{"id":5134,"date":"2026-02-15T03:11:21","date_gmt":"2026-02-15T03:11:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/5134\/"},"modified":"2026-02-15T03:11:21","modified_gmt":"2026-02-15T03:11:21","slug":"basel-vereint-kasimir-und-karoline-mit-glaube-liebe-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/5134\/","title":{"rendered":"Basel vereint Kasimir und Karoline mit Glaube Liebe Hoffnung"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eigentlich, wird Karoline am Ende sagen, habe sie ja nur eine Wurst essen wollen: \u201eAber dann ist der Zeppelin vorbeigeflogen und ich bin mit der Achterbahn gefahren.\u201c Danach war die Welt eine andere, die Zeit aus den Fugen, das Leben gekippt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u00d6d\u00f6n von Horv\u00e1ths Volksst\u00fcck \u201eKasimir und Karoline\u201c spielt laut Regieanweisung des Autors nicht nur auf dem M\u00fcnchener Oktoberfest, sondern vor allem \u201ein unserer Zeit\u201c. Das kann man historisch verstehen: also zu seiner Entstehungszeit mitten in der Weltwirtschaftskrise 1929. Es l\u00e4sst sich aber auch prophetisch interpretieren. Was diesem jungen Paar widerf\u00e4hrt, wird immer in unserer Zeit spielen, immer aktuell bleiben. Weil sich der Mensch st\u00e4ndig irgendwelche Luftschiffe baut, die dann seine Verh\u00e4ltnisse durcheinander wirbeln.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Am Theater Basel glaubt man sich mittendrin in einem solchen Gef\u00e4hrt. Wie eine Zeppelinh\u00fclle oder besser noch ein Raumschiff aus ferner Zukunft umschlie\u00dfen die mit leuchtenden Neonr\u00f6hren ausgestatteten W\u00e4nde von links und rechts die Szenerie (B\u00fchne: Thilo Reuter). Dazwischen versuchen nicht nur der gerade arbeitslos gewordene Kasimir und seine Freundin Karoline, sich mit der neuen Zeit zu arrangieren: Auch Elisabeth taucht auf, die ungl\u00fcckliche Sinnsucherin aus Horv\u00e1ths anderem gro\u00dfen Sozialdrama aus dieser Zeit, \u201eGlaube Liebe Hoffnung\u201c.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Regisseurin Karin Henkel hat die beiden St\u00fccke zusammenmontiert. Tats\u00e4chlich gibt es zwischen ihnen vielfache Bez\u00fcge, der Autor selbst wollte sie urspr\u00fcnglich im Doppelpack publizieren. An eine Symbiose aber, an die Verschmelzung zu einem einzigen gro\u00dfen Theaterabend hat bislang noch niemand gedacht. Dreieinhalb Stunden lang l\u00e4sst Henkel diese verlorenen Seelen durch ihre kalte, dunkle Science-Fiction-Landschaft irren. Die Frage ist, ob das gut gehen kann.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Karoline (Marie L\u00f6cker) hat sich gerade von ihrem schlecht gelaunten Freund Kasimir (Sven Schelker) losgerissen, um sich auf dem Oktoberfest nach fescheren, erfolgreicheren M\u00e4nnern umzuschauen. Da sehen wir auch schon Elisabeth (Gala Othero Winter) beim Leichenpr\u00e4parator (Martin Wuttke) vorstellig werden. Ob er wohl vorab ihre k\u00fcnftige Leiche kaufen w\u00fcrde, so f\u00fcr 150 Mark?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Es sind unw\u00fcrdige Zust\u00e4nde, in die Horv\u00e1th seine Figuren schickt, das bedeutet aber nicht, dass diese auch zu unw\u00fcrdigen Menschen werden. Henkel stattet manche von ihnen mit Halbmaske aus, teilt das Gesicht in eine helle und eine dunkle H\u00e4lfte: Zwei Seelen wohnen, ach, in ihrer Brust. Der Mensch w\u00e4re ja gerne gut, aber manchmal muss er sich halt f\u00fcrs Schlechte entscheiden.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/kasimirkarolinehp2ringohoehn-580.jpg\" alt=\"D\u00fcstere Welt: Blick auf die B\u00fchne in \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c.\" title=\"D\u00fcstere Welt: Blick auf die B\u00fchne in \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    D\u00fcstere Welt: Blick auf die B\u00fchne in \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c.<br \/>\n    Foto: Ingo H\u00f6hn \/ Theater Basel<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    D\u00fcstere Welt: Blick auf die B\u00fchne in \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c.<br \/>\n    Foto: Ingo H\u00f6hn \/ Theater Basel<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Pr\u00e4parator zum Beispiel will der armen Frau durchaus helfen, zahlt ihr die 150 Mark bar auf die Hand. Auch ohne Leiche. Und der Schutzpolizist (J\u00f6rg Pohl) nimmt sie sogar zur Freundin. Trotz ihrer Armut. Weil: \u201eIch sch\u00e4tze eine Frau h\u00f6her ein, die von mir abh\u00e4ngt, als wie umgekehrt.\u201c Als dann aber diese M\u00e4nner von Elisabeths Vorstrafe erfahren &#8211; eingehandelt wegen eines fehlenden Gewerbescheins -, ist\u2018s auch schon vorbei mit dem Mitleid. Mit der Justiz sollte man sich als anst\u00e4ndiger B\u00fcrger keinen \u00c4rger einhandeln!\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wenn die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse den Menschen seiner Existenzgrundlage berauben, werden die gro\u00dfen Wertedebatten zur Karikatur ihrer selbst. \u201eOhne Glaube, Liebe, Hoffnung kann man gar nicht leben\u201c, redet Karolines Oktoberfest-Bekanntschaft Sch\u00fcrzinger (Fabian Demmich) geschwollen daher: \u201eDas resultiert alles voneinander!