{"id":77147,"date":"2026-04-09T00:45:12","date_gmt":"2026-04-09T00:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/77147\/"},"modified":"2026-04-09T00:45:12","modified_gmt":"2026-04-09T00:45:12","slug":"esa-sonde-juice-knipst-kometen-in-seiner-aktivsten-phase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/77147\/","title":{"rendered":"Esa-Sonde Juice knipst Kometen in seiner aktivsten Phase"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich h\u00e4tte die Sonde Juice erst am Jupiter wieder aufwachen sollen. Doch dann ergab sich die Gelegenheit f\u00fcr ein paar besondere Fotos.<\/p>\n<p>        <img width=\"680\" height=\"340\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Aufnahme-der-JANUS-Kamera-vom-Kometen-3I_ATLAS-e1775636106942.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Die Jupiter-Sonde Juice hat auf der R\u00fcckseite Sonne einen Kometen w\u00e4hrend seiner aktivsten Phase gefilmt.\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Die Jupiter-Sonde Juice hat auf der R\u00fcckseite Sonne einen Kometen w\u00e4hrend seiner aktivsten Phase gefilmt. <\/p>\n<p class=\"wp-caption-source\">Foto: ESA\/JUICE\/JANUS<\/p>\n<p>Der ESA-Sonde Juice ist auf ihrem Weg zum Jupiter ein astronomischer Zufallstreffer gelungen. Sie konnte Fotos des Kometen 3I\/ATLAS w\u00e4hrend dessen aktivster Phase schie\u00dfen \u2013 ein Kunstst\u00fcck, das von der Erde aus nicht m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>Die 1,6 Mrd. \u20ac teure Sonde Juice (<a href=\"https:\/\/www.esa.int\/Science_Exploration\/Space_Science\/Juice\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Jupiter Icy Moons Explorer<\/a>) ist auf ihrer <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/raumfahrt\/jupitermission-juice-bremsen-um-jeden-preis\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">mehr als siebenj\u00e4hrigen Reise Richtung Jupiter<\/a>, wo sie die Eismonde Europa und Ganymed erforschen soll. Ihre kostbaren Instrumente wollte die ESA w\u00e4hrend des Flugs eigentlich schonen. In diesem Fall war aber die Versuchung zu gro\u00df.<\/p>\n<p>Was hat Juice fotografiert?<\/p>\n<p>Der Komet 3I\/ATLAS stammt nicht aus unserem Sonnensystem, er ist von au\u00dfen zur Sonne vorgedrungen. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen befand sich der Komet kurz nach dem Perihel, das ist der sonnenn\u00e4chste Punkt einer Bahn. 3I\/ATLAS war also in seiner aktivsten Phase.<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen laut dem Deutschen Zentrum f\u00fcr Luft- und Raumfahrt (DLR) eine ausgedehnte Koma, in der sich der Kometenkern versteckt. Zu sehen sind auch ein Schweif sowie verschiedene morphologische Strukturen: Jets, Str\u00f6me, Filamente, Abl\u00f6sungen. Solche Strukturen entstehen, wenn sich die Oberfl\u00e4che des Kometen unter dem Einfluss der Sonne erw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Das astronomische Fr\u00fchwarnsystem Atlas (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) hat den Kometen am 1. Juli 2025 entdeckt. Vier Bilder zeigten ein schwach leuchtendes, sich bewegendes Objekt im Asteroideng\u00fcrtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Sp\u00e4ter konnten Teams berechnen, dass der Komet definitiv aus dem interstellaren Raum stammt. Daf\u00fcr steht der Buchstabe \u201eI\u201c. Die \u201e3\u201c markiert, dass es sich nach 1I\/\u2019Oumuamua (2017 entdeckt) und 2I\/Borisov (2019) um das dritte Objekt von au\u00dferhalb des Sonnensystems handelt. Berechnungen zufolge ist 3I\/ATLAS von den dreien das \u00e4lteste; er k\u00f6nnte aus der dicken Scheibe der Milchstra\u00dfe stammen.<\/p>\n<p>Ist 3I\/ATLAS ein typischer Komet?<\/p>\n<p>Trotz seiner interstellaren Herkunft verh\u00e4lt sich 3I\/ATLAS ersten Analysen zufolge wie ein typischer Komet aus unserem Sonnensystem. Der maximal 5 km gro\u00dfe Kern ist von einer Staub- und Gaswolke eingeh\u00fcllt, der Koma.