{"id":40070,"date":"2026-03-12T09:25:03","date_gmt":"2026-03-12T09:25:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/40070\/"},"modified":"2026-03-12T09:25:03","modified_gmt":"2026-03-12T09:25:03","slug":"atopische-entzuendungen-steigern-risiko-und-progression-von-arthrose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/40070\/","title":{"rendered":"Atopische Entz\u00fcndungen steigern Risiko und Progression von Arthrose"},"content":{"rendered":"<p>Paris \u2013 Welcher Zusammenhang besteht zwischen Asthma und Arthrose? Lange Zeit spielte diese Frage in Forschung und Klinik kaum eine Rolle, denn beide Erkrankungen galten als weitgehend unabh\u00e4ngig voneinander. Inzwischen gibt es jedoch Hinweise, dass zwischen chronischen Atemwegserkrankungen und degenerativen Gelenkver\u00e4nderungen eine engere Verbindung bestehen k\u00f6nnte als bislang angenommen.\u00a0<\/p>\n<p>Neue wissenschaftliche Arbeiten, die Mitte Dezember 2025 auf dem 38. Franz\u00f6sischen Rheumatologiekongress pr\u00e4sentiert worden sind, deuten darauf hin, dass insbesondere atopische Erkrankungen wie Asthma nicht nur das Risiko f\u00fcr eine Arthrose erh\u00f6hen, sondern m\u00f6glicherweise auch deren Entstehung und Verlauf ma\u00dfgeblich beeinflussen.<\/p>\n<p>Atopische Entz\u00fcndung als m\u00f6glicher Treiber der Arthrose<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2023 lieferte eine gro\u00dfe retrospektive US-amerikanische Studie erste Hinweise darauf, dass atopische Erkrankungen das Risiko f\u00fcr die Entwicklung einer Arthrose deutlich erh\u00f6hen. Insgesamt war das Arthrose-Risiko bei Patienten mit atopischen Erkrankungen um den Faktor 1,58 h\u00f6her als bei Kontrollen. Besonders deutlich war die Assoziation bei Patienten, die sowohl an Asthma als auch an atopischer Dermatitis litten: In dieser Gruppe war das Risiko sogar mehr als doppelt so hoch. Es lag beim 2,15-Fachen im Vergleich zur Allgemeinbev\u00f6lkerung [1].<\/p>\n<p>Diese epidemiologischen Beobachtungen passen zum wachsenden biologischen Verst\u00e4ndnis der Krankheitsmechanismen. Bereits fr\u00fchere experimentelle und histologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Mastzellen \u2013 Zellen des atopischen Entz\u00fcndungsprozesses \u2013 in arthrotisch ver\u00e4nderten Gelenken nachweisbar sind [2].\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDiese Zellen sind vermutlich eher selten, aber sie sind hochaktiv\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Augustin Latourte vom H\u00f4pital Lariboisi\u00e8re in Paris. Mastzellen setzen eine Reihe von Botenstoffen und Enzymen frei, darunter Tryptase. Sie tragen vermutlich zur Zerst\u00f6rung des Gelenkknorpels und zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Arthroseschmerzen bei. Damit r\u00fcckt der atopische Entz\u00fcndungsprozess als m\u00f6glicher Mitverursacher struktureller Gelenksch\u00e4den ins Zentrum der Arthrose-Forschung.<\/p>\n<p>ATOPOA-Studie: Hinweise auf eine beschleunigte Krankheitsprogression<\/p>\n<p>Neue Daten sprechen daf\u00fcr, dass der Zusammenhang zwischen atopischen Erkrankungen und Arthrose \u00fcber ein lediglich erh\u00f6htes Erkrankungsrisiko hinausgeht und auch die Schwere sowie die Progressionsgeschwindigkeit beeinflusst. Beim Kongress hat Dr. Kimberley Dolium, Rheumatologin am H\u00f4pital Saint-Antoine in Paris, Ergebnisse der die ATOPOA-Studie vorgestellt.<\/p>\n<p>Untersucht wurden 717 Patienten mit Knie- oder H\u00fcftarthrose (Gonarthrose bzw. Coxarthrose). Die Auswertung zeigt deutliche Unterschiede: Von 66 Studienteilnehmern mit atopischer Erkrankung wiesen 42,2% eine radiologisch schwere Arthrose auf, definiert als Kellgren-Lawrence-Score Grad 4. In der Kontrollgruppe ohne Atopie lag dieser Anteil bei lediglich 24%. Nach Adjustierung f\u00fcr relevante St\u00f6rfaktoren entsprach dies einem um den Faktor 2,46 erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr eine schwere Arthrose.\u00a0<\/p>\n<p>Auch im Langzeitverlauf best\u00e4tigte sich der Zusammenhang. \u00dcber einen Beobachtungszeitraum von 7 Jahren hinweg hatten Patienten mit atopischer Erkrankung ein um den Faktor 2,02 erh\u00f6htes Risiko, eine Knie- oder H\u00fcftendoprothese zu ben\u00f6tigen. Diese Daten sprechen f\u00fcr eine beschleunigte strukturelle Progression der Arthrose bei Vorliegen einer Atopie.\u00a0<\/p>\n<p>Warum ist der Zusammenhang so lange unentdeckt geblieben?\u00a0<\/p>\n<p>Angesichts der hohen Verbreitung von Asthma und Arthrose \u00fcberrascht, dass ein m\u00f6glicher Zusammenhang zwischen beiden Erkrankungen so lange kaum Beachtung gefunden hat. Nach Einsch\u00e4tzung von Latourte liegt dies vor allem an der unterschiedlichen Altersstruktur der Patienten. W\u00e4hrend Asthma h\u00e4ufig bereits in j\u00fcngeren Lebensjahren auftritt, gilt Arthrose als Erkrankung des h\u00f6heren Alters. \u201eEs handelt sich um 2 recht unterschiedliche Populationen\u201c, erl\u00e4utert Latourte.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass Hinweise auf ein bestehendes oder fr\u00fcheres Asthma bei Patienten mit Arthrose im klinischen Alltag nicht immer systematisch erfasst werden. Gleichzeitig erw\u00e4hnen Patienten Vorerkrankungen nicht in allen F\u00e4llen. Und durch Umweltbelastungen wie die Luftverschmutzung beobachten Pneumologen zunehmend Asthmaformen mit sp\u00e4tem Krankheitsbeginn.<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung wird durch Auswertungen der franz\u00f6sischen KHOALA-Kohorte (Knee and Hip Osteoarthritis Long term Assessment) gest\u00fctzt. Auch dort fanden sich Hinweise darauf, dass Arthrose bei Patienten mit Asthma schneller fortschreiten kann.<\/p>\n<p>Atopie als eigenst\u00e4ndiger Progressionsfaktor \u2013 und als therapeutische Perspektiven<\/p>\n<p>Latourte r\u00e4t jedoch zu einer differenzierten Bewertung der Daten: \u201eEs geht nicht darum, zu sagen, dass Asthma die gesamte Arthrose erkl\u00e4rt\u201c, betont er. Vielmehr m\u00fcsse der atopische Entz\u00fcndungsprozess als eigenst\u00e4ndiger Risikofaktor f\u00fcr die Progression der Arthrose verstanden werden \u2013 vergleichbar mit der bekannten Rolle von Adipositas.\u00a0<\/p>\n<p>Dieser Vergleich ist naheliegend. Forscher untersuchen mehrere GLP-1-Rezeptoragonisten, die urspr\u00fcnglich zur Behandlung der Adipositas entwickelt worden sind, derzeit auch bei Arthrose. Die Wirkstoffe kommen systemisch bei adip\u00f6sen Arthrosepatienten, aber auch lokal in Form intraartikul\u00e4rer Injektionen bei Kniearthrose zum Einsatz [3-4]. Als Frage bleibt: K\u00f6nnten auch moderne Asthma-Therapien \u2013 insbesondere gezielt immunmodulierende Behandlungsans\u00e4tze \u2013 den Verlauf von Arthrose beeinflussen?<\/p>\n<p>Biologika aus der Asthma-Therapie als m\u00f6glicher Ansatz gegen Arthrose<\/p>\n<p>\u201eGenau diese Frage r\u00fcckt nun in den Fokus\u201c, erkl\u00e4rt Latourte. Biologika, die bei schwerem Asthma oder bei atopischer Dermatitis erfolgreich eingesetzt werden, greifen gezielt in immunologische Signalwege ein und modulieren den zugrunde liegenden Entz\u00fcndungsprozess. Ob diese Therapien auch einen sch\u00fctzenden Effekt auf Gelenkstrukturen haben, ist noch unklar.<\/p>\n<p>Derzeit werden erste Daten ausgewertet, um zu untersuchen, ob Asthma-Patienten unter einer Biologika-Therapie ein geringeres Risiko f\u00fcr die Entwicklung oder Progression einer Arthrose haben als Kontrollen. \u201eIn einem n\u00e4chsten Schritt w\u00e4ren interventionelle Studien denkbar, etwa mit Patienten, die gleichzeitig an Asthma und Arthrose leiden\u201c, so Latourte.<\/p>\n<p>Sollte sich dieser Ansatz best\u00e4tigen, k\u00f6nnte es zu einem Paradigmenwechsel in der Arthrose-Forschung kommen: weg von einer prim\u00e4r mechanischen Betrachtung der Erkrankung hin zu einem st\u00e4rker immunologisch gepr\u00e4gten Krankheitsverst\u00e4ndnis \u2013 und hin zu neuen, gezielten Therapien.<\/p>\n<p>Der Beitrag ist im Original erschienen auf <a href=\"https:\/\/www.mediquality.net\/be-fr\/topic\/article\/31662485\/asthme-et-arthrose-un-couple-qui-se-devoile\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mediquality.net<\/a>.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Paris \u2013 Welcher Zusammenhang besteht zwischen Asthma und Arthrose? 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