{"id":56445,"date":"2026-03-24T08:15:07","date_gmt":"2026-03-24T08:15:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/56445\/"},"modified":"2026-03-24T08:15:07","modified_gmt":"2026-03-24T08:15:07","slug":"missbrauchspraevention-bischoefe-praezisieren-umgang-mit-assessments-pfarrblatt-bern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/56445\/","title":{"rendered":"Missbrauchspr\u00e4vention: Bisch\u00f6fe pr\u00e4zisieren Umgang mit Assessments: Pfarrblatt Bern"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Schweizer Bisch\u00f6fe sind einen Schritt weiter in der Frage, wie sie mit den Resultaten der Assessments (siehe Infobox) von angehenden Seelsorger:innen umgehen m\u00f6chten. Am 19. M\u00e4rz haben sie die Ausf\u00fchrungsbestimmungen hierzu \u00abeinstimmig verabschiedet\u00bb, wie einer Mitteilung vom 23. M\u00e4rz zu entnehmen ist.\u00a0<\/p>\n<p>Darin bekr\u00e4ftigen sie nochmals, dass nur eine vom Bischof bestimmte Instanz Zugang zu den vollst\u00e4ndigen Assessment-Berichten und damit zu den Resultaten erh\u00e4lt. Dies ist in der Regel die Ausbildungsleitung (kirchenintern \u00abRegens\u00bb genannt) oder ein daf\u00fcr zust\u00e4ndiges Gremium sowie der Bischof selbst. Die Resultate werden mit den Kandidat:innen besprochen, diese erhalten eine Kopie der Berichte.\u00a0<\/p>\n<p>Abkl\u00e4rungsnachweis enth\u00e4lt keine Resultate<\/p>\n<p>Neu ist den Bestimmungen zu entnehmen, dass \u00abdie Eckdaten des Ergebnisses\u00bb in einem \u00abdi\u00f6zesanen Abkl\u00e4rungsnachweis\u00bb zusammenfasst werden. Dieses Dokument soll mit Einwilligung des\/der Kanditat:innen in deren Personaldossier abgelegt werden. Ausserdem wird es der Beh\u00f6rde zugeschickt, bei welcher der\/die Seelsorger:in die erste Stelle antritt. In der Regel ist dies die Kirchgemeinde.\u00a0<\/p>\n<p>Der Abkl\u00e4rungsnachweis enth\u00e4lt allerdings keine Angaben zum Resultat des Assessments, wie Maurice Greder, Sprecher der Bischofskonferenz, auf Nachfrage erkl\u00e4rt. Auch sei nicht geregelt, was geschieht, wenn ein:e Kandidat:in nicht m\u00f6chte, dass der Nachweis im Personaldossier abgelegt wird.<\/p>\n<p>Anstellende Beh\u00f6rde muss Resultat selber erfragen<\/p>\n<p>Die Namen der gepr\u00fcften Kandidat:innen werden zusammen mit dem Ort und dem\/der Auftraggeber:in in einem nationalen Verzeichnis festgehalten, nicht jedoch die Resultate. Als Grund hierf\u00fcr nennt die Bischofskonferenz Datenschutzbestimmungen und Pers\u00f6nlichkeitsrechte der betroffenen Seelsorger:innen. F\u00fcr die anstellenden Beh\u00f6rden, in der Regel Kirchgemeinden, bedeutet dies, dass sie im nationalen Verzeichnis den Aufftraggeber des Assessments erfragen und selbst bei diesem nachfragen muss, wenn sie das Resultat eines Assessments erfahren m\u00f6chte.\u00a0<\/p>\n<p>Diese Regelung hatte bereits im Vorfeld f\u00fcr Kritik gesorgt. Laut Urs Brosi, Generalsekret\u00e4r der R\u00f6misch-katholischen Zentralkonferenz, legt die SBK damit die Datenschutzbestimmungen einseitig zugunsten potenzieller T\u00e4ter:innen aus. <a href=\"https:\/\/www.kath.ch\/newsd\/seilziehen-um-assessment-resultate-zwischen-bischoefen-und-landeskirchen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Dies sagte \u00a0er gegen\u00fcber kath.ch<\/a>. Thomas Sch\u00fcller, Professor f\u00fcr Kirchenrecht an der Uni M\u00fcnster, \u00a0verweist <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/katholische-kirche-bischoefe-blockieren-missbrauchsregister-385295945714\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">gegen\u00fcber dem \u00abTages-Anzeiger\u00bb<\/a> auf L\u00e4nder wie die USA oder Deutschland, wo die Einsicht in Assessments anders gehandhabt werde.\u00a0<\/p>\n<p>Im Vorfeld war ausserdem kritisiert worden, dass es keine externe Kontrollinstanz gibt, welche \u00fcberpr\u00fcft, ob die Empfehlungen der Fachpersonen auch umgesetzt werden. Die Entscheidung dar\u00fcber, ob eine Person, die ein Assessment nicht bestanden hat, angestellt wird oder nicht, liegt in der Hand des Ordinariats. Daran \u00e4ndern auch die Ausf\u00fchrungsbestimmungen nichts.