{"id":89377,"date":"2026-04-19T14:11:06","date_gmt":"2026-04-19T14:11:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/89377\/"},"modified":"2026-04-19T14:11:06","modified_gmt":"2026-04-19T14:11:06","slug":"genf-spuert-trump-die-neue-weltordnung-schlaegt-durch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/89377\/","title":{"rendered":"Genf sp\u00fcrt Trump: Die neue Weltordnung schl\u00e4gt durch"},"content":{"rendered":"<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/607720780_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Ein Mann auf einer Slackline \u00fcber dem Genfersee\" loading=\"eager\" decoding=\"sync\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>                Sch\u00e4tzungsweise 2500 Stellen wurden in den internationalen Organisationen in Genf abgebaut.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ Salvatore Di Nolfi        <\/p>\n<p>        Sechs Monate nachdem die Trump-Regierung die US-Auslandshilfe eingefroren hat und inmitten globaler K\u00fcrzungen bei den Budgets f\u00fcr internationale Zusammenarbeit ist Genf mit einer neuen Realit\u00e4t konfrontiert: Der Druck auf vielen Ebenen nimmt zu.\n<\/p>\n<p>        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht    <\/p>\n<p>        08. September 2025 &#8211; 10:34\n<\/p>\n<p>\u00abDas ist nicht nur eine vor\u00fcbergehende St\u00f6rung\u00bb, sagt Yannick Roulin, Direktor des Centre d\u2019Accueil de la Gen\u00e8ve International (CAGI). \u00abEs ist ein grosser Umbruch. Wir stehen nicht vor einer kleinen Krise, sondern vor einem langfristigen Paradigmenwechsel.\u00bb<\/p>\n<p>Kaum vereidigt, k\u00fcndigte die Regierung von US-Pr\u00e4sident Donald Trump eine 83-prozentige K\u00fcrzung des Auslandshilfebudgets des Landes von 71,9 Milliarden Dollar (63,4 Milliarden Franken) an. Diese K\u00fcrzung wirkte sich auf die Finanzierung von Hilfsprojekten weltweit aus, auch in Genf. Hunderte von NGOs sind hier ans\u00e4ssig, viele von ihnen sind finanziell von den USA abh\u00e4ngig. Diese sind der gr\u00f6sste \u00f6ffentliche Geldgeber f\u00fcr in Genf ans\u00e4ssige Organisationen und stellen \u00fcber ein Viertel (26,3%) aller Spenden.<\/p>\n<p>Trumps Entscheid ist kein Einzelfall. Er ist Teil eines weltweit zu beobachtenden R\u00fcckzugs aus der internationalen Hilfe. Grund daf\u00fcr sind unter anderem steigende Schulden und die Notwendigkeit der L\u00e4nder, Geld f\u00fcr die Erh\u00f6hung ihrer Verteidigungsausgaben zu finden. Das Vereinigte K\u00f6nigreich, der zweitgr\u00f6sste \u00f6ffentliche Geldgeber in Genf, k\u00fcrzte k\u00fcrzlich sein Budget f\u00fcr Entwicklungshilfe um 40%, w\u00e4hrend die Schweiz ihre eigenen Beitr\u00e4ge um 5,6% reduzierte.\u00a0<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/662578320_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Blick auf die verschiedenen UNO-Organisationen des internationalen Genfs.\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>                Blick auf die verschiedenen UNO-Organisationen des internationalen Genfs.            <\/p>\n<p>            Keystone \/ Martial Trezzini        <\/p>\n<p>2500 verlorene Arbeitspl\u00e4tze<\/p>\n<p>Roulin sch\u00e4tzt, dass mehr als 2500 Stellen in den internationalen Organisationen in Genf abgebaut wurden oder bald abgebaut werden sollen. Diese Organisationen besch\u00e4ftigten 2024 insgesamt 28\u2019962 Personen. Die K\u00fcrzungen umfassen nicht erneuerte Vertr\u00e4ge, ausgesetzte Anstellungen und direkte Entlassungen. K\u00fcrzungen bei NGOs, die im letzten Jahr 3436 Angestellte besch\u00e4ftigen, sind in dieser Zahl nicht ber\u00fccksichtigt, da ihre Daten schwieriger zu quantifizieren sind.