{"id":47471,"date":"2026-03-17T16:05:10","date_gmt":"2026-03-17T16:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/47471\/"},"modified":"2026-03-17T16:05:10","modified_gmt":"2026-03-17T16:05:10","slug":"heidi-klums-gefaehrliches-adhs-framing-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/47471\/","title":{"rendered":"Heidi Klums gef\u00e4hrliches ADHS-Framing &#8211; WELT"},"content":{"rendered":"<p>Heidi Klum nennt ADHS ihre \u201eSuperpower\u201c, weil sie \u201etausend Sachen auf einmal\u201c k\u00f6nne. Das klingt nach Zeitgeist. Doch Multitasking ist kein Diagnosekriterium. Warum der Hype um \u201eProduktivit\u00e4ts-ADHS\u201c problematisch ist.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Vor einigen Tagen erz\u00e4hlte Unternehmerin und Supermodel Heidi Klum in einem Interview etwas, das sofort Schlagzeilen machte. <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.glamour.de\/artikel\/heidi-klum-cover-interview-macht-instinkt-lagerfeld-adhs\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.glamour.de\/artikel\/heidi-klum-cover-interview-macht-instinkt-lagerfeld-adhs&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Auf die Frage im Magazin \u201eGlamour\u201c<\/a>, \u201eWas ist eine Wahrheit \u00fcber dich, die man vielleicht noch nicht kennt?\u201c antwortet sie: \u201eDass ich eine Form von ADHS habe.\u201c Dann erg\u00e4nzte sie: \u201eIch sehe ADHS als etwas Positives, weil ich damit mehr Sachen gleichzeitig machen kann. Es ist meine Superpower.\u201c<\/p>\n<p>Und weiter: \u201eIch bin wegen meines <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article6971efc0bcde554af96b621a\/adhs-erschreckend-dass-unsere-versorgung-immer-noch-so-schlecht-zu-sein-scheint.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/gesundheit\/article6971efc0bcde554af96b621a\/adhs-erschreckend-dass-unsere-versorgung-immer-noch-so-schlecht-zu-sein-scheint.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">ADHS<\/a> sehr hyperaktiv. Ich kann tausend unterschiedliche Sachen auf einmal machen. Ich mache viele Projekte gleichzeitig und lade mir immer noch mehr auf\u201c, so Klum.<\/p>\n<p>Das klingt erst mal nach dem perfekten Zeitgeist-Satz: Diagnose als Label, Belastung als Asset, \u201ezu viel\u201c als Karrierekompetenz. Und nat\u00fcrlich hat die 52-j\u00e4hrige Klum eine Biografie, die zu diesem Narrativ passt: Sie ist \u00fcberall gleichzeitig, immer medial sichtbar, <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/plus699dc73276d16623d4e8b5ba\/americas-next-topmodel-traenen-demuetigungen-zaehneziehen-das-leiden-der-models.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/trends\/plus699dc73276d16623d4e8b5ba\/americas-next-topmodel-traenen-demuetigungen-zaehneziehen-das-leiden-der-models.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">immer \u201eon\u201c<\/a>. Genau deshalb lohnt sich die saubere Abgrenzung \u2013 nicht gegen sie, sondern gegen eine verbreitete Verwechslung: Multitasking ist kein ADHS-Kriterium. Und \u201eviel schaffen\u201c ist kein Beweis f\u00fcr eine St\u00f6rung.<\/p>\n<p>ADHS ist kein \u201eIch kann tausend Sachen auf einmal\u201c.<\/p>\n<p>Medizinisch ist ADHS keine Beschreibung von Flei\u00df, Tempo oder Ehrgeiz, sondern eine neuroentwicklungsbedingte St\u00f6rung, die dann diagnostisch relevant wird, wenn Symptome \u00fcber l\u00e4ngere Zeit bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten und zu klinisch relevanter Beeintr\u00e4chtigung f\u00fchren \u2013 auch in zwischenmenschlichen Beziehungen, etwa in Freundschaften, Partnerschaften oder im Umgang mit Arbeitskollegen.