{"id":76063,"date":"2026-04-08T08:04:43","date_gmt":"2026-04-08T08:04:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/76063\/"},"modified":"2026-04-08T08:04:43","modified_gmt":"2026-04-08T08:04:43","slug":"genf-als-top-ziel-fuer-uhrenliebhaber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/76063\/","title":{"rendered":"Genf als Top-Ziel f\u00fcr Uhrenliebhaber"},"content":{"rendered":"<p class=\"fp-paragraph\">Genf &#8211; C\u00e9dric Johner ist im geordneten Chaos daheim. Zumindest scheint es Au\u00dfenstehenden so. Zwei R\u00e4ume in einem Gesch\u00e4ftshaus in Carouge nahe dem Genfersee, Tische und Werkb\u00e4nke in verschiedener H\u00f6he. Darauf: Fr\u00e4smaschinen, Drehb\u00e4nke, jede Menge Pr\u00e4zisionswerkzeug, Lupen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Ganz hinten an einem Tisch: die Feilen, sehr viele, in verschiedenen Graduierungen. C\u00e9dric Johner braucht sie alle. Denn der Uhrmacher produziert seine St\u00fccke in Handarbeit.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eJedes ist ein Unikat\u201c, sagt er. Zw\u00f6lf St\u00fcck pro Jahr produziert Johner in etwa. Mehr geht nicht. Weit und breit ist kein Computer zu sehen, kein Tablet, keine CNC-Maschine, die ihm beim Designen, Rechnen und Stanzen hilft.<\/p>\n<p>Hier sitzen die gro\u00dfen Namen der Uhren-Szene<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Johner ist einer der in der Szene bekanntesten unabh\u00e4ngigen Uhrmacher, sein Name steht f\u00fcr handwerkliche Exzellenz, seine Uhren gelten als Kunstwerke. Und er selbst als einer der H\u00fcter des traditionellen Uhrmacherwissens.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Wer nach Genf und in die Umgebung kommt, kann seine Zeit rundum dem Thema Uhren widmen: Die nach Z\u00fcrich zweitgr\u00f6\u00dfte Stadt der Schweiz gilt als eines der weltweit wichtigsten Zentren der Uhrmacherkunst, der Horologie. Hier haben auch die renommiertesten Uhrenmarken und -manufakturen ihren Sitz. Rolex, Patek Philippe, Vacheron Constantin, um nur einige zu nennen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">In Boutiquen, Museen und Manufakturen kommen Stadtbesucher mit dem Sinn f\u00fcr Zeitmesser voll auf ihre Kosten. Zu den augenscheinlichsten Beispielen des reichen Uhrmachererbes z\u00e4hlen die Malbuisson-Uhr in der Passage Malbuisson mit ihren Bronzefiguren und Bronzeglocken oder die funktionierende Blumenuhr (Horloge Fleurie) im Jardin Anglais (Englischer Garten) aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.\u00a0<\/p>\n<p>In Genf begann die Kunst der Uhrmacher<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Doch die Geschichte weist viel weiter zur\u00fcck. Genf bezeichnet sich als Wiege der Uhrmacher. 1601 schon gab es die erste Uhrmacherzunft am Genfersee. 1536 brach die Stadt mit der katholischen Kirche, die B\u00fcrger hatten beschlossen, sich zu reformieren. Ein paar Monate nach diesem Beschluss kam der Reformator Johannes Calvin nach Genf, evangelisch, flei\u00dfig, strebsam.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eVerschwendung und Mu\u00dfe waren seine gr\u00f6\u00dften Feinde\u201c, sagt Margit Schwiegelhofer, Stadtf\u00fchrerin in Genf. Juweliere hatten einen schweren Stand, ihr Gesch\u00e4ft litt. Das der Uhren weniger, denn sie waren Gebrauchsgegenstand. Wobei man mit Uhren damals noch Stand- oder Taschenuhren meinte, zu Beginn nur mit Stundenzeiger.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">\u201eDie Armbanduhr kam erst nach dem Ersten Weltkrieg\u201c, sagt Schwiegelhofer. Und die sogenannten Komplikationen, also Zusatzfunktionen wie Datumsanzeige, Mondphasenanzeige, ewiger Kalender, Chronograph &#8211; manchmal sogar alle in einer Uhr &#8211; noch sp\u00e4ter.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Prestigetr\u00e4chtig war der Job des Uhrmachers &#8211; anders als heute &#8211; damals nicht. Frauen und Kinder arbeiteten im \u00e4rmlichen Stadtteil St. Gervais, das schmutzige Wasser aus der Produktion wurde direkt in die Rhone und den Genfersee geleitet. M\u00e4nner waren die Meister, auch wenn es damals noch an einer Ausbildung fehlte.