<\/p>\n<p>Zu den betroffenen Organisationen geh\u00f6ren das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), die UN-Fl\u00fcchtlingsorganisation UNHCR und andere spezialisierte UNO-Organisationen. Einige von ihnen beginnen nun, ihre Aktivit\u00e4ten zu restrukturieren oder in L\u00e4nder mit niedrigeren Kosten zu verlegen.<\/p>\n<p>\u00abEs herrscht eine harte Konkurrenz\u00bb, sagt Roulin. \u00abL\u00e4nder wie Ruanda, Kenia, Katar oder sogar EU-Staaten wie Ungarn oder Spanien bieten sich aktiv als neue Standorte an.\u00bb<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/623429224_highres.jpg\" width=\"1300\" height=\"867\" alt=\"Ein Platz mit vielen Flaggen und einem \u00fcbergrossen Stuhl\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Internationales Genf\n        <\/p>\n<p>        Das internationale Genf in Zahlen    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                        Dieser Inhalt wurde am ver\u00f6ffentlicht                    <\/p>\n<p>                        07. Okt. 2024                    <\/p>\n<p>                Das internationale Genf stellt ein einzigartiges \u00d6kosystem von Institutionen dar. Wir pr\u00e4sentieren einige Fakten und Zahlen.            <\/p>\n<p>    <a class=\"teaser-wide-card__link\" href=\"https:\/\/www.swissinfo.ch\/ger\/internationales-genf\/das-internationale-genf-in-zahlen\/87662349\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\"><\/p>\n<p>            Mehr Das internationale Genf in Zahlen<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>Auch NGOs, die oft sowohl auf US-amerikanische als auch auf europ\u00e4ische Gelder angewiesen sind, sind am Sparen. \u00abViele reduzieren ihre Aktivit\u00e4ten, bauen Personal ab und vermieten B\u00fcror\u00e4ume unter\u00bb, sagt Roulin. \u00abEinige haben einfach bestimmte Aktivit\u00e4ten in Genf eingestellt.\u00bb<\/p>\n<p>Trotzdem wurden bislang noch keine gr\u00f6sseren Schliessungen von NGOs best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Auswirkungen auf Genfs Immobilien- und Gastgewerbe<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss dem Geneva Real Estate Outlook 2025 von W\u00fcest Partner, einer Immobilienberatung mit Sitz in Z\u00fcrich, bewohnen internationale Mitarbeitende derzeit \u00fcber 9500 Wohnungen im Kanton, f\u00fcr die sie fast doppelt so viel Miete zahlen wie eine durchschnittliche Person. In einem Szenario, in dem 20% von ihnen Genf verlassen w\u00fcrden, k\u00f6nnten bis zu 2500 Wohnungen frei werden. Expert:innen betonen jedoch, dass dies immer noch nicht ausreichen w\u00fcrde, um die chronische Wohnungsknappheit in Genf zu beheben.<\/p>\n<p>Christophe Aumeunier, Generalsekret\u00e4r der Genfer Immobilienkammer, warnt: \u00abAus Sicht der Immobilienbranche m\u00f6gen 2000 bis 2500 leerstehende Wohnungen viel erscheinen, aber Genf w\u00fcrde 10\u2019000 weitere Einheiten brauchen, um den Wohnungsmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.