{"id":3515,"date":"2026-02-13T21:25:15","date_gmt":"2026-02-13T21:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/3515\/"},"modified":"2026-02-13T21:25:15","modified_gmt":"2026-02-13T21:25:15","slug":"review-charli-xcx-wuthering-heights","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/3515\/","title":{"rendered":"Review: Charli xcx &#8211; WUTHERING HEIGHTS"},"content":{"rendered":"<p>Diejenigen, die sich bereits zum Filmstart von Emerald Fennells \u201eWuthering Heights\u201c am 12.2. ins Kino begeben haben, werden es gemerkt haben: Der mit Spannung erwartete \u201eSoundtrack\u201c zum Streifen der britischen K\u00fcnstlerin Charli xcx findet hier irgendwie nicht statt. Erst ab Minute 50 n\u00e4mlich taucht deren Stimme auf. Die Regisseurin hatte sie eigentlich nur um einen Song f\u00fcr den Film gebeten, xcx f\u00fchlte sich dann aber nach eigener Angabe so inspiriert, dass sie ein Konzeptalbum \u201everbunden mit der Welt, die im Film kreiert wird\u201c aufnahm. So die Erz\u00e4hlung beider.<\/p>\n<p>Fennell, die sich schon in ihrem Film \u201eSaltburn\u201c um das Thema Vernichtung gek\u00fcmmert hatte, bespielt hier die Schullekt\u00fcre fast aller Jugendlichen in Great Britain mit sexuellem Interesse und Fachwissen \u2013 was die Autorin des Klassikers, Emily Bront\u00eb, selbst nicht getan haben kann, weil sie unbefleckt und ahnungslos an Tuberkolose starb, noch bevor sich bei ihr in dieser Richtung etwas h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. It was all a fantasy. Die Liebesgeschichte, die sie erz\u00e4hlt, ist ohnehin blo\u00df reines Mittel zum Zweck, denn auch Bront\u00ebs Themen sind Klasse, Ausgrenzung, Scham und Rache. So schlie\u00dft sich der Kreis.<\/p>\n<p>Die d\u00fcsteren Welten der englischen Hochmoore, der Wind, die K\u00e4lte, die zugigen Landsitze bilden den idealen Hintergrund f\u00fcr das, was wir \u201eGothic\u201c nennen. Dieses Genre, gerne auch in den 80ern musikalisch und modisch aufgegriffen, scheint auf den ersten Blick so gar nicht zur Hyperpop-Queen Charli xcx zu passen, aber sie belehrt uns mit diesem Album eines Besseren. Es ist ganz hervorragend, weil es eine eigenst\u00e4ndige Geschichte erz\u00e4hlt. Eine Geschichte von Liebe, Hass, Schmerz und Todessehnsucht.<\/p>\n<p>Irritation und Dissonanz<\/p>\n<p>Genau wie die ehemalige Kooperationspartnerin von Charli xcx, die leider viel zu fr\u00fch verstorbene Produzentin SOPHIE, befasst sich xcx auf diesem Album mit Leerstellen. Die einzelnen Tracks haben etwas Skeletthaftes an sich; tragende S\u00e4ulen sind jeweils fl\u00e4chig und rhythmisch eingesetzte Streichersequenzen, die wie drohende H\u00fcgel im Nebel ihre Soundlandschaften dominieren. Der gro\u00dfartige Filmkomponist Gareth Murphy hat diese Arrangements f\u00fcr sie geschaffen. Ganze 16 Cellist:innen, Violinist:innen etc. spielten diese musikalische Basis ein, u. a. \u00fcbrigens an der Bratsche: <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/artists\/laurie-anderson\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Laurie Anderson<\/a>.<\/p>\n<p>Den fehlenden Beat muss man sich einfach immer selbst dazu denken, und das passiert im Grunde automatisch. Die zw\u00f6lf St\u00fccke leben davon; man kann sie als Skizzen lesen, muss das aber nicht, denn eigentlich fehlt nichts. Wir haben es hier trotzdem mit Pop zu tun. In \u201eWall of Sound\u201c hei\u00dft es z. B.: \u201eLove and hatred \u2013 I can\u2019t escape it\u201c, was nat\u00fcrlich auch die inhaltliche Essenz eines popul\u00e4ren Dance-Tracks sein k\u00f6nnte. Nur dass all das Gekl\u00f6tere, all die Synthesizerspielereien, das Bandhafte hier nicht vorkommen. Alles ist stripped to the bone, wenn man so will.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>\u201eSeeing Things\u201c kommt lustigerweise geradezu taylorswiftig daher, obwohl deren ber\u00fcchtigte \u201eBridge\u201c fehlt, und \u201eWall of Sound\u201c w\u00e4re ein klassisches Hyperpopst\u00fcck, h\u00e4tte xcx nicht alle Hysterie weggelassen. \u201eAlways Everywhere\u201c erz\u00e4hlt von Entgrenzung, indem es mutig Soundbl\u00fcten aufgehen und sich wieder schlie\u00dfen l\u00e4sst. Hier nimmt sich nichts zur\u00fcck. \u201eFunny Mouth\u201c \u00fcberrascht mit Gewehrsalven, \u201eOpen Up\u201c bietet flehenden Schmerzensgesang, der an die Grenze des allzu Theatralischen heranreicht, sie aber nicht \u00fcberschreitet, und \u201eEyes of the World\u201c, das die tolle Sky Ferreira featured, k\u00f6nnte, wenn konventionell produziert, eine klassische Hymne sein, die von einer Pop-Diva dargeboten wird.