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Die Genfer also bauten Uhren, und sie hatten das Gl\u00fcck, dass es schon eine Br\u00fccke \u00fcber den Fluss gab und die Alpen\u00fcberquerung hier als recht einfach galt. Somit war die Stadt fr\u00fch zum Handelsplatz geworden.<\/p>\n<p>Die \u201eHeilige Dreifaltigkeit der Uhrmacherkunst\u201c<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">C\u00e9dric Johner begibt sich also tagt\u00e4glich in seinem Atelier auf die Spuren der Uhrmacher-Ahnen \u2013 unter denen sich so mancher bekannte Name findet. Scherzhaft nennen sie in Genf die Firmen Audemars Piguet, Patek Philippe und Vacheron Constantin die \u201eHeilige Dreifaltigkeit der Uhrmacherkunst\u201c. Drei Firmen, die auch zu den \u00e4ltesten in ihrem Handwerk geh\u00f6ren. Vacheron Constantin gilt als \u00e4lteste ununterbrochen t\u00e4tige Uhrenmanufaktur der Welt (1755), bei Blancpain werden seit 1735 mechanische Uhren gefertigt, allerdings mit Pausen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Sie alle sind heute mit Gesch\u00e4ften und dem Vertrieb in Genf vertreten \u2013 aber sie halten noch an einer anderen historisch gewachsenen Sache fest: Viele haben Werkst\u00e4tten im Vall\u00e9e de Joux im Kanton Waadt, etwa eine Stunde von der Stadt entfernt. Dort oben im Jura ist das Klima rau, und die Menschen lebten fr\u00fcher zumeist von der Landwirtschaft. Allerdings waren sie im Winter eingeschneit, so dass sie sich eine andere T\u00e4tigkeit suchten, um \u00fcber die kalten Monate zu kommen und ihr Einkommen aufzubessern.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dann wurden die Bauern zu Feinmechanikern, die f\u00fcr die gro\u00dfen Uhrenhersteller die Uhrwerke fertigten \u2013 in einer kleinen Kammer in einem oberen Stockwerk ihrer H\u00e4user, wo es lange hell war und nicht staubig. Wenn die Wege nicht mehr gefroren waren, gingen sie zwei Tage lang zu Fu\u00df nach Genf und verkauften Uhrwerke.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Im Uhrenmuseum Espace Horloger in Le Sentier 30 Kilometer n\u00f6rdlich vom Genfersee ist man mittendrin in diesem Zentrum der Handwerkskunst. Entsprechend sind in der Ausstellung antike Uhren zu bestaunen, die zur\u00fcck ins 16. Jahrhundert weisen. Auch Einblicke in den Beruf des Uhrmachers erhalten Besucher, oder sie erfahren, wie Komplikationen funktionieren &#8211; etwa das Tourbillon, das mechanisch f\u00fcr Ganggenauigkeit sorgt.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Dicker tr\u00e4gt das Museum der Firma Patek Philippe im Genf Stadtteil Plainpalais auf, wo Senior-Chef Philippe Stern nach der Jahrtausendwende endlich einen Ort gefunden hat, seine Sammelleidenschaft auch zu zeigen: In Art-d\u00e9co-Vitrinen kann eine der au\u00dfergew\u00f6hnlichsten Uhrensammlungen der Welt bewundert werden.<\/p>\n<p>Eine Uhr mit Rousseau-Bezug<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Mehr als 2.500 Zeitmesser sind es \u2013 darunter befindet sich auch eine Taschenuhr des Gro\u00dfvaters von Jean-Jacques Rousseau. Der stammte aus einer Uhrmacherfamilie, wie bei einer F\u00fchrung zu erfahren ist. Auch die erste Armbanduhr aus dem Jahr 1868, gefertigt f\u00fcr die Dame, ist hinter vielfach gesichertem Glas zu sehen. Mann trug damals noch Taschenuhr. Frauen hingegen hatten einen eleganten Goldschmuck mit gro\u00dfem Edelstein am Handgelenk, unter dem sich das Zifferblatt verbarg.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Individuell gefertigte Uhren, das ist auch das Gesch\u00e4ft der Watchmakers United direkt am Seeufer. \u201eWir sind ein Kollektiv, \u00fcber das sich die Uhrmacher vermarkten k\u00f6nnen\u201c, sagt General Manager Vincent Vuillaume in dem schwer gesicherten Gesch\u00e4ft, in dem es Uhren f\u00fcr unter 1.000 Franken gibt, aber auch solche, die mehr als das Hundertfache kosten.