<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt ist dabei oft nicht \u201ezu viel Energie\u201c, sondern Probleme der Selbststeuerung: Aufmerksamkeit halten, anfangen, priorisieren, zu Ende bringen, Reize filtern, Impulse bremsen. Gerade das, was viele Menschen Multitasking nennen, ist in Wirklichkeit st\u00e4ndiges Umschalten \u2013 und genau dieses Task-Switching ist bei ADHS h\u00e4ufig nicht die Superdisziplin, sondern die Baustelle und Ursache des Leidens. <\/p>\n<p>Mit ADHS werden unter anderem Besonderheiten in der Belohnungsverarbeitung und Selbststeuerung in Verbindung gebracht. ADHS geht h\u00e4ufiger mit problematischem Substanzkonsum einher: Alkohol, Nikotin oder Cannabis. Kurzfristig kann das entlastend wirken, langfristig kann es abh\u00e4ngig machen. Dazu kommt: Menschen mit ADHS haben ein deutlich erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr depressive Symptome und depressive St\u00f6rungen.<\/p>\n<p>Multitasking ist ein Mythos \u2013 und erst recht keine \u201eSuperpower\u201c. Was im Alltag als Multitasking gefeiert wird, ist meist Aufgabenwechsel unter Zeitdruck. Psychologisch ist gut belegt: Geteilte Aufmerksamkeit hat Grenzen, und \u201egleichzeitig\u201c bedeutet h\u00e4ufig \u201eschnell hintereinander\u201c \u2013 mit Kosten f\u00fcr Fehlerquote, Tiefe und Erholung.<\/p>\n<p>Wenn jemand sehr leistungsf\u00e4hig ist, viele Projekte stemmt, schnell entscheidet und den Kalender vollpackt, kann das zig Ursachen haben: Temperament, Training, Teamstrukturen, Rollenstatus, externe Entlastung, Perfektionismus \u2013 oder schlicht: Ambition und Arbeitsdisziplin.<\/p>\n<p>Und hier wird es bei Klums Zitaten interessant. Denn das, was sie beschreibt \u2013 \u201eviele Projekte\u201c, \u201eich lade mir immer noch mehr auf\u201c, l\u00e4sst sich auch als Teil einer \u00f6ffentlich gepflegten High-Performance-Erz\u00e4hlung lesen: hohes Aktivierungsniveau, hoher Output, hohe Toleranz f\u00fcr Dauerbetrieb. Das ist nicht automatisch krankhaft. Krankhaft wird es dort, wo es kippt: wenn Beziehungen leiden, der Schlaf chronisch entgleist, Finanzen und Impulsentscheidungen eskalieren. Wenn das \u201eMehr\u201c nicht mehr steuerbar ist, vor allem dann, wenn das Muster nicht nur im Rampenlicht, sondern \u00fcberall gilt. <\/p>\n<p>Warum die Einordnung wichtig ist? Wenn Prominente ADHS als \u201eSuperpower\u201c rahmen, hat das zwei Seiten. Es kann entstigmatisieren und signalisiert: Du bist nicht kaputt. Grunds\u00e4tzlich ist es wichtig, dass ber\u00fchmte Menschen sich auch mal verletzlich zeigen und bei aller \u00e4u\u00dferer Perfektion im Inneren eben angreifbar und: menschlich. Sprechen Prominente \u00fcber ihre mentale Gesundheit oder machen sie schwere Krebserkrankungen \u00f6ffentlich, werden sie nahbar. Die wahre \u201eSuperpower\u201c ist, dass sie m\u00e4chtig sind: Social-Media- und Medien-Reichweite, um zu entstigmatisieren, um aufzukl\u00e4ren und das Gef\u00fchl zu vermitteln, dass der normalsterbliche Fan nicht alleine ist mit seinen gesundheitlichen Problemen. <\/p>\n<p>F\u00fcr Betroffene ist ADHS kein \u201eIch kann mehr\u201c<\/p>\n<p>Aber es geht eben auch in die andere Richtung: Problematisch wird es, wenn Prominente psychische oder neuroentwicklungsbedingte St\u00f6rungsbilder verharmlosen oder verzerren. In Klums Fall, als w\u00e4re ADHS vor allem ein \u201eProduktivit\u00e4ts-Booster\u201c. Gerade f\u00fcr betroffene Kinder und Jugendliche ein fatales Signal. Ohne Diagnose leiden Betroffene in der Schule oft an Konzentrationsschw\u00e4che, haben einen starken Bewegungsdrang, leiden an innerer Unruhe oder einer geringen Frustrationstoleranz. (Was nicht bedeutet, dass hinter jedem auff\u00e4lligen Verhalten bei Kindern ADHS stecken muss.)<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann man Klum die Diagnose nicht absprechen: Erst vor Kurzem hatte auch ihr Sohn Henry, 20, in der Pro7-Doku \u201eOn &amp; Off the Catwalk\u201c erz\u00e4hlt, dass er als Kind starkes ADHS gehabt habe. Warum also nicht auch seine Mutter?