{"id":44682,"date":"2026-03-15T18:02:17","date_gmt":"2026-03-15T18:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/44682\/"},"modified":"2026-03-15T18:02:17","modified_gmt":"2026-03-15T18:02:17","slug":"50-jahre-lausanner-collection-art-brut-zwischen-roh-und-rosarot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/44682\/","title":{"rendered":"50 Jahre Lausanner Collection Art Brut: zwischen roh und rosarot"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/morf_cab-12601.jpg\" width=\"1532\" height=\"2126\" alt=\"Jakob Morf, Ohne Titel (zw. 1985 und 1998).\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Jakob Morf, Ohne Titel (zw. 1985 und 1998).            <\/p>\n<p>            Collection de l&#8217;Art Brut, Lausanne        <\/p>\n<p>        Die Collection de l\u2019Art Brut in Lausanne wird 50 \u2013 und feiert das mit einer Ausstellung. Sie erz\u00e4hlt, wie eine ungez\u00e4hmte Kunstform in der Schweiz ihren N\u00e4hrboden fand. \u00abArt Brut en Suisse\u00bb f\u00fchrt zu den Anf\u00e4ngen, als in psychiatrischen Kliniken Kunst entstand, die lange niemand sehen wollte.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        15. M\u00e4rz 2026 &#8211; 08:00\n<\/p>\n<p>Art Brut gibt es \u00fcberall. Sie bezeichnet die Kunst von Menschen ohne k\u00fcnstlerische Ausbildung. Von Laien, Kindern, gesellschaftlichen Aussenseitern, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen. Die Entdeckung der Art Brut und ihre Anerkennung als Kunst ist allerdings eng mit der Schweiz verbunden.<\/p>\n<p>Der Begriff Art Brut stammt vom franz\u00f6sischen K\u00fcnstler Jean Dubuffet, der in dieser Kunst eine rohe Kraft sah, die nicht vom Kunstbetrieb beeinflusst war. Im Juli 1945 unternahm Dubuffet eine Reise durch die Schweiz. Er besuchte Nervenheilanstalten und Gef\u00e4ngnisse. Orte, an denen einige \u00c4rzte und Therapeuten begonnen hatten, Bilder und Objekte von Patientinnen und Patienten mit Neugier zu betrachten \u2013 und zu sammeln.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/\u00a9Carole-Parodi-5427_MAIN-1.jpg\" width=\"3529\" height=\"2353\" alt=\"Eine Frau\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Kultur\n        <\/p>\n<p>        Lucienne Peiry, \u00abRitterin\u00bb der Art Brut    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        16. Apr. 2025                    <\/p>\n<p>                F\u00fcr 40 Jahre Aufwertung der Art Brut: Das franz\u00f6sische Kulturministerium ernennt die Schweizerin zum \u00abChevalier de l\u2019Ordre des Arts et des Lettres\u00bb.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/kultur\/lucienne-peiry-ritterin-der-art-brut\/89135100\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Lucienne Peiry, \u00abRitterin\u00bb der Art Brut<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Adolf W\u00f6lfli: Vom Verdingbub zum Weltensch\u00f6pfer<\/p>\n<p>Der Psychiater Walter Morgenthaler beobachtete in der damaligen Irrenanstalt Waldau (heute Universit\u00e4re Psychiatrische Dienste Bern) etwa den Patienten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/kultur\/kunst\/kunst-die-kunst-eines-groessenwahnsinnigen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Adolf W\u00f6lfliExterner Link<\/a>. Der ehemalige Verdingbub wurde als schizophren eingestuft \u2013 und schuf Tausende Zeichnungen und Collagen, in denen er nicht nur seine Kindheit neu erfand, sondern sich eine ganz neue Weltordnung ausmalte. Morgenthaler attestierte W\u00f6lflis Werk k\u00fcnstlerischen Wert und publizierte ein Buch \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/wolfli_cab-a711.jpg\" width=\"2126\" height=\"1615\" alt=\"Adolf W\u00f6lfli (1864\u20131930) wurde von seinem Psychiater entdeckt und von Jean Dubuffet gef\u00f6rdert. (Bild: ohne Titel [Le lac et les \u00eeles], 1916).\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Adolf W\u00f6lfli (1864\u20131930) wurde von seinem Psychiater entdeckt und von Jean Dubuffet gef\u00f6rdert. (Bild: ohne Titel [Le lac et les \u00eeles], 1916).            <\/p>\n<p>            Collection de l\u2019Art Brut, Lausanne        <\/p>\n<p>Auch Jean Dubuffet war von W\u00f6lfli fasziniert. In Paris zeigte er 1948 einige seiner Zeichnungen. In der Lausanner Jubil\u00e4umsausstellung der Collection de l\u2019Art Brut sind W\u00f6lfli zwei grosse Nischen gewidmet. Kein Wunder: W\u00f6lfli wurde zu einem Grundpfeiler in Dubuffets Art Brut-Sammlung, die ab den 1940er-Jahren entstand.<\/p>\n<p>1971 ging die Sammlung als Schenkung an die Stadt Lausanne. Im Februar 1976 wurde die Collection de l\u2019Art Brut gegr\u00fcndet \u2013 die erste Einrichtung dieser Art weltweit.<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Dubuffet_Thevoz_Kopac_inaug_CAB_.jpg\" width=\"2716\" height=\"2015\" alt=\"Jean Dubuffet (rechts) mit dem Kunsthistoriker Michel Th\u00e9voz (Mitte) und dem K\u00fcnstler Slavko Kopac beim Besuch der Collection de l\u2019Art Brut im Februar 1976.