{"id":50694,"date":"2026-03-19T20:49:07","date_gmt":"2026-03-19T20:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/50694\/"},"modified":"2026-03-19T20:49:07","modified_gmt":"2026-03-19T20:49:07","slug":"warum-unsere-haut-auf-stress-reagiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/50694\/","title":{"rendered":"Warum unsere Haut auf Stress reagiert"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer unter Neurodermitis leidet, erleidet oft vor allem in stressigen Phasen einen Schub des juckenden Hautausschlags. Doch warum reagiert die Haut so empfindlich auf Stress? Eine Studie zeigt nun, welche Schaltkreise des Nervensystems und Immunsystems dahinterstehen. Demnach aktivieren Neuronen in der Haut bestimmte Immunzellen, sogenannte Eosinophile, die Entz\u00fcndungsbotenstoffe freisetzen. Unterdr\u00fcckten die Forschenden diesen Signalweg bei M\u00e4usen, verringerte sich der Einfluss von Stress auf die Hautgesundheit.<\/p>\n<p>Rund jeder zehnte Mensch in Deutschland leidet phasenweise an Neurodermitis, auch bekannt als atopische Dermatitis. Bei einem Schub bilden sich auf der Haut juckende Ekzeme, die die Lebensqualit\u00e4t stark einschr\u00e4nken k\u00f6nnen. \u201eEin allgemein anerkannter verschlimmernder Faktor bei atopischer Dermatitis ist psychischer Stress, der durch komplexe Wechselwirkungen zwischen dem Nervensystem, dem endokrinen System und dem Immunsystem Entz\u00fcndungen verst\u00e4rken kann\u201c, erkl\u00e4rt ein Team um Jiahe Tian von der Fudan Universit\u00e4t in Shanghai. Welche Mechanismen allerdings dazu f\u00fchren, dass Stress diesen Effekt auf die Haut hat, ist noch unklar.<\/p>\n<p>Stress als Trigger<\/p>\n<p>Tian und seine Kollegen haben nun die zugrundeliegenden Signalwege nachvollzogen. Dazu werteten sie zun\u00e4chst Daten von 51 Personen mit atopischer Dermatitis aus, die jeweils ihre Symptome und Stresslevel protokolliert sowie Haut- und Blutproben abgegeben hatten. Dabei zeigte sich: W\u00e4hrend die meisten Immunzellen unbeeinflusst vom Stressnieau blieben, reicherte sich eine bestimmte Gruppe von Immunzellen, die sogenannten Eosinophilen, bei gestressten Patienten in der Haut an. Diese Variante der wei\u00dfen Blutk\u00f6rperchen ist daf\u00fcr bekannt, dass sie Entz\u00fcndungsbotenstoffe freisetzen und damit Entz\u00fcndungen verschlimmern k\u00f6nnen. \u201eAuf Basis dieser Ergebnisse kamen wir zu dem Schluss, dass ein spezifischer Zusammenhang zwischen der stressbedingten Anreicherung von Eosinophilien und dem Schweregrad der Hautentz\u00fcndung besteht\u201c, berichten die Forschenden.<\/p>\n<p>In Experimenten mit M\u00e4usen verfolgten Tian und sein Team diese Spur weiter. Dazu l\u00f6sten sie bei M\u00e4usen zun\u00e4chst chemisch Hautentz\u00fcndungen aus, die Ekzemen bei Menschen \u00e4hneln. Anschlie\u00dfend setzten sie die Tiere auf verschiedene Weise unter Stress, etwa indem sie sie ungesichert auf eine hohe Plattform setzten oder sie in einem engen Plastikrohr fixierten. Anschlie\u00dfend analysierten sie, welchen Einfluss das auf die entz\u00fcndete Haut hatte, wie sich der Eosinophilen-Spiegel ver\u00e4nderte und welche Nervenbahnen dabei aktiv waren.<\/p>\n<p>Vernetzung von Nervenzellen und Immunsystem<\/p>\n<p>Das Ergebnis: Vor allem bei den M\u00e4usen, die durch das Sitzen in gro\u00dfer H\u00f6he gestresst wurden, kam es zu einer massiven Aussch\u00fcttung von Stresshormonen und in der Folge zu einer Anreicherung von Eosinophilen in der Haut \u2013 verbunden mit einer verst\u00e4rkten Entz\u00fcndungsreaktion. Analysen der beteiligten Zellen ergaben, dass eine Untergruppe von Nervenzellen in der Haut, sogenannte Prodynorphin-positive (Pdyn)+ noradrenerge sympathische Neuronen, Stresssignale vom Gehirn in die Haut weiterleiteten und Eosinophile aktivierten. Legten die Forschenden die Pdyn+-Nervenzellen lahm oder entfernten die Eosinophilen, f\u00fchrte Stress bei den M\u00e4usen nicht mehr zu einer Verschlimmerung der Entz\u00fcndung. \u201eDiese Ergebnisse deuten darauf hin, dass stressinduzierte Eosinophilie ein potenzieller Biomarker f\u00fcr den Schweregrad der atopischen Dermatitis sein k\u00f6nnten\u201c, erkl\u00e4ren die Forschenden.<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich k\u00f6nnten die Erkenntnisse auch neue therapeutische Wege er\u00f6ffnen. Bereits fr\u00fcher wurden Neurodermitis-Therapien ausgetestet, die auf die Eosinophilen abzielen, allerdings mit begrenztem Erfolg. Angesichts der neuen Ergebnisse w\u00e4re es jedoch denkbar, das bestimmte Patientengruppen, die besonders unter Stress leiden, mehr von einer solchen Behandlung profitieren k\u00f6nnen. Auch nicht-medikament\u00f6se Ans\u00e4tze w\u00e4ren denkbar: \u201eDie Integration von Interventionen zur psychischen Gesundheit wie Stressreduktion, kognitive Verhaltenstherapie oder Achtsamkeit in die dermatologische Versorgung k\u00f6nnte die Behandlungsergebnisse bei atopischer Dermatitis und anderen stressempfindlichen Hauterkrankungen verbessern\u201c, schreiben Nicolas Gaudenzio und Lillan Basso von der Universit\u00e4t Toulouse in Frankreich, die nicht an der Studie beteiligt waren, in einem begleitenden Kommentar.<\/p>\n<p>Quelle: Jiahe Tian (Fudan University, Shanghai, China) et al., Science, <a href=\"http:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adv5974\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1126\/science.adv5974<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer unter Neurodermitis leidet, erleidet oft vor allem in stressigen Phasen einen Schub des juckenden Hautausschlags. 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