{"id":68827,"date":"2026-04-02T07:30:05","date_gmt":"2026-04-02T07:30:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/68827\/"},"modified":"2026-04-02T07:30:05","modified_gmt":"2026-04-02T07:30:05","slug":"ende-einer-tatort-aera-von-der-gage-bis-zur-einschaltquote-alles-was-sie-ueber-die-muenchner-komissare-wissen-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/68827\/","title":{"rendered":"Ende einer \u201eTatort\u201c-\u00c4ra: Von der Gage bis zur Einschaltquote \u2013 alles, was Sie \u00fcber die M\u00fcnchner Komissare wissen m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<p>An Ostern endet eine \u201eTatort\u201c-\u00c4ra. Nach hundert F\u00e4llen und 35 Jahren gehen Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr und Miroslav Nemec als Ivo Batic in Rente. Eine sehr deutsche Geschichte in zw\u00f6lf Kapiteln.<\/p>\n<p>Wie alles begann<\/p>\n<p>Was dem K\u00f6lner \u201eTatort\u201c die W\u00fcrstelbude im Schatten des Doms, ist dem M\u00fcnchner der Biergarten. Obwohl\u2026 So oft waren Leitmayr und Batic am Ende gar nicht bei einer Wei\u00dfen und Leberk\u00e4s drau\u00dfen im Park. Egal. Bevor Wachtveitl und Nemec Leitmayr und Batic wurden, waren sie es jedenfalls. Auf Einladung des Bayerischen Rundfunks trafen sie sich zu einer Brotzeit. Das verwaiste und verwahrloste M\u00fcnchner Kommissariat (zwei Folgen in den Achtzigern, an die sich wirklich niemand mehr erinnert) sollte endlich neu besetzt werden. Die beiden \u2013 aufstrebende Stars Ende der Achtziger \u2013 dachten, dass nur einer es werden konnte, weil es damals immer nur einen geben konnte an der Spitze eines \u201eTatort\u201c-Reviers. Und dass sie sich bewerben sollten. Und dann lieferten sie eine erste Leitmayr-Batic-Show ab. Dass sie von vornerherein als Besetzung feststanden, dass sie das erste gleichberechtigte Ermittlerduo sein sollten und die Brotzeit gar kein Casting war, erfuhren sie erst sp\u00e4ter. Was aber wiederum nicht Ursache der Verweigerung eines Langfristvertrags war. Sie sollten sich f\u00fcr sechs Folgen verpflichten. Lehnten das aber ab aus Angst vor dem, was aus Leitmayr und Batic gemacht werden w\u00fcrde. Dieses \u201eg\u2019schlamperte Gsch\u00e4ft\u201c (Wachtveitl) zwischen den Stars und dem Sender ging dann 99 Folgen weiter. Sie verl\u00e4ngerten immer nur um eine Folge.<\/p>\n<p>Der M\u00fcnchner \u201eTatort\u201c<\/p>\n<p>Der Berliner jammert und meckert ja gern. Vor allem dar\u00fcber, dass alles mit der Kriminalit\u00e4t in der Hauptstadt immer schlimmer wird. Das ist statistisch nicht ganz von der Hand zu weisen. Spiegelt sich allerdings so richtig gar nicht im Film- und Fernsehwesen. Umgekehrt proportional zur Verbrechensstatistik ist M\u00fcnchen in Fortsetzung der \u201eDerrick\u201c- und \u201eDer Kommissar\u201c-Tradition n\u00e4mlich der Hotspot f\u00fcr Mord und Totschlag: \u201eM\u00fcnchen Mord\u201c, \u201eSoko M\u00fcnchen\u201c, \u201eDer Alte\u201c, \u201eDie Chefin\u201c, der \u201eTatort\u201c, der \u201ePolizeiruf\u201c \u2013 es gibt wahrscheinlich keine Stra\u00dfe, durch die nicht einer der Kommissare hinter einem