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Jean Dubuffet (rechts) mit dem Kunsthistoriker Michel Th\u00e9voz (Mitte) und dem K\u00fcnstler Slavko Kopac beim Besuch der Collection de l\u2019Art Brut im Februar 1976.            <\/p>\n<p>            Jean-Jacques Laeser\/Collection de l\u2019Art Brut        <\/p>\n<p>Der Zeitgeist formt auch die Art Brut<\/p>\n<p>Die Ausstellung \u00abArt Brut en Suisse\u00bb versammelt historische und zeitgen\u00f6ssische Arbeiten aus ihrer Sammlung. Sie gibt Einblick, wie sich die Definition psychischer Krankheit aber auch der Umgang mit Erkrankten im Lauf der Jahrzehnte gewandelt haben. Und sie zeigt, dass oft Menschen in der Psychiatrie landeten, die ohnehin benachteiligt waren. Wie zum Beispiel Alo\u00efse Corbaz aus Lausanne.<\/p>\n<p>Diese wollte eine Gesangsausbildung machen, musste jedoch als Dienstm\u00e4dchen arbeiten. In rosaroten Bildern malte sie Erfolg und Liebesgl\u00fcck, die ihr im realen Leben verwehrt blieben.<\/p>\n<p>                Zur\u00fcck            <\/p>\n<p>                Weiter            <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/aloise_cab-2148bis.jpg\" width=\"1317\" height=\"2126\" alt=\"Alo\u00efse Corbaz' (1886\u20131964) erste Werke wurden 1947 von Jean Dubuffet entdeckt und 1948 in die Sammlung der Compagnie de l\u2019Art Brut aufgenommen. (Bild: ohne Titel [L'homme \u00e0 l'\u00e9cusson et la femme blonde],\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Alo\u00efse Corbaz\u2018 (1886\u20131964) erste Werke wurden 1947 von Jean Dubuffet entdeckt und 1948 in die Sammlung der Compagnie de l\u2019Art Brut aufgenommen. (Bild: ohne Titel [L\u2019homme \u00e0 l\u2019\u00e9cusson et la femme blonde],            <\/p>\n<p>            Collection de l\u2019Art Brut, Lausanne        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/aloise_cab-a207_r.jpg\" width=\"1485\" height=\"2126\" alt=\"Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste sie in die Schweiz zur\u00fcckkehren, wo ihre stark ausgepr\u00e4gten religi\u00f6sen und pazifistischen Gef\u00fchle 1918 zur Einweisung in psychiatrische Kliniken f\u00fchrten. Dort begann sie, zu zeichnen und zu schreiben. (Bild: ohne Titel [Enl\u00e8vement d\u2019une mari\u00e9e de Gaule], zwischen 1946 und 1947).\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste sie in die Schweiz zur\u00fcckkehren, wo ihre stark ausgepr\u00e4gten religi\u00f6sen und pazifistischen Gef\u00fchle 1918 zur Einweisung in psychiatrische Kliniken f\u00fchrten. Dort begann sie, zu zeichnen und zu schreiben. (Bild: ohne Titel [Enl\u00e8vement d\u2019une mari\u00e9e de Gaule], zwischen 1946 und 1947).            <\/p>\n<p>            Collection de l\u2019Art Brut, Lausanne        <\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/aloise_cab-a196.jpg\" width=\"1618\" height=\"2126\" alt=\"In starken Farben malt Corbaz Paare im Liebesgl\u00fcck. Nach einer entt\u00e4uschenden Liebeserfahrung war sie einst als Gouvernante am Hof von Kaiser Wilhelm II. in Preussen und entwickelte eine fantasierte Liebesbeziehung zu ihm. (Bild: ohne Titel [Couple princier], ca. 1947).\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                In starken Farben malt Corbaz Paare im Liebesgl\u00fcck. Nach einer entt\u00e4uschenden Liebeserfahrung war sie einst als Gouvernante am Hof von Kaiser Wilhelm II. in Preussen und entwickelte eine fantasierte Liebesbeziehung zu ihm. (Bild: ohne Titel [Couple princier], ca. 1947).            <\/p>\n<p>            Collection de l\u2019Art Brut, Lausanne        <\/p>\n<p>Die Ausstellung zeigt noch etwas anderes: wie sehr Art Brut vom Zeitgeist gepr\u00e4gt ist. Nur weil Kunstschaffende eine psychische Erkrankung haben, bedeutet das nicht, dass sie von der Welt um sie herum nichts mitbekommen. Einige Arbeiten, die am Ende des Rundgangs zu sehen sind, k\u00f6nnten gut und gern aus den Ateliers ausgebildeter K\u00fcnstlerinnen oder Grafiker ohne psychiatrischen Befund stammen.<\/p>\n<p>Zum Beispiel die Acrylbilder von Clemens Wild. Der Berner K\u00fcnstler malt auf Packpapier beinahe lebensgrosse Frauen in Arbeitskitteln \u2013 Reinigungskr\u00e4fte, Handwerkerinnen \u2013 und schreibt kurze Texte dazu, in denen die fiktiven Frauen sich vorstellen. Die stilisierten Darstellungen wirken lebensnah. Man k\u00f6nnte sie sich gut in einer Graphic Novel oder auf einem Werbeplakat vorstellen.<\/p>\n<p>                Ausstellungshinweis            <\/p>\n<p>Die Ausstellung \u00abArt Brut en Suisse\u00bb ist bis zum 27. September 2026 in der Collection de l\u2019Art Brut in Lausanne zu sehen.<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jakob Morf, Ohne Titel (zw. 1985 und 1998). 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