<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr viele Betroffene ist ADHS eben kein \u201eIch kann mehr\u201c, sondern ein \u201eIch will\u201c \u2013 und trotzdem scheitern diese Menschen am \u201eDranbleiben\u201c. Es ist keine Erfolgsstory wie bei Heidi Klum, sondern eher eine Geschichte, gepr\u00e4gt von Chaos, Schuldgef\u00fchlen, \u00dcberforderung, sp\u00e4ten Diagnosen \u2013 gerade bei M\u00e4dchen und Frauen, die Symptome lange kompensieren. Bei M\u00e4dchen und Frauen zeigt sich ADHS oft weniger durch sichtbare Hyperaktivit\u00e4t und h\u00e4ufiger durch Unaufmerksamkeit; dadurch bleibt es nicht selten l\u00e4nger unerkannt.<\/p>\n<p>Und deshalb sollte man Heidi Klums S\u00e4tze nicht als Blaupause nehmen, sondern als Anlass, genauer hinzuschauen: ADHS ist keine Metapher f\u00fcr Vielbesch\u00e4ftigung. Multitasking ist kein Diagnosekriterium. Eine volle To-do-Liste ist kein Symptom, sondern ein Lebensstil \u2013 manchmal bewundernswert, manchmal ungesund, oft einfach: Arbeit.<\/p>\n<p>Ob Klum nun \u201eeine Form von ADHS\u201c hat oder nicht, kann und sollte niemand aus einem Interview heraus \u201ediagnostizieren\u201c. Sicher ist: Klum ist enorm produktiv, professionell und ehrgeizig. Und es gibt sehr viele Stars, die \u00fcber ihre ADS- und ADHS-Diagnosen gesprochen haben \u2013 Musiker Justin Timberlake, US-Sportlerin Simone Biles oder Influencerin <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/iconist\/news\/article255160936\/Caro-Daur-Ich-war-schon-immer-ein-krasser-Hibbel.html\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/iconist\/news\/article255160936\/Caro-Daur-Ich-war-schon-immer-ein-krasser-Hibbel.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Caro Daur<\/a>.<\/p>\n<p>Aber man kann eben auch sehr klar sagen, was ADHS nicht ist: ein Synonym f\u00fcr Flei\u00df oder ein Glamour-Label f\u00fcr Hyperproduktivit\u00e4t.<\/p>\n<p>Erz\u00e4hlen Sie uns Ihre Geschichte<\/p>\n<p>Wollen Sie uns auch Ihre Geschichte erz\u00e4hlen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an das Postfach meinegeschichte@welt.de. Gern ver\u00f6ffentlichen wir dann Ihre Geschichte hier auf WELT.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re hilfreich, wenn Sie als Betreff der E-Mail \u201eIhr Thema\u201c nennen und uns neben Ihrem Erfahrungsbericht auch Ihren Namen, Ihr Alter und Ihren Wohnort mitteilen. Wenn Sie Ihre Erfahrung lieber anonym einreichen m\u00f6chten, lassen Sie Ihren Namen einfach weg. <\/p>\n<p>Indem Sie Ihre Geschichte mit uns teilen, gehen wir davon aus, dass sich die Situation so wie beschrieben zugetragen hat und Sie sich mit bestem Wissen und Gewissen an das Geschehene erinnern. Wir freuen uns auf Ihre Geschichte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Heidi Klum nennt ADHS ihre \u201eSuperpower\u201c, weil sie \u201etausend Sachen auf einmal\u201c k\u00f6nne. Das klingt nach Zeitgeist. Doch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":47472,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[14534,101,46,68,14532,14531,1422,14533,14535,102,45,44,103,69,14536],"class_list":{"0":"post-47471","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-prominente","8":"tag-adhs-aufmerksamkeits-defizit-hyperaktivitaets-syndrom-ks","9":"tag-celebrities","10":"tag-ch","11":"tag-entertainment","12":"tag-heidi","13":"tag-klum","14":"tag-liebe","15":"tag-ott-clara","16":"tag-partnerschaft-ks","17":"tag-prominente","18":"tag-schweiz","19":"tag-switzerland","20":"tag-texttospeech","21":"tag-unterhaltung","22":"tag-verhaltensstoerungen-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116245365481532916","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47471","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47471"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47471\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}