{"id":51063,"date":"2026-03-20T06:38:06","date_gmt":"2026-03-20T06:38:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/51063\/"},"modified":"2026-03-20T06:38:06","modified_gmt":"2026-03-20T06:38:06","slug":"duri-prader-ceo-lienhardt-partner-privatbank-zuerich-ag-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/51063\/","title":{"rendered":"Duri Prader, CEO Lienhardt &#038; Partner Privatbank Z\u00fcrich AG, im Interview"},"content":{"rendered":"<p>\n\t\t\t\t\t20. M\u00e4rz 2026, 07:00 Uhr                <\/p>\n<p>von Sandra Willmeroth<\/p>\n<p>Moneycab.com: Herr Prader, die Bank konnte den Jahresgewinn trotz eines deutlich r\u00fcckl\u00e4ufigen Zinsertrags leicht steigern. Was waren die wichtigsten Faktoren, die dieses positive Ergebnis in einem anspruchsvollen Umfeld erm\u00f6glicht haben?<\/p>\n<p>Duri Prader: Wesentlich war, dass wir den Minderertrag aus dem Zinsgesch\u00e4ft mit Mehreinnahmen aus den anderen Bereichen kompensieren konnten. Als Bank achten wir sehr darauf, dass wir gut diversifizierte Ertragsstr\u00f6me haben. Das macht unser Gesch\u00e4ftsmodel stabiler. Rund 50 Prozent unserer Bruttoertr\u00e4ge stammen aus dem Anlagegesch\u00e4ft, je etwa 20 Prozent von den Immobilien und dem Zinsgesch\u00e4ft und rund 10 Prozent aus dem Handel.<\/p>\n<p>Besonders stark gewachsen ist das Kommissions- und Dienstleistungsgesch\u00e4ft, das um 14,9 Prozent auf 32,91 Millionen Franken zulegte. Welche Kundensegmente oder Dienstleistungen haben dieses Wachstum am st\u00e4rksten getragen?<\/p>\n<p>Allgemein k\u00f6nnen wir festhalten, dass unsere verwalteten Verm\u00f6gen um 11,4 Prozent gewachsen sind. Das h\u00f6here Volumen f\u00fchrt selbstredend zu besseren Ertr\u00e4gen. Neugeld konnten wir sowohl im Private Banking als auch im Vorsorgegesch\u00e4ft anziehen. Die gute Performance unserer Verm\u00f6gensverwaltungs- und Anlagemandate sorgte zudem zus\u00e4tzlich f\u00fcr Wachstum.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist der Brutto-Erfolg aus dem Zinsengesch\u00e4ft um 25,9 Prozent zur\u00fcckgegangen. Wie stark belastet dieser R\u00fcckgang das Gesamtergebnis \u2013 und welche Massnahmen haben Sie ergriffen, um diese Entwicklung abzufedern?<\/p>\n<p>Als Bank verdienen wir besser, wenn die Zinsen h\u00f6her sind. Als wir das Budget f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2025 erstellt hatten, sind wir davon ausgegangen, dass der Leitzins in der Schweiz ab Herbst wieder bei null sein wird. Das traf ein Quartal fr\u00fcher ein, aber wir erreichten trotzdem ziemlich genau den budgetierten Zinsertrag. Im laufenden Jahr gehen wir von einem weiteren R\u00fcckgang der Zinsertr\u00e4ge aus. Wir wollen aber nicht mit mehr Kreditvolumen diese Minderertr\u00e4ge kompensieren, sondern wiederum mit zus\u00e4tzlichem Gesch\u00e4ft in den anderen Bereichen. Die Stabilit\u00e4t unserer Bilanz geht der Ertragsoptimierung vor.<\/p>\n<p>\u00abIm laufenden Jahr gehen wir von einem weiteren R\u00fcckgang der Zinsertr\u00e4ge aus. Wir wollen aber nicht mit mehr Kreditvolumen diese Minderertr\u00e4ge kompensieren, sondern wiederum mit zus\u00e4tzlichem Gesch\u00e4ft in den anderen Bereichen.