{"id":33868,"date":"2026-03-07T20:53:11","date_gmt":"2026-03-07T20:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/33868\/"},"modified":"2026-03-07T20:53:11","modified_gmt":"2026-03-07T20:53:11","slug":"schweiz-stimmt-ueber-rundfunkbeitrag-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/33868\/","title":{"rendered":"Schweiz stimmt \u00fcber Rundfunkbeitrag ab\u00a0"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. Mai stimmen die Schweizer \u00fcber den Rundfunkbeitrag ab. Eine Initiative rechtskonservativer Kr\u00e4fte fordert eine Senkung von aktuell 335 auf 200 Schweizer Franken pro Jahr.\u00a0Die Bef\u00fcrworter argumentieren, dass der Betrag zu hoch sei und der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk viele Menschen gar nicht erreiche. Die Gegner der Initiative bef\u00fcrchten, dass eine zu niedrige Rundfunkgeb\u00fchr die Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft\u00a0(SRG)\u00a0gef\u00e4hrde, weil ihr Programmauftrag\u00a0dann\u00a0kaum noch zu erf\u00fcllen sei.\u00a0<\/p>\n<p>Auch in Deutschland und anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern wird seit Jahren \u00fcber den Rundfunkbeitrag gestritten. Warum steht der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk unter Druck?<\/p>\n<p>Laut den Bef\u00fcrwortern soll die Senkung des Rundfunkbeitrags Haushalte und Unternehmen entlasten, zu einer ausgewogeneren Berichterstattung f\u00fchren und den privaten Medien mehr wirtschaftliche M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen. S\u00e4mtliche Onlineangebote des \u00f6ffentlich-rechtlichen Schweizer Rundfunks\u00a0w\u00fcrden\u00a0zudem nicht mehr mit \u00f6ffentlichen Geldern finanziert, wenn die Abstimmung erfolgreich ist.\u00a0<\/p>\n<p>Bis 2029 sollen die Rundfunkgeb\u00fchren ohnehin auf 300 Franken pro Jahr sinken. Das hat der Bundesrat bereits beschlossen. Dass die Schweiz ihre Rundfunkgeb\u00fchren immer wieder senkt, ist seit fast zehn Jahren g\u00e4ngige Praxis.<\/p>\n<p>Aktuell produziert die\u00a0Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG)\u00a0Radio-, TV- und Onlineinhalte in den vier Landessprachen Deutsch, Franz\u00f6sisch, Italienisch und R\u00e4toromanisch.\u00a0Zudem unterh\u00e4lt sie Regionalb\u00fcros in den Kantonen. Schrumpft der Etat, st\u00fcnden zahlreiche Angebote auf der Kippe, warnen die Gegner drastischer Einschnitte bei den Geb\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte\u00a0auch\u00a0negative Auswirkungen auf die Demokratie haben. Studien belegen, dass L\u00e4nder mit einem starken \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk resilienter gegen Desinformation und Propaganda sind. Dar\u00fcber hinaus schenken die Menschen den demokratischen Institutionen mehr Vertrauen.<\/p>\n<p>Zudem gibt es Untersuchungen, dass private Medienanbieter nicht davon profitieren, wenn der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk sein Programm k\u00fcrzt. Verschiedene Medienangebote verdr\u00e4ngen einander nicht, sondern werden erg\u00e4nzend konsumiert.<\/p>\n<p>Die Volksabstimmung in der Schweiz geht zur\u00fcck auf eine Initiative der rechtspopulistischen SVP. Teile der liberalen FDP unterst\u00fctzen sie ebenfalls. Auch in anderen L\u00e4ndern Europas wird der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk von rechtspopulistischen Akteuren angegriffen. Die AfD fordert seit Jahren eine Reform in Deutschland\u00a0und will die Rundfunkgeb\u00fchren komplett abschaffen.<\/p>\n<p>Rechtspopulistische Parteien st\u00fcnden \u201eallen traditionellen Medien kritisch gegen\u00fcber\u201c, sagte der Kommunikationswissenschaftler und Medienforscher Manuel\u00a0Puppis\u00a0der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c:\u00a0\u201eSie hadern auch mit dem Auftrag dieses Rundfunks, die Gesellschaft in ihrer Vielfalt zu repr\u00e4sentieren und allen Stimmen Platz zu geben.