{"id":8973,"date":"2026-02-17T17:21:18","date_gmt":"2026-02-17T17:21:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/8973\/"},"modified":"2026-02-17T17:21:18","modified_gmt":"2026-02-17T17:21:18","slug":"der-mond-ist-kein-sicherer-baugrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/8973\/","title":{"rendered":"Der Mond ist kein sicherer Baugrund"},"content":{"rendered":"<p>2634 tektonische R\u00fccken entdeckt: Der Mond ist aktiver als gedacht. Das ver\u00e4ndert die Planung k\u00fcnftiger Mondbasen.<\/p>\n<p>        <img width=\"1200\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/571846211-scaled-1-1200x600.jpg\" class=\"single__post-image wp-post-image\" alt=\"Nahaufnahme des Mondes\" decoding=\"async\" fetchpriority=\"high\"  \/><\/p>\n<p>Der Mond ist tektonisch aktiv. Neue Daten zeigen junge Bruchstrukturen in den Maria \u2013 relevant f\u00fcr Mondbeben und Bauplanung.<\/p>\n<p>Foto: picture alliance \/ Photoshot | Geoffrey Swaine \/ Avalon <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/88d0ab1e0eac4f6a977c28fb0b41f7d9.gif\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"\" class=\"vg-wort-pixel\" style=\"position: absolute;\" loading=\"eager\" data-no-lazy=\"1\" data-skip-lazy=\"1\"\/><\/p>\n<p>Der Mond galt lange als geologisch weitgehend tot. Keine Plattentektonik. Keine aktiven Vulkane. Kaum innere Dynamik. Doch dieser Eindruck t\u00e4uscht. Unter der staubigen Oberfl\u00e4che arbeitet der Erdtrabant weiter \u2013 langsam, aber sp\u00fcrbar. Und genau das k\u00f6nnte f\u00fcr k\u00fcnftige Mondmissionen zum Problem werden.<\/p>\n<p>Forschende des Center for Earth and Planetary Studies am National Air and Space Museum haben erstmals eine vollst\u00e4ndige Karte sogenannter Small Mare Ridges (SMRs) erstellt. Das Ergebnis: Diese R\u00fccken sind jung, weit verbreitet und potenziell relevant f\u00fcr k\u00fcnftige Mondbasen.<\/p>\n<p>Der Mond schrumpft und das hinterl\u00e4sst Spuren<\/p>\n<p>Der Mond hat keine Plattentektonik wie die Erde. Keine wandernden Kontinente, keine Subduktionszonen. Trotzdem steht seine Kruste unter Spannung. Der Grund ist simpel: Der Mond k\u00fchlt seit Milliarden Jahren aus. Dabei verliert er Volumen. Er schrumpft.<\/p>\n<p>Wenn ein Himmelsk\u00f6rper kleiner wird, muss das Material irgendwo hin. Auf dem Mond \u00e4u\u00dfert sich das in sogenannten lobate scarps, bogenf\u00f6rmigen Steilh\u00e4ngen im Hochland. Sie entstehen, wenn Gestein entlang einer Bruchzone nach oben gedr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p>Schon 2010 zeigte Tom Watters, dass diese Strukturen geologisch jung sind. Im Schnitt rund 105 Millionen Jahre alt. Das klingt alt, ist f\u00fcr Mondma\u00dfst\u00e4be jedoch frisch. Nun zeigt sich: \u00c4hnliche Prozesse laufen auch in den dunklen Ebenen ab, den Maria.<\/p>\n<p>2634 R\u00fccken und viele davon jung<\/p>\n<p>Das Forschungsteam identifizierte 1114 neue SMR-Segmente auf der Mondvorderseite. Insgesamt sind nun 2634 solcher Strukturen bekannt. Ihr durchschnittliches Alter liegt bei rund 124 Millionen Jahren.<\/p>\n<p>Cole Nypaver, Erstautor der Studie, sagt: \u201eSeit der Apollo-\u00c4ra wissen wir um die Verbreitung von Lobate Scarps im gesamten Hochland des Mondes, aber dies ist das erste Mal, dass Wissenschaftler die weit verbreitete Pr\u00e4senz \u00e4hnlicher Merkmale in den Mondmeeren dokumentiert haben.