{"id":69712,"date":"2026-04-02T20:34:09","date_gmt":"2026-04-02T20:34:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/69712\/"},"modified":"2026-04-02T20:34:09","modified_gmt":"2026-04-02T20:34:09","slug":"allodynie-als-nebenwirkung-von-semaglutid-und-tirzepatid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/69712\/","title":{"rendered":"Allodynie als Nebenwirkung von Semaglutid und Tirzepatid"},"content":{"rendered":"<p>Semaglutid und Tirzepatid z\u00e4hlen zu den h\u00e4ufig verordneten Wirkstoffen zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sowie zum chronischen Gewichtsmanagement. W\u00e4hrend Semaglutid als GLP-1-Rezeptoragonist wirkt, adressiert Tirzepatid sowohl den GLP-1- als auch den GIP-Rezeptor.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit mehren sich Berichte \u00fcber ungew\u00f6hnliche sensorische Nebenwirkungen, insbesondere Dys\u00e4sthesien und Allodynie. Eine Fallserie der Endokrinologin Dr. Susan Ahern und ihres Teams von der University of California in Los Angeles liefert nun neue Hinweise auf solche Komplikationen. Die Beobachtungen deuten auf dosisabh\u00e4ngige und reversible Effekte hin [1].<\/p>\n<p>Fall 1: Eine 56-j\u00e4hrige, \u00fcbergewichtige Frau<\/p>\n<p>Eine 56-j\u00e4hrige Patientin befindet sich zur Behandlung ihres \u00dcbergewichts in einem Krankenhaus in Los Angeles. Zun\u00e4chst erh\u00e4lt sie \u00fcber sechs Monate hinweg t\u00e4glich bis zu 3 mg Liraglutid als subkutane Injektion. Anschlie\u00dfend wird die Therapie auf 2,4 mg Semaglutid einmal w\u00f6chentlich umgestellt.<\/p>\n<p>Unter der neuen Medikation klagt die Patientin \u00fcber Dys\u00e4sthesien. Sie beschreibt ihre Haut als schmerzhaft und empfindlich, \u00e4hnlich einem Sonnenbrand. Die Beschwerden bestehen \u00fcber etwa sechs Wochen und bilden sich anschlie\u00dfend spontan zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Fall 2: Ein 75-j\u00e4hriger Typ-2-Diabetiker<\/p>\n<p>Ein 75-j\u00e4hriger Mann mit Typ-2-Diabetes, bestehender Neuropathie und chronischen R\u00fcckenschmerzen erh\u00e4lt zun\u00e4chst orales Semaglutid in einer Dosis von 14 mg t\u00e4glich.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf wird die Therapie auf subkutanes Tirzepatid umgestellt. Die Behandlung beginnt mit 2,5 mg w\u00f6chentlich und wird schrittweise bis auf 15 mg gesteigert. Kurz nach Erreichen dieser Maximaldosis entwickelt der Patient ein ausgepr\u00e4gtes, brennendes Gef\u00fchl am gesamten K\u00f6rper \u2013 typisch f\u00fcr eine Allodynie.<\/p>\n<p>Die Beschwerden halten etwa zwei Wochen an und klingen zun\u00e4chst spontan ab. Sechs Monate sp\u00e4ter tritt nach antibiotischer Behandlung einer dentalen Infektion ein Rezidiv auf, diesmal zus\u00e4tzlich begleitet von Odynophagie. Hinweise auf eine orale Candidose bestehen nicht.<\/p>\n<p>Nach Absetzen von Tirzepatid gehen die Symptome vollst\u00e4ndig zur\u00fcck. Eine erneute Therapie mit oralem Semaglutid (14 mg t\u00e4glich) vertr\u00e4gt der Patient gut. Auch subkutane Semaglutidgaben bis 2 mg w\u00f6chentlich f\u00fchren nicht zu einem Wiederauftreten der Beschwerden.<\/p>\n<p>Diskussion<\/p>\n<p>\u201eDies ist die erste Fallserie \u00fcber tirzepatidassoziierte Allodynie oder Dys\u00e4sthesien\u201c, betonen die Autoren. Zwar werden \u00e4hnliche Nebenwirkungen bereits in Studien zu Semaglutid beschrieben, sie finden sich jedoch bislang nicht konsistent in den offiziellen Nebenwirkungsprofilen [2-3]. Auff\u00e4llig ist der m\u00f6gliche dosisabh\u00e4ngige Zusammenhang: Die Beschwerden treten vor allem bei h\u00f6heren Dosierungen auf und bilden sich entweder spontan oder nach Absetzen der Medikation zur\u00fcck.<\/p>\n<p>F\u00fcr die klinische Praxis bedeutet dies, dass \u00c4rzte unterschiedlicher Fachrichtungen \u2013 insbesondere in Neurologie, Dermatologie und Allgemeinmedizin \u2013 f\u00fcr diese potenziellen Nebenwirkungen sensibilisiert sein sollten. Angesichts der stetig steigenden Verordnungszahlen von GLP-1- und GLP-1\/GIP-Rezeptoragonisten gewinnt dieses Wissen zunehmend an Bedeutung.<\/p>\n<p>Der Beitrag ist im Original erschienen auf <a href=\"https:\/\/www.univadis.de\/index.php\/viewarticle\/fallserie-allodynie-als-nebenwirkung-semaglutid-und-2026a100043a\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Univadis.de<\/a>. \u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Semaglutid und Tirzepatid z\u00e4hlen zu den h\u00e4ufig verordneten Wirkstoffen zur Behandlung des Typ-2-Diabetes sowie zum chronischen Gewichtsmanagement. 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