Verd\u00e4chtigen her gejagt ist. Der Ivo und der Franz waren \u00fcberall. Sie haben diesen Spielraum er\u00f6ffnet. Wenn man sich die hundert F\u00e4lle durchschaut, bekommt man eine Stadt- und Gesellschaftsgeschichte, die soziale und moralische Topographie einer Metropole, die vielleicht deutscher ist, als es den Preu\u00dfen lieb ist. Sie haben es mit anteilnehmender Distanz getan. Aus der \u2013 auch \u00e4sthetischen \u2013 Mittellage heraus. Ivo und Franz, die sich die Politik gern vom Leib hielten, ohne es an Haltung fehlen zu lassen, waren das juste milieu der Kommissare. Zwei, auf die sich alle einigen konnten, in einer Stadt, in der man sich dank ihrer liebenden Streifz\u00fcge in die entlegensten Ecken, die Unter- und Abgr\u00fcnde trotz der Fernsehfilmmordstatistik zu leben vorstellen konnte. <\/p>\n<p>Ivo Batic<\/p>\n<p>Gesetzt den Fall, dass Ivo Batic mit Miroslav Nemec identisch ist, d\u00fcrfte er 71 Jahre alt sein. Was bedeutet, dass er bereits vor acht Jahren h\u00e4tte mit \u201eWir kriegen euch alle\u201c, seiner achtzigsten Ermittlung an der Seite vom Leitmayr Franz, in Rente gehen m\u00fcssen. Er wurde im Juni 1954 in Zagreb geboren. Kam wahrscheinlich wie Nemec mit zw\u00f6lf nach Deutschland. Zerrissen zwischen den Kulturen und den geschiedenen Eltern. Von Nemec wissen wir das. Von Batic wissen wir nur, dass er wie Nemec in Freilassing aufwuchs. Am Anfang, in \u201eAnimals\u201c zum Beispiel, dem ersten Fall, wird noch ziemlich spielerisch kokettiert mit dem Migrantischen, mit Batic, dem \u201eJugo\u201c (die Autobiografie von Nemec hei\u00dft bezeichnenderweise \u201eMiroslav Jugoslav\u201c). Und mit dem s\u00fcdl\u00e4ndischen Temperament und mit ein paar anderen Klischees. Das hat sich gegeben. Batic ist der Randgruppenexperte im Gespann mit dem Erzm\u00fcnchner Leitmayr. Psychische Defekte \u2013 zwischenzeitlich beinahe Einstellungsvoraussetzungen f\u00fcr \u201eTatort\u201c-Kommissare \u2013 hat er keine. Zur Selbstironie ist er f\u00e4hig. Zur Selbsterkenntnis manchmal weniger. Eine ehrliche Haut. Man w\u00fcnscht ihm einen angenehmen Unruhestand. In Miroslav Nemecs Rockband zum Beispiel.<\/p>\n<p>Franz Leitmayr<\/p>\n<p>Gesetzt den Fall, dass Franz Leitmayr identisch ist mit Udo Wachtveitl, d\u00fcrfte er jetzt 68 Jahre alt sein. Was aufgrund des deutschen Beamtengesetzes bedeutet, dass er eigentlich vor f\u00fcnf Jahren mit seiner 89. M\u00f6rderjagd, dem Weihnachts-Fall \u201eWunder gibt es immer wieder\u201c h\u00e4tte in Rente gehen m\u00fcssen. Er ist im Glockenbachviertel aufgewachsen. Im Gegensatz zu Wachtveitl \u2013 der studierter Philosoph ist und abgebrochener Jurist und schon als Kind \u00fcber die Pumuckl-Werkstatt vom Meister Eder zum Film kam \u2013 muss er es fr\u00fch in den h\u00f6heren Polizeidienst geschafft haben. Die Personalnummer auf seinem \u2013 \u00fcbrigens echten \u2013 Ausweis ist 174023. Leitmayr ist Erzm\u00fcnchner, betrachtet \u2013 als sogenannter kleiner Leute Kind \u2013 die leuchtende Isarmetropole aber stets von der Seite, von unten. Eine ehrliche Haut auch er. Das mit dem Wolljanker gibt sich irgendwann. Die