{"id":89228,"date":"2026-04-19T11:13:11","date_gmt":"2026-04-19T11:13:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/89228\/"},"modified":"2026-04-19T11:13:11","modified_gmt":"2026-04-19T11:13:11","slug":"erste-karte-der-roentgenstrahlung-unseres-sonnensystems-erstellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/89228\/","title":{"rendered":"Erste Karte der R\u00f6ntgenstrahlung unseres Sonnensystems erstellt"},"content":{"rendered":"<p>Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut f\u00fcr extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei M\u00fcnchen ist es erstmals gelungen, mithilfe des deutschen Weltraumteleskops eROSITA die R\u00f6ntgenstrahlung aus unserem Sonnensystem von \u00e4hnlicher <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Strahlung\" title=\"Strahlung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Strahlung<\/a>, die aus dem fernen Weltraum zu uns gelangt, zu trennen.<\/p>\n<p>  Zur Info: eROSITA (extended ROentgen Survey with an Imaging Telescope Array) ist ein Weltraumteleskop an Bord des russisch-deutschen Satelliten Spektr-RG, welches von 2019 bis 2022 das Weltall in \u201eweicher\u201c R\u00f6ntgenstrahlung untersuchte.  <\/p>\n<p>Dies wurde durch vier Himmelskarten erm\u00f6glicht, die zwischen 2019 und 2021 in etwa 1,5 Millionen Kilometer Entfernung (etwa dem Vierfachen des Mondabstands) von der Erde entfernt erstellt wurden. So erreicht man den bislang klarsten Blick auf den \u201eweichen\u201c R\u00f6ntgenhimmel.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Studie\" title=\"Studie\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Studie<\/a> ist im Fachjournal<a href=\"https:\/\/www.science.org\/doi\/10.1126\/science.adt9147\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> \u201eScience\u201c<\/a> erschienen.<\/p>\n<p>Diffus vs \u201eweich\u201c: Unterschiedliche R\u00f6ntgenstrahlung im Universum <\/p>\n<p>Das Universum ist von unz\u00e4hligen R\u00f6ntgenquellen erf\u00fcllt. Diese energiereiche Strahlung entsteht etwa an Schwarzen L\u00f6chern und Neutronensternen, bei Sternexplosionen, an Doppelsternen und im Herzen aktiver Galaxien.<\/p>\n<p>Die Kartierung solcher punktf\u00f6rmigen und diffusen Strahlungsquellen kann daher viel \u00fcber die galaktische Umgebung des Sonnensystems sowie \u00fcber ferne kosmische Prozesse und die Dunkle Seite des Universums verraten.<\/p>\n<p>Doch der \u201eweiche\u201c R\u00f6ntgenhimmel \u2013 also mit Strahlung im Energiebereich von weniger als einem Kiloelektronenvolt (Elektronenvolt oder Elektronvolt \u2013 Einheitenzeichen: eV \u2013 ist eine Einheit der Energie, die in der Atom-, Kern- und Teilchenphysik h\u00e4ufig verwendet wird) \u2013 wird von einer diffusen Vordergrundstrahlung \u00fcberlagert. Diese St\u00f6rstrahlung stammt aus unserm eigenen Sonnensystem.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.a0b365d4-81c4-4034-8ccc-54cd31ba2c74.original1024.media.jpeg\"\/>     Dieses Bild zeigt eine H\u00e4lfte des R\u00f6ntgenhimmels, projiziert auf einen Kreis, in der Waagegerechten ist die galaktische Hauptebene zu erkennen. Die Farben kodieren die Energie der R\u00f6ntgenphotonen, von rot \u00fcber gr\u00fcn zu blau.    Foto: \u00a9 MPE\/ J. Sanders for the eROSITA Consortium    <\/p>\n<p>\u201eSie entsteht durch die Interaktion zwischen dem Sonnenwind und dem diffusen Gas in der Heliosph\u00e4re\u201c, erkl\u00e4ren Konrad Dennerl und sein Team vom MPE. Die Heliosph\u00e4re meint den weitr\u00e4umigen Bereich um die <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Sonne\" title=\"Sonne\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sonne<\/a>, in dem der Sonnenwind mit seinen mitgef\u00fchrten Magnetfeldern wirksam ist.<\/p>\n<p>Wenn die ionisierten \u2013 also elektrisch aufgeladene Atome und Molek\u00fcle \u2013, energiereichen Sonnenwind-Teilchen auf das Gas treffen, wird dieses angeregt und setzt beim Zur\u00fcckfallen in den Grundzustand diese R\u00f6ntgenstrahlung frei.