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">F\u00fcr Uhrenliebhaber, die nicht in eine der Ketten entlang der Rue du Rhone gehen wollen, ist das jedenfalls der richtige Ort. Und f\u00fcr die kleinen, unabh\u00e4ngigen Hersteller ist das neben einer Verkaufsstelle auch ein Ort zum Netzwerken, wie Vuillaume erkl\u00e4rt. Gleichem Zweck dient auch die Luxusuhrenmesse Watches and Wonders, die Mitte April beginnt und an drei Tagen auch f\u00fcr die breite \u00d6ffentlichkeit ge\u00f6ffnet hat.\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Au\u00dfergew\u00f6hnliche St\u00fccke, manche mehr als eine Million Franken wert, spielen die tragende Rolle, wenn sich im Herbst die Allerbesten ihrer Zunft zum \u201eGrand Prix d\u2019Horlogerie de Gen\u00e8ve\u201c in der Stadt einfinden &#8211; der Gro\u00dfe der Preis der Uhrmacherei von Genf gilt als der \u201eUhren-Oskar\u201c, der Verleihung kann man allerdings nur auf Einladung beiwohnen. Luxusuhren &#8211; sie stehen eben auch f\u00fcr eine Exklusivit\u00e4t, der man in Genf jedoch so nah wie kaum anderswo kommt.\u00a0<\/p>\n<p>Links, Tipps, Praktisches:<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Reiseziel: Stadt und Kanton Genf liegen im franz\u00f6sischsprachigen Westen der Schweiz. Das Vall\u00e9e de Joux ist mit dem Zug zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Anreise:\u00a0<\/p>\n<p>Flugreisende landen auf Genfs Flughafen,ein paar Kilometer au\u00dferhalb der Stadt.\u00a0Mit dem Zug kommt man von Deutschland aus \u00fcber Z\u00fcrich direkt im Zentrum an.\u00a0Mit dem Auto dauert die Fahrt ab M\u00fcnchen noch rund sieben, ab Stuttgart unter sechs Stunden.<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Uhren-Guide: Der Genfer Tourismusverband und die Fondation de la Haute Horlogerie haben den \u201eGeneva Watchmaking Guide\u201c herausgebracht, in dem zahlreiche Informationen zur Uhrmacherei in der Stadt gesammelt sind. Vorgestellt werden\u00a0ber\u00fchmte Manufakturen, Museen, offene Ateliers, thematische Rundg\u00e4nge und bedeutende j\u00e4hrliche Veranstaltungen. Das Buch kostet 30 Schweizer Franken, umgerechnet rund 33 Euro (geneve.com\/en\/attractions\/detail\/geneva-watchmaking-guide).<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Museen: Der Eintritt ins Patek-Philippe-Museum kostet regul\u00e4r 10 Franken (<a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/www.patek.com\/en\/museum\/the-patek-philippe-museum\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">patek.com\/en\/museum\/the-patek-philippe-museum<\/a>), der in den Espace Horloger 14 Franken (<a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/espacehorloger.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">espacehorloger.ch<\/a>).\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Weitere Uhrenmuseen in der Schweiz und anderen L\u00e4ndern listet die Website der Fondation Haute Horlogerie (hautehorlogerie.org).\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Veranstaltungen und F\u00fchrungen: Zwischen 14. und 20. April findet die Luxusuhrenmesse Watches and Wonders in Genf statt (watchesandwonders.com). Dann gibt es kostenlose Stadtf\u00fchrungen, die den Schwerpunkt der Haute Horlogerie haben (geneve.com\/de\/attraktionen\/detail\/stadtfuehrung-genf-wiege-der-luxus-uhrmacherei). Die \u00fcber die Innenstadt Genfs verteilt in Boutiquen, Hotels und Showrooms stattfindenden Geneva Watch Days laufen vom 2. bis 6. September; viele Veranstaltungen kosten keinen Eintritt, Uhrenexperten bieten gef\u00fchrte Touren an (gva-watch-days.com). Der \u201eUhren-Oscar\u201c wird wieder beim 26. Grand Prix d\u2019Horlogerie de Gen\u00e8ve (GPHG) am 7. November 2026 vergeben (gphg.org).<br \/>\u00a0<\/p>\n<p class=\"fp-paragraph\">Weitere Infos: geneve.com; myswitzerland.com\/de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Genf &#8211; C\u00e9dric Johner ist im geordneten Chaos daheim. Zumindest scheint es Au\u00dfenstehenden so. 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