{"id":34738,"date":"2026-03-08T13:25:14","date_gmt":"2026-03-08T13:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/34738\/"},"modified":"2026-03-08T13:25:14","modified_gmt":"2026-03-08T13:25:14","slug":"proton-nutzeridentifizierung-durchs-fbi-bringt-schweizer-datenschutz-ins-wanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/34738\/","title":{"rendered":"Proton: Nutzeridentifizierung durchs FBI bringt Schweizer Datenschutz ins Wanken"},"content":{"rendered":"<p>    close notice<\/p>\n<p class=\"notice-banner__text a-u-mb-0\">\n      This article is also available in<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/en\/news\/Proton-FBI-user-identification-shakes-Swiss-data-protection-11203086.html\" class=\"notice-banner__link a-u-inline-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">English<\/a>.<\/p>\n<p>      It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.\n    <\/p>\n<p class=\"notice-banner__link a-u-mb-0\">\n    Don\u2019t show this again.\n<\/p>\n<p>Der verschl\u00fcsselte E-Mail-Dienst Proton aus der Schweiz steht erneut im Zentrum einer Debatte \u00fcber Anonymit\u00e4t und staatliche Zugriffe. Dem FBI sei es gelungen, die Identit\u00e4t einer Person hinter einem vermeintlich anonymen Konto aufzudecken, berichtet 404 Media. Betroffen ist demnach ein Account der Protestbewegung \u201eStop Cop City\u201c, die auch als \u201eDefend the Atlanta Forest\u201c bekannt ist. Die Aktivisten nutzten die Adresse als offiziellen Kontakt f\u00fcr ihren Blog und soziale Medien.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Proton wirbt offensiv mit Privatsph\u00e4re und dem Standort Schweiz. Doch der Fall illustriert, welche Realit\u00e4ten der internationalen Strafverfolgung dem entgegenstehen. Der Fluss der Daten f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.404media.co\/proton-mail-helped-fbi-unmask-anonymous-stop-cop-city-protestor\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">laut dem Bericht<\/a> \u00fcber den offiziellen Dienstweg der internationalen Rechtshilfe. Die US-Beh\u00f6rden stellten ein Ersuchen an die Schweiz, basierend auf einem <a href=\"https:\/\/www.rhf.admin.ch\/rhf\/de\/home\/strafrecht\/rechtsgrundlagen\/bilateral\/sr-0-351-933-6.html\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Staatsvertrag zur Rechtshilfe in Strafsachen von 1973<\/a>. Da es sich bei dem fraglichen Konto um einen kostenpflichtigen Account handelte, konnte und musste Proton auf richterliche Anordnung hin Zahlungsdaten herausgeben.<\/p>\n<p>Diese Informationen, die bei der Nutzung von Kreditkarten zwangsl\u00e4ufig anfallen, erm\u00f6glichten es dem FBI schlie\u00dflich, den Inhaber des Kontos zu identifizieren. Proton-Kommunikationschef Edward Shone betont nun, die Firma habe keine Daten direkt an das FBI \u00fcbermittelt. Sie habe lediglich auf rechtsverbindliche Anordnungen der Schweizer Justiz reagiert. F\u00fcr die betroffene Person macht diese juristische Nuance in der Konsequenz freilich keinen Unterschied.<\/p>\n<p>Der lange Arm der Rechtshilfe<\/p>\n<p>Proton rechtfertigt die Kooperation etwa mit dem Verweis auf schwere Straftaten wie den Beschuss eines Polizeibeamten und den Einsatz von Sprengvorrichtungen. Recherchen des Guardian <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/us-news\/2025\/jan\/28\/georgia-cop-city-killing\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">ziehen diese Darstellung indes in Zweifel<\/a>. In der eidesstattlichen Erkl\u00e4rung zum Durchsuchungsbefehl des FBI finde sich kein Hinweis auf eine Schie\u00dferei. Bekannt ist lediglich ein Vorfall aus dem Januar 2023. Dabei erschoss die Polizei den Aktivisten Manuel Paez Ter\u00e1n, nachdem dieser zuvor einen Beamten verletzt haben sollte. Die Diskrepanz zwischen der Begr\u00fcndung f\u00fcr die Datenherausgabe und den Ermittlungsakten sorgt f\u00fcr zus\u00e4tzliche Kritik an der Transparenz des Anbieters.<\/p>\n<p>Ein Blick in den <a href=\"https:\/\/steigerlegal.ch\/2025\/07\/28\/proton-transparenzbericht-2024\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Transparenzbericht von Proton verdeutlicht<\/a>, dass solche Vorg\u00e4nge keine Einzelf\u00e4lle sind. 2024 gab das Unternehmen in \u00fcber 10.000 F\u00e4llen Nutzerdaten an Beh\u00f6rden weiter. Nur in weniger als sechs Prozent dieser F\u00e4lle wehrte sich der Dienst rechtlich gegen die Anordnungen.<\/p>\n<p>In der eigenen Datenschutzerkl\u00e4rung weist Proton darauf hin, dass bei Kreditkartenzahlungen Drittanbieter wie der US-Dienst Chargebee zum Einsatz kommen. Wer solche Spuren hinterl\u00e4sst, kann folglich nicht auf die versprochene Anonymit\u00e4t bauen, sofern etwa ein Strafverfolgungsinteresse besteht. US-Provider versuchen oft, ihre Nutzer \u00fcber solche Anfragen zu informieren. Die Schweizer Rechtslage sieht dagegen vor, dass eine solche Benachrichtigung durch die Beh\u00f6rden selbst erfolgen muss. Das unterbleibt in der Praxis im Rahmen laufender Ermittlungen oft. Der <a href=\"https:\/\/steigerlegal.ch\/2026\/03\/06\/proton-mail-nutzerdaten-fbi-usa\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Rechtsanwalt Martin Steiger erl\u00e4utert<\/a>: In der Schweiz sei \u201edie Kooperation mit Beh\u00f6rden der Normalfall\u201c.<\/p>\n<p>Strategiewechsel und Grenzen der Anonymit\u00e4t<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die strategische Ausrichtung von Proton scheint sich ohnehin zu wandeln. Nach dem Bekanntwerden von Pl\u00e4nen f\u00fcr eine Novelle der Schweizer \u00dcberwachungsverordnung k\u00fcndigte die Firma im vorigen Sommer an, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Ueberwachung-Proton-verlagert-Teile-seiner-Infrastruktur-aus-der-Schweiz-10538647.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">verst\u00e4rkt in Infrastrukturen im europ\u00e4ischen Ausland zu investieren<\/a>. Sein Rechenzentrum am Hauptsitz in Genf hat das Unternehmen bereits dichtgemacht. F\u00fcr Nutzer bleibt die Erkenntnis, dass Verschl\u00fcsselung zwar den Inhalt der Kommunikation sch\u00fctzt. Die Identit\u00e4t des Absenders ist bei kostenpflichtigen Diensten und internationaler Beh\u00f6rdenkooperation aber weit weniger sicher, als es das Marketing verspricht.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:nen@heise.de\" title=\"Niklas Jan Engelking\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nen<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"close notice This article is also available in English. 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