{"id":41127,"date":"2026-03-13T02:23:06","date_gmt":"2026-03-13T02:23:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/41127\/"},"modified":"2026-03-13T02:23:06","modified_gmt":"2026-03-13T02:23:06","slug":"klimawandel-bremst-die-erdrotation-klimabedingte-verlaengerung-der-tageslaenge-ist-beispiellos-seit-36-millionen-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/41127\/","title":{"rendered":"Klimawandel bremst die Erdrotation &#8211; Klimabedingte Verl\u00e4ngerung der Tagesl\u00e4nge ist beispiellos seit 3,6 Millionen Jahren"},"content":{"rendered":"<p>Weil durch den Klimawandel besonders viel Polareis schmilzt, verl\u00e4ngert dieser klimabedingte Einfluss die irdische Tagesl\u00e4nge zurzeit um rund 1,33 Millisekunden pro Jahrhundert \u2013 und verst\u00e4rkt so den Bremseffekt des Mondes. \u201eUnklar blieb jedoch, ob es auch fr\u00fcher schon Phasen gab, in denen das Klima die Tagesl\u00e4nge \u00e4hnlich rasant erh\u00f6ht hat\u201c, sagt Kiani Shahvandi. Denn aus der Zeit vor Hunderttausenden oder Millionen von Jahren gibt es keine pr\u00e4zisen Rotationsmessungen.<\/p>\n<p>R\u00fcckblick auf die Tagesl\u00e4ngen der letzten 3,6 Millionen Jahre<\/p>\n<p>Doch es geht auch anders: Um herauszufinden, welche Rolle das Klima f\u00fcr die Erdrotation vergangener Zeiten spielte, haben Kiani Shahvandi und sein Kollege Benedikt Soja fossile Zeitzeugen aus Meeressedimenten ausgewertet. \u201eAnhand der chemischen Zusammensetzung von Foraminiferen-Geh\u00e4usen kann man die Schwankungen der Meeresspiegel nachvollziehen und daraus mathematisch die Schwankungen der Tagesl\u00e4nge ableiten,\u201c erkl\u00e4rt.\n<\/p>\n<p>F\u00fcr ihre Analysen dieser Daten entwickelten und trainierten die Forscher ein spezielles KI-System, das sogenannte physik-informierte Diffusionsmodell: \u201eDieser Deep-Learning-Algorithmus erfasst die Physik der Meeresspiegel\u00e4nderung, ist aber gleichzeitig robust gegen\u00fcber den gro\u00dfen Unsicherheiten in den Pal\u00e4oklimadaten\u201c, so das Team. Dies erm\u00f6glichte es, den klimabedingten Anteil der Erdration in den letzten 3,6 Millionen Jahren zu rekonstruieren.\n<\/p>\n<p>Ver\u00e4nderungsrate nie h\u00f6her als heute<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Die starken Klimaschwankungen im Eiszeitalter lie\u00dfen nicht nur Gletscher wachsen und schwinden, sie beeinflussten auch die Tagesl\u00e4ngen. Diese schwankte im Rhythmus der Warm- und Kaltzeiten um 10 bis 30 Millisekunden \u2013 weit st\u00e4rker als heute. Allerdings erfolgten diese Schwankungen in Zeitr\u00e4umen von zehntausenden Jahren, wie Shahvandi und Soja berichten. Auf das Jahrhundert gerechnet ver\u00e4nderte sich der klimabedingte Anteil der Tagesl\u00e4ngen in der Eiszeit nicht st\u00e4rker als heute \u2013 im Gegenteil:\n<\/p>\n<p>\u201eDie klimabedingte Ver\u00e4nderungsrate der Erdrotation ist heute h\u00f6her als jemals zuvor in den letzten 3,6 Millionen Jahren\u201c, schreiben die Forscher. Nur einmal, in der Zeit vor rund zwei Millionen Jahren, sei die Ver\u00e4nderungsrate der Tagesl\u00e4nge fast mit der heutigen vergleichbar gewesen. \u201eAber nie zuvor oder danach hat die planetare \u201aEiskunstl\u00e4uferin\u2018 ihre Arme so schnell angehoben wie zwischen 2000 und 2020\u201c, sagt Kiani Shahvandi.<\/p>\n<p>Was bedeutet dies f\u00fcr die Zukunft?<\/p>\n<p>Nach Angaben der Forscher best\u00e4tigen diese Ergebnisse, dass sich die Erde selbst w\u00e4hrend der Kapriolen des Eiszeitalters nicht so drastisch in so kurzer Zeit erw\u00e4rmt hat wie aktuell. \u201eDer rasche Anstieg der Tagesl\u00e4nge impliziert, dass die Rate des modernen Klimawandels zumindest seit dem sp\u00e4ten Plioz\u00e4n vor 3,6 Millionen Jahren beispiellos ist\u201c, sagt Soja. Der Mensch heizt durch seine Treibhausgas-Emissionen nicht nur das Erdklima auf, er bremst auch die Erdrotation \u2013 und beeinflusst so die Tagesl\u00e4nge.\n<\/p>\n<p>Sofern Prozesse im Erdkern dies nicht ausgleichen, k\u00f6nnte die Tagesl\u00e4nge sich k\u00fcnftig noch st\u00e4rker verlangsamen. \u201eBis zum Ende des 21. Jahrhunderts wird sich der Klimawandel sogar st\u00e4rker auf die Tagesl\u00e4ngen auswirken als der Mond\u201c, erkl\u00e4rt Soja. Die kombinierte Wirkung beider k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Erdrotration und die auf Atomuhren beruhende Weltzeit immer weiter auseinanderdriften \u2013 und h\u00e4ufiger angepasst werden m\u00fcssen. (Journal of Geophysical Research: Solid Earth, 2026; <a href=\"https:\/\/agupubs.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1029\/2025JB032161\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1029\/2025JB032161<\/a>)\n<\/p>\n<p>Quelle: Universit\u00e4t Wien, Journal of Geophysical Research: Solid Earth<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>13. M\u00e4rz 2026\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weil durch den Klimawandel besonders viel Polareis schmilzt, verl\u00e4ngert dieser klimabedingte Einfluss die irdische Tagesl\u00e4nge zurzeit um rund&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":41128,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[46,12974,12975,250,934,12976,12977,45,60,59,44,12978,64,61,63,62],"class_list":{"0":"post-41127","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-ch","9":"tag-eissschmelze","10":"tag-erdrotation","11":"tag-geophysik","12":"tag-klimawandel","13":"tag-massenverteilung","14":"tag-meeresspiegel","15":"tag-schweiz","16":"tag-science","17":"tag-science-technology","18":"tag-switzerland","19":"tag-tageslaenge","20":"tag-technik","21":"tag-technology","22":"tag-wissenschaft","23":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116219483747297156","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41127","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=41127"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/41127\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/41128"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=41127"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=41127"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=41127"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}