Idee, ihn als Yuppie zu inszenieren, wurde zum Gl\u00fcck fr\u00fch fallen gelassen. Und irgendwie liebt er den Ivo nat\u00fcrlich. Vielleicht sollten sie heiraten, wenn sie \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c, ihren letzten Fall, \u00fcberleben. Und eine platonische Ehe f\u00fchren. <\/p>\n<p>Der erste Fall<\/p>\n<p>Ein Golf II rast durch M\u00fcnchen. Am 1. Januar 1991 wurde das gesendet. Eine h\u00fcbsche Blondine und ein Lockenkopf im erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftigen Anzug vorne, ein Mann im Wollmantel hinten, der Beziehungsanzeigen vorliest. Sie rasen aufs Polizeipr\u00e4sidium zu. Es ist k\u00fchl in M\u00fcnchen. Wachtveitl und Nemec erinnerten sich lange sp\u00e4ter noch daran, wie sie bei den Dreharbeiten von \u201eAnimals\u201c gefroren haben. Batic und Leitmayr nehmen ihre Arbeit so unspektakul\u00e4r und voraussetzungslos auf, wie sie sp\u00e4ter ihre Aufkl\u00e4rungen betreiben. Als w\u00e4ren sie schon seit Jahren gemeinsam unterwegs. Eine Tiersch\u00fctzerin ist von einem Rottweiler totgebissen worden. Wir wissen, wie es dazu kam. Es geht um Tierversuche, maue Medien und eine alte Liebe von Batic. Es gibt schreckliche Bilder und schreckliche Dialoge. Die Dramaturgie ist unbedingt kriminell. Nemec und Wachtveitl versuchten zu retten, was zu retten war. Und erfanden den m\u00fcndigen \u201eTatort\u201c-Kommissarsdarsteller. Aufgekl\u00e4rt wird der Mord und das Verbrechen der Industrie. Der M\u00f6rder ist der Unternehmer. Der ist das ja fast immer im \u201eTatort\u201c, wenn es um die Ausw\u00fcchse des Kapitalismus geht.<\/p>\n<p>Der beste Fall<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00fcssen wir kurz Silvia Kollers gedenken. Die war die \u201eTatort\u201c-Redakteurin des Bayerischen Rundfunks. Die hat Batic und Leitmayr erfunden. Und war f\u00fcr die Vielfalt und das erstaunlich hohe Durchschnittsniveau der M\u00fcnchner F\u00e4lle verantwortlich. Und daf\u00fcr, dass gelegentlich auch mal etwas gewagt werden durfte, das sich s\u00e4mtlichen Sonntagabendkrimigeschichtengesetzen zu entzog. Das fremd bleibt bis heute und r\u00e4tselhaft in seiner Meisterschaft. Und einzigartig ist in der \u201eTatort\u201c-Geschichte. Und vielleicht der beste Sonntagabendkrimi aller Zeiten. \u201eFrau Bu lacht\u201c, geschrieben von G\u00fcnter Sch\u00fctter, inszeniert von Dominik Graf, erz\u00e4hlt vom Mord an einem M\u00fcnchner Konditor. Die Witwe ist Thail\u00e4nderin. Es geht um dubiose Eheanbahnungsgesch\u00e4fte. Aber das ist blo\u00df die Oberfl\u00e4che. Vielmehr geht es um Fremdheit. Um Sprachlosigkeit. Darum, wie man einen Zugang findet in eine andere Kultur. Mit Haltung, mit Menschlichkeit, ohne Zeigefingerei. Die Kommissare sind dabei die Sonden in ein gesellschaftliches Dilemma. Die Kommissare sind wir. Das ist \u00e4sthetische, erz\u00e4hlerisch immer noch aufregend. Das ist \u2013 im Gegensatz zu ganz vielem aus der Batic-Leitmayr-Geschichte \u2013 \u00fcberhaupt nicht gealtert. Kann man sich heute noch anschauen. W\u00fcrde sogar im Kino funktionieren.