{"id":95228,"date":"2026-04-23T15:29:10","date_gmt":"2026-04-23T15:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/95228\/"},"modified":"2026-04-23T15:29:10","modified_gmt":"2026-04-23T15:29:10","slug":"interstellarer-komet-3i-atlas-entstand-in-der-kaelte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/95228\/","title":{"rendered":"Interstellarer Komet 3I\/ATLAS entstand in der K\u00e4lte"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Komet 3I\/ATLAS ist erst der dritte von Astronomen beobachtete interstellare Besucher unseres Sonnensystems. Jetzt liefern Beobachtungen mit den Radioteleskopen des ALMA-Array in Chile neue Hinweise auf seine Herkunft. Sie zeigen, dass das Wassereis des interstellaren Kometen einen ungew\u00f6hnlich hohen Anteil des schweren Wasserstoff-Isotops Deuterium aufweist. Der anhand von Radiospektren gemessene Wert liegt bei 3I\/ATLAS rund 40-mal h\u00f6her als in den irdischen Ozeanen und 30-mal h\u00f6her als bei Kometen des Sonnensystems. Das legt nahe, dass der extrasolare Komet in einer k\u00e4lteren kosmischen Umgebung entstanden sein muss als unsere Sonne und das Sonnensystem \u2013 und wahrscheinlich am \u00e4u\u00dferen, kalten Rand seiner protoplanetaren Scheibe.<\/p>\n<p>Der im Juli 2025 entdeckte interstellare Komet 3I\/ATLAS raste auf einer Hyperbelbahn durch unser Planetensystem und passierte am 29. Oktober 2025 den sonnenn\u00e4chsten Punkt dieses Fluges. Inzwischen ist der eisige, m\u00f6glicherweise gut f\u00fcnf Kilometer gro\u00dfe Brocken wieder auf dem Weg aus dem Sonnensystem hinaus. Doch seine Passage lieferte Astronomen weltweit eine einzigartige Gelegenheit, ein interstellares Objekt zu erforschen. So legten erste Beobachtungen bereits nahe, dass 3I\/ATLAS wahrscheinlich \u00e4lter ist als unser Sonnensystem. Seine eisreiche Oberfl\u00e4che und Ausgasungen enthalten zudem mehr Kohlendioxid als bei den Kometen unseres Sonnensystems. Im Fr\u00fchjahr 2026 zeigten Daten des Atacama Large Millimeter\/submillimeter Array (ALMA) in Chile, dass der interstellare Komet auch ungew\u00f6hnlich viel Methanol ausgast.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-04-23-3IATLAS2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-344236 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-344236\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/26-04-23-3IATLAS2-300x249.jpg\" alt=\"D\/H-Verh\u00e4ltnisse im Vergleich\" width=\"300\" height=\"249\"  \/><\/a>Deuterium\/Wasserstoff-Verh\u00e4ltnis von 3I\/ATLAS (rot) im Vergleich zu anderen Himmelsk\u00f6rpern und Umgebungen. \u00a9 so Salazar Manzano et al.\/ Nature Astronomy, <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/4.0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC-by 4.0<\/a>40-mal mehr Deuterium als in unseren Ozeanen<\/p>\n<p>Jetzt haben Astronomen eine weitere Besonderheit des interstellaren Besuchers entdeckt. F\u00fcr ihre Studie hatten Luis Salazar Manzano von der University of Michigan und seine Kollegen Beobachtungen des ALMA-Arrays vom 4. November 2025 ausgewertet \u2013 rund sechs Tage nach der Perihel-Passage von 3I\/ATLAS. Im Fokus standen dabei Spektrallinien im Radiobereich, die von Wassermolek\u00fclen in der Koma des Kometen erzeugt wurden. Die Aufl\u00f6sung der gekoppelten ALMA-Teleskope ist hoch genug, um anhand dieser Linien die Anteile von normalem Wasserstoff (H) und dem schweren Wasserstoff-Isotop Deuterium (D) in diesen Spektren zu zeigen. \u201eDas Verh\u00e4ltnis von Deuterium zu Wasserstoff liefert uns einen starken chemischen Anzeiger daf\u00fcr, wo und unter welchen physikalischen Bedingungen dieses Wasser einst gebildet wurde und welchen Prozessen es anschlie\u00dfend ausgesetzt war\u201c, erkl\u00e4ren Salazar Manzano und seine Kollegen. \u201eDenn der Prozess, der Deuterium in Wassermolek\u00fclen anreichert, reagiert sensibel auf lokale Bedingungen wie Temperaturen, Dichte und Ionisierungsrate.