\u201c Ja, mei, erwidert die junge Frau nur achselzuckend: \u201eDas sind so Spr\u00fcch.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Als \u201eSt\u00fcck in unserer Zeit\u201c gelesen, sind es die vermeintlichen Fortschrittstechnologien wie digitale Medien und K\u00fcnstliche Intelligenz, die sich wie ein Schraubstock um diese kleine Welt der kleinen Leute schlie\u00dfen. Und unter deren Druck jedes hoffnungsfrohe Wort, jedes gro\u00dfe Versprechen so lange ausgepresst wird, bis nur mehr seine leere H\u00fclle \u00fcbrig bleibt. Das wirkt so \u00fcberzeugend, wie es schnell verstanden ist.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der Abend aber geht weiter, immer weiter. Auf Elisabeths Dem\u00fctigung folgt die des armen Kasimir. Auch der stolze Sch\u00fcrzinger entpuppt sich blo\u00df als kleines R\u00e4dchen im gro\u00dfen Getriebe des Systems. Wer noch? Karoline nat\u00fcrlich! Und der Schutzpolizist! \u201eIch habe genug\u201c, singt Elisabeth irgendwann in Anlehnung an Bachs ber\u00fchmte Kirchenkantate. Das sagt sich auch mancher Zuschauer: Nach der Pause sind die Reihen merklich gelichtet.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/kasimirkarolinehp2ringohoehn-010.jpg\" alt=\"Szene aus \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c: Karin Henkel montiert in Basel zwei Klassiker zu einem Dreineinhalb-Stunden-Abend.\" title=\"Szene aus \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c: Karin Henkel montiert in Basel zwei Klassiker zu einem Dreineinhalb-Stunden-Abend.\" loading=\"lazy\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Szene aus \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c: Karin Henkel montiert in Basel zwei Klassiker zu einem Dreineinhalb-Stunden-Abend.<br \/>\n    Foto: Ingo H\u00f6hn \/ Theater Basel<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Szene aus \u201eKasimir und Karoline und der Tanz mit dem Tod\u201c: Karin Henkel montiert in Basel zwei Klassiker zu einem Dreineinhalb-Stunden-Abend.<br \/>\n    Foto: Ingo H\u00f6hn \/ Theater Basel<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Diese Inszenierung scheitert gleich auf mehreren Ebenen. Horv\u00e1ths anekdotisch verknappte Volksst\u00fccke eignen sich einfach nicht zum Dreieinhalb-Stunden-Epos in der Dimension einer Shakespeare-Trag\u00f6die. Sie lassen sich auch kaum unbeschadet in ein statisches Ger\u00fcst zw\u00e4ngen, mag dieses noch so sinnhaft begr\u00fcndet sein. Und Material von anderen Autoren &#8211; Henkel und ihre Dramaturgin Inga Schonlau schneiden unter anderem Texte von Thomas Bernhard und Gottfried Benn hinein &#8211; bleibt darin ein Fremdk\u00f6rper.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Darstellerisch \u00fcberzeugen vor allem die weiblichen Charaktere: Gala Othero Winters fatalistischer Elisabeth stellt Marie L\u00f6cker eine sich gegen die Zumutungen ihrer Zeit trotzig aufb\u00e4umende Karoline entgegen. Martin Wuttke als Stargast dieser Produktion hingegen liefert zwar den erwartet wuchtigen Auftritt ab, wirkt damit aber phasenweise \u00fcberdreht. Gerade weil dieser Abend \u00fcber eine so lange Strecke so uniform, so statisch anmutet, w\u00e4re weniger mehr gewesen. Mehr Zur\u00fcckhaltung, mehr Nachdenklichkeit, mehr Zwischent\u00f6ne.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mag sein, dass beide Werke \u00d6d\u00f6n von Horv\u00e1ths demselben Gedanken entsprungen sind, dass sie \u00e4hnlichen Regeln folgen, miteinander zentrale Motive teilen. Es bleiben trotzdem autonome St\u00fccke, aus guten Gr\u00fcnden. Nicht immer w\u00e4chst auf deutschsprachigen B\u00fchnen zusammen, was auch zusammengeh\u00f6rt.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kommende Vorstellungen: am 4., 16. und 19. M\u00e4rz. Weitere Informationen: www.theater-basel.ch\n  <\/p>\n<p>    Der Zeppelin<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zur Zeit \u00d6d\u00f6n von Horv\u00e1ths (1901-1938) galten Luftschiffe noch als Verkehrstechnologie der Zukunft. Ein Zeppelin taucht sowohl in \u201eKasimir und Karoline\u201c als auch in \u201eGlaube Liebe Hoffnung\u201c auf. 2017 hat der Regisseur Herbert Fritsch ein ganzes St\u00fcck zu diesem Motiv geschrieben: \u201eZeppelin\u201c basierte ganz auf Texten \u00d6d\u00f6n von Horv\u00e1ths. (brg)\n  <\/p>\n<p>    Johannes  Bruggaier<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<p>    Basel<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<p>    Oktoberfest<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich, wird Karoline am Ende sagen, habe sie ja nur eine Wurst essen wollen: \u201eAber dann ist der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5135,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[116,2556,2561,2558,2559,2555,2557,45,2563,2562,2560],"class_list":{"0":"post-5134","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-basel","8":"tag-basel","9":"tag-karin-henkel","10":"tag-luftschiff","11":"tag-marie-loecker","12":"tag-martin-wuttke","13":"tag-oedoen-von-horvath","14":"tag-oktoberfest","15":"tag-schweiz","16":"tag-sven-schelker","17":"tag-thilo-reuter","18":"tag-zeppelin"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5134\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}