<\/p>\n<p> Warum die Vordergrundstrahlung Messungen so schwierig macht <\/p>\n<p>Diese sogenannte SWCX-R\u00f6ntgenstrahlung ist allerdings nicht gleichm\u00e4\u00dfig im Weltall verteilt und ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig, so dass dieser Vordergrund-Effekt aus den astronomischen Beobachtungen schwer herauszurechnen ist. \u201eDas Verst\u00e4ndnis der R\u00f6ntgenemission unseres Sonnensystems ist der Schl\u00fcssel zur korrekten Interpretation des diffusen R\u00f6ntgenhimmels\u201c, konstatiert Dennerl.<\/p>\n<p>   Zur Info: SWCX-Strahlung (Solar Wind Charge Exchange) ist eine R\u00f6ntgenemission, die entsteht, wenn hochgeladene Ionen im Sonnenwind auf neutrale Atome treffen. Sie wird als \u201eSt\u00f6rstrahlung\u201c bei R\u00f6ntgenbeobachtungen des Weltraums genutzt, um die Zusammensetzung des Sonnenwinds zu untersuchen.    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.da88f3e8-594d-47a5-9975-4afc89f8584f.original1024.media.jpeg\"\/>     eROSITA ist ein Weltraumteleskop, welches von 2019 bis 2022 das Weltall in \u201eweicher\u201c R\u00f6ntgenstrahlung untersuchte.    Foto: Imago\/Reiner Zensen      Erste pr\u00e4zise Kartierung der \u201eweichen\u201c Strahlung <\/p>\n<p>Um dieses physikalisch-mathematische Problem zu l\u00f6sen, haben die Garchinger Astrophysiker nun die erste pr\u00e4zise Kartierung der von unserem Sonnensystem erzeugten \u201eweichen\u201c R\u00f6ntgenstrahlung erstellt. Sie nutzten daf\u00fcr Daten des deutschen R\u00f6ntgenteleskops <a href=\"https:\/\/erosita.mpe.mpg.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">eROSITA<\/a>, das seit Sommer 2019 am Lagrangepunkt 2 kreist.<\/p>\n<p>   Zur Info: Der Lagrange-Punkt (L2) ist 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Er liegt an einer direkten, durch Sonne und Erde verlaufenden Linie, gerade einmal 1 Prozent weiter entfernt von der Sonne als von der Erde, und ist damit der optimale Beobachtungspunkt f\u00fcr Weltraumteleskope wie eRosita.   <\/p>\n<p>ank dieser kosmischen Position bleibt das Teleskop von erdnahen St\u00f6reffekten weitestgehend unbehelligt. Anhand seiner Daten k\u00f6nnen Astronomen daher genauer feststellen, woher die einzelnen Komponenten des \u201eweichen\u201c R\u00f6ntgenhimmels stammen.<\/p>\n<p>   Ein kompletter Sonnenzyklus beobachtet <\/p>\n<p>F\u00fcr ihre <a href=\"https:\/\/www.mpe.mpg.de\/8190322\/news20260416\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie<\/a> analysierten die Forscher vier komplette Durchmessungen des Himmels, die das eROSITA R\u00f6ntgenteleskop zwischen 2019 und 2021 durchgef\u00fchrt hatte. Dies ist die Periode, die das Minimum des Sonnenzyklus und die darauffolgende Phase der langsam ansteigenden Sonnenaktivit\u00e4t umfasst. So konnten die Forscher beobachten, wie sich die durch den Sonnenwind beeinflusste SWCX-R\u00f6ntgenstrahlung zeitlich und r\u00e4umlich ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Herausgekommen ist die bisher beste Trennung der im Sonnensystem erzeugten Vordergrundstrahlung von den \u201eweichen\u201c R\u00f6ntgenquellen und dem diffusen R\u00f6ntgenleuchten im restlichen Kosmos. Erstmals k\u00f6nnen Astronomen dadurch den weichen R\u00f6ntgenhimmel so betrachten und untersuchen, wie er von au\u00dferhalb des Sonnensystems erscheinen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/media.media.ec95bf32-23e6-4b0a-b13c-620cda623869.original1024.media.jpeg\"\/>     Der R\u00f6ntgenhimmel, aufgenommen von eROSITA und einzelne R\u00f6ntgenquellen im selben Himmelsbereich.\ufeff    Foto: \u00a9 MPE\/ J. Sanders for the eROSITA Consortium      Bislang klarster Blick auf den R\u00f6ntgenhimmel <\/p>\n<p>Diese Himmelsansicht besteht zu 94 Prozent aus kosmischer R\u00f6ntgenstrahlung und liefert damit den bislang klarsten Blick auf den R\u00f6ntgenhimmel ohne den solaren Vordergrund. Gleichzeitig liefert die Karte aber auch neue Informationen dar\u00fcber, wo und wie die SWCX-R\u00f6ntgenstrahlung im Sonnensystem entsteht.<\/p>\n<p>\u201eWenn man verfolgen kann, wie der Sonnenwind das Erscheinungsbild des R\u00f6ntgenhimmels zeitlich ver\u00e4ndert, erm\u00f6glicht uns das nicht nur eine Bereinigung von Beobachtungen des fernen Universums, sondern liefert uns auch bisher nicht m\u00f6gliche Einblicke in die Sonnenphysik und die Dynamik der Heliosph\u00e4re\u201c, erl\u00e4utert Dennerl.