{"id":65188,"date":"2026-03-30T15:30:05","date_gmt":"2026-03-30T15:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/65188\/"},"modified":"2026-03-30T15:30:05","modified_gmt":"2026-03-30T15:30:05","slug":"ubuntu-setzt-auf-ntpd-rs-rust-fuer-praezise-zeitsynchronisierung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/65188\/","title":{"rendered":"Ubuntu setzt auf ntpd-rs: Rust f\u00fcr pr\u00e4zise Zeitsynchronisierung"},"content":{"rendered":"<p>              Ubuntu setzt auf ntpd-rs: Rust f\u00fcr pr\u00e4zise Zeitsynchronisierung<\/p>\n<p>Ubuntu will seine Zeit-Synchronisierung grundlegend umbauen: In kommenden Releases der Linux-Distribution soll ntpd-rs zum Standard f\u00fcr NTP-Dienste werden. Die in Rust geschriebene Implementierung l\u00f6st langfristig chrony ab und soll perspektivisch auch linuxptp und gpsd ersetzen. Canonical strebt damit einen einheitlichen, speichersicheren Zeitabgleich unter Linux an.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>ntpd-rs implementiert das Network Time Protocol (NTP) vollst\u00e4ndig, einschlie\u00dflich Network Time Security (NTS). Die <a href=\"https:\/\/trifectatech.org\/projects\/ntpd-rs\/\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Trifecta Tech Foundation<\/a> entwickelt das Projekt im Rahmen von \u201eProject Pendulum\u201c. Es reiht sich in Ubuntus Strategie ein, zentrale Systemwerkzeuge durch Rust-Neuentwicklungen zu ersetzen \u2013 nach <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/sudo-rs-zeigt-Passwort-Sternchen-standardmaessig-Bruch-mit-Unix-Tradition-11192641.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sudo-rs<\/a> und den <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Rust-Coreutils-0-7-Turbo-fuer-die-Kommandozeile-11203708.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">uutils coreutils<\/a>. Produktiv l\u00e4uft ntpd-rs bereits bei Let\u2019s Encrypt: Die Zertifizierungsstelle hat den Daemon im Juni 2024 in ihre Produktionsumgebung \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>NTP, NTS und PTP unter einem Dach<\/p>\n<p>Im Zentrum der Umstellung steht die Zusammenf\u00fchrung bislang getrennter Werkzeuge. In vielen Setups laufen heute mehrere Komponenten parallel \u2013 etwa chrony f\u00fcr den klassischen NTP-Abgleich und linuxptp f\u00fcr eine hochpr\u00e4zise Synchronisation per PTP. K\u00fcnftig soll ntpd-rs beide Aufgaben \u00fcbernehmen. Dazu integriert die Trifecta Tech Foundation ihre PTP-Implementierung \u201eStatime\u201c direkt in ntpd-rs. NTP deckt typische Anforderungen im Millisekundenbereich ab, PTP liefert Sub-Mikrosekunden-Genauigkeit f\u00fcr spezialisierte Umgebungen wie Telekommunikationsnetze oder Automotive-Systeme. Ein Rechenzentrum k\u00f6nnte so Standard- und Hochpr\u00e4zisions-Zeitquellen \u00fcber ein einziges Tool verwalten, statt zwei getrennte Daemons mit unterschiedlichen Konfigurationsmodellen zu betreiben.<\/p>\n<p>Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Sicherheit. Rust schlie\u00dft ganze Klassen von Speicherfehlern wie Buffer Overflows oder Use-after-free bereits zur Kompilierzeit aus. Zus\u00e4tzlich will Canonical die Isolationsmechanismen von chrony \u00fcbertragen: AppArmor- und seccomp-Profile sollen ntpd-rs ebenso eng einhegen wie seinen Vorg\u00e4nger. Speichersicherer Code und restriktive Laufzeitprofile zusammen verkleinern die Angriffsfl\u00e4che deutlich \u2013 besonders bei der Verarbeitung von Netzwerkverkehr.<\/p>\n<p>Von GPS bis gPTP: geplante Erweiterungen<\/p>\n<p>Funktional will die Trifecta Tech Foundation ntpd-rs ebenfalls ausbauen. Geplant sind Multi-Homing f\u00fcr den Betrieb \u00fcber mehrere Netzwerkschnittstellen, Multi-Threading im Serverbetrieb und die Anbindung externer Zeitquellen wie GPS-Empf\u00e4nger \u00fcber gpsd-Sockets. Im PTP-Bereich kommen Profile wie gPTP hinzu, das in deterministischen Netzwerken der Automobilindustrie eingesetzt wird. Experimentell soll ntpd-rs au\u00dferdem das Client-Server-PTP-Protokoll (CSPTP, IEEE P1588.1) unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Auch die Bedienung soll einfacher werden. Heutige PTP-Setups erfordern oft mehrere Daemons und komplexe Parameterkombinationen. ntpd-rs will das durch eine einheitliche Konfiguration ersetzen. Hinzu kommen Verbesserungen bei Logging und CLI-Werkzeugen.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>F\u00fcr den Unternehmenseinsatz relevant: ntpd-rs nutzt rustls als TLS-Stack, soll aber optional OpenSSL als Krypto-Backend einbinden k\u00f6nnen. Das erlaubt den Einsatz in regulierten Umgebungen, die bestimmte Kryptografie-Bibliotheken vorschreiben.<\/p>\n<p>Bew\u00e4hrungsprobe und Roadmap<\/p>\n<p>Vor der breiten Einf\u00fchrung plant Canonical umfangreiche Vergleichstests gegen chrony. Synchronisationsgenauigkeit, CPU- und Speicherverbrauch sowie Langzeitstabilit\u00e4t stehen dabei im Fokus. chrony gilt als ausgereift und ist in vielen produktiven Umgebungen der Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Die geplante Einf\u00fchrung laut <a href=\"https:\/\/discourse.ubuntu.com\/t\/ntpd-rs-its-about-time\/79154\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Canonicals Ank\u00fcndigung<\/a> erfolgt stufenweise: In Ubuntu 26.10 landet ntpd-rs zun\u00e4chst in den Paketquellen zur Erprobung. Ab Ubuntu 27.04 soll es standardm\u00e4\u00dfig laufen \u2013 mit integrierter PTP-Funktion und einem einheitlichen Binary f\u00fcr NTP, NTS und PTP. Die Entwicklungsarbeit finanziert Canonical zwischen Juli 2026 und Januar 2027 \u00fcber die Trifecta Tech Foundation.<\/p>\n<p>Da Zeit-Synchronisierung eine Schl\u00fcsselrolle f\u00fcr TLS-Zertifikatspr\u00fcfung und die Konsistenz verteilter Systeme spielt, wiegt die Wahl der zugrunde liegenden Implementierung schwer. Die Konsolidierung mehrerer Dienste in einem Werkzeug k\u00f6nnte Betrieb und Fehlersuche vereinfachen. Vorausgesetzt hierf\u00fcr ist jedoch, dass ntpd-rs das Stabilit\u00e4tsniveau der etablierten Konkurrenz erreicht.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:fo@heise.de\" title=\"Moritz F\u00f6rster\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">fo<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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