisch und gesellschaftlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jahrzehntelang war die Hisbollah die schlagkr\u00e4ftigste Terrormiliz im Nahen Osten, bis an die Z\u00e4hne bewaffnet, finanziert und politisch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":31546,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[699,700,541,696,702,698,177,42,175,701,40,49,697,48,47],"class_list":{"0":"post-31545","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-berichte","9":"tag-blogs","10":"tag-israel","11":"tag-juedische-allgemeine","12":"tag-juedisches-leben","13":"tag-kommentare","14":"tag-kultur","15":"tag-nachrichten","16":"tag-politik","17":"tag-religion","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-welt","20":"tag-wochenzeitung","21":"tag-world","22":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116180264930887989","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31545","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31545"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31545\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31546"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31545"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31545"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31545"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}