<\/p>\n<p>\u201eMy Reminder\u201c wird lustigerweise von einem durchgehenden Bummtschak getragen, was total gut funktioniert: \u201eLass mal ausprobieren, oh, das ist toll, das lassen wir so.\u201c Und dann \u201eDying for You\u201c \u2026Der einzige wirkliche Durchdreh-Hit auf dem Album. \u201eI\u2019m losing gallons of blood, the rivers turn into red\u201c, wird hier behauptet, und man glaubt es. In \u201eAltars\u201c wird <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/artists\/aimee-mann\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Aimee Mann<\/a> widersprochen, wenn gesagt wird: \u201e1 is NOT the loneliest number\u201c. Verweise, Zitate.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/me-badge-recommendation.png\" alt=\"Musikexpress Badge\"\/><\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>Rau und sinnlich<\/p>\n<p>In dem schon vor Wochen vorab ver\u00f6ffentlichten Track \u201eHouse\u201c arbeitet Charli xcx mit Velvet Undergrounds <a href=\"https:\/\/www.musikexpress.de\/artists\/john-cale\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">John Cale<\/a> zusammen, der einst sagte: \u201eMusik muss elegant und brutal sein\u201c. Eine nur auf den ersten Blick verwirrende Kombination, denn beide beschw\u00f6ren hier die Kraft der Literatur herauf, verbei\u00dfen sich in den Stoff, nur dass sie von unterschiedlichen Startrampen abspringen.<\/p>\n<p>Es ist ein \u00dcberw\u00e4ltigungsst\u00fcck, das mit einem von Cale geschriebenen und selbst gesprochenen Gedicht beginnt, bevor wahre Soundgewitter xcx dabei begleiten, wie sie \u201eI think I\u2019m gonna die in this house\u201c herausbr\u00fcllt. \u201eHouse\u201c ist das Kernst\u00fcck des Albums; es markiert einen neuen Weg, den xcx vermutlich einzuschlagen gedenkt, denn sie wird sich in Zukunft sicher nicht nur mit ihrer Rolle als reine Musikerin zufriedengeben. Diverse bereits angeschobene Projekte lassen darauf schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>\u201eWuthering Heights\u201c ist w\u00e4hrend der \u201eBrat-Tour\u201c 2025 entstanden. Man kann mutma\u00dfen, dass die Sehnsucht nach Salz und Pfeffer im k\u00fcnstlerischen Ausdruck irgendwann an die T\u00fcr klopfte, w\u00e4hrend Nacht f\u00fcr Nacht \u201esugarcoated\u201c Hyperpop zum Vortrag gebracht werden musste. Das entlastende, gegensteuernde Moment wird auf diesem Album h\u00f6r- und sichtbar. Es \u00fcberrascht in seiner Stringenz und Fremdheit, und wer etwas \u00fcber Leidenschaft und Selbstaufgabe erfahren will, wird in jedem der zw\u00f6lf St\u00fccke f\u00fcndig.<\/p>\n<p>Diese Review erscheint im Musikexpress 04\/2025.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Diejenigen, die sich bereits zum Filmstart von Emerald Fennells \u201eWuthering Heights\u201c am 12.2. ins Kino begeben haben, werden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3516,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[1892,46,1451,68,1891,1893,85,86,429,1390,45,1888,1889,44,1894,1890,69,1450],"class_list":{"0":"post-3515","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-aimee-mann","9":"tag-ch","10":"tag-charli-xcx","11":"tag-entertainment","12":"tag-john-cale","13":"tag-laurie-anderson","14":"tag-music","15":"tag-musik","16":"tag-pop","17":"tag-review","18":"tag-schweiz","19":"tag-sky-ferreira","20":"tag-sophie","21":"tag-switzerland","22":"tag-taylor-swift","23":"tag-the-velvet-underground","24":"tag-unterhaltung","25":"tag-wuthering-heights"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3515","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3515"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3515\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3516"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3515"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3515"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3515"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}