{"id":78407,"date":"2026-04-10T04:56:15","date_gmt":"2026-04-10T04:56:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/78407\/"},"modified":"2026-04-10T04:56:15","modified_gmt":"2026-04-10T04:56:15","slug":"ich-hatte-eine-phase-in-der-ich-zu-zerbrechen-drohte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/78407\/","title":{"rendered":"\u201eIch hatte eine Phase, in der ich zu zerbrechen drohte\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seine Popsongs laufen im Radio rauf und runter, und doch haben die Lieder von Michael Patrick Kelly mehr zu bieten als angenehme Oberfl\u00e4chlichkeit. Der 48-J\u00e4hrige, der als Mitglied der Kelly Family von Kindheit an Musik macht, zwischen 2004 und 2010 in einem franz\u00f6sischen Kloster lebte, seit 2013 verheiratet ist und irgendwo in der bayerischen Provinz lebt, erz\u00e4hlt auf seinem aktuellen Album \u201eTraces\u201c teils sehr pers\u00f6nliche und tiefgehende Geschichten, die vor allem eins bewirken: Sie geben Hoffnung.<\/p>\n<p>MOPOP: Ist es f\u00fcr Sie die pure Freude oder doch eher richtig harte Arbeit, ein Album wie \u201eTraces\u201c zu machen?<\/p>\n<p>Michael Patrick Kelly: Songs zur Welt zu bringen ist f\u00fcr Musiker ein bisschen so wie Kinder kriegen. Es gibt Kinder, die kommen in einer halben Stunde raus, andere brauchen einen ganzen Tag. Und so gibt es auch Songs, die sind einfach da. Und andere, die sich wie der schlimmste Schmerz der Welt anf\u00fchlen. Wenn sie dann endlich da sind, sind sie kostbar und geliebt.<\/p>\n<p>Bei welchem der Lieder war die Geburt denn\u00a0 besonders schwer?<\/p>\n<p>Bei \u201eK.H.A.\u201c, der Titel steht f\u00fcr \u201eKeep Hope Alive\u201c, habe ich drei oder vier Strophen geschrieben. Erst stand der Text der Melodie im Weg, dann war mir die Melodie zu melodi\u00f6s, sodass die Worte nicht so r\u00fcberkamen. Man darf Popmusik nicht untersch\u00e4tzen. Es ist wirklich nicht leicht, einen dreimin\u00fctigen Song zu schreiben, der dem Ohr Spa\u00df macht, das Herz ber\u00fchrt, den Hintern zum Wackeln bringt und dann noch Substanz hat, was zu sagen. Wof\u00fcr manche einen ganzen Roman Platz haben, m\u00fcssen Pop-Autoren auf die Essenz reduzieren, destillieren und auf den Punkt bringen.<\/p>\n<p>\u201eK.H.A.\u201c ist ein ziemlicher Upbeat-Song \u00fcber die Rettung vor dem Suizid. Wie ist das St\u00fcck entstanden?<\/p>\n<p>Ich hatte eine sehr lange Unterhaltung mit Kevin Briggs, einem mittlerweile pensionierten Highway Patrol Officer an der Golden Gate Bridge. Er hat dort auf der Br\u00fccke viele Menschen gerettet, vom 13-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen bis zum 80-j\u00e4hrigen Mann. Das Sch\u00f6ne ist, dass er sie nie mit Gewalt davon abbrachte, von der Br\u00fccke zu springen, sondern durch bis zu acht Stunden lange Gespr\u00e4che und das dort oben, wo es kalt, windig und laut ist. Inzwischen arbeitet er in der Suizidpr\u00e4vention und bildet Leute aus.<\/p>\n<p>Das Thema geht Ihnen pers\u00f6nlich sehr nah, oder?<\/p>\n<p>Ja. Mit Anfang 20 hatte ich selbst so eine Phase, in der ich zu zerbrechen drohte. Ich hatte alles, wovon viele tr\u00e4umen, das, was man mit \u201efame and fortune\u201c meint, aber ich hatte keinen Lebensmut und wusste nicht mehr weiter. Die richtigen Menschen, der Glaube an Gott und eine Psychotherapie haben mich damals gerettet. Heute spricht man viel mehr \u00fcber Mental Health als fr\u00fcher. In dem Punkt hat sich die Welt sehr zum Positiven ver\u00e4ndert. In den 90ern h\u00e4tte ein junger Mann, der sich Hilfe in einer Therapie sucht, weil er nicht mehr kann, wohl niemals dar\u00fcber gesprochen. Das wurde damals auch gerade im Showbusiness nicht gerne gesehen.<\/p>\n<p>Sie haben die\u00a0irische und die US-amerikanische Staatsb\u00fcrgerschaft. Seit 2024 sind Sie Botschafter der Vereinten Nationen und haben quasi die Patenschaft f\u00fcr das nachhaltige Ziel \u201ePeace, Justice And Strong Institutions\u201c \u00fcbernommen \u2013 also \u201eFrieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen\u201c. Da denkt man unweigerlich an Donald Trumps Attacken auf die Demokratie. Was ist Ihre Haltung dazu?