{"id":90083,"date":"2026-04-20T06:29:11","date_gmt":"2026-04-20T06:29:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/90083\/"},"modified":"2026-04-20T06:29:11","modified_gmt":"2026-04-20T06:29:11","slug":"berner-psychiatrie-museum-wagt-neuanfang-seniorweb-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/90083\/","title":{"rendered":"Berner Psychiatrie-Museum wagt Neuanfang &#8211; Seniorweb Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das durch finanzielle Unregelm\u00e4ssigkeiten in die Krise geratene Psychiatrie-Museum Bern ist zu neuem Leben erwacht. Als Erg\u00e4nzung zu der alten Dauerausstellung wurde das Museum in einen offenen Dialograum verwandelt, der Geschichte, Gegenwart und Forschung der traditionsreichen Institution verbindet.<\/p>\n<p>Das Psychiatrie-Museum Bern k\u00e4mpft seit 2022 mit massiven finanziellen Engp\u00e4ssen, ausgel\u00f6st durch eine Veruntreuung von Stiftungsgeldern durch einen verstorbenen Mitarbeiter. Das Verm\u00f6gen wurde dadurch erheblich gesch\u00e4digt, was die Existenz des Museums gef\u00e4hrdete und es auf externe Unterst\u00fctzung angewiesen machte. Der federf\u00fchrenden Stiftung blieben zwei Optionen: Das Museum zu schliessen oder es neu zu konzipierten. Der Stiftungsrat entschloss sich f\u00fcr Option 2.<\/p>\n<p>Dem Neuanfang des Psychiatrie-Museums Bern liegt eine Neukonzeption zugrunde: Anfang 2025 fand ein mehrmonatige Partizipationsprozess mit Workshops zu Vision, Programm und Partnerschaften statt. Zuvor war der Wandel mit der Ausstellung \u00abAufbruch\u00bb \u00f6ffentlich diskutiert worden. Die Schau zeigte neue Perspektiven auf die Sammlung und lud zum Mitdenken ein. Der Anspruch: Das Museum sollte nicht nur als Ort der Geschichte, sondern als Raum f\u00fcr Austausch \u00fcber psychische Gesundheit und Entstigmatisierung etabliert werden.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137540 lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"394\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2-2.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"394\"\/><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137540\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/2-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"394\"   data-eio=\"l\"\/><\/p>\n<p>Das neu konzipierte Museum versteht sich als Forum f\u00fcr psychische Gesundheit, das Orientierung schafft und Pr\u00e4ventionsarbeitet leistet.<\/p>\n<p>Neue Sonderausstellung<\/p>\n<p>Entstanden ist eine neue Ausstellungsreihe unter dem Titel \u00abPerspektiven\u00bb. Teil 1 widmet sich der Lehre und Forschung der <a href=\"https:\/\/www.upd.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u00abUniversit\u00e4ren Psychiatrischen Dienste\u00bb (UPD) <\/a>und der Universit\u00e4t Bern. Die Sonderausstellung will die unterschiedlichen Sichtweisen sichtbar machen, etwa von Forschenden, Fachpersonen, Menschen mit eigener Psychiatrie-Erfahrung und Angeh\u00f6rigen. Teilerneuert wurde auch die historische Dauerausstellung, die aus dem Jahr 1993 stammt und nun punktuell \u00fcberarbeitet wurde. Erg\u00e4nzende Texte sowie neu zusammengestellte Objektgruppen schaffen einen st\u00e4rkeren Bezug zur Gegenwart. Exponate der Sammlungen von<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Walter_Morgenthaler\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"> Ex-Direktor Walter Morgenthaler<\/a> <a href=\"https:\/\/www.adolfwoelfli.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">(Adolf W\u00f6lfli)<\/a> sind auch weiterhin zu sehen.<\/p>\n<p>Die Besuchenden k\u00f6nnen sich an verschiedenen Stationen ein Bild machen \u00fcber Schizophrenie und Psychosen, Alkohol, Abh\u00e4ngigkeit und Sucht, Zwangsst\u00f6rungen, Esst\u00f6rungen, Demenz und Jugendpsychiatrie. \u00dcber Audioger\u00e4te, respektive das pers\u00f6nliche Smartphone, erz\u00e4hlt eine Mutter vom Leiden ihrer schizophrenen Tochter, ein Alkoholiker \u00fcber den Gang aus der Abh\u00e4ngigkeit, eine Personalfachfrau \u00fcber ihre Demenz, zwei Jugendliche \u00fcber ihre Anorexie. Auf Schautafeln werden die Krankheitsbilder verst\u00e4ndlich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>\u00abIn der Schweiz berichten zwei von zehn Erwachsenen von psychischen Problemen, Tendenz steigend. Junge Menschen und Frauen sind besonders betroffen\u00bb (Text auf einer Schautafel).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137542 lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/4-2.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"563\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137542\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/4-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\"   data-eio=\"l\"\/><\/p>\n<p>Aus alten UPD-Zeiten erz\u00e4hlt die erg\u00e4nzte Dauerausstellung.<\/p>\n<p>Der Neubeginn wirkt nicht wie ein radikaler Bruch, sondern eher wie ein Umbau von innen: mehr Beteiligung, mehr Gegenwartsbezug und eine offenere Form der Vermittlung. Die Sammlung bleibt dabei wichtig, wird aber st\u00e4rker in aktuelle Debatten und Erfahrungen eingebunden.<\/p>\n<p>Stiftungsratspr\u00e4sident Hubert Steinke<\/p>\n<p>Treibende Kraft hinter der Neukonzeption war Stiftungsratspr\u00e4sident Hubert Steinke. Der Medizinhistoriker und Professor an der Universit\u00e4t Bern leitet das Institut f\u00fcr Medizingeschichte. Seine Rolle im Partizipationsprozess war vor allem die eines wissenschaftlichen Leiters und Forschers mit Schwerpunkten in der Medizin des 18. bis 20. Jahrhunderts sowie in der Wissens- und Medizingeschichte.