{"id":81714,"date":"2026-04-13T17:09:17","date_gmt":"2026-04-13T17:09:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/81714\/"},"modified":"2026-04-13T17:09:17","modified_gmt":"2026-04-13T17:09:17","slug":"warum-merantix-gruender-adrian-locher-fuer-ki-auf-berlin-statt-zuerich-setzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/81714\/","title":{"rendered":"Warum Merantix-Gr\u00fcnder Adrian Locher f\u00fcr KI auf Berlin statt Z\u00fcrich setzte"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sa_unternehmer_al.jpg\" width=\"1200\" height=\"800\" alt=\"Adrian Locher\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Adrian Locher wollte in Europa etwas Neues aufbauen und landete mit seinem Unternehmen in Berlin.            <\/p>\n<p>            SWI swissinfo.ch        <\/p>\n<p>        Der Auslandschweizer Unternehmer Adrian Locher suchte nach dem Verkauf seines Start-ups Dein Deal den idealen Standort f\u00fcr ein KI-\u00d6kosystem \u2013 und entschied sich gegen die Schweiz und f\u00fcr Deutschland. Ausschlaggebend waren internationale Talente, tiefere H\u00fcrden bei der Rekrutierung und die Chance, in Europa etwas Neues aufzubauen.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        13. April 2026 &#8211; 06:00\n<\/p>\n<p>Ein moderner Neubau nahe des Berliner Nordbahnhofs: Der Merantix Campus ist ein Ort, an dem die KI-F\u00e4den zusammenlaufen. Adrian Locher hat ihn gegr\u00fcndet. Doch zugleich ist er hier einer unter vielen, holt Kaffee aus der Maschine und setzt sich an einen der zahlreichen Tische in der einladenden Co-Working-Etage. Wenn es so etwas wie ein Gr\u00fcnder-Gen gibt, dann ist er damit ausgestattet.<\/p>\n<p>                Schweizer Unternehmer:innen weltweit            <\/p>\n<p>Unsere Serie portr\u00e4tiert Schweizerinnen und Schweizer, die im Ausland Unternehmen gr\u00fcnden und aufbauen. Anhand ihrer pers\u00f6nlichen Werdeg\u00e4nge zeigen wir, warum sie ihre Projekte jenseits der Landesgrenzen realisieren, welche Rahmenbedingungen sie dort vorfinden und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus ergeben.<\/p>\n<p>Anhand ihrer Lebenswege zeigt diese Serie zudem, wie die F\u00fcnfte Schweiz zur wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Ausstrahlung der Schweiz beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend seines Studiums der quantitativen \u00d6konomie und BWL an der Universit\u00e4t St. Gallen gr\u00fcndete er seine erste Firma. 2015 stand ihm nach dem Verkauf des von ihm gestarteten Schn\u00e4ppchenportals Dein Deal an die Ringier Gruppe pl\u00f6tzlich beachtliches Kapital zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Inspiration im Silicon Valley<\/p>\n<p>Was nun? Er nahm sich erst einmal eine Auszeit und reiste mit seiner Familie ins Silicon Valley auf der Suche nach Inspiration f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt. \u00abIch wollte einfach mal einen anderen Horizont und war auf der Suche nach neuen Themen\u00bb, erinnert er sich im Gespr\u00e4ch mit Swissinfo.<\/p>\n<p>Z\u00fcrich wurde ihm damals zu eng, \u00abein bisschen zu klein, zu eingesessen\u00bb. In Europa war das Thema K\u00fcnstliche Intelligenz damals nur Insidern ein Begriff, der disruptive Charakter noch weit entfernt. Doch im Silicon Valley nahe San Francisco sp\u00fcrte der Schweizer mit Jahrgang 1982, dass hier etwas ganz Grosses begann.<\/p>\n<p>Er tauchte ein in die Start-Up-\u00d6konomie der US-Westk\u00fcste, sprach mit ihren Akteur:innen und lernte, wie das \u00d6kosystem rund um die KI-Revolution daf\u00fcr sorgt, dass aus Ideen Unternehmen werden. \u00abIch fand die Dynamik dort schon unglaublich inspirierend, das Ambitionslevel und das Selbstverst\u00e4ndnis, die Welt ver\u00e4ndern zu wollen. Da waren so Leute wie Elon Musk, die schon damals v\u00f6llig besessen waren von diesem Thema. Das ganze Umfeld strebte nach grossen Zielen.\u00bb<\/p>\n<p>Und nicht nur das: Hier bauten alle gemeinsam an der grossen Sache, die Sph\u00e4ren interagierten, die Expertisen kamen zusammen. In Europa fehlt so ein Ort, so ein Klima noch heute.<\/p>\n<p>Standortsuche in Europa<\/p>\n<p>Er hatte sein neues Thema gefunden \u2013 aber noch nicht den perfekten Ort f\u00fcr den unternehmerischen Neuanfang. San Francisco schien ihm als Lebensort f\u00fcr die Familie zu abgehoben. Er wollte etwas Neues in Europa aufbauen. Daf\u00fcr braucht er Expert:innen, die er aus der ganzen Welt anlocken musste. Spitzenforschung aus Spitzenunis, Spitzentalente, Investor:innen, eine Stadt und eine Regierung, die unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit seinen deutschen Co-Founder Rasmus Rothe, einem international renommierten KI- und Computer-Vision-Experten, ging er auf Europatour auf der Suche nach dem perfekten Standort f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.merantix.