\u00bb<\/p>\n<p>Bei den Hotels zeigt eine von Gen\u00e8ve Tourisme durchgef\u00fchrte Umfrage, dass bei 37% von ihnen knapp jede zehnte Buchung auf internationale Organisationen anf\u00e4llt. Fast die H\u00e4lfte (49%) erwartet dieses und n\u00e4chstes Jahr einen R\u00fcckgang der entsprechenden Reservationen um 10% bis 40%. Adrien Genier, Direktor von Gen\u00e8ve Tourisme, sagt: \u00abIm Mai wurde ein Nettor\u00fcckgang der \u00dcbernachtungen um \u00fcber 6% verzeichnet. Wir sind sehr vorsichtig, was die bevorstehende Herbstsaison zwischen September und November angeht.\u00bb<\/p>\n<p>Anpassung an eine sich ver\u00e4ndernde Welt<\/p>\n<p>Um Genf bei der Entwicklung zu unterst\u00fctzen, richteten der Kanton und die Fondation Wilsdorf, eine in Genf ans\u00e4ssige Stiftung mit Fokus auf Sozialhilfe, die Fondation pour l\u2019Adaptation de la Gen\u00e8ve Internationale (FAGI) ein. Sie wurde mit 50 Millionen Schweizer Franken ausgestattet, um zu helfen, dass \u00absich das internationale Genf in diesem neuen Kontext weiterentwickelt\u00bb, sagt Martine Brunschwig Graf, Leiterin von FAGI.<\/p>\n<p>\u00abEs geht nicht darum, verlorene US-Subventionen zu ersetzen\u00bb, sagt sie. \u00abWir wollen Projekte finanzieren, die Restrukturierung, Innovation und gemeinsame Infrastruktur erm\u00f6glichen.\u00bb<\/p>\n<p>\n    Mehr<\/p>\n<p>    <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771845489_706_newsletter_teaser_international_geneva.jpg\" width=\"880\" height=\"587\" alt=\"Newsletter Internationales Genf\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"auto\"\/><\/p>\n<p>        Mehr    <\/p>\n<p>        Internationales Genf\n        <\/p>\n<p>        Das Internationale Genf    <\/p>\n<p class=\"teaser-wide-card__excerpt\">\n<p>                Das Internationale Genf ist eine Welt f\u00fcr sich. 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Es gibt keine andere Stadt wie diese.\u00bb<\/p>\n<p>Vincent Subilia, Direktor der Genfer Handelskammer, betont, dass Genf k\u00fcrzlich Gastgeberin f\u00fcr Handelsgespr\u00e4che zwischen China und den USA sowie f\u00fcr Atomgespr\u00e4che zwischen Europa und Iran war und dass der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland in Genf unterst\u00fctzt. \u00abGenfs DNA ist immer noch stark, und alle haben verstanden, dass sie verteidigt werden muss\u00bb, sagt Subilia.<\/p>\n<p>Dennoch ist der Druck real. \u00abViele Mitgliedstaaten verschieben ihre Priorit\u00e4ten, sie geben mehr f\u00fcr Verteidigung und weniger f\u00fcr Hilfe aus\u00bb, sagt Roulin. \u00abDer Multilateralismus wird schw\u00e4cher.\u00bb<\/p>\n<p>Subilia weigert sich, alarmistisch zu sein, r\u00e4umt jedoch ein, dass \u00abwir derzeit die Erosion eines Modells erleben, das wir f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehalten haben\u00bb.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Monate werden entscheidend sein. FAGI hat gerade ihre Website lanciert, auf der NGOs ihre Projekte teilen k\u00f6nnen. Die Stadt setzt ihre internationale Kampagne fort, um wichtige Organisationen zu halten.<\/p>\n<p>Wie Graf von FAGI es ausdr\u00fcckt: \u00abMan kann den Wandel nicht aufhalten. Aber man kann ihn gestalten. Das ist jetzt unsere Aufgabe.\u00bb<\/p>\n<p>Was ist Ihre Meinung? Debattieren Sie mit:<\/p>\n<p>Editiert von Imogen Foulkes\/vm\/gw; \u00dcbertragung aus dem Englischen: Claire Micallef<\/p>\n<p>        Artikel in dieser Story    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sch\u00e4tzungsweise 2500 Stellen wurden in den internationalen Organisationen in Genf abgebaut. 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