{"id":67704,"date":"2026-04-01T11:56:33","date_gmt":"2026-04-01T11:56:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/67704\/"},"modified":"2026-04-01T11:56:33","modified_gmt":"2026-04-01T11:56:33","slug":"entstehung-der-erde-forscher-stellen-wasser-theorie-infrage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/67704\/","title":{"rendered":"Entstehung der Erde: Forscher stellen Wasser-Theorie infrage"},"content":{"rendered":"<p>Die\u00a0Entstehung der Erde\u00a0ist mehr als eine Spezialfrage der Astronomie. Davon h\u00e4ngt auch ab, wie sich Wasser, Kohlenstoff und andere fl\u00fcchtige Stoffe auf unserem Planeten erkl\u00e4ren lassen. An diesem Punkt r\u00fcckt eine neue Analyse das Bild zurecht. Sie legt nahe, dass die Erde fast vollst\u00e4ndig aus Material aus ihrer n\u00e4heren Umgebung entstand und nicht aus gro\u00dfen Mengen von weit jenseits des Jupiters.<\/p>\n<p>Bislang gingen viele Modelle davon aus, dass ein sp\u00fcrbarer Teil des Erdmaterials aus dem \u00e4u\u00dferen Sonnensystem kam. Genannt wurden je nach Modell rund 6 bis 40 Prozent. Die neue Auswertung kommt zu einem deutlich engeren Ergebnis. Forscher der <a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/news-und-veranstaltungen\/eth-news\/news\/2026\/03\/die-erde-entstand-aus-lokalen-bausteinen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">ETH Z\u00fcrich<\/a> berichten im Fachmagazin\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02824-7\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Nature Astronomy<\/a>, dass der Anteil von Material aus dem \u00e4u\u00dferen Sonnensystem bei weniger als 2 Prozent gelegen haben d\u00fcrfte, m\u00f6glicherweise sogar bei null.<\/p>\n<p>Was Isotope \u00fcber Wasser und Baumaterial bei der Entstehung der Erde verraten<\/p>\n<p>Das ist vor allem deshalb wichtig, weil lange eine andere Vorstellung galt. Demnach sollten <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/wasserspeicher-in-deutschland-kippen-verlust-von-25-milliarden-tonnen-wasser\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Wasser<\/a> und andere fl\u00fcchtige Stoffe vor allem aus den kalten \u00e4u\u00dferen Bereichen des <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/babyplanet-entdeckt-so-sah-die-kindheit-des-sonnensystems-aus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Sonnensystems<\/a> zur jungen Erde gelangt sein. Jetzt wirkt dieses Bild deutlich unsicherer. Wenn die neue Analyse stimmt, dann entstand die Erde weit \u201eheimischer\u201c als bislang angenommen.<\/p>\n<p>Isotope sind Varianten desselben Elements. Sie besitzen gleich viele Protonen, unterscheiden sich aber in ihrer Masse. Solche feinen Unterschiede helfen Forschern, die Herkunft von Meteoriten und Planetenmaterial nachzuvollziehen. <a href=\"https:\/\/eaps.ethz.ch\/personen\/profil.paolo-sossi.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Paolo Sossi<\/a> und <a href=\"https:\/\/eaps.ethz.ch\/personen\/profil.dan-bower.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Dan Bower<\/a> von der ETH Z\u00fcrich verglichen daf\u00fcr vorhandene Isotopen-Daten der Erde mit Daten verschiedener Meteoriten sowie mit Material, das Mars und dem Asteroiden Vesta zugeordnet wird.<\/p>\n<p>Zehn Isotopensysteme liefern ein neues Bild<\/p>\n<p>Der entscheidende Punkt liegt in der Breite der Auswertung. Fr\u00fchere Arbeiten st\u00fctzten sich oft nur auf zwei Isotopensysteme. In der neuen Untersuchung flossen gleich zehn Systeme ein. Sossi sagt dazu: \u201eUnsere Studie ist eigentlich ein datenwissenschaftliches Experiment.