<\/p>\n<p>Der schlimmste Fall<\/p>\n<p>Der \u201eTatort\u201c von der Isar ist ja auch ein klammheimliches Lexikon der Wunder, Daseinsformen und Ph\u00e4nomene M\u00fcnchens und seiner Umgebung. Den Kommissaren hinterher lernt man Dinge kennen, von denen man nichts wusste (und hinterher auch ganz gern sicher ist, dass man nichts wissen wollte). Das kann einen hohen Erkenntniswert haben. Manchmal sitzt man aber da und wei\u00df nicht, was man schrecklicher findet \u2013 den Fall oder die Parallelwelt, in der er spielt. Im Fall vom \u201eGesang der toten Dinge\u201c stolpern wir durch die M\u00fcnchner Esoterikgesellschaft. Eine Astrologin ist tot. Die Jungfrau Maria wird als Zeugin herbeigerufen. Andr\u00e9 Eisermann darf sich als \u201eProphet\u201c aufplustern. Eine Aura-Seherin verwirrt die Sinne vom Ivo und redet (was die ganze Geschicht tut) in R\u00e4tseln. Irm Hermann, eine von Fassbinders Hausheiligen, ist schon sehr schau als Kr\u00e4uterhexe Fefi, die dem Ivo was von seinem toten Hund erz\u00e4hlt. Das soll komisch sein. Wird es aber nicht. <\/p>\n<p>Die Zahlen<\/p>\n<p>Als der Franz und der Ivo 1990 zum ersten Mal in die Bavaria Studio in Geiselgasteig kamen, hatten sie noch ordentlich Zeit, sich einzuarbeiten. Mehr als 30 Drehtage durfte eine \u201eTatort\u201c-Produktion dauern. Inzwischen muss es schon in 23 Drehtagen gehen. \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c, die finale Doppelfolge, entstand in 44 Drehtagen. Dreieinhalb Monate im Jahr standen Wachtveitl und Nemec f\u00fcr die drei j\u00e4hrlichen Folgen vor der Kamera, gut zweieinhalbtausend Tage insgesamt. 9000 Filmminuten w\u00e4hrte am Ende das Filmleben vom Franz und vom Ivo. Gut zwei Tote waren im Schnitt zu beklagen von gut 850 Millionen Zuschauern im linearen Fernsehen. Rechnet man die Wiederholungen dazu und die Mediathek-Zugriffe, geh\u00f6ren der Franz und der Ivo zum Erinnerungsschatz von deutlich mehr als einer Milliarde Menschen. Die erinnern sich vielleicht an all die fl\u00fcchtigen Beziehungen der Kommissare. Gro\u00dfe Gef\u00fchle m\u00fcssen drau\u00dfen bleiben. Das w\u00fcrde das Konzept st\u00f6ren. Menschen sein sollten die Kommissare aber auch: So hatte Batic eine Beziehung und sieben Aff\u00e4ren, Leitmayr drei Beziehungen und f\u00fcnf Aff\u00e4ren. Gut 90.000 Euro betrug die Gage von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl pro Folge. Die Spitzenverdiener waren sie damit nicht, das sollen die Kollegen aus M\u00fcnster sein. Apropos Leichen: Die meisten wurden erschossen, erstochen oder erschlagen. Den Preis f\u00fcr die seltsamste Todesart geht an die Besitzerin eines Kosmetikstudios, die ein Bad in fl\u00fcssiger Schokolade nimmt \u2013 und an einem allergischen Schock durch eine Erdnusspraline stirbt.