\u201c<\/p>\n<p>Die Analysen ergaben Werte, die weit jenseits des im Sonnensystem \u00fcblichen liegen. \u201eDie Menge an Deuterium im Verh\u00e4ltnis zu normalem Wasserstoff ist bei 3I\/ATLAS h\u00f6her als alles, was wir zuvor in Planetensystemen gesehen haben\u201c, berichtet Salazar Manzano. Mit einem D\/H-Verh\u00e4ltnis von 6,6 Tausendsteln \u00fcbertreffe der Deuteriumanteil des interstellaren Kometen den in den irdischen Ozeanen um rund das 40-Fache. Im Vergleich zu Kometen des Sonnensystems liegt 3I\/ATLAS rund 30-mal h\u00f6her und auch das interstellare Medium hat keine so starke Deuterium-Anreichung, wie die Astronomen erkl\u00e4ren. Damit ist der interstellare Komet ein echter Exot in unserer kosmischen Nachbarschaft.<\/p>\n<p>Kalte Bildungsumgebung<\/p>\n<p>Das Spannende daran: Der hohe Deuteriumgehalt von 3I\/ATLAS liefert einige Anhaltspunkte dazu, in welcher Umgebung und unter welchen Bedingungen dieses interstellare Objekt einst entstand. Demnach muss schon der Heimatstern des Kometen in einem anderen Umfeld entstanden sein als unsere Sonne. \u201eEs ist wahrscheinlich, dass die Bedingungen weit k\u00e4lter waren, denn dies beg\u00fcnstigt die Deuteriumanreicherung im Wasser\u201c, erkl\u00e4ren die Astronomen. Ein weiterer Faktor war die protoplanetare Scheibe, in der sich der Komet bildete. \u201eDas erh\u00f6hte D\/H-Verh\u00e4ltnis k\u00f6nnte darauf hindeuten, dass 3I\/ATLAS sich jenseits der CO2-Schneelinie seines Heimatssystems bildete\u201c, schreibt das Team. Die CO2-Schneelinie bezeichnet den Abstand von Zentralstern, ab dem es so kalt ist, dass Kohlendioxid ausgefriert. Dazu k\u00f6nnte passen, dass der interstellare Komet auch besonders viel CO2-Eis enth\u00e4lt und ausgast. \u201eEine solche Bildung am \u00e4u\u00dferen Rand seiner protoplanetaren Scheibe k\u00f6nnte auch erkl\u00e4ren, warum 3I\/ATLAS ausgeschleudert und zu einem interstellaren Objekt wurde\u201c, so Salazar Manzano und seine Kollegen.<\/p>\n<p>Zusammengenommen unterstreichen diese Ergebnisse, dass Planetensysteme und ihre Himmelsk\u00f6rper unter ganz unterschiedlichen Bedingungen entstehen k\u00f6nnen. \u201eDies ist der Beleg daf\u00fcr, dass die Umst\u00e4nde, durch die unser Sonnensystem entstand, im Kosmos keineswegs der Standard sein m\u00fcssen\u201c, betont Co-Autorin Teresa Paneque-Carre\u00f1o von der University of Michigan. \u201eDas mag offensichtlich klingen, aber auch das muss ja erstmals \u00fcberpr\u00fcft und nachgewiesen werden.\u201c Wo genau der interstellare Komet 3I\/ATLAS herkam und um welchen Stern er einst entstand, ist jedoch noch offen.<\/p>\n<p>Quelle: Luis Salazar Manzano (University of Michigan, Ann Arbor) et al., Nature Astronomy, 2026; <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41550-026-02850-5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1038\/s41550-026-02850-5<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Komet 3I\/ATLAS ist erst der dritte von Astronomen beobachtete interstellare Besucher unseres Sonnensystems. 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