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-44886\" style=\"width: 700px;\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/NEimbrium_SMR.png\" alt=\"kleiner Mare-Kamm im Nordosten des Mare Imbrium\" width=\"9187\" height=\"5341\"\/>Ein kleiner Mare-Kamm im Nordosten des Mare Imbrium, aufgenommen von der Kamera des Lunar Reconnaissance Orbiter. Foto: NASA\/GSFC\/Arizona State University<\/p>\n<p>Und weiter: \u201eDiese Arbeit hilft uns, eine global vollst\u00e4ndige Perspektive auf die j\u00fcngste tektonische Aktivit\u00e4t auf dem Mond zu gewinnen, was zu einem besseren Verst\u00e4ndnis seines Inneren und seiner thermischen und seismischen Geschichte sowie des Potenzials f\u00fcr zuk\u00fcnftige Mondbeben f\u00fchren wird.\u201c<\/p>\n<p>Die Daten zeigen au\u00dferdem: Lobate scarps im Hochland gehen teilweise in SMRs in den Maria \u00fcber. Beides sind Ausdruck derselben globalen Kontraktion. Der Mond schrumpft als Ganzes \u2013 nicht nur regional.<\/p>\n<p>Tom Watters fasst es so zusammen: \u201eUnsere Entdeckung junger, kleiner Grate in den Maria und die Erforschung ihrer Entstehungsursache vervollst\u00e4ndigen das Gesamtbild eines dynamischen, sich zusammenziehenden Mondes.\u201c<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr k\u00fcnftige Mondmissionen?<\/p>\n<p>Wenn der Mond bebt, kann uns das auf der Erde relativ egal sein, allerdings: F\u00fcr k\u00fcnftige Missionen ist das durchaus relevant. Schon w\u00e4hrend der Apollo-Missionen registrierten Seismometer sogenannte flache Mondbeben. Einige erreichten Magnituden um 5. Und sie dauerten lange. Der trockene, stark zertr\u00fcmmerte Untergrund d\u00e4mpft seismische Wellen kaum. Das bedeutet: Ersch\u00fctterungen k\u00f6nnen minutenlang nachschwingen.<\/p>\n<p>Watters hatte zuvor gezeigt, dass lobate scarps mit solchen Beben zusammenh\u00e4ngen. Wenn SMRs durch denselben Mechanismus entstehen, erweitert sich die Liste m\u00f6glicher Epizentren deutlich \u2013 auch in den Maria. Und genau dort m\u00f6chte man k\u00fcnftig landen und bauen.<\/p>\n<p>Programme wie Artemis planen eine dauerhafte R\u00fcckkehr zum Mond. Landefl\u00e4chen, Energieversorgung, Habitate. Infrastruktur, die Jahrzehnte halten soll. Nypaver sagt dazu: \u201eKommende Monderkundungsprogramme wie Artemis werden eine F\u00fclle neuer Informationen \u00fcber unseren Mond liefern. Ein besseres Verst\u00e4ndnis der Mondtektonik und der seismischen Aktivit\u00e4t wird sich direkt auf die Sicherheit und den wissenschaftlichen Erfolg dieser und zuk\u00fcnftiger Missionen auswirken.\u201c<\/p>\n<p>Baugrund mit Fragezeichen<\/p>\n<p>Die Studie zeigt deutlich: Der Mond ist kein statischer Felsklotz im All. Er ver\u00e4ndert sich. Langsam, aber kontinuierlich. Die Mondmeere galten bisher als bevorzugte Standorte. Flach. Gut zug\u00e4nglich. Kommunikationsfreundlich. Doch wenn sich dort junge \u00dcberschiebungen konzentrieren, steigt das seismische Risiko.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die geringe Gravitation. Bauwerke reagieren dort anders auf Schwingungen als auf der Erde. L\u00e4ngere Ausschwingzeiten k\u00f6nnen Resonanzeffekte verst\u00e4rken. Klassische Erdbebenmodelle greifen nur bedingt. Wer also \u00fcber Mondbasen nachdenkt, muss k\u00fcnftig genauer hinsehen. Geologie wird zur Sicherheitsfrage.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/PSJ\/ae226a\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hier geht es zur Originalpublikation<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"2634 tektonische R\u00fccken entdeckt: Der Mond ist aktiver als gedacht. Das ver\u00e4ndert die Planung k\u00fcnftiger Mondbasen. 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