\u201c<\/p>\n<p>Ein gel\u00e4ufiger Vorwurf gegen den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk in der Schweiz, in Deutschland und anderen L\u00e4ndern ist, dass die Berichterstattung zu einseitig und die Journalisten zu links seien. Eine Studie des Forschungszentrums \u00d6ffentlichkeit und Gesellschaft der Universit\u00e4t Z\u00fcrich\u00a0widerspricht\u00a0zumindest beim Schweizer Rundfunk: Die Berichterstattung der SRG ist demnach weder links noch rechts, sondern in der Mitte zu verorten, so das Ergebnis.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland genie\u00dft\u00a0einerseits\u00a0eine hohe Glaubw\u00fcrdigkeit, steht aber\u00a0andererseits\u00a0dennoch seit Jahren in der Kritik. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer unterstellte ihm\u00a0im Oktober 2025 \u201eein Akzeptanzproblem, weil er politisch links geneigt\u201c wirke,\u00a0und kritisierte \u201eZwangsbeitr\u00e4ge\u201c. Der Deutsche Journalisten-Verband widersprach vehement und bezeichnete Weimers Aussagen als \u201efaktenfreie Vorurteile\u201c und \u201everantwortungslos\u201c. Er \u00fcbernehme rechtspopulistische Narrative.\u00a0<\/p>\n<p>Der AfD ist der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk schon lange ein Dorn im Auge. Sie will den Rundfunkbeitrag abschaffen und den Rundfunk zu einem \u201eBezahlfernsehen\u201c umbauen, wie es im Grundsatzprogramm der Partei hei\u00dft.<\/p>\n<p>Da der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk alle Menschen erreichen will, f\u00fchre das dazu, dass jede Gruppe das Gef\u00fchl habe, zu kurz zu kommen, sagt der Publizist Roger de Weck: \u201eEs ist fast schon strukturell so, dass ein \u00f6ffentliches Medienhaus alle ein bisschen unzufrieden stellt.\u201c<\/p>\n<p>\u00d6ffentlich-rechtlicher Journalismus m\u00fcsse ausgewogen und den Werten der Aufkl\u00e4rung verpflichtet sein,\u00a0betont de Weck. \u201eDas hei\u00dft, nicht einfach jede leere unfundierte, provokative und bewusst letztlich verletzende Meinung verdient es, einfach abgebildet zu werden.\u201c\u00a0<\/p>\n<p>In \u00d6sterreich hat die rechtpopulistische FP\u00d6 einen eigenen Radiosender etabliert und &#171;FP\u00d6 TV&#187; sendet auf Youtube. Ziel ist es, den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk bedeutungslos zu machen. So gibt FP\u00d6-Chef Herbert Kickl dem ORF beispielsweise keine gr\u00f6\u00dferen\u00a0Interviews mehr. Die Partei will den Rundfunkbeitrag abschaffen und fordert einen sogenannten \u201eGrundfunk\u201c, finanziert aus dem Staatshaushalt.\u00a0<\/p>\n<p>In Frankreich wurden die Rundfunkgeb\u00fchren 2022 gestrichen. Seitdem wird der \u00d6RR aus Steuergeldern finanziert. Das ist problematisch, weil es die Sender empfindlicher macht f\u00fcr staatlichen Einfluss. Frankreichs rechtspopulistische Partei, der\u00a0Rassemblement\u00a0National, bek\u00e4mpft den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk seit Jahren und will ihn privatisieren.<\/p>\n<p>In Ungarn hat Premier Viktor Orb\u00e1n den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk zu einem Propagandaorgan der Regierungspartei geformt. Die Journalisten verpflichten sich laut Mediengesetz zur \u201eausgewogenen Berichterstattung\u201c und zur \u201eSt\u00e4rkung der nationalen Identit\u00e4t\u201c.\u00a0<\/p>\n<p>Der Rundfunk in Tschechien ist der\u00a0zweit\u00e4lteste\u00a0in\u00a0Europa. \u00c4lter ist nur die BBC. Im Ranking der Pressefreiheit liegt das Land auf Platz\u00a0zehn, und damit unter anderem vor Deutschland, Luxemburg, Belgien, Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich, Spanien und Frankreich. Doch Premier Andrej\u00a0Babis\u00a0will die Rundfunkgeb\u00fchren abschaffen. Ab 2027 soll der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk aus Steuergeldern finanziert werden. In welcher H\u00f6he,\u00a0ist v\u00f6llig offen. Kritiker werfen\u00a0Babis\u00a0vor, er wolle einen Staatsfunk errichten.\u00a0<\/p>\n<p>Online-Text: Kristina Reymann-Schneider \/ Quellen: Dlf, Agenturen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 8. Mai stimmen die Schweizer \u00fcber den Rundfunkbeitrag ab. 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