<\/p>\n<p>Die Daten zeigen eine klare Entwicklung der heliosph\u00e4rischen R\u00f6ntgenemission \u00fcber den Sonnenzyklus. W\u00e4hrend des solaren Minimums ist die Emission schwach und auf niedrige Breiten beschr\u00e4nkt. Mit zunehmender Sonnenaktivit\u00e4t wird diese R\u00f6ntgenstrahlung intensiver und dehnt sich auf h\u00f6here Breiten aus.<\/p>\n<p>   Wenn das Sonnensystem im R\u00f6ntgenlicht atmet <\/p>\n<p>Dies best\u00e4tigt Vorhersagen aus Sonnenwindmessungen. Demnach sollte man zun\u00e4chst eine Region reduzierter R\u00f6ntgenemission bei hohen Breiten vorfinden, die sich dann allm\u00e4hlich schlie\u00dft, \u201egerade so, als w\u00fcrde man das Sonnensystem im R\u00f6ntgenlicht atmen sehen\u201c, erkl\u00e4rt der Physiker Gabriele Ponti.<\/p>\n<p>Die Analysen verraten auch, warum das so ist. Ursache dieses Effekts sind zwei verschiedene Anteile des Sonnenwinds. \u201eDer langsame Sonnenwind ist st\u00e4rker ionisiert als der schnelle\u201c, berichten Dennerl und sein Team. \u201eDadurch erzeugt diese langsame Komponente mehr weiche R\u00f6ntgenstrahlung.\u201c Diese Zone schrumpfe jedoch im Laufe des Sonnenzyklus.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des solaren Minimums dominiert jedoch vor allem in den hohen heliosph\u00e4rischen Breiten der schnelle Sonnenwind, wodurch eine dunkle Zone im solaren R\u00f6ntgenhimmel entsteht.<\/p>\n<p>   Zur Info: Die Heliosph\u00e4re (von altgriechisch helios\/Sonne und sphaira\/Kugel) ist die Astrosph\u00e4re der Sonne. Sie bezeichnet im Weltraum einen weitr\u00e4umigen Bereich um die Sonne, in dem der Sonnenwind mit seinen mitgef\u00fchrten Magnetfeldern wirksam ist.    Dreidimensionales Modell der St\u00f6rstrahlung <\/p>\n<p>Und noch etwas anderes enth\u00fcllt die neue Kartierung: Es gibt nahe der Erdbahn eine Zone verst\u00e4rkter R\u00f6ntgenstrahlung, die sich weder mit der Erde mitbewegt noch die Sonne umkreist. Ursache dieser R\u00f6ntgenemission ist nicht der Sonnenwind, sondern ein Teilchenstrom aus dem Zentrum unserer Milchstra\u00dfe, wie die Astrophysiker erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Aus Sonnenwindmessungen und Daten zur Verteilung der interstellaren Materie im Sonnensystem erstellten die Wissenschaftler ein dreidimensionales, zeitlich aufgel\u00f6stes Modell der SWCX-Emission erstellt. Es zeigt, dass die Emission zu jedem Zeitpunkt haupts\u00e4chlich in spiralf\u00f6rmigen Strukturen innerhalb der Marsumlaufbahn entsteht, die sich als Folge unterschiedlicher Sonnenwindgeschwindigkeiten ausbilden.<\/p>\n<p>   St\u00f6rende Vordergrundstrahlung wird zu wichtigem Werkzeug <\/p>\n<p>Die Forschungsergebnisse bieten Himmelsforschern eine neue Perspektive, indem sie die bisher st\u00f6rende Vordergrundstrahlung in ein wichtiges diagnostisches Werkzeug umwidmet.<\/p>\n<p>\u201eWenn man verfolgen kann, wie der Sonnenwind das Erscheinungsbild des R\u00f6ntgenhimmels zeitlich ver\u00e4ndert, erm\u00f6glicht uns das nicht nur eine Bereinigung von Beobachtungen des fernen Universums, sondern liefert uns auch bisher nicht m\u00f6gliche Einblicke in die Sonnenphysik und die Dynamik der Heliosph\u00e4re\u201c, res\u00fcmiert MPE-Forscher Konrad Dennerl.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut f\u00fcr extraterrestrische Physik (MPE) in Garching bei M\u00fcnchen ist es erstmals gelungen, mithilfe des deutschen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":89229,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[46,23913,1000,24586,24589,45,60,59,7564,241,44,64,61,369,24588,24587,4172,63,62],"class_list":{"0":"post-89228","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-ch","9":"tag-erosita","10":"tag-forscher","11":"tag-mpe","12":"tag-roentgenstrahlung","13":"tag-schweiz","14":"tag-science","15":"tag-science-technology","16":"tag-sonne","17":"tag-studie","18":"tag-switzerland","19":"tag-technik","20":"tag-technology","21":"tag-video","22":"tag-weic","23":"tag-weltraumteleskop","24":"tag-wissen","25":"tag-wissenschaft","26":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116431073548132937","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89228"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89228\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/89229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}