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">MerantixExterner Link<\/a>. Sie schauten sich Z\u00fcrich, Stockholm, London und Barcelona an.<\/p>\n<p>Dann wurde klar: Nirgends gibt es vor Ort die besten K\u00f6pfe aus allen Bereichen, die sie f\u00fcr ihr ehrgeiziges Unterfangen brauchen. Sie w\u00fcrden sie anlocken m\u00fcssen: London war eine M\u00f6glichkeit, aber dort gab es bereits ein KI-\u00d6kosystem, in Berlin damals noch nicht. \u00abWir sahen das als grosse Chance, das einfach zu kreieren.\u00bb<\/p>\n<p>                Das macht Merantix            <\/p>\n<p>2016 gr\u00fcndete Adrian Locher mit Partner Rasmus Rothe Merantix. 2021 zog das Unternehmen in den Merantix Campus. Es ist ein Ort, an dem die KI-F\u00e4den zusammenlaufen.<\/p>\n<p>Merantix ist eine innovative Mischung aus Ideen-Inkubator, Start-Up-Schmiede und Investmentgesellschaft. Im dem 5200 Quadratmeter grossen Co-Working-Space im Campus kann sich, wer immer sich mit K\u00fcnstlicher Intelligenz besch\u00e4ftigt, zum Selbstkostenpreis einmieten. Hier trifft der Wissenschaftler auf die Investmentbankerinnen, der Programmierer auf die Start-up-Expertin. Sie sollen sich verkn\u00fcpfen, inspirieren lassen gemeinsam ihre Ideen vorantreiben und nach Finanzierung Ausschau halten.<\/p>\n<p>Rund 100 Teams aus Start-Ups, Forschung, Investorengemeinschaft und Regierung arbeiten dort derzeit, \u00fcber 300 Events im Jahr f\u00f6rdern die Vernetzung. In die vielversprechendsten Ideen investiert Merantix auch selbst. Zehn Unternehmen befinden sich gerade im Portfolio. Merantix Capital ist derzeit unter anderem an der digitalen Fertilit\u00e4tsklinik Ovom Care beteiligt, die KI nutzt, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erh\u00f6hen. Die Methode wird bereits in Portugal in einer Klinik angewendet. Und schliesslich bietet Merantix Services auch selber KI-L\u00f6sungen an.<\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>            Haben Sie als Schweizer:in Ihr eigenes Unternehmen im Ausland gegr\u00fcndet?\u00a0        <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-debate-card__text\">\n<p>                Erz\u00e4hlen Sie uns von Ihrem Weg in die Selbstst\u00e4ndigkeit im Ausland.\u00a0\n        <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-debate-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/swiss-abroad\/haben-sie-ihr-eigenes-unternehmen-im-ausland-gegr%c3%bcndet\/90969583\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>             Diskussion anzeigen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Berlin ist hipper als Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Berlins Ruf als kosmopolitische und hippe Metropole half, Menschen aus aller Welt ins Team zu holen. F\u00fcr das erfolgreiche Wachstum von Merantix war das ein entscheidender Faktor. \u00abEs ist einfach eine attraktive Stadt. Die Menschen leben gerne hier\u00bb, sagt Locher. Auch wenn ihn pers\u00f6nlich einiges nervt: Der Dreck, der unzuverl\u00e4ssige \u00f6ffentliche Nahverkehr, die Kommunikation mit den Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Auch beim Thema Arbeitsbewilligungen sprach mehr f\u00fcr Berlin als f\u00fcr Z\u00fcrich. Vor zehn Jahren sei es in der Schweiz eine grosse Herausforderung gewesen, Leute aus dem Nicht-EU\/EFTA-Raum zu rekrutieren, sagt Locher. Merantix denke und arbeite jedoch global: \u00abWir haben Leute aus \u00fcber 50 Nationen.\u00bb Die nach Deutschland zu holen, sei kein Problem. \u00abDas ist hier wirklich nur eine Sache von ein paar Wochen und dann hast du alles erledigt.\u00bb<\/p>\n<p>In Z\u00fcrich, wo in der Finanzwelt so viele attraktive Arbeitgeber mit hohen Geh\u00e4ltern locken, sei es zudem schwerer, gute K\u00f6pfe f\u00fcr ein Start-Up zu gewinnen. In Berlin wiederum gibt es kaum Big Player, die Lebenshaltungskosten waren zudem erheblich geringer.<\/p>\n<p>Die Kehrseite der Medaille, gesteht er ein, sei die deutsche B\u00fcrokratie. \u00abIch w\u00fcrde schon sagen, dass die Leute hier nicht wegen, sondern trotz der Administration erfolgreich sind.\u00bb Diese funktioniere in der Schweiz eindeutig besser.