<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob es mehr darauf ankommt, was ich denke, als auf das, was ich als Musiker bewirken kann, wenn ich nicht noch einer mehr bin, der sich \u00f6ffentlich echauffiert. Ich verstehe mich nicht als politischen K\u00fcnstler. Ich verstehe mich vielmehr als K\u00fcnstler, der die Menschen verbindet. Ich glaube, es gibt genug Polarisierung, genug Extrempositionen, genug Schwarz-Wei\u00df-Denken, genug Fake News. Was wir brauchen, ist mehr Gemeinsamkeit, mehr Zusammenkommen, reden, Dialog, Demokratie im wahrsten Sinne des Wortes. Ich denke, die Welt braucht mehr Liebe. Ich w\u00fcnsche mir, dass Menschen verschiedener Weltanschauung in meine Konzerte kommen, um gemeinsam ein positives Wir-Erlebnis zu haben. Ich sehe in jedem Menschen einen Wert. Ich verurteile niemanden, der anders denkt als ich.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnte Sie auch interessieren: <a href=\"https:\/\/mopop.de\/interviews\/johannes-oerding-davon-traeume-ich-seit-ich-sechs-jahre-alt-bin-31089\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Johannes Oerding: \u201eDavon tr\u00e4ume ich, seit ich sechs Jahre alt bin\u201c<\/a><\/p>\n<p>Im Lied \u201eThe Day My Daddy Died\u201c singen Sie, dass Sie lange gebraucht haben, um nach dem Tod Ihres Vaters im Jahr 2002 weinen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ja, das passierte erst zehn Tage nach der Beerdigung. Ich kann dir bis heute nicht sagen, warum ich vorher nicht weinen konnte oder wollte. Vielleicht war es das Wissen, dass er nun vom Leid erl\u00f6st ist. Er hatte eine Hirnblutung gehabt, war dann acht Monate lang bettl\u00e4gerig, jeder Atemzug war eine Qual. Als der Sarg in den Boden gelassen wurde, war der Moment, wo ich wusste \u201eOkay, he is gone\u201c.<\/p>\n<p>Haben Sie die Beerdigung organisiert?<\/p>\n<p>Ja. Im Familienkontext hatte ich zu der Zeit eine Funktion, die man als eine Art S\u00e4ule beschreiben kann. Wir mussten die Beerdigung in die Abendstunden verschieben, damit die Paparazzi nicht so gut fotografieren konnten. Das war die Zeit, in der manche Medien, was uns betrifft, im w\u00f6rtlichen Sinne \u00fcber Leichen gegangen sind. Uns hat das damals alle sehr getroffen.<\/p>\n<p>In dem Lied singen auch Ihre Geschwister mit. War das von Anfang an der Plan?<\/p>\n<p>Nein, die Idee kam spontan, wenige Tage vor Fertigstellung beziehungsweise der Abgabe des Albums. Der Song war im Grunde fertig, und irgendwie hatte ich pl\u00f6tzlich den Impuls, dass es so sein sollte. Ich habe dann rumtelefoniert, und meine Geschwister haben in Irland, in Spanien, in den USA und in Deutschland in Tonstudios ihren Part aufgenommen. Als ich selbst meinen Teil eingesungen habe, musste ich mehrfach abbrechen, so nah ging er mir. Ich wei\u00df noch gar nicht, ob ich ihn live singen k\u00f6nnen werde.<\/p>\n<p>Das letzte Lied auf \u201eTraces\u201c hei\u00dft \u201eSymphony Of Peace\u201c und ist wirklich bombastisch. Der Operns\u00e4nger Jonas Kaufmann ist dabei, der britische Musikproduzent Wil Malone hat die Streicher aufgenommen, auch der London Community Gospel Choir singt mit.<\/p>\n<p>Ich wollte seit vielen Jahren eine Friedenshymne schreiben und habe einige Anl\u00e4ufe gebraucht, bis ich nun denke, mit diesem Song dem Thema gerecht zu werden. Bei meinen Konzerten gibt es immer eine Schweigeminute f\u00fcr den Frieden. Sie wird mit der Peacebell eingel\u00e4utet, der Friedensglocke, gegossen aus einer Tonne von Kriegsschrott. Bei der Tour werden wir anschlie\u00dfend die \u201eSymphony Of Peace\u201c spielen. Das wird auf jeden Fall ein Highlight werden.<\/p>\n<p>Barclays-Arena: 24.4., 20 Uhr, 57,95-78,70 Euro (Restkarten)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seine Popsongs laufen im Radio rauf und runter, und doch haben die Lieder von Michael Patrick Kelly mehr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":78408,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,68,2481,1687,17773,3569,85,86,45,44,69],"class_list":{"0":"post-78407","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-ch","9":"tag-entertainment","10":"tag-featured","11":"tag-interview","12":"tag-konzert-in-hamburg","13":"tag-michael-patrick-kelly","14":"tag-music","15":"tag-musik","16":"tag-schweiz","17":"tag-switzerland","18":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116378630615853653","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78407"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78407\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/78408"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78407"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78407"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}