<\/p>\n<p>Seelsorgende aus dem Ausland<\/p>\n<p>Bislang haben erst Seelsorgende in Ausbildung die Assessments durchlaufen. Ab sofort sollen die Pr\u00fcfungsverfahren \u00abnach und nach\u00bb auch auf Seelsorgende ausgedehnt werden, die aus dem Ausland kommen. Berechtigte Ausnahmen seien m\u00f6glich. Auf Nachfrage erl\u00e4utert Maurice Greder, Sprecher der SBK, wenn ein:e Kandidat:in beispielsweise nachweisen k\u00f6nne, ein vergleichbares Pr\u00fcfungsverfahren im Heimatbistum durchlaufen zu haben, m\u00fcsse er oder sie nicht noch einmal ein zweites Assessment durchlaufen. Mit den Resultaten der Assessments von Seelsorgenden aus dem Ausland wird im Wesentlichen gleich verfahren wie bei den Seelsorgenden in Ausbildung.\u00a0<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollen auch Seelsorgende, die bereits im Beruf t\u00e4tig sind, gepr\u00fcft werden k\u00f6nnen, wenn diese \u00abAuff\u00e4lligkeiten zeigen\u00bb, die auf ernsthafte Defizite in Basiskompetenzen hinwiesen. Laut Greder kann bei Hinweisen der Ortsbischof \u2013 gegebenenfalls \u00a0zusammen mit der Anstellungsinstanz \u2013 ein sogenanntes \u00abFokusassessment\u00bb anordnen. Auf Nachfrage erl\u00e4utert Greder, dies k\u00f6nne eine spezifische Abkl\u00e4rung zu den gemeldeten Auff\u00e4lligkeiten sein, es sei aber je nach Fall auch m\u00f6glich, dass eine breitere Abkl\u00e4rung n\u00f6tig sei oder gar ein ganzes Assessment durchlaugen m\u00fcsse. Bericht und Abkl\u00e4rungsnachweis w\u00fcrden dokumentiert und der Nachweis im Personaldossier hinterlegt.\u00a0<\/p>\n<p>Keine proaktive Kommunikation bei Bistumswechsel<\/p>\n<p>In der Missbrauchsstudie, die 2023 publiziert wurde, finden sich Beispiele, wie T\u00e4ter durch einen Wechsel des Bistums weiterhin im Amt bleiben konnten und am neuen Ort wiederum \u00fcbergriffig wurden. Solche F\u00e4lle sind auch weiterhin m\u00f6glich. \u00abDie Bestimmungen sehen keine proaktive Mitteilungs-Obligation zwischen Bist\u00fcmern vor\u00bb, schreibt Greder auf Nachfrage. Diese gelte ausschliesslich f\u00fcr Erstanstellungen. Es liegt somit in der Verantwortung des neuen Bistums, beim vorherigen Bistum nach einem Assessment und dem allf\u00e4lligen Resultat desselben nachzufragen.\u00a0<\/p>\n<p>                    Vierstufiges Verfahren<\/p>\n<p>Das Verfahren besteht zun\u00e4chst aus drei fachlichen Abkl\u00e4rungsschritten: einer testpsychologischen Untersuchung, einem kompetenzbasierten Interview und einem forensisch-klinischen Interview. Diese Schritte werden von externen Fachpersonen durchgef\u00fchrt und in drei separaten Berichten dokumentiert. Gest\u00fctzt auf die Berichte f\u00fchren die Ausbildungsverantwortlichen im vierten Schritt ein Eignungsgespr\u00e4ch mit den Kandidat:innen und Kandidaten. Die Eignungsabkl\u00e4rung wurde von einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von J\u00e9r\u00f4me Endrass, Leiter Forschung &amp; Entwicklung beim Amt f\u00fcr Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Z\u00fcrich, konzipiert.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a0 Die Schweizer Bisch\u00f6fe sind einen Schritt weiter in der Frage, wie sie mit den Resultaten der Assessments&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":56446,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[16428,125,2133,16427,16429,45,16430],"class_list":{"0":"post-56445","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bern","8":"tag-assessment","9":"tag-bern","10":"tag-kirche","11":"tag-missbrauch-praevention","12":"tag-psychotest","13":"tag-schweiz","14":"tag-seelsorgerin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116283153314584912","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=56445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/56445\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/56446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=56445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=56445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=56445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}