<\/p>\n<p>Bei den Schreiben vom Berliner Finanzamt f\u00fchle er sich nicht wie ein Kunde, sondern eher wie ein Leibeigener. Alles sei unglaublich langsam und kompliziert. Doch auch dem Aspekt kann er etwas Positives abgewinnen: Wer sich mit diesen Widrigkeiten arrangieren m\u00fcsse, entwickle eine h\u00f6here Resilienz, und die wiederum sei durchaus hilfreich. Bequemlichkeit ist ein Feind des Erfolgs.<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/281759357_highres.jpg\" width=\"1253\" height=\"837\" alt=\"Paris, Eiffelturm und Flagge\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Swiss Abroad\n        <\/p>\n<p>        Das sind die sechs beliebtesten St\u00e4dte der Auslandschweizer in Europa    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        31. M\u00e4rz 2026                    <\/p>\n<p>                In fast jedem Land der Welt leben B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger aus der Schweiz. Die meisten jedoch leben in den Nachbarl\u00e4ndern, besonders in Grossst\u00e4dten.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/swiss-abroad\/das-sind-die-sechs-beliebtesten-st%c3%a4dte-der-auslandschweizer\/91189186\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Das sind die sechs beliebtesten St\u00e4dte der Auslandschweizer in Europa<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Der Erfolg hat seinen Preis<\/p>\n<p>Adrian Locher brennt f\u00fcr seine Ideen. Doch der Erfolg hatte seinen Preis, auf den er vor kurzem sehr offen und pers\u00f6nlich in einem Podcast hingewiesen hat. \u00abIch habe die Geburt meines Sohnes verpasst\u00bb, bekennt er. Er pendelte damals, vor fast zehn Jahren, zwischen San Francisco und Europa hin und her, getrieben von seinen neuen Ideen und dem Gedanken, auf beiden Kontinenten gleichzeitig neue Unternehmen aufzubauen. Es folgte eine pers\u00f6nliche Krise und die Einsicht, mehr Zeit f\u00fcr sich und seine Kinder in sein Leben zu integrieren.<\/p>\n<p>\u00abIch habe mich verbrannt und daraus gelernt, dass ich Dinge anders machen muss, dass ich meine Balance finden muss, wenn ich langfristig erfolgreich und auch gl\u00fccklich sein will.\u00bb Heute lebe er bewusster und entscheide, wo es sich lohnt Vollgas zu geben und wo nicht. Doch es bleibe eine best\u00e4ndige Herausforderung, diese Balance zu finden.<\/p>\n<p>Es ist ihm nach mehr als 20 Jahren Erfahrung erkennbar wichtig, diese Themen zu thematisieren und zu enttabuisieren. Start-Up-Gr\u00fcnder sind h\u00e4ufig hochambitioniert, g\u00f6nnen sich wenig Freizeit, haben Probleme, ihrem Privatleben und ihrer Familie gen\u00fcgend Raum einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>\u00abIch kenne viele erfolgreiche Menschen, und nicht eine einzige Person hat nicht mit solchen Themen zu k\u00e4mpfen\u00bb, sagt er. Warum ist es immer noch ein Stigma, ein Tabu? Locher ist Mitglied des Stiftungsrates seiner ehemaligen Hochschule St. Gallen. Dort bekommt er mit, dass die n\u00e4chste Generation schon bewusster mit den Themen umgehe.<\/p>\n<p>Mehrmals im Monat ist Locher in der Schweiz, weil ETH und die EPFL zu den f\u00fchrenden KI-Forschungsinstituten z\u00e4hlen, aber auch, weil es dort f\u00fcr ihn wichtige unternehmerische und private Verbindungen gibt.<\/p>\n<p>Die Verbindung zur Heimat sollen auch seine Kinder nicht verlieren. Die beiden gehen in Berlin auf eine internationale Schule, auf der englisch gesprochen wird. \u00abDas tun sie manchmal untereinander auch zuhause. Ich sorge dann daf\u00fcr, dass wir ins Schweizerdeutsche wechseln\u00bb, sagt er und lacht.<\/p>\n<p>Editiert von Balz Rigendinger\/me<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1776100157_817_newsletter_teaser_swiss_abroad.jpg\" width=\"880\" height=\"587\" alt=\"Newsletter Swiss Abroad\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Swiss Abroad\n        <\/p>\n<p>        Der Newsletter f\u00fcr alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                Portraits, Politik und Perspektiven: Abonnieren Sie die relevanteste Berichterstattung zur F\u00fcnften Schweiz.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/swiss-abroad\/alles-zum-thema-auslandschweizerinnen\/79527139\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Der Newsletter f\u00fcr alle Schweizerinnen und Schweizer im Ausland<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n<p>        Serie Schweizer Unternehmer:innen weltweit    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Adrian Locher wollte in Europa etwas Neues aufbauen und landete mit seinem Unternehmen in Berlin. 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