{"id":78207,"date":"2026-04-09T22:52:45","date_gmt":"2026-04-09T22:52:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/78207\/"},"modified":"2026-04-09T22:52:45","modified_gmt":"2026-04-09T22:52:45","slug":"ende-der-grippewelle-weniger-sti-unter-akne-behandlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/78207\/","title":{"rendered":"Ende der Grippewelle; weniger STI unter Akne-Behandlung;"},"content":{"rendered":"<p>Im Infektiologie-Blog bieten wir Ihnen jede Woche eine kurze \u00dcbersicht zu den aktuellen Entwicklungen in der Epidemiologie, Diagnostik und Therapie von COVID-19, Grippe und weiteren Infektionskrankheiten.\u00a0<\/p>\n<p>Infektiologie-Newsblog, Update vom 9. April 2026COVID-19, Influenza, RSV \u2013 die Trends in DeutschlandLong-COVID: R\u00fcckl\u00e4ufige Pr\u00e4valenz, aber weiterhin hohe KrankheitslastLong-COVID: HIV als RisikofaktorTuberkulose: Jede 5. Erkrankung in Europa bleibt unentdeckt \u2013 Resistenzen auf hohem NiveauSTI: Akne-Therapie mit Doxycyclin senkt Risiko f\u00fcr sexuell \u00fcbertragbare InfektionenHIV: Niedrige CD4-Werte erh\u00f6hen Risiko f\u00fcr Geb\u00e4rmutterhalskrebs deutlichCOVID-19, Influenza, RSV \u2013 die Trends in Deutschland<\/p>\n<p>Auf der Website \u201e<a href=\"https:\/\/infektionsradar.gesund.bund.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infektionsradar<\/a>\u201c stellt das Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit Trends bei akuten Atemwegserkrankungen (ARE) zusammen. Die neuesten 7-Tage-Inzidenzen (laborbest\u00e4tigte F\u00e4lle je 100.000 Einwohner):\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0Aktuelle WocheVorwocheCOVID-190,20,3Influenza1,162,18Respiratorisches Synzytialvirus (RSV)4,105,73<\/p>\n<p>Laut <a href=\"https:\/\/influenza.rki.de\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Robert Koch-Institut<\/a> ist die Grippewelle der Saison 2025\/2026 mittlerweile zu Ende. Nach Definition des Instituts begann die Influenzawelle vergleichsweise fr\u00fch in der 48. Kalenderwoche 2025, also Ende November, und dauerte insgesamt rund 15 Wochen an.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Saison zeigte sich zun\u00e4chst ein deutlicher Anstieg der Infektionszahlen rund um den Jahreswechsel, gefolgt von einem kontinuierlichen R\u00fcckgang im Sp\u00e4twinter. Bereits im M\u00e4rz 2026 gingen sowohl die gemeldeten Influenzaf\u00e4lle als auch die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen sp\u00fcrbar zur\u00fcck. Parallel dazu wurden Influenzaviren in den Surveillance-Systemen kaum noch nachgewiesen. Wie in typischen Jahren verlagerte sich das Infektionsgeschehen nach dem H\u00f6hepunkt der Grippewelle zunehmend hin zu anderen saisonalen Atemwegserkrankungen.<\/p>\n<p>Long-COVID: R\u00fcckl\u00e4ufige Pr\u00e4valenz, aber weiterhin hohe Krankheitslast<\/p>\n<p>Long-COVID bleibt auch mehrere Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie klinisch relevant \u2013 trotz erkennbarer Fortschritte. Eine aktuelle, in <a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jamanetworkopen\/fullarticle\/2845675\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">JAMA Network Open<\/a> publizierte Analyse auf Basis repr\u00e4sentativer Daten der US National Health Interview Survey zeigt, dass zwar immer mehr Menschen eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, die relative H\u00e4ufigkeit von Long-COVID jedoch abnimmt. So stieg der Anteil der Erwachsenen mit Infektion zwischen den Jahren 2022 und 2024 von 39,6% auf 60,4%, w\u00e4hrend die Long-COVID-Pr\u00e4valenz unter den Infizierten im gleichen Zeitraum von 19,7% auf 13,7% sank.<\/p>\n<p>Der Anteil der Betroffenen, die sich von Long-COVID erholt haben, stieg von 51,2% auf 59,7%. Das bedeutet im Umkehrschluss: Nach wie vor haben viele Menschen Probleme. Im Jahr 2024 waren es etwa 8,3% der erwachsenen US-Bev\u00f6lkerung, also rund 21,3 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Frauen sowie Patienten zwischen 35 und 64 Jahren haben ein gr\u00f6\u00dferes Risiko f\u00fcr Long-COVID als andere Patientengruppen. Auch ein niedriger sozio\u00f6konomischer Status ist mit einem erh\u00f6hten Risiko assoziiert. Vor allem junge Erwachsene erholen sich rasch und vollst\u00e4ndig.