\u201c Und weiter: \u201eWir haben statistische Berechnungen vorgenommen, die in der Geochemie kaum je verwendet werden, obwohl sie ein m\u00e4chtiges Instrument sind.\u201c<\/p>\n<p>Doch diese breitere Auswertung ver\u00e4ndert das Bild. Die isotopische Zusammensetzung der Erde passt demnach durchgehend zu Material aus dem inneren Sonnensystem. In der Studie hei\u00dft es dazu: \u201eDie Erde entstand daher ausschlie\u00dflich aus Material des inneren Sonnensystems.\u201c Das Material von jenseits des Jupiters spielte nach dieser Rechnung also h\u00f6chstens eine sehr kleine Rolle.<\/p>\n<p>Wasser muss nicht von weit drau\u00dfen gekommen sein<\/p>\n<p>Lange galt Material aus dem \u00e4u\u00dferen Sonnensystem als n\u00f6tige Quelle f\u00fcr Wasser. Die neue Analyse spricht daf\u00fcr, dass solche gro\u00dfen Materialstr\u00f6me gar nicht n\u00f6tig waren. Die Autoren rechnen vor, dass schon sehr kleine Beimischungen ausgereicht h\u00e4tten, um bestimmte fl\u00fcchtige Stoffe zu liefern.<\/p>\n<p>Die Gr\u00f6\u00dfenordnungen fallen erstaunlich klein aus. Schon etwa 0,1 Prozent k\u00f6nnten das Stickstoff-Budget der silikatischen Erde erkl\u00e4ren. Rund 0,3 Prozent w\u00fcrden f\u00fcr Kohlenstoff reichen. Etwa 1 Prozent k\u00f6nnte den Wasserstoff-Anteil liefern. Das bedeutet nicht, dass diese Mengen sicher genau so ankamen. Es bedeutet aber, dass Wasser und andere fl\u00fcchtige Elemente nicht in gro\u00dfen Mengen von weit au\u00dfen gekommen sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Jupiter blockte den Materialfluss offenbar fr\u00fch<\/p>\n<p>Im Hintergrund steht Jupiter. Der Gasriese d\u00fcrfte fr\u00fch so stark gewachsen sein, dass seine Schwerkraft eine L\u00fccke in die protoplanetare Scheibe riss. Diese Scheibe aus Gas und Staub war der Geburtsort der Planeten. Jupiter wirkte dabei offenbar wie eine Schranke. Material aus dem \u00e4u\u00dferen Sonnensystem kam kaum noch nach innen.<\/p>\n<p>Meteoriten lassen sich seit Jahren grob in zwei Gruppen einteilen. Nicht-kohlige K\u00f6rper stammen aus dem inneren Sonnensystem. Kohlige enthalten mehr Wasser und <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/extreme-hitze-machte-den-amazonas-2023-zur-kohlenstoffquelle\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Kohlenstoff<\/a> und werden mit dem \u00e4u\u00dferen Sonnensystem verbunden. Die neue Analyse belegt nach Darstellung der Wissenschaftler, dass die Erde vollst\u00e4ndig aus nicht-kohligem Material zusammengesetzt ist. Der lange vermutete Austausch zwischen beiden Reservoiren ist damit in den Daten nicht nachweisbar.<\/p>\n<p>Die Erde wuchs wohl in einer geordneten Nachbarschaft<\/p>\n<p>Das ver\u00e4ndert auch den Blick auf die Bauphase unseres Planeten. Die Erde wuchs demnach in einem relativ statischen System und nahm dabei Material aus ihrer n\u00e4heren Umgebung auf. Mitunter verleibte sich die Erde w\u00e4hrend ihres Wachstums kleinere Nachbarplaneten ein. Auch deshalb k\u00f6nnte Wasser im inneren Sonnensystem schon vorhanden gewesen sein und nicht erst in gro\u00dfen Mengen von au\u00dfen angeliefert worden sein.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Berechnungen machen es deutlich: Das Baumaterial der Erde stammt aus einem einheitlichen Materialreservoir\u201c, so Sossi. Bower erg\u00e4nzt: \u201eWirklich erstaunt waren wir, dass die Erde vollst\u00e4ndig aus Material aus dem inneren Sonnensystem zusammengesetzt ist und sich von allen Kombinationen bekannter Meteoriten klar unterscheidet.