<\/p>\n<p>Steinke steht f\u00fcr den historischen und wissenschaftlichen Rahmen, in dem das Museum seine Inhalte neu ordnet und st\u00e4rker mit Gegenwart und Forschung verbindet. In der \u00f6ffentlichen Debatte wirkt er nicht als Museumsmacher im engeren Sinn, sondern als wissenschaftlicher Mitgestalter und inhaltlicher Impulsgeber. Er positioniert das Museum als Ort des Gespr\u00e4chs \u00fcber psychische Gesundheit, passend zur neuen Ausstellungsreihe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137541 lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/3-3.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"563\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137541\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/3-3.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\"   data-eio=\"l\"\/><\/p>\n<p>Die neue Wechselausstellung richtet sich an Menschen mit oder ohne Psychiatrieerfahrung. Ein besonderer Fokus liegt auf Jugendlichen und Schulen.<\/p>\n<p>Finanzielle Sorgen bleiben<\/p>\n<p>Das Psychiatrie-Museum bleibt auch nach der Neuer\u00f6ffnung abh\u00e4ngig von finanziellen F\u00f6rderungen. Eine Grundfinanzierung durch Kanton, Stadt Bern und Regionalkonferenz steht noch aus. Von der UPD erh\u00e4lt die Institution derzeit 10\u2019000 Franken j\u00e4hrlich. Die Einnahmen aus Museumseintritten bleiben \u00e4usserst bescheiden (10 Franken f\u00fcr einen erwachsenen Besucher). Erfreulich sind Projektbeitr\u00e4ge einzelner Stiftungen und Partnern, welche die Serie von Sonderausstellungen m\u00f6glich machen.<\/p>\n<p>Besucherzahlen ver\u00f6ffentlichte das Museum bisher keine, weshalb es nach dem Neubeginn keine Vergleichswerte geben wird. Ein Handicap ist zweifellos der abgelegene Standort der Institution am \u00f6stlichen Stadtrand, auf dem Gel\u00e4nde des Waldau.<\/p>\n<p>Historisches Geb\u00e4ude<\/p>\n<p>Das Psychiatrie-Museum Bern und sein Archiv sind im Pfr\u00fcnderhaus untergebracht, das der Kanton Bern 1989-1991 umbauen und restaurieren liess. Der Bau des historischen Geb\u00e4udes war 1755 vom Berner Rat beschlossen worden. Als Projektleiter zeichnete damals Ludwig Emanuel Zehender. 1759 war der Rohbau vollendet, erst um 1765 konnten die ersten Patienten einziehen. Das Geb\u00e4ude hiess anf\u00e4nglich Blattern- und Pfr\u00fcnderhaus und diente der Unterkunft von Hautkranken sowie Pfr\u00fcndern (Alterspatienten). 1891 wurde das Blatternspital mit seinen Insassen auf das Areal des Inselspitals Bern verlegt. Darauf beherbergte das Pfr\u00fcnderhaus bis 1980 Kranke der Waldau.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137543 lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/5-1.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"563\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137543\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/5-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"563\"   data-eio=\"l\"\/><\/p>\n<p>Das Berner Psychiatrie-Museum befindet sich auf dem Areal der UPD im alten Pfr\u00fcnderhaus.\u00a0<\/p>\n<p>Das schmucke Bauwerk in bernischem Sp\u00e4tbarock wirkt durch die ausgewogenen Proportionen des Gesamten und seiner Einzelteile. Die elfachsige Hauptfront verl\u00e4uft parallel zur Strasse, zwei Seitenfl\u00fcgel schliessen den r\u00fcckseitigen Hof ein. Besondere Beachtung verdient die pr\u00e4chtige Eingangspartie mit den Louis-XV-Konsolen der Portalbekr\u00f6nung von Johann Friedrich Funk dem \u00c4lteren.<\/p>\n<p>LINKS<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/psychiatrie-museum.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Psychiatrie-Museum Bern<\/a><\/p>\n<p>AUF SENIORWEB SIND BEREITS ERSCHIENEN:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/seniorweb.ch\/2021\/05\/27\/kopfreisen-durch-imaginaere-welten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">27. Mai 2021: Kopfreisen durch imagin\u00e4re Welten<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/seniorweb.ch\/2023\/09\/16\/leben-hinter-mauern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">16. September 2023: Hinter Mauern leben<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137544 lazyload\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"1425\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/6-1.jpg\"  data- data-eio-rwidth=\"1000\" data-eio-rheight=\"1425\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-137544\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/6-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"1425\"   data-eio=\"l\"\/><\/p>\n<p>Auf die erste Sonderausstellung (Perspektive 1) werden in den kommenden Monaten und Jahren f\u00fcnf weitere Sonderausstellung folgen. Alle Fotos PS<\/p>\n<p>Adresse des Museums: Bolligenstrasse 111 in Bern. An der Bern Mobil-Haltestelle \u00abUPD Waldau\u00bb (Linie 28) auf dem Fussweg (alte Bolligenstrasse) entlang der heutigen Strasse Richtung Bolligen gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das durch finanzielle Unregelm\u00e4ssigkeiten in die Krise geratene Psychiatrie-Museum Bern ist zu neuem Leben erwacht. 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