\u00a0<\/p>\n<p>Long-COVID: HIV als Risikofaktor<\/p>\n<p>Menschen mit HIV haben ein signifikant h\u00f6heres Risiko, nach einer COVID-19-Infektion an Long-COVID zu erkranken. Zu dem Ergebnis kommen Forscher in <a href=\"https:\/\/journals.lww.com\/jaids\/abstract\/9900\/long_covid_between_people_with_and_without_hiv__a.790.aspx\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">JAIDS<\/a>.<\/p>\n<p>Grundlage ihrer Arbeit war eine Analyse der Daten von 838.520 Patienten aus den USA. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass 16,3% der Patienten mit HIV-Infektion und mit COVID-19 Long-COVID-Symptome entwickelt haben, verglichen mit 10,6% der Kontrollen ohne HIV. Insgesamt war das Risiko um 29% erh\u00f6ht (adjustierte Hazard Ratio 1,29).<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig waren neurologische Folgen. Sie traten bei HIV-Patienten mehr als doppelt so h\u00e4ufig auf als bei Kontrollen (aHR 2,04). Psychische und neurokognitive St\u00f6rungen waren um 78% h\u00e4ufiger (aHR 1,78). Auch Atemwegserkrankungen traten \u00f6fter auf (aHR 1,78).\u00a0<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass HIV-Patienten besonders anf\u00e4llig f\u00fcr langfristige Folgen von COVID-19 sind und eine engmaschige Nachsorge ben\u00f6tigen.\u00a0<\/p>\n<p>Tuberkulose: Jede 5. Erkrankung in Europa bleibt unentdeckt \u2013 Resistenzen auf hohem Niveau<\/p>\n<p>Europa verfehlt nach wie vor wichtige Ziele im Kampf gegen Tuberkulose. Das zeigt ein aktueller <a href=\"https:\/\/www.who.int\/europe\/news\/item\/23-03-2026-european-region-misses-1-in-5-tb-cases--while-drug-resistant-strains-remain-among-the-worst-globally?utm_source=chatgpt.com\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bericht<\/a> der World Health Organization (WHO) und des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Demnach wurden im Jahr 2024 rund 161.500 F\u00e4lle gemeldet. Tats\u00e4chlich d\u00fcrften jedoch etwa 204.000 Menschen erkrankt sein. Damit bleibt etwa jede 5. Tuberkulose-Erkrankung unerkannt oder wird nicht gemeldet \u2013 eine erhebliche L\u00fccke in der Versorgung.\u00a0<\/p>\n<p>Zwar ist die Tuberkulose-Inzidenz in der Region seit dem Jahr 2015 um 39% gesunken. Auch die Sterblichkeit ging um knapp 50% zur\u00fcck. Dennoch reichen diese Fortschritte nicht aus, um internationale Ziele zu erreichen. Besonders kritisch ist die Situation bei der Nachverfolgung: Selbst in der EU wird etwa jeder 5. Patient ein Jahr nach Therapiebeginn nicht mehr systematisch erfasst.<\/p>\n<p>Auch die Antibiotikaresistenz wird zum Problem: In Europa sind 23% der neuen Tuberkulosef\u00e4lle multiresistent \u2013 ein Wert, der rund 7-fach \u00fcber dem globalen Durchschnitt liegt. Bei bereits behandelten Patienten ist sogar mehr als jeder 2. Fall resistent gegen das wichtige Antibiotikum Rifampicin. Diese resistenten Formen sind deutlich schwieriger zu behandeln, erfordern l\u00e4ngere Therapien und gehen mit h\u00f6heren Sterblichkeitsraten einher.<\/p>\n<p>Ohne Investitionen in schnelle Diagnostik, wirksame Therapien und stabile Gesundheitssysteme droht Europa, im Kampf gegen Tuberkulose weiter zur\u00fcckzufallen.<\/p>\n<p>STI: Akne-Therapie mit Doxycyclin senkt Risiko f\u00fcr sexuell \u00fcbertragbare Infektionen<\/p>\n<p>Eine Analyse der Daten von 172.711 Patienten zwischen 15 und 45 Jahren zeigt, dass die t\u00e4gliche Einnahme von Doxycyclin zur Behandlung von Akne mit einem verringerten Risiko f\u00fcr bakterielle sexuell \u00fcbertragbare Infektionen (STI) verbunden ist. Dar\u00fcber berichten Forscher in <a href=\"https:\/\/www.jaad.org\/article\/S0190-9622(26)00380-4\/abstract\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">JAAD<\/a>.