{"id":4673,"date":"2026-02-14T18:31:07","date_gmt":"2026-02-14T18:31:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/4673\/"},"modified":"2026-02-14T18:31:07","modified_gmt":"2026-02-14T18:31:07","slug":"ghost-in-the-cell-film-rezensionen-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/4673\/","title":{"rendered":"Ghost in the Cell | Film-Rezensionen.de"},"content":{"rendered":"<p>Inhalt \/ Kritik<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nur noch sieben Monate, dann kann Anggoro (Abimana Aryasatya) seine Familie wiedersehen. Schon einmal stand der wegen Raub\u00fcberfalls Verurteilte kurz vor seiner Entlassung, doch weil er sich immer wieder in Streitigkeiten und Pr\u00fcgeleien mit anderen H\u00e4ftlingen verwickeln l\u00e4sst, wurde seine Strafe verl\u00e4ngert. Als der wegen Mordes an seinem Boss verurteilte Dimas (Endy Arfian) in seinen Trakt kommt, ahnen Anggoro und die anderen Gefangenen, dass der eher schw\u00e4chlich wirkende Mann nicht lange \u00fcberleben wird. Ein sadistischer Mitgefangener hat es anscheinend auf Dimas abgesehen und der tyrannische Aufseher Jefry (Bront Palarae) unterbindet jede Form der Kooperation zwischen den H\u00e4ftlingen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann aber kommt es zu einem grausamen Mord im Gef\u00e4ngnis. Dimas ist der Hauptverd\u00e4chtige, und sowohl die Gefangenen als auch die W\u00e4rter versuchen, ihn zu isolieren oder umzubringen. Einzig Anggoro und seine Kumpel glauben nicht, dass Dimas zu solch brutalen Taten f\u00e4hig ist. Schlie\u00dflich erkennen sie, dass ihr Gegner unsichtbar und nicht von dieser Welt ist. Da an Flucht nicht zu denken ist, m\u00fcssen sie gemeinsam einen Weg finden, ihren Feind zu bes\u00e4nftigen oder zu besiegen, wenn sie nicht bald selbst zu Opfern werden wollen.<\/p>\n<p>Unsichtbare Feinde<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Joko Anwar geh\u00f6rt seit vielen Jahren zu den produktivsten wie auch interessantesten Genreregisseuren Indonesiens. Auch au\u00dferhalb seiner Heimat fanden seine Werke wie Satan\u2019s Slaves (2017), <a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2020\/09\/impetigore\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Impetigore<\/a> (2019)\u00a0oder <a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2020\/05\/gundala\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gundala<\/a> (2019) viele Zuschauer, sodass sie regelm\u00e4\u00dfig in den Programmen von Filmfestivals auftauchten. Wie Anwar betont, geht es ihm zum einen darum, unterhaltsames und effektives Genrekino zu schaffen, dar\u00fcber hinaus aber auch Themen anzusprechen, die f\u00fcr Indonesien oder andere L\u00e4nder und Kulturen relevant sind. Sp\u00e4testens mit Satan\u2019s Slaves sowie dessen Fortsetzung Satan\u2019s Slaves 2: Communion greift Anwar Themen wie kollektive Traumata, Korruption und institutionelle Gewalt auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sein neuer Film Ghost in the Cell, der auf der <a href=\"https:\/\/www.berlinale.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlinale 2026<\/a> seine Weltpremiere feiert, bleibt diesem Trend in Anwars Filmografie treu. Der unsichtbare Feind, gegen den die Figuren k\u00e4mpfen, ist f\u00fcr ihn eine Metapher f\u00fcr all jene Probleme, denen man sich lieber verschlie\u00dft oder die man ignoriert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Grunde zeigt Ghost in the Cell eine breite Palette der Themen sowie der gestalterischen Mittel Anwars. Die Geschichte erscheint zu Beginn wie ein Gef\u00e4ngnisdrama, wobei die Figuren sowie generell der Ort sehr offensichtlich als \u00fcbertriebenes Spiegelbild der Gesellschaft dienen. Der Staat, repr\u00e4sentiert