\u00bb<br \/>Duri Prader, CEO <a href=\"https:\/\/www.lienhardt.ch\/\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.lienhardt.ch\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lienhardt &amp; Partner Privatbank Z\u00fcrich AG<\/a><\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist die gegenl\u00e4ufige Kostenentwicklung: Der Personalaufwand ist gesunken, w\u00e4hrend der Sachaufwand aufgrund von Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung um 34,8 Prozent gestiegen ist. Wie beurteilen Sie diese Kostenstruktur und deren Nachhaltigkeit?<\/p>\n<p>Wir achten auf ein striktes Kostenmanagement. Das l\u00e4sst sich am besten verstehen, wenn wir uns auf die Gr\u00fcndung unserer Bank zur\u00fcckbesinnen. Unsere heutige Privatbank wurde 1868 als Gewerbebank Z\u00fcrich gegr\u00fcndet. Man verstand sich selbstredend als Bank der Gewerbetreibenden. Bodenst\u00e4ndigkeit und Bescheidenheit war von zentraler Bedeutung. Dieses Selbstverst\u00e4ndnis pflegen wir bis heute. Durch dasnachhaltige Wachstum \u00fcber die letzten Jahre kommen wir aber nicht darum herum, substanziell in unsre Infrastruktur und die Digitalisierung zu investieren. Wir sind \u00fcberzeugt, dass sich die Investitionen l\u00e4ngerfristig auszahlen werden.<\/p>\n<p>Der operative Gesch\u00e4ftserfolg liegt bei 20,59 Millionen Franken, die Cost-Income-Ratio bei 59,1 Prozent. Wie zufrieden sind Sie mit dieser operativen Performance im Vergleich zum Markt und zu Ihren eigenen Zielwerten?<\/p>\n<p>Wir bewegen uns in der Regel um eine Cost-Income-Ratio von 60 Prozent. Unser Gesch\u00e4ftsmodel ist aber einzigartig und l\u00e4sst sich schwerlich mit anderen Banken oder Privatbanken vergleichen. Gut gef\u00fchrte Sparkassen und Kantonalbanken liegen regelm\u00e4ssig unter 50 Prozent, Privatbanken h\u00e4ufig \u00fcber 70 oder sogar \u00fcber 80 Prozent. Wir befinden uns ziemlich genau in der Mitte. Das passt zu unserem Gesch\u00e4ftsmodel und unseren Zielwerten.<\/p>\n<p>Sie planen in den kommenden Jahren steigende Investitionen in Personal, IT-Infrastruktur und die Sanierung von Immobilien. Welche strategischen Priorit\u00e4ten setzen Sie dabei \u2013 und welche konkreten Verbesserungen erwarten Sie f\u00fcr Kunden und Mitarbeitende?<\/p>\n<p>Strategisch sind die Priorit\u00e4ten klar bei den Mitarbeitenden und der IT-Infrastruktur. Eine Bank besteht aus diesen zwei zentralen Kostenbl\u00f6cken. Die Investitionen in unseren Immobilienbestand hat hingegen mit dem Lebenszyklus der Liegenschaften zu tun und ist weniger strategischer Natur.<\/p>\n<p>Ihr Gesch\u00e4ftsmodell basiert auf den drei S\u00e4ulen Private Banking, Immobilien und Vorsorge. Wie entwickeln sich diese Bereiche aktuell \u2013 und wo sehen Sie die gr\u00f6ssten Wachstumschancen f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre?<\/p>\n<p>Unser Gesch\u00e4ftsmodel richtet sich nach der Struktur der Verm\u00f6gen unserer Kunden. Dieses besteht in der Regel aus Bankverm\u00f6gen, Immobilien und Vorsorgeguthaben. Entsprechend f\u00fchren wir die Bereiche Private Banking, Immobilien und Vorsorge. Im Private Banking sind wir eine Alternative zu den grossen Instituten und bieten verst\u00e4ndliche und transparente Dienstleistungen an. Bei den Immobilen sind wir ein erstklassiger Anbieter in der Bewirtschaftung und Vermittlung von Immobilien. In der Vorsorge schliesslich sind wir ein B2B2C Anbieter, der eine Banking-as-a-Service Plattform (BaaS) betreibt. Wir bieten insbesondere Versicherungsgesellschaften integrierte Anlage- und Stiftungsl\u00f6sungen an wie 3a, 3b und FZ-Produkte. Wachstum sehe wir in allen drei Einheiten, aber der Fokus liegt klar beim Private Banking und bei der Vorsorge.<\/p>\n<p>Die Bank weist eine sehr starke Kapitalisierung mit einer Gesamtkapitalquote von 26,1 Prozent und einer Leverage Ratio von 13,3 Prozent aus. Wie nutzen Sie diese St\u00e4rke strategisch, um sich im Schweizer Bankenmarkt weiter zu positionieren?<\/p>\n<p>Wir haben in der Tat eine erstklassige Bilanz. Wenn Sie unsere Kennzahlen beispielsweise mit den Bilanzen systemrelevanter Banken in der Schweiz vergleichen, dann stellen Sie fest, dass wir faktisch \u00fcberkapitalisiert sind. F\u00fcr uns ist es wichtig, dass es keinerlei Zweifel oder Bedenken gibt bez\u00fcglich unserer Bonit\u00e4t. Diesen Komfort und diese Sicherheit schulden wir unseren Kunden. Sie sollen alle gut schlafen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sie sprechen von einem Gesch\u00e4ftsjahr, das von geopolitischen Unsicherheiten gepr\u00e4gt war. Wie wirken sich diese globalen Spannungen auf das Verhalten Ihrer Kundinnen und Kunden aus \u2013 und wie stellen Sie die Bank darauf ein?<\/p>\n<p>Alles deutet darauf hin, dass wir uns von einer multilateralen zu einer unilateralen Ordnung bewegen. Das ist grunds\u00e4tzlich kein Vorteil f\u00fcr ein kleines Land, wenn man mit den Grossen und M\u00e4chtigen im Wettbewerb steht. Wir betreiben unser Gesch\u00e4ft aber operativ nur in der Schweiz. Insofern trifft uns diese Entwicklung nur indirekt \u00fcber unsere Anlagepolitik. Hier denken wir langfristig. Im Iran und in der Ukraine herrscht zurzeit Krieg, was immer eine humanit\u00e4re Trag\u00f6die ist. Aber Aktienm\u00e4rkte sind kaltherzig und rational. Solange Konflikte regional bleiben, beeinflussen sie die globalen Handelsstr\u00f6me nicht gravierend, f\u00fchren kaum zu einer Rezession der Weltwirtschaft und entsprechend auch nicht zu einer Baisse an den B\u00f6rsen. F\u00fcr eine gute Anlageperformance ist nicht \u00abMarket Timing\u00bb, sondern \u00abTime in the Market\u00bb entscheidend. Das Aushalten der Marktschwankungen ist mitunter der Preis f\u00fcr den angestrebten Anlageerfolg.<\/p>\n<p>\u00abAktienm\u00e4rkte sind kaltherzig und rational. Solange Konflikte regional bleiben, beeinflussen sie die globalen Handelsstr\u00f6me nicht gravierend, f\u00fchren kaum zu einer Rezession der Weltwirtschaft und entsprechend auch nicht zu einer Baisse an den B\u00f6rsen.\u00bb<\/p>\n<p>Die Kommissionen aus dem Immobiliengesch\u00e4ft sind um 17,4 Prozent gestiegen. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage im Z\u00fcrcher Immobilienmarkt \u2013 und welche Trends pr\u00e4gen Ihre Beratung in diesem Segment?