{"id":45739,"date":"2026-03-16T12:54:15","date_gmt":"2026-03-16T12:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/45739\/"},"modified":"2026-03-16T12:54:15","modified_gmt":"2026-03-16T12:54:15","slug":"oscar-outfits-wenn-hollywood-erstaunlich-deutsch-aussieht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/45739\/","title":{"rendered":"Oscar Outfits: Wenn Hollywood erstaunlich deutsch aussieht"},"content":{"rendered":"<p>Schn\u00e4uzer, Vokuhila, Tapeten-Roben und blasse Outfits: Auf dem roten Teppich der Oscars fehlt, was einst den Mythos Hollywoods ausmachte. Blick auf eine Nacht, in der Beverly Hills \u00fcberraschend viel von der Berlinale hat.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Hollywoods Krise k\u00f6nnte aufh\u00f6ren, Krise zu sein, genau dann, wenn die gro\u00dfen Scheinwerfer auf dem roten Teppich vor dem Dolby Theatre in Los Angeles aufleuchten. Wenn die hungrigen Rufe der Fotografen ert\u00f6nen, wenn die ersten Kameras klicken und kurz die Magie des Mythos Hollywood aufblitzt: f\u00fcr ein paar Stunden w\u00e4re die Welt noch mal bereit, an diesen vergangenen Glamour zu glauben. An Aufstieg, an dieses gro\u00dfe amerikanische Versprechen, dass irgendwo zwischen Blitzlicht und Champagner noch immer eine B\u00fchne existiert, auf der Gr\u00f6\u00dfe m\u00f6glich ist \u2013 oder zumindest \u00fcberzeugend gespielt wird.<\/p>\n<p>Selbst nach all den woken Eskapaden der letzten Jahre, nach den peinlichen Anstecknadel-Aktivismen bei gleichzeitig lautem Schweigen zu Antisemitismus und diesen fadenscheinigen moralischen Dresscodes, bei denen alle in demonstrativer Schw\u00e4rze erschienen, bleibt der Blick gespannt. Der Mythos ist z\u00e4h.<\/p>\n<p>Doch dann hat schon die Fotowand eher Berlinale-Flair als Beverly Hills. Der Moment, in dem man sich erneuern k\u00f6nnte, verpufft. <\/p>\n<p>Leo, oh Leo!<\/p>\n<p>Einst der gro\u00dfe Posterboy einer ganzen Generation neoliberaler Girls, verl\u00e4sslich die attraktivste Model-Freundin an der Seite. Und mit seinem Champagner-Toast aus The Great Gatsby verk\u00f6rperte Leonardo DiCaprio zwischen \u00dcbermut, Exzess und Freiheit das letzte Kapitalismus-Meme, in dem Erfolg noch aussah wie eine Party und nicht wie ein PR-Problem. <\/p>\n<p>Heute sieht man ihn meist nur noch in schlumpfiger Garderobe. Die Wirklichkeit \u00fcberlagert l\u00e4ngst die alte Legende. Immerhin hat er diesen Longevity-Ring diesmal zu Hause gelassen, der vermutlich bei jeder Veranstaltung die CO\u2082-Belastung im Saal misst und beim zweiten Glas Champagner Alarm schl\u00e4gt. Entsprechend lustlos steht Leo da vor den Kameras, leicht verkrampft &#8211; neuerdings mit spie\u00dfigem Schn\u00e4uzer &#8211; jeder Hauch von Glamour schon im Ansatz erstickt.<\/p>\n<p>Outfit-Oscar f\u00fcr Chalamet<\/p>\n<p>Ohne Timoth\u00e9e Chalamet w\u00e4re es auf Hollywoods roten Teppichen noch langweiliger. Also sei ihm verziehen: die Frisur, die besser gehen w\u00fcrde. Der Bart, der besser gar nicht da w\u00e4re. Die zu gro\u00dfe Hose. Und diese wei\u00dfen Gummistiefel, die zumindest schwarz h\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Immerhin einer der letzten, die verstanden haben, dass Hollywood einmal ein Ort f\u00fcr Stil, Spiel und Originalit\u00e4t war.<\/p>\n<p>Viel Bein, wenig Wirkung<\/p>\n<p>Ob sich jemals eine Jury in letzter Minute umentschieden hat, den Oscar doch jemand anderem zu verleihen, einfach, weil das Outfit die Kandidatin komplett disqualifiziert? In dieser \u00fcberpolitisch korrekten Szene nat\u00fcrlich undenkbar. Also hier die politisch unkorrekte Bemerkung: Diese Idee von raffinierter Freiz\u00fcgigkeit bei der Louis-Vuitton-Robe, in der Renate Reinsve einen Oscar entgegennehmen wollte, sieht \u00e4u\u00dferst unvorteilhaft aus. Selten hat Freiz\u00fcgigkeit so wenig Lust auf Freiz\u00fcgigkeit gemacht.<\/p>\n<p>T\u00fcllexplosion<\/p>\n<p>Eine traumhafte Taille und trotzdem verspr\u00fcht Elle Fannings T\u00fclltraum nur Abiball-Vibes. Der Diamant-Choker von Cartier hat einen Oscar verdient.<\/p>\n<p>Unbekannte in Chanel<\/p>\n<p>Jessie Buckley wird f\u00fcr ihre Rolle in \u201eHamnet\u201c als beste Hauptdarstellerin gek\u00fcrt, neben einer Reihe anderer Damen, deren Namen man eher nicht kennt. In dem Fall l\u00e4sst man sich eine Robe zurechtlegen, die daf\u00fcr sorgt, dass einen am n\u00e4chsten Tag jeder kennt. Pluspunkte f\u00fcr die Entscheidung gegen langweilig und f\u00fcr das skulpturale, schulterfreie Bandeau aus gl\u00e4nzendem, kirschrotem Satin. Minuspunkte f\u00fcr die bei\u00dfend rosafarbene Stoffbahn \u2013 den Schmuck h\u00e4tte es nicht gebraucht, und der Hairstylist hat seine Arbeit nicht gemacht.