\u201c Und weiter: \u201eUnsere Berechnungen sind sehr robust und st\u00fctzen sich nur auf die Daten selbst, nicht auf physikalische Annahmen, da diese noch nicht vollst\u00e4ndig verstanden sind.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1022\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/smartup-news.de-entstehung-der-erde-unser-planet-entstand-offenbar-aus-lokalen-bausteinen-newsimage4.jpeg\" alt=\"Etwa so k\u00f6nnte es bei der Entstehung der Erde in unserem Sonnensystem ausgesehen haben. Geburt von zwei Planeten (beige Punkte) in einer protoplanetaren Scheibe um den jungen Stern WISPIT 2.\" class=\"wp-image-53783\" style=\"width:660px;height:auto\"  \/>\u00a0ESO\/C. Lawlor, R. F. van Capel Die Illustration zeigt zwei entstehende Planeten in einer protoplanetaren Scheibe um den jungen Stern WISPIT 2. So k\u00f6nnte auch die Entstehung der Erde abgelaufen sein. \u00a9 ESO CC 4.0<\/p>\n<p>Auch Venus und Merkur passen in das neue Muster<\/p>\n<p>Die Studie endet nicht bei der Erde. Die Analyse ordnet auch Mars und Vesta in dieselbe Linie ein. Auf dieser Grundlage lassen sich sogar Vorhersagen f\u00fcr Venus und Merkur ableiten. Direkte Gesteinsproben von beiden Planeten fehlen bisher allerdings. <\/p>\n<p>Offen bleibt vor allem eine Frage: Warum war im hei\u00dfen inneren Sonnensystem \u00fcberhaupt genug Wasser vorhanden, um sp\u00e4ter die Ozeane der Erde zu bilden? Daran wollen die Forscher nun weiterarbeiten. Auch die \u00dcbertragbarkeit auf ferne Planetensysteme interessiert sie. <\/p>\n<p>Sossi macht zugleich klar, dass die Arbeit nicht abgeschlossen ist: \u201eBis dahin werden Dan und ich aber noch viele hitzige Debatten \u00fcber die Materialzusammensetzung der Erde und ihrer Nachbarplaneten f\u00fchren m\u00fcssen, denn die wissenschaftliche Auseinandersetzung \u00fcber die Baustoffe, aus der die Erde besteht, ist trotz der neuen Ergebnisse noch lange nicht zu Ende.\u201c<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Eine neue Analyse legt nahe, dass die Erde fast vollst\u00e4ndig aus Material des inneren Sonnensystems entstand und nicht zu gro\u00dfen Teilen aus Regionen jenseits des Jupiters.<\/p>\n<p>Dadurch ger\u00e4t auch die bisher verbreitete Annahme ins Wanken, dass Wasser und andere fl\u00fcchtige Stoffe nur in gr\u00f6\u00dferen Mengen von weit au\u00dfen zur jungen Erde gelangten.<\/p>\n<p>Zugleich spricht die Studie daf\u00fcr, dass Jupiter den Materialaustausch fr\u00fch stark bremste und die Gesteinsplaneten im inneren Sonnensystem geordneter entstanden, als lange vermutet wurde.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend neue Analysen die Entstehung der Erde n\u00e4her an ihrer kosmischen Heimat verorten, zeigt ein anderer Fund, wie Planeten sp\u00e4ter sogar aus ihrem System fliegen k\u00f6nnen. Ein herrenloser Gasriese liefert nun den bisher klarsten Hinweis darauf, dass solche Welten einst ganz normale Sonnen umkreisten. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/planet-ohne-stern-forscher-entdecken-einsamen-gasriesen-im-all\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/ein-blick-auf-die-erde-aus-dem-all-OCe8cTGymSQ\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Unsplash<\/a><\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die\u00a0Entstehung der Erde\u00a0ist mehr als eine Spezialfrage der Astronomie. 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