{"id":56533,"date":"2026-03-24T09:23:12","date_gmt":"2026-03-24T09:23:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/56533\/"},"modified":"2026-03-24T09:23:12","modified_gmt":"2026-03-24T09:23:12","slug":"den-mond-mit-glasfasern-durchleuchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/56533\/","title":{"rendered":"Den Mond mit Glasfasern durchleuchten"},"content":{"rendered":"<p>Lange ist es her: 1972 stellten die letzten Apollo-Astronauten seismische Instrumente auf dem Mond auf. Diese Instrumente waren bis 1977 in Betrieb und sammelten Tausende von Daten \u00fcber Mondbeben. Auch heute st\u00fctzen sich Wissenschaftler auf diese Daten, die jedoch nur einen fl\u00fcchtigen Einblick in das Innere des Mondes bieten.\u00a0<\/p>\n<p>Deshalb pr\u00fcfen Forschende der ETH Z\u00fcrich unter der Leitung von Johan Robertsson, Professor f\u00fcr Angewandte Geophysik, einen neuen Ansatz zur Untersuchung der inneren Struktur des Mondes. Mit von der Partie sind auch internationale Partner, darunter das Los Alamos National Laboratory in New Mexico, USA.\u00a0<\/p>\n<p>Die Idee ist: Statt jede Menge schwerer Seismometer aufzustellen, k\u00f6nnte ein kleiner Mond-Rover kilometerlange, sehr leichte Glasfaserkabel \u00fcber die Mondoberfl\u00e4che ausrollen. Die Kabel funktionieren wie tausende winziger Sensoren, die jede Ersch\u00fctterung durch Mondbeben, Meteoriteneinschl\u00e4ge oder Mondlandungen registrieren. Der neue Ansatz wurde soeben in der Zeitschrift <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1029\/2025EA004817\" class=\"icon-after icon-after--call_made eth-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">externe Seite Earth and Space Science<\/a> ver\u00f6ffentlicht.\u00a0<\/p>\n<p>Mit Lichtstreuung Mondbeben erkennen\u00a0 <\/p>\n<p>F\u00fcr ihr Vorhaben nutzen die Forschenden die sogenannte DAS-Technologie (Distributed Acoustic Sensing). Dabei sendet ein Laser Lichtpulse durch ein Glasfaserkabel. Winzige Unregelm\u00e4ssigkeiten in der Faser streuen das Licht, was mit einem Messger\u00e4t aufgezeichnet wird.\u00a0<\/p>\n<p>Versetzen nun seismische Wellen das Kabel in Schwingung oder dehnen es, ver\u00e4ndert das die Lichtstreuung. Indem die Wissenschaftler:innen das gestreute Licht analysieren, k\u00f6nnen sie seismische Wellen erkennen. Die Zeitverz\u00f6gerung der Signale zeigt, wo entlang des Kabels die Bewegung aufgetreten ist.\u00a0<\/p>\n<p>Eine einzelne Faser, die so breit ist wie ein menschliches Haar, fungiert wie Tausende gleichm\u00e4ssig verteilter Sensoren. Selbst ein nur wenige Kilometer langes Kabel kann Signale mit einer h\u00f6heren r\u00e4umlichen Aufl\u00f6sung aufzeichnen als ein herk\u00f6mmliches Netz von Seismometern.\u00a0<\/p>\n<p>Auf der Erde nutzen Forschende die DAS-Technologie bereits, um Erdbeben und Erdrutsche zu \u00fcberwachen oder sogar die Wanderungen von Walen in den Ozeanen nachzuverfolgen.\u00a0<\/p>\n<p>Ultraschall f\u00fcr den Mond\u00a0 <\/p>\n<p>Die ETH-Forschenden fassen auch weitere Anwendungen ins Auge. \u00abDie Ersch\u00fctterungen, die Landungen und Starts von Raumfahrzeugen erzeugen, k\u00f6nnten als aktive seismische Quellen dienen und somit dazu, die Strukturen unter der Mondoberfl\u00e4che \u00e4hnlich wie bei einem medizinischen Ultraschall abzubilden\u00bb, sagt Simone Probst, Hauptautorin der Studie und Doktorandin in Robertssons Gruppe.