<\/p>\n<p>Warum konnte Juice den Kometen so gut fotografieren?<\/p>\n<p>Teleskope auf der Erde konnten den im Sommer 2025 entdeckten 3I\/ATLAS bis in den Herbst hinein beobachten. Dann geriet er auf seiner Bahn hinter die Sonne. Dort befand sich auch die Sonde Juice \u2013 ein gl\u00fccklicher Zufall.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"2560\" height=\"1280\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/c02.purpledshub.com\/uploads\/sites\/97\/2026\/04\/Ideale-Beobachtungsbedingungen-fuer-JUICE-scaled-e1775638456885.jpg\" alt=\"Die Sonde Juice und der Komet 3I\/ATLAS befanden sich zum Zeitpunkt der Aufnahmen beide hinter der Sonne, von der Erde aus gesehen.\" class=\"wp-image-53246\"\/>Die Sonde Juice und der Komet 3I\/ATLAS befanden sich zum Zeitpunkt der Aufnahmen beide hinter der Sonne, von der Erde aus gesehen. So hatte Juice w\u00e4hrend der aktivsten Phase des Kometen eine gute Sicht. Grafik: ESA\/JUICE\/JANUS<\/p>\n<p>Juice vollf\u00fchrt auf dem Weg ins Jupiter-System mehrere sogenannte Slingshots, um Schwung zu holen. Das sind Man\u00f6ver, bei denen sich die Sonde f\u00fcr eine kurze Zeit im Gravitationsfeld eines Planeten fangen und ablenken l\u00e4sst. N\u00e4hert sich die Sonde dem Planeten dazu von hinten, entspricht das einer Beschleunigung. So spart die ESA Treibstoff \u2013 auf Kosten einer langen Reise. Einmal nutzt Juice die Venus im Innern des Sonnensystems f\u00fcr einen Slingshot. Dreimal ist die Erde dran. Im August 2024 legte Juice eine Premiere hin, ein besonders komplexes Man\u00f6ver. <a href=\"https:\/\/www.vdi-nachrichten.com\/technik\/raumfahrt\/jupitersonde-juice-komplizierter-kann-eine-raumsonde-nicht-bremsen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Die Sonde nutzte dabei zuerst den Mond der Erde und dann sofort die Erde selbst<\/a> f\u00fcr einen Slingshot im Slingshot.<\/p>\n<p>Wann sind die Aufnahmen entstanden?<\/p>\n<p>Die Aufnahmen sind im Zeitraum vom 5. bis zum 25. November 2025 entstanden. In dieser Zeit betrug die k\u00fcrzeste Entfernung zwischen Komet und Sonde ann\u00e4hernd 63 Mio. km \u2013 grob zwei F\u00fcnftel des Erde-Sonne-Abstands.<\/p>\n<p>Das DLR hat den Datensatz mit den Fotos allerdings erst am 19. Februar heruntergeladen. Das hat mit der Position von Juice und der gro\u00dfen Entfernung zu den Empfangsantennen auf der Erde zu tun. <\/p>\n<p>Welches Instrument hat die Fotos geschossen?<\/p>\n<p>Das Kamerasystem Janus hat insgesamt 120 Bilder des Kometen aufgenommen. An Janus ist das DLR mit wesentlichen Hardware-Beitr\u00e4gen beteiligt. Die Kamera nutzte f\u00fcr die Bilder laut DLR sieben Filter im Spektralbereich von 380 nm bis 1015 nm (blau bis nahes Infrarot). Janus habe \u201esehr schwache Strukturen im Schweif des Kometen sowie eine genaue Radiometrie der helleren Koma in der N\u00e4he des Kerns aufgezeigt\u201c, sagt Ganna Portyankina vom DLR-Institut f\u00fcr Weltraumforschung in Berlin. Sie leitet als Co-Principal Investigator (PI) den Betrieb der Kamera gemeinsam mit PI Pasquale Palumbo vom Istituto di Astrofisica e Planetologia Spaziali in Rom.<\/p>\n<p>Eigentlich waren bis zur Ankunft im Jupiter-System keine wissenschaftlichen Beobachtungen geplant. Nach der Entdeckung des Kometen 3I\/ATLAS haben die Teams aber Beobachtungskampagnen entworfen und einzelne Instrumente gezielt aus dem \u201eWinterschlaf\u201c geholt.<\/p>\n<p>Neben Janus waren vier weitere Instrumente an der Beobachtung des Kometen beteiligt. Das Ziel: herauszufinden, wie sich der Komet verh\u00e4lt und woraus er besteht. Aktuell analysieren Wissenschaftsteams die Spektrometriedaten, um die chemische Zusammensetzung zu bestimmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eigentlich h\u00e4tte die Sonde Juice erst am Jupiter wieder aufwachen sollen. 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