{"id":49823,"date":"2026-03-19T07:39:06","date_gmt":"2026-03-19T07:39:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/49823\/"},"modified":"2026-03-19T07:39:06","modified_gmt":"2026-03-19T07:39:06","slug":"wem-gehoert-zuerich-lehren-aus-der-grundbuch-recherche-des-wav-recherchekollektivs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/49823\/","title":{"rendered":"\u00abWem geh\u00f6rt Z\u00fcrich?\u00bb Lehren aus der Grundbuch-Recherche des WAV-Recherchekollektivs"},"content":{"rendered":"<p>\u00abEusi Strasse, eusi Quartier\u00bb lautet ein Slogan der Z\u00fcrcher Wohnbewegung \u2013 doch wem geh\u00f6rt eigentlich der Boden in Z\u00fcrich? Das Recherchekollektiv WAV hat anfang 2026 Licht ins Dunkle gebracht und die Eigentumsverh\u00e4ltnisse des Z\u00fcrcher Bodens offengelegt. Die Resultate sind eindr\u00fccklich und zeigen, dass wir es in Z\u00fcrich mit einer Bodenkrise zu tun haben.<\/p>\n<p>von BFS Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Die Wohnkrise ist die dr\u00e4ngendste soziale Frage Z\u00fcrichs, einer Stadt bestehend aus 92% Mieter:innen. Es herrscht ein akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die Mieten steigen und durch Luxus-Neubauten und Business-Apartments werden zunehmend Arbeiter:innen aus der Stadt verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Angesichts wachsenden Widerstands, steigender Zahl an Wohndemos und der Organisierung von Mieter:innen kann auch die parlamentarische Politik die Augen vor dieser Entwicklung nicht mehr verschliessen. So versuchte jede Partei im Rahmen der Stadtwahlen vom 08. M\u00e4rz 2026 L\u00f6sungen zu formulieren. Diese L\u00f6sungen drehen sich vor allem um das Angebot: so wollen die Liberalen die Regeln lockern und mehr bauen, die Sozialdemokrat:innen zumindest einen Teil der neugebauten Wohnungen auch g\u00fcnstig vermieten.<\/p>\n<p>Die Eigentumsfrage wird dabei kaum gestellt \u2013 dabei ist es gerade die Rolle von Wohnraum als Eigentums- und Spekulationsobjekt welche die Wohnkrise antreibt. Denn wer streicht die st\u00e4ndig steigenden Mieten in der Stadt Z\u00fcrich ein? Das Recherche-Kollektiv WAV hat in Zusammenarbeit mit dem Stadtmagazin Ts\u00fcri.ch das Grundbuch in Verbindung mit dem Wohnregister der Stadt Z\u00fcrich ausgewertet und so herausgefunden, wem die 20 Quadratkilometer der Stadt Z\u00fcrich geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Rangliste des Z\u00fcrcher Grundbesitzes f\u00fchren Privatpersonen mit 38% an, gefolgt von kommerziellen Akteur:innen mit 30% sowie der Stadt und Genossenschaften, die zusammen rund 25% halten. Dahinter verbirgt sich der Trend, dass immer mehr Wohnraum von privaten Gesellschaften wie Banken, Pensionskassen und Versicherungen aufgekauft wird und der Anteil an Wohnraum in den H\u00e4nden von Privatpersonen abnimmt. So besitzt die UBS in Z\u00fcrich eine Wohnfl\u00e4che, die der 122-fachen Gr\u00f6sse des Ni-Una-Menos-Platzes (ehem. Helvetiaplatz) entspricht (477\u2019636 Quadratmeter Wohnfl\u00e4che). Insgesamt halten UBS, Swiss Life und Z\u00fcrich Insurance \u00fcber eine Million Quadratmeter Wohnraum.<\/p>\n<p>Private Grundbesitzer:innen folgen im allgemeinen Grundbesitzer:innen-Ranking erst ausserhalb der Top 30 und sind kaum sympathischer als Grossbanken und Versicherungen. So ist Z\u00fcrichs gr\u00f6sster privater Grundbesitzer ein shady Milliard\u00e4r mit rechtsextremen Affiliationen (mit Blick auf das Kunsthaus zeigt sich hier eine stolze Z\u00fcrcher Tradition). Henning Conle besitzt 105\u2019500 Quadratmeter Boden \u2013 konkret sind das 1253 Wohnungen in 135 H\u00e4usern in 9 Z\u00fcrcher Quartieren \u2013 dessen impliziter Wert CHF 1.2 Milliarden betr\u00e4gt. Diese Fl\u00e4che entspricht etwa 27-mal dem Ni-Una-Menos-Platz.<\/p>\n<p>Henning Conle wird es mit seinem Immobilienimperium und gesch\u00e4tzten Verm\u00f6gen von ebenfalls CHF 1.2 Milliarden nicht langweilig; so stellte er mutmasslich wiederholt Spenden in Millionenh\u00f6he an die AfD aus und finanzierte nebenbei die 100-Jahr-Feier der SVP Z\u00fcrich im Jahr 2017. Statt in Unterhalt und Sanierung von Wohnraum sowie Mietsenkungen fliessen die Mieteinnahmen also in die Taschen von faschistoiden Politiker:innen und finanzieren Plakatkampagnen, auf denen wir ihre Fratzen ertragen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die WAV-Recherche zum Grundbuch zeigt, dass wir nicht in einer Wohnkrise, sondern \u2013 aufgrund des ungerecht verteilten Grundbesitzes \u2013 in einer Bodenkrise stecken. Eine gerechte Wohnpolitik muss folglich nicht nur f\u00fcr mehr g\u00fcnstigen Wohnraum k\u00e4mpfen, sondern auch die Eigentumsverh\u00e4ltnisse angreifen. Banken, Versicherungen und Fascho-Milliard\u00e4re m\u00fcssen enteignet und ihr Wohnbesitz vergesellschaftet werden. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns als Mieter:innen organisieren und unsere K\u00e4mpfe verbinden. Darum alle am 30. Mai auf die Strasse f\u00fcr die grosse Wohndemo!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00abEusi Strasse, eusi Quartier\u00bb lautet ein Slogan der Z\u00fcrcher Wohnbewegung \u2013 doch wem geh\u00f6rt eigentlich der Boden in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":49824,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[14977,14744,45,613,2002,104],"class_list":{"0":"post-49823","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-zuerich","8":"tag-kapitalismus","9":"tag-oekologie","10":"tag-schweiz","11":"tag-wohnen","12":"tag-wohnungsnot","13":"tag-zuerich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116254700150333969","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=49823"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/49823\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=49823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=49823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=49823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}