<\/p>\n<p>Die Assistenten<\/p>\n<p>Assistenten sind im Sonntagabendkrimi die Caddies der Kommissare. Sie m\u00fcssen ihre Launen ertragen, ihre Arbeit machen, ihnen den Computer erkl\u00e4ren. Ein allzu ausgepr\u00e4gtes Eigenleben d\u00fcrfen sie nicht haben. Es k\u00f6nnte den Glanz der Silberr\u00fccken tr\u00fcben. Entsprechend hoch war die Fluktuation gerade auch bei den M\u00fcnchnern. Am l\u00e4ngsten ausgehalten hat es der Carlo. Michael Fitz, der Carlo war, durfte am Ende sogar \u00fcberleben, wof\u00fcr sich Wachtveitl und Nemec stark gemacht hatten. Er erbte und ging so lange nach Thailand, bis er in \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c, dem finalen Fall, wieder auftaucht. Etliche M\u00fcnchner Assistenten haben sp\u00e4ter Kriminalkarriere gemacht: Lisa Wagner, die als Fallanalytikerin Christine Lerch zwei Jahre lang Dienst tat (und auch in \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c wieder auftaucht) wurde im ZDF sp\u00e4ter megaerfolgreich \u201eKommissarin Heller\u201c. J\u00fcrgen Tonkel, der Gerichtsmediziner war, wurde Kollege von Katharina B\u00f6hm in \u201eDie Chefin\u201c. Fabian Hinrichs ist ein Sonderfall. Der war Gisbert in \u201eDer tiefe Schlaf\u201c. Gisbert war schr\u00e4g, ein Nerd, man musste ihn lieben. Drehbuchautor und Regisseur Alexander Adolph, der ihn erfunden hat, brachte ihn am Ende um. Wof\u00fcr er einen Shitstorm avant la lettre bekam, der sich gewaschen hatte. Die Wiederauferstehung von Gisbert wurde gefordert. Kam aber nicht. Heute ist Fabian Hinrichs, wenn er nicht mit Solo-Nummern die Volksb\u00fchne in Berlin vollspielt, \u201eTatort\u201c-Kommissar in Franken. Das Schicksal bleibt Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) erspart. Der letzte der Assistenten von Ivo und Franz, den sie erst nach gef\u00fchlt Jahrzehnten duzten, wird neben Carlo Ljubeks Kommissar Nikola Buvak Dienststellenleiter. Hat er sich verdient. <\/p>\n<p>Die G\u00e4ste<\/p>\n<p>\u201eDas ist meine Heimat, Wind und B\u00f6en sind mein Zuhaus\u201c singt eine Combo mit Matrosenanz\u00fcgen und furchtbar falschen B\u00e4rten unter einer Holzm\u00f6we in \u201e\u2026und die Musi spielt dazu\u201c. Da geht es um einen Mord im Volksmusikbetrieb. Nemec sagt: \u201eEin Wahnsinn.\u201c Veronica Ferres sagt: \u201eWenn man l\u00e4nger in dem Business arbeitet, kommt einem das ganz normal vor.\u201c Der Matrose am Ruder ist Campino, die andern sind die Toten Hosen. Firmieren hier aber als Andi Frege und seine Wasserratten. An G\u00e4sten hat es nicht gemangelt in den 34 Jahren. Rudolf Moshammer war ein Titelh\u00e4ndler, Joshua Kimmich ein Fitnessinfluencer, Rio Reiser \u00fcbernahm die Hauptrolle in \u201eIm Herzen Eiszeit\u201c als  entlassener H\u00e4ftling, der seine Unschuld beweisen wollte (und schrieb die Filmmusik), Karl \u201eMusikantenstadl\u201c Moik spielte einen Fernsehshowmoderator. Christoph Waltz, 1987 selbst mal \u201eTatort\u201c-Inspektor und dauerhaft als Kommissarsanw\u00e4rter im Gespr\u00e4ch, bis er als Hollywood-Star unbezahlbar wurde, gab 2008 in \u201eLiebeswirren\u201c ein Gastspiel als Verd\u00e4chtiger in der M\u00fcnchner Schwulenszene. Um den biederen Familienvater mit dem Doppelleben zu \u00fcberf\u00fchren, taten  Batic und Leitmayr so, als seien sie ein Liebespaar. Was sie ja eigentlich sind.