{"id":64621,"date":"2026-03-30T07:09:24","date_gmt":"2026-03-30T07:09:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/64621\/"},"modified":"2026-03-30T07:09:24","modified_gmt":"2026-03-30T07:09:24","slug":"samirs-neuer-dokfilm-ueber-den-theaterdirektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/64621\/","title":{"rendered":"Samirs neuer Dokfilm \u00fcber den Theaterdirektor"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"h-full object-cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/d3e7190b-9493-4071-8512-e4d26c3d9804.jpg\" alt=\"Zwei M\u00e4nner reden: Max Frisch (links) und Kurt Hirschfeld im in den R\u00e4ngen des Schauspielhauses.\" loading=\"lazy\"\/>Zwei M\u00e4nner reden: Max Frisch (links) und Kurt Hirschfeld im in den R\u00e4ngen des Schauspielhauses.<\/p>\n<p>zvg<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">W\u00e4hrend das Z\u00fcrcher Schauspielhaus derzeit vor allem wegen schlechter Publikumszahlen Schlagzeilen macht, erscheint ein Film, der sich an bessere Zeiten erinnert. Genauer: An jene Person, die dem Haus zu jenem Ruf verhalf, von dem es bis heute zehrt. Kurt Hirschfeld heisst der Mann, 1902 in Deutschland geboren, 1964 als Direktor des Schauspielhauses verstorben \u2013 nach einem Leben, das auch f\u00fcr ein theaterfernes Publikum bemerkenswert ist.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Als Doku aufbereitet hat dieses Leben nun das Ehepaar Stina Werenfels und Samir. Werenfels und Samir w\u00e4hlen einen klassischen Dokumentarfilm-Stil mit wechselnden Interviews und einem Off-Kommentar, der \u00e4hnlich gem\u00e4chlich ausf\u00e4llt wie das Tempo. Sehenswert ist die Doku trotzdem. Nicht zuletzt deshalb, weil es zu Kurt Hirschfeld bislang keine publikumswirksamen B\u00fccher oder Filme gab, wie der Off-Kommentar etwas trotzig beklagt.<\/p>\n<p>Frisch warnte vor \u00abEmigrantentheater\u00bb<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Kurt Hirschfeld war Jude. Als Adolf Hitler 1933 an die Macht kam, arbeitete Hirschfeld als Dramaturg am Staatstheater Darmstadt, wo er und seine Kollegen rasch von den Nazis entmachtet wurden. Hirschfeld tauchte in Berlin unter, sein ehemaliger Chef Gustav Hartung floh von Darmstadt nach Z\u00fcrich, wo er einen Job am Schauspielhaus erhalten hatte. Bald kam Hirschfeld nach.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Hartung und Hirschfeld boten ein attraktives Programm, indem sie prominente Theaterleute nach Z\u00fcrich holten, f\u00fcr die es in Nazi-Deutschland zu gef\u00e4hrlich geworden war. Das allerdings gefiel nicht allen in Z\u00fcrich, manche bef\u00fcrchteten eine \u00ab\u00dcberfremdung\u00bb.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Einer der sch\u00e4rfsten Kritiker war der damals junge Max Frisch. In der \u00abNeuen Z\u00fcrcher Zeitung\u00bb warnte er, es liege \u00abeine grosse Gefahr\u00bb darin, dass es das Schauspielhaus mit \u00abWeltoffenheit\u00bb \u00fcbertreibe und sich damit zum \u00abAbleger verbotener Autoren\u00bb mache, zum \u00abEmigrantentheater\u00bb. Auch wenn Frisch Hirschfelds Namen nicht ausdr\u00fccklich nannte, war klar, dass er mit seiner Polemik unter anderem gegen ihn zielte.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"h-full object-cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/e4cdace7-5be3-4eed-8ef7-6f53faa621a8.jpg\" alt=\"Der junge Kurt Hirschfeld auf einer in Darmstadt entstandenen Aufnahme.\" loading=\"lazy\"\/>Der junge Kurt Hirschfeld auf einer in Darmstadt entstandenen Aufnahme.<\/p>\n<p>zvg<\/p>\n<p>Fast w\u00e4re das Schauspielhaus von Nazis gekauft worden<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Nach seiner ersten Saison brach Hirschfeld mit dem damaligen Direktor Ferdinand Rieser, verliess das Schauspielhaus und hielt sich mit Jobs als Lektor \u00fcber Wasser. Allerdings: Rieser, der auch Jude war, entschloss sich 1938, das Schauspielhaus zu verkaufen, wodurch eine \u00dcbernahme desselben durch die Nazis drohte.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Joseph Goebbels pers\u00f6nlich setzte sich f\u00fcr die \u00dcbernahme ein. Doch Hirschfeld verhinderte das, indem er das Schauspielhaus in eine bis heute bestehende Aktiengesellschaft \u00fcberf\u00fchrte, die er gemeinsam mit dem linken Buchh\u00e4ndlerpaar Emmie und Emil Oprecht gegr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Weil die Fremdenpolizei keinen Juden als Direktor wollte, arbeitete Hirschfeld nach der \u00dcbernahme erneut als Dramaturg des Schauspielhauses. Dabei gelang es ihm, geistige Landesverteidigung mit klarer Kante zu kombinieren; etwa in einer Version von Schillers \u00abWilhelm Tell\u00bb, in der sich Tell als Antifaschist zeigte.<\/p>\n<p>Mit D\u00fcrrenmatt und Frisch verbanden ihn tiefe Freundschaften<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Nach Kriegsende wurde Hirschfeld zum wichtigsten F\u00f6rderer der beiden Schweizer Literaturschwergewichte. Er vergab regelm\u00e4ssig Auftr\u00e4ge an Friedrich D\u00fcrrenmatt und Max Frisch, stupste sie an, motivierte sie. Sodass St\u00fccke wie \u00abDer Besuch der alten Dame\u00bb (1956) oder \u00abAndorra\u00bb (1961) in Z\u00fcrich zur Urauff\u00fchrung kamen.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Mit beiden Literaten verband Hirschfeld eine tiefe Freundschaft. Seine Tochter Ruth Hirschfeld erinnert sich im Film, wie sie als junges M\u00e4dchen von D\u00fcrrenmatt und dessen Frau aufgekl\u00e4rt wurde. Mit Max Frisch, der ihn einst in der \u00abNZZ\u00bb angegriffen hatte, telefonierte Kurt Hirschfeld jeden Sonntag mehrere Stunden lang. Als er 1964 an Lungenkrebs starb, hielt Frisch die Grabrede.<\/p>\n<p class=\"font-primary text-s !leading-l text-neutral-600\">Hirschfeld \u2013 Unbekannter Bekannter: Im Kino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei M\u00e4nner reden: Max Frisch (links) und Kurt Hirschfeld im in den R\u00e4ngen des Schauspielhauses. zvg W\u00e4hrend das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":64622,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[18304,498,8975,18305,18306,45,17770,104],"class_list":{"0":"post-64621","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-zuerich","8":"tag-dokumentarfilme","9":"tag-film","10":"tag-freundschaft","11":"tag-kurt-hirschfeld","12":"tag-max-frisch","13":"tag-schweiz","14":"tag-tv-und-film","15":"tag-zuerich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116316868764591174","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64621","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64621"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64621\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/64622"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64621"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64621"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64621"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}