<\/p>\n<p>Der Immobilienmarkt in der Region Z\u00fcrich beurteilen wir unver\u00e4ndert positiv. Sollten die Zinsen wieder in den negativen Bereich abgleiten, was wir nicht ausschliessen, dann sehen wir bei den Bewertungen zus\u00e4tzliches Potential. Immobilien haben den Vorteil, dass sie per se keine negative Rendite erzielen, solange kein aufgestauter Unterhaltsbedarf und kein Leerstand bestehen. Die Erkl\u00e4rung ergibt sich aus dem simplen Umstand, dass Mietertr\u00e4ge stets h\u00f6her sind als der ordentliche Unterhalt. Immobilien sollten daher in einem Negativzinsumfeld als Anlageklasse mit einer Pr\u00e4mie bewertet werden.<\/p>\n<p>Das tiefere Zinsumfeld hat zu deutlich gesunkenen Zins- und Diskontertr\u00e4gen gef\u00fchrt. Wie ver\u00e4ndert diese Situation die Wettbewerbsdynamik im Schweizer Bankenmarkt \u2013 und welche Rolle spielt Beratung in einem Umfeld niedriger Zinsmargen?<\/p>\n<p>Ein Null- oder Negativzinsumfeld f\u00fchrt im Kreditgesch\u00e4ft dazu, dass Pensionskassen und Versicherungsgesellschaften wieder vermehrt im Hypothekargesch\u00e4ft t\u00e4tig werden, was generell zu einem Margendruck in der Branche f\u00fchrt. H\u00e4ufig besteht dann f\u00fcr Banken die Versuchung, mit mehr Volumen die Minderertr\u00e4ge zu kompensieren. Das erh\u00f6ht grunds\u00e4tzlich die Risken im Bankensektor. Im Anlagegesch\u00e4ft f\u00fchrt die Situation dazu, dass ein klassisch ausgewogenes Portfolio mit Aktien und Obligationen wenig zielf\u00fchrend ist. Die Tendenz besteht dann, dass Kunden mehr Risiken in Kauf nehmen als eigentlich gew\u00fcnscht. Das bedarf umsichtiger Beratung. Sonst f\u00fchrt das zu Verdruss.<\/p>\n<p>\u00abWenn KI zuk\u00fcnftig aus unstrukturierten Datenmengen intelligente Schlussfolgerungen ziehen kann, dann f\u00fchrt das nicht nur zu einer Neuorganisation der Arbeitswelt, sondern auch zu einer ganz neuen Infrastruktur.\u00bb<\/p>\n<p>Lienhardt &amp; Partner gibt es seit 1868. Wie $ gelingt es Ihnen pers\u00f6nlich, diese lange Tradition mit der Notwendigkeit zu verbinden, die Bank in eine zunehmend digitale Zukunft zu f\u00fchren?<\/p>\n<p>Eine lange Tradition kann man nur haben, wenn man sich nicht nur \u00fcber das kommende Jahr Gedanken macht, sondern sich immer wieder die Frage stellt, wo man in f\u00fcnf Jahren noch ein Mehrwert f\u00fcr Kundinnen und Kunden erwirtschaften kann. Insofern steht Tradition nicht im Widerspruch zu Innovation. Die Zukunft ist nie klar. Auch in der heutigen Zeit bestehen bekanntlich gewichtige Herausforderungen und Chancen. Wenn KI zuk\u00fcnftig aus unstrukturierten Datenmengen intelligente Schlussfolgerungen ziehen kann, dann f\u00fchrt das nicht nur zu einer Neuorganisation der Arbeitswelt, sondern auch zu einer ganz neuen Infrastruktur. Aus heutiger Sicht weiss ich nur, dass es mit Sicherheit spannend werden wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lienhardt.ch\/\" type=\"link\" id=\"https:\/\/www.lienhardt.ch\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lienhardt &amp; Partner Privatbank<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"20. 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