{"id":95464,"date":"2026-04-23T18:27:08","date_gmt":"2026-04-23T18:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/95464\/"},"modified":"2026-04-23T18:27:08","modified_gmt":"2026-04-23T18:27:08","slug":"vielversprechendes-zellmodell-fuer-die-demenzforschung-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/95464\/","title":{"rendered":"Vielversprechendes Zellmodell f\u00fcr die Demenzforschung"},"content":{"rendered":"\n<p>Neurodegenerative Demenzerkrankungen stellen eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen einer alternden Gesellschaft dar. Besonders h\u00e4ufig treten Erkrankungen wie Alzheimer oder die Frontotemporale Demenz auf, die durch krankhafte Ablagerungen des Tau-Proteins im Gehirn gekennzeichnet sind. Diese sogenannten Tauopathien sind bislang nicht heilbar \u2013 auch, weil geeignete Modelle zur Erforschung der Krankheitsmechanismen fehlen.<\/p>\n<p>Ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor <a href=\"https:\/\/www.isd-research.de\/PaquetLab\" class=\"is-external\" title=\"Link \u00f6ffnet in neuem Fenster\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Dominik Paquet<\/a> vom Institut f\u00fcr Schlaganfall- und Demenzforschung der LMU M\u00fcnchen hat nun einen entscheidenden Fortschritt erzielt: Erstmals gelang es, ein menschliches Zellmodell zu entwickeln, das die krankhaften Prozesse realistisch nachbildet.<\/p>\n<p>\tGrenzen bisheriger Modelle<\/p>\n<p>Bisherige Ans\u00e4tze hatten erhebliche Einschr\u00e4nkungen. Tiermodelle spiegeln die komplexen Vorg\u00e4nge im menschlichen Gehirn nur unzureichend wider, w\u00e4hrend aus Stammzellen gewonnene Nervenzellen vor allem fr\u00fche, f\u00fcr ein junges Gehirn typische Formen des Tau-Proteins produzieren. Die f\u00fcr Erkrankungen entscheidenden Varianten, die typischerweise erst in erwachsenen Nervenzellen vorkommen, fehlten bislang.<\/p>\n<p>Genau hier setzt die neue Studie an. Mithilfe der Genschere CRISPR\/Cas9 ver\u00e4nderte die Erstautorin Dr. Angelika Dannert menschliche Nervenzellen gezielt so, dass sie sowohl die erwachsene Tau-Form als auch krankheitsrelevante Mutationen aufweisen.<\/p>\n<p>Anders als fr\u00fchere Modelle bildeten diese Zellen eigenst\u00e4ndig die f\u00fcr Alzheimer und andere Tauopathien typischen Krankheitsmerkmale, darunter Tau-Verklumpungen, die den Ablagerungen im Gehirn von Betroffenen, den sogenannten tangles, stark \u00e4hneln, sowie Anzeichen von Nervenzellsch\u00e4den wie den Verlust von Synapsen.<\/p>\n<p>\tNeue Perspektiven f\u00fcr Therapie und Grundlagenforschung<\/p>\n<p>Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass ihr neues Modell bereits konkrete Perspektiven f\u00fcr die Medikamentenentwicklung er\u00f6ffnet: \u201eEin Wirkstoff, der derzeit in einer klinischen Studie getestet wird, reduzierte die Tau-Pathologie deutlich\u201c, erkl\u00e4rt Dannert. \u201eUnd auch einen sogenannten bildgebenden Biomarker zur Diagnose von bestimmten Tauopathien konnten wir erfolgreich testen.\u201c<\/p>\n<p>Auch aus wissenschaftlicher Perspektive stellt das Modell einen wichtigen Fortschritt dar, da es erstmals erlaubt, krankhafte Tau-Strukturen unter realistischen Bedingungen zu untersuchen. \u201eMit unserer Arbeit schlie\u00dft sich eine wichtige L\u00fccke zwischen Tierversuchen und der menschlichen Erkrankung, und unser Modell liefert eine neue Plattform, auf der dringend ben\u00f6tigte Therapien gegen Demenz entwickelt und getestet werden k\u00f6nnen\u201c, fasst Paquet zusammen.<\/p>\n<p>Die Forschenden sehen in ihrem Ansatz daher sowohl ein neues Werkzeug f\u00fcr die Grundlