{"id":40096,"date":"2026-03-12T09:45:24","date_gmt":"2026-03-12T09:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/40096\/"},"modified":"2026-03-12T09:45:24","modified_gmt":"2026-03-12T09:45:24","slug":"warum-schmerzen-bei-frauen-laenger-anhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/40096\/","title":{"rendered":"Warum Schmerzen bei Frauen l\u00e4nger anhalten"},"content":{"rendered":"\n<p>Frauen leiden oft l\u00e4nger unter Schmerzen als M\u00e4nner. Eine Studie liefert nun eine biologische Erkl\u00e4rung: Demnach wird das Abklingen der Schmerzen aktiv von bestimmten Immunzellen, den sogenannten Monozyten gesteuert. Diese sch\u00fctten den Botenstoff Interleukin-10 (IL-10) aus und d\u00e4mpfen auf diese Weise die Schmerzfasern. Bei M\u00e4nnern ist der IL-10-Spiegel jedoch deutlich h\u00f6her als bei Frauen und ihre Zellen besitzen mehr Rezeptoren f\u00fcr das Anti-Schmerz-Signal. Versuche an M\u00e4usen belegen, dass das m\u00e4nnliche Geschlechtshormon Testosteron daf\u00fcr eine wichtige Rolle spielt. Die Erkenntnisse k\u00f6nnten dazu beitragen, neuartige Therapien gegen akute und chronische Schmerzen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wenn wir uns verletzen, schlagen unsere schmerzleitenden Nervenfasern Alarm: Sie senden Signale an unser Gehirn weiter, die daf\u00fcr sorgen, dass wir Schmerzen empfinden und daraufhin das betroffene K\u00f6rperteil schnell aus der Gefahrenzone bringen und w\u00e4hrend der Heilungsphase schonen. Der gleiche Mechanismus l\u00e4uft auch bei Entz\u00fcndungen ab und dient ebenfalls dazu, unseren K\u00f6rper zu sch\u00fctzen. Doch nicht immer h\u00f6rt der Schmerz auf, wenn die Entz\u00fcndung abgeklungen oder die Wunde verheilt ist. Bei vielen Menschen bleiben die Schmerzsensoren dauerhaft aktiv oder werden \u00fcberempfindlich und sorgen f\u00fcr chronische Schmerzen. Frauen sind davon wesentlich h\u00e4ufiger betroffen als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Aktiver Prozess des Immunsystems<\/p>\n<p>Ein Team um Jaewon Sim von der Michigan State University hat nun in Versuchen an M\u00e4usen eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Geschlechterunterschiede gefunden. F\u00fcr ihre Experimente l\u00f6sten die Forschenden zun\u00e4chst bei m\u00e4nnlichen und weiblichen M\u00e4usen Schmerzen aus, indem sie ihnen entweder mit einer Klinge ins Bein schnitten oder ihnen eine Substanz spritzten, die zu starken, schmerzhaften Entz\u00fcndungen f\u00fchrt. In den Tagen nach dem Eingriff zuckten die Versuchstiere beider Geschlechter bereits bei leichten Ber\u00fchrungen des verletzten oder entz\u00fcndeten Beins zur\u00fcck \u2013 ein Hinweis auf deutliche Schmerzen. Doch nach etwa einer Woche wurden die M\u00e4nnchen langsam weniger empfindlich, w\u00e4hrend die Schmerzreaktion bei den Weibchen anhielt.<\/p>\n<p>Weitere Analysen zeigten, dass die M\u00e4nnchen im betroffenen Gewebe einen deutlich h\u00f6heren Spiegel des Botenstoffs Interleukin-10 (IL-10) aufwiesen, der von einer Gruppe von wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen, den sogenannten Monozyten, ausgesch\u00fcttet wird. IL-10 wirkt nicht nur entz\u00fcndungshemmend, sondern bindet auch direkt an die Nervenfasern und signalisiert ihnen, dass es Zeit ist, den Schmerz abzuschalten. Blockierten die Forschenden die IL-10-Rezeptoren, litten auch die m\u00e4nnlichen Versuchstiere l\u00e4nger unter Schmerzen. \u201eDiese Studie zeigt, dass das Abklingen von Schmerzen kein passiver Prozess ist\u201c, sagte Sims Kollege Geoffroy Laumet. \u201eEs ist ein aktiver, immunologischer Prozess.\u201c<\/p>\n<p>Steuerung durch Testosteron<\/p>\n<p>Doch warum produzieren die Monozyten bei M\u00e4nnchen mehr IL-10 als bei Weibchen? Welchen Einfluss haben die Geschlechtshormone? Um diese Frage zu kl\u00e4ren, entfernten die Forschenden bei einigen weiblichen M\u00e4usen die Eierst\u00f6cke und spritzten ihnen das m\u00e4nnliche Geschlechtshormon Testosteron. Und tats\u00e4chlich: Bei diesen Tieren sch\u00fctteten die Monozyten mehr IL-10 aus und ihre Schmerzen klangen schneller ab. Blockierten die Forschenden dagegen bei m\u00e4nnlichen M\u00e4usen die Testosteronrezeptoren ihrer Monozyten, blieb der IL-10-Spiegel niedrig und die Schmerzen hielten an.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend analysierten Sim und sein Team Daten von 245 Menschen, die nach Unf\u00e4llen unter Schmerzen litten. Auch bei ihnen zeigte sich das gleiche Muster: Bei M\u00e4nnern lagen die IL-10-Spiegel h\u00f6her und ihre Schmerzen nahmen schneller ab. W\u00e4hrend Betroffene beider Geschlechter ihre Schmerzintensit\u00e4t unmittelbar nach ihrem Unfall \u00e4hnlich einstuften, berichteten die M\u00e4nner drei Monate sp\u00e4ter von deutlich weniger Schmerzen. \u201eDer Unterschied zwischen Schmerzen bei M\u00e4nnern und Frauen hat also eine biologische Grundlage\u201c, sagt Laumet. \u201eFrauen bilden sich die Schmerzen nicht einfach ein und sie sind nicht wehleidig. Es liegt an ihrem Immunsystem.\u201c<\/p>\n<p>Die Ergebnisse k\u00f6nnten auch dazu beitragen, langfristig neue Ans\u00e4tze f\u00fcr Schmerztherapien zu finden. Verabreichten die Forschenden den verletzten M\u00e4usen eine Substanz namens Resolvin D1, die die Produktion der IL-10-aussch\u00fcttenden Monozyten f\u00f6rdert, klangen die Schmerzen bei beiden Geschlechtern schneller ab. \u201eDas er\u00f6ffnet neue Wege f\u00fcr nicht-opioide Therapien, die darauf abzielen, chronische Schmerzen zu verhindern, bevor sie sich etablieren\u201c, sagt Laumet.<\/p>\n<p>Quelle: Jaewon Sim (Michigan State University, East Lansing, USA) et al., Science Immunology, <a href=\"http:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/sciimmunol.adx0292\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1126\/sciimmunol.adx0292<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frauen leiden oft l\u00e4nger unter Schmerzen als M\u00e4nner. 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