durch die Gef\u00e4ngnisleitung sowie die W\u00e4rter, herrscht mit strenger Hand, unterbindet \u2013 wenn n\u00f6tig mit Gewalt \u2013 jede Form der Kooperation unter den Gefangenen und ist in erster Linie auf Selbsterhaltung aus. W\u00e4hrend seines ersten Tages wird Dimas von einem Mitgefangenen in die einzelnen Cliquen und Abl\u00e4ufe eingeweiht, ebenso in die Sonderbehandlung jener Insassen, die nach wie vor \u00fcber erhebliche monet\u00e4re Mittel verf\u00fcgen und von der Gef\u00e4ngnisleitung geradezu hofiert werden. Die Autokratie des Gef\u00e4ngnisses in Ghost in the Cell fu\u00dft auf Gewalt, Routine sowie einer Hierarchie, die jede Form von Freiheit nicht duldet \u2013 erst recht nicht, wenn es darum geht, dass jemand seinem Leben selbst eine Bedeutung gibt, die nicht der Linie der herrschenden Klasse entspricht. Anwar erfindet das Genre des Gef\u00e4ngnisdramas, aus dem er sich hier bedient, nicht neu, schafft es aber darzustellen, wie Ignoranz und Gewalt eine gef\u00e4hrliche Dynamik bilden, die es den Figuren nicht erlaubt, ihre Probleme zu l\u00f6sen, sondern sie nur noch zu verschlimmern.<\/p>\n<p>Lachen und Unbehagen<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201eLachen und Unbehagen\u201c sind laut Joko Anwar wichtige Elemente eines Films. Schwarzer, oft auch absurder Humor ist fester Bestandteil seiner Werke und betont das Bizarre einer Situation ebenso wie die Ironie einer Gemeinschaft, die lieber etwas ignoriert, als es gemeinsam zu l\u00f6sen. Die St\u00e4rke des etablierten Systems, das zuvor beschrieben wurde, liegt darin, dass Anwar seinem Zuschauer eine ganze Palette an Methoden des Ausweichens oder Ignorierens zeigt, mit denen die Figuren dem Problem entgehen wollen. Ein erbitterter Kampf zweier Insassen wird unterbrochen \u2013 zun\u00e4chst durch eine Tanzeinlage und dann wenig sp\u00e4ter durch ein spontanes Gebet. Das Heilsversprechen von Religion, Spiritualit\u00e4t oder windigen Selbsthilfegurus ist in Anwars Welt eine Form der Ablenkung vom eigentlichen Problem, \u00e4hnlich dem Konsumrausch der Protagonisten in George A. Romeros <a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2008\/03\/zombie-dawn-of-the-dead\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dawn of the Dead<\/a>. Solch bizarre Momente irritieren und belustigen in Ghost in the Cell, jedoch unterstreichen sie die Hilflosigkeit eines Systems, das im Falle einer echten Krise in sich zusammenf\u00e4llt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein besonderes Detail, das ebenfalls zentral in Joko Anwars Filmen ist, sind die Effekte. Wer bereits einige Werke des Indonesiers gesehen hat, wird sicherlich die ein oder andere brutale Szene erwarten. In Ghost in the Cell jedoch ziehen Anwar und sein Team alle Register und liefern einige der blutigsten Momente seiner Filmografie ab. Insbesondere Zuschauer mit Trypophobie sollten sich bei einigen Bildern in Acht nehmen.<\/p>\n<p>Credits<\/p>\n<p>OT: \u201eGhost in the Cell\u201c<br \/>Land: Indonesien<br \/>Jahr: 2026<br \/>Regie: Joko Anwar<br \/>Drehbuch: Joko Anwar<br \/>Musik: Aghi Narottama, Tony Merle<br \/>Kamera: Ical Tanjung<br \/>Besetzung: Abimana Aryasatya, Endy Arfian, Bront Palarae, Morgan Oey, Lukman Sardi, Danang Suryonegoro<\/p>\n<p>Kaufen \/ Streamen<\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf \u00fcber diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass f\u00fcr euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise k\u00f6nnt ihr unsere Seite unterst\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Inhalt \/ Kritik Nur noch sieben Monate, dann kann Anggoro (Abimana Aryasatya) seine Familie wiedersehen. 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