<\/p>\n<p>Die Kabel k\u00f6nnten auch messen, wie viel Mondstaub Raketen bei ihrer Landung durch den R\u00fcckstoss aufwirbeln. Das hilft zuk\u00fcnftigen Astronaut:innen, die Gefahren durch den extrem feinen Staub besser einzusch\u00e4tzen und zu vermeiden.\u00a0<\/p>\n<p>Warum der Mond der perfekte Einsatzort ist\u00a0 <\/p>\n<p>Der Mond ist ideal f\u00fcr die Erfassung von Beben mit Glasfaserkabeln. Probst und Carly Donahue, eine ehemalige leitende Wissenschaftlerin an der ETH Z\u00fcrich, f\u00fchrten in Los Alamos Tests mit zerkleinertem Basalt durch, um die von feinem Regolith bedeckte Mondoberfl\u00e4che nachzustellen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Diese Labortests zeigten gute Ergebnisse: Dickere Kabel nahmen seismische Signale genauso gut auf, unabh\u00e4ngig davon, ob sie auf der Oberfl\u00e4che lagen oder im Basalt vergraben waren.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abEs ist wichtig zu verstehen, wie sich die Kabel unter verschiedenen Bedingungen verhalten\u00bb, sagt Probst. \u00abWir haben zudem mit Computersimulationen untersucht, wie stark die Kabel mit dem Boden verbunden sind und wie sich das durch die Mondschwerkraft ver\u00e4ndert.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Forschende fanden schon fr\u00fcher heraus, dass Wind die Signale von Glasfaserkabeln auf der Erde ver\u00e4ndert. Auf dem Mond gibt es jedoch keine Atmosph\u00e4re und deshalb auch keinen Wind. Die Kabel k\u00f6nnten deshalb einfach auf der Oberfl\u00e4che ausgerollt werden, ohne sie zu vergraben. Die Tests der Forschenden mit k\u00fcnstlichem Mondstaub im Labor zeigten, dass die Kabel die Signale auch dann perfekt empfangen, wenn sie einfach nur flach auf dem Boden liegen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Suche nach Wasser und Lavar\u00f6hren\u00a0\u00a0 <\/p>\n<p>\u00abGlasfasersensorik k\u00f6nnte unser Verst\u00e4ndnis des Mondes, seines Inneren, seiner Lavar\u00f6hren, seiner Landepl\u00e4tze und seiner Wasserressourcen stark erweitern\u00bb, sagt ETH-Professor Johan Robertsson, der die Studie geleitet hat. \u00abLange Kabel k\u00f6nnten auch Signale von Gezeitenkr\u00e4ften auffangen, die durch die Schwerkraft der Erde verursacht werden.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die Technik k\u00f6nnte Forschenden helfen, ein besseres Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr zu entwickeln, wie sich seismische Wellen durch den Mond verbreiten. \u00abWir halten es sogar f\u00fcr m\u00f6glich, dass wir mit Glasfasern auf dem Mond Gravitationswellen detektieren, die die Eigenmoden des Mondes anregen\u00bb, sagt Robertson.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr das Team der ETH Z\u00fcrich ist die aktuelle Forschung Teil eines umfassenderen Projekts zur Entwicklung von neuen Sensortechnologien. Ist es erfolgreich, dehnen sich vielleicht dereinst Glasfasernetzwerke \u00fcber die Mondoberfl\u00e4che aus \u2013 und machen den Mond zu einem der am dichtesten mit Instrumenten ausgestatteten seismischen Labore ausserhalb der Erde.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lange ist es her: 1972 stellten die letzten Apollo-Astronauten seismische Instrumente auf dem Mond auf. 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