<\/p>\n<p>Das \u00fcberfl\u00fcssige Wissen<\/p>\n<p>Irgendwann werden im noch zu gr\u00fcndenden Deutschen Fernsehmuseum (vielleicht untergebracht auf dem Gel\u00e4nde der M\u00fcnchner Bavaria) die Dienstausweise von Batic und Leitmayr zu sehen sein. Hinter Panzerglas. Sie sind n\u00e4mlich echt. Nach  Drehschluss m\u00fcssen sie zur\u00fcck in den Tresor des M\u00fcnchner Polizeipr\u00e4sidiums. Nemec und Wachtveitl teilen sich beim Dreh einen Wohnwagen. Nemec, der Familienvater, sagt Wachtveitl, der Single, sei unordentlich. Das Wort Messie fiel. In \u201eEin m\u00f6rderisches M\u00e4rchen\u201c schlug Hilmar Thate Nemec mit einer Pistole derart gegen die Augenbraue, dass er mit drei Stichen gen\u00e4ht werden musste. Das Drehbuch zu \u201eHardcore\u201c hatte ein umfangreiches Glossar im Abspann. Darin waren zentrale Begriffe des Pornobusiness erkl\u00e4rt, damit Nemec und Wachtveitl wussten, wovon sie da sp\u00e4ter sprachen. J\u00f6rg Sch\u00fcttauf ist in einem \u201eTatort\u201c kaum wieder zu erkennen, weil er in M\u00fcnchen mitspielte, als er noch Kommissar im Frankfurter \u201eTatort\u201c war. Das wollten die Kollegen vom Hessischen Rundfunk. Und Sch\u00fcttauf (Vorsicht: Spoiler) war der M\u00f6rder. Man einigte sich. Sch\u00fcttauf trug Brille und fiese Frise. Der Fall \u201eDas letztes Gefecht\u201c spielte \u00fcberwiegend in einem feststeckenden vier Quadratmeter gro\u00dfen Fahrstuhl, was bei Udo Wachtveitl zur Entstehung einer Vorform von Klaustropobie f\u00fchrte. Einmal kam selbst die dienst\u00e4lteste \u201eTatort\u201c-Komissarin in M\u00fcnchen vorbei. Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal besucht die M\u00fcnchner f\u00fcr  ein Fu\u00dfballspiel. Und wird beklaut.<\/p>\n<p>Der letzte Fall<\/p>\n<p>Wie beendet man eine Legende? Wir wissen es nicht (und w\u00fcrden es, w\u00fcssten wir\u2019s, auch nicht kolportieren). Aus wahrscheinlich berechtigter Angst vor Spoilerei hat der Bayerische Rundfunk nur eine gek\u00fcrzte Version von \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c (als finale Doppelfolge an Ostersonntag und -montag) zum Vorgucken bereitgestellt. Wachtveitl und Nemec w\u00e4re es wahrscheinlich am liebsten gewesen, wenn sie wie Winnetou und Old Shatterhand die Maximiliansstra\u00dfe hinunter gehen w\u00fcrden. Sie sind vermutlich hundert Mal gefragt worden, wie sie sich das Ende von Batic und Leitmayr w\u00fcnschen. \u00dcberleben wollten sie es meistens schon. \u201eUnverg\u00e4nglich\u201c handelt von M\u00fcnchner Wohnungsnot und Prekariat und einer Captagon-\u00dcberschwemmung der Drogenszene an der Isar. Es geht an mystische Orte im M\u00fcnchner Untergrund. Die Farben sind gr\u00fcnlich. Die Kommissare geben ihre Ausweise ab und ermitteln weiter. Alte Bekannte tauchen wieder auf \u2013 der Carlo  und der rote Porsche Targa Baujahr 1978 aus der ersten Folge. Und der Nachfolger und k\u00fcnftige Kollege vom Kalli \u2013 Carlo Ljubek huscht als SEK-Einsatzleiter durchs Bild. Der Ivo und der Franz frotzeln sich an und hinken hinter Verd\u00e4chtigen her. Man w\u00fcnscht ihnen ein langes Leben und ein langes Lieben.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An Ostern endet eine \u201eTatort\u201c-\u00c4ra. 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