<\/p>\n<p>Auch Chanel, aber besser: <\/p>\n<p>Viel Federn, aber eine un\u00fcbersehbare Gravitas. Und die Best\u00e4tigung: nicht immer braucht es eine Haarspray-betonierte Hochsteckfrisur.<\/p>\n<p>\u00dcber Gwyneth Paltrow l\u00e4sst sich streiten. Auch die j\u00fcngste Botox-Offensive w\u00e4re vielleicht nicht zwingend n\u00f6tig gewesen. Aber bei ihrer Garderobe besitzt sie einen Instinkt, der in Hollywood selten geworden ist. Was daran liegt, dass inzwischen jeder Stylisten besch\u00e4ftigt, wo Gwyneth fr\u00fcher noch selbst shoppen gegangen ist.<\/p>\n<p>Wir erinnern uns an ihren rubinroten Samtanzug von Gucci Tom Ford, den sie 1996 bei den VMAs trug, und an das sagenhafte rosa Grace-Kelly-Kleid von Ralph Lauren, in dem sie 1999 ihren Oscar entgegennahm. <\/p>\n<p>Frankenstein-Moment<\/p>\n<p>Anne Hathaway kann nichts daf\u00fcr, welches <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/article68bff1154ac77774b91e9b18\/Vogue-Verrat-an-der-Mode.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/mode\/article68bff1154ac77774b91e9b18\/Vogue-Verrat-an-der-Mode.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">modische Unheil<\/a> \u201eThe Devil Wears Prada\u201c einst angerichtet hat. Aber in dieser monstr\u00f6s gebl\u00fcmten Tapeten-Robe wird sie ihrer unbeholfen angezogenen Figur Andy Sachs ziemlich gerecht. Sie verleiht darin ausgerechnet den Preis f\u00fcr das \u201ebeste Kost\u00fcmdesign\u201c und dann auch noch f\u00fcr \u201eFrankenstein\u201c. Im Schlepptau Anna Wintour, die teuflischer Weise dieses Kleid, das man eher in Bayreuth vermuten w\u00fcrde &#8211; und vor allem diesen G\u00fcrtel &#8211; nicht im Vorhinein verhindert hat. <\/p>\n<p>Jacob Elordi geht in postmoderner Spie\u00dfigkeit auf. Der Vokuhila an dem nichts wild ist, sondern jede Str\u00e4hne so penibel gestutzt wie die Buchsbaumhecke mit der Wasserwaage. Noch ein weiterer Schnurrbart also, symmetrisch, dienstbeflissen. Wie ein Neuk\u00f6llner Hipster, der im Schrebergarten Tiny House noch einmal kontrolliert, ob die Gartenm\u00f6bel exakt im rechten Winkel zur Terrasse stehen.<\/p>\n<p>Verl\u00e4sslich blass<\/p>\n<p>Blasse Charaktere sind in Hollywood derzeit hoch im Kurs. Sie ecken nicht an, produzieren keine Shitstorms und bringen ein ohnehin wankendes Gesch\u00e4ft garantiert nicht noch weiter ins Schlingern. Emma Stone ist genau so eine Figur, mit der jede Produktionsfirma beruhigt kalkulieren kann.<\/p>\n<p>Dazu passt auch jeder ihrer Auftritte auf dem roten Teppich: vorsichtig, leicht z\u00f6gerlich, der Typ sympathische Vertrauensperson \u00fcbereinstimmend gew\u00e4hlt in der Elternsprechstunde, in einem stromlinienf\u00f6rmigen Kleid mit niedlichen Kapp\u00e4rmeln. Hollywood, das einmal von Gr\u00f6\u00dfe lebte, sieht erstaunlich deutsch aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schn\u00e4uzer, Vokuhila, Tapeten-Roben und blasse Outfits: Auf dem roten Teppich der Oscars fehlt, was einst den Mythos Hollywoods&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":45740,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[101,46,68,14129,380,72,14130,1529,589,102,45,14131,44,103,69],"class_list":{"0":"post-45739","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-celebrities","9":"tag-ch","10":"tag-entertainment","11":"tag-gerstmeyer","12":"tag-hollywood","13":"tag-kino","14":"tag-maria-antonia","15":"tag-mode","16":"tag-oscar","17":"tag-prominente","18":"tag-schweiz","19":"tag-stilkritiken-iconist","20":"tag-switzerland","21":"tag-texttospeech","22":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116238952455848266","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45739","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45739"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45739\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/45740"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45739"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45739"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45739"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}