\u00a0<\/p>\n<p>Innerhalb von 180 Tagen nach Therapiebeginn traten STI um rund 27% seltener auf (Hazard Ratio 0,73). Besonders deutlich war der Effekt bei Chlamydien-Infektionen, deren H\u00e4ufigkeit um etwa 39% niedriger war (HR 0,61). F\u00fcr Gonorrh\u00f6 und Syphilis zeigte sich ebenfalls ein R\u00fcckgang (HR 0,79 bzw. 0,80). Der Effekt war jedoch statistisch nicht signifikant.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind vor allem relevant, weil sie eine breite, eher niedrig gef\u00e4hrdete Population betreffen. In den letzten Jahren gab es vor allem Studien zu Hochrisikogruppen und zur Pr\u00e4expositionsprophylaxe. Dennoch reicht die Evidenz nicht aus, um Doxycyclin gezielt zur Pr\u00e4vention von STI einzusetzen. Ob das funktionieren k\u00f6nnte, m\u00fcssen weitere Studien zeigen.\u00a0<\/p>\n<p>HIV: Niedrige CD4-Werte erh\u00f6hen Risiko f\u00fcr Geb\u00e4rmutterhalskrebs deutlich<\/p>\n<p>Eine Analyse der Daten von 66.920 Frauen mit HIV aus S\u00fcdafrika zeigt, dass immunologische Parameter entscheidend f\u00fcr das Risiko von Krebsvorstufen und von Geb\u00e4rmutterhalskrebs sind. Details haben Forscher in <a href=\"https:\/\/academic.oup.com\/cid\/advance-article\/doi\/10.1093\/cid\/ciag093\/8483304\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Clinical Infectious Diseases<\/a> publiziert.\u00a0<\/p>\n<p>Ihre Auswertung von Daten der Jahre 2011 bis 2022 ergab Inzidenzen von 394 F\u00e4llen moderater und 405 F\u00e4llen schwerer Dysplasien, von 66 F\u00e4llen eines Carcinoma in situ und von 70 F\u00e4llen invasiven Krebses pro 100.000 Personenjahre.<\/p>\n<p>Besonders deutlich war der Zusammenhang mit der CD4-Zellzahl: Frauen mit stark geschw\u00e4chtem Immunsystem (Titer unter 50 Zellen\/\u00b5l) hatten ein nahezu 5-fach erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr ein Carcinoma in situ und ein mehr als 5-fach erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr invasiven Geb\u00e4rmutterhalskrebs im Vergleich zu Frauen mit hohen CD4-Werten \u00fcber 500 Zellen\/\u00b5l. Auch f\u00fcr fr\u00fchere Vorstufen zeigte sich bei niedrigen CD4-Werten ein etwa 2,5- bis 2,7-fach erh\u00f6htes Risiko.\u00a0<\/p>\n<p>Insgesamt sprechen die Ergebnisse daf\u00fcr, dass eine stabile Immunfunktion durch fr\u00fchzeitige und effektive HIV-Therapie auch zur Pr\u00e4vention von Geb\u00e4rmutterhalskrebs beitragen kann.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Infektiologie-Blog bieten wir Ihnen jede Woche eine kurze \u00dcbersicht zu den aktuellen Entwicklungen in der Epidemiologie, Diagnostik&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78208,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[21925,21926,21942,21940,46,21941,12953,21934,67,21932,21930,66,2768,21939,21938,21931,21928,21929,45,21936,21933,21935,21937,44,21927],"class_list":{"0":"post-78207","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-2019-neues-coronavirus","9":"tag-2019-ncov","10":"tag-antiretrovirale-therapie-hiv","11":"tag-cd4","12":"tag-ch","13":"tag-cluster-of-differentiation-4","14":"tag-covid-19","15":"tag-geschlechtskrankheit","16":"tag-gesundheit","17":"tag-hcov-229e","18":"tag-hcov-oc43","19":"tag-health","20":"tag-hiv","21":"tag-hiv-erkrankung","22":"tag-hiv-infektion","23":"tag-humanes-coronavirus-229e","24":"tag-humanes-coronavirus-hku1","25":"tag-humanes-coronavirus-oc43","26":"tag-schweiz","27":"tag-sexuell-uebertragbare-infektion","28":"tag-sexuell-uebertragene-krankheit-std","29":"tag-std","30":"tag-sti","31":"tag-switzerland","32":"tag-wuhan-coronavirus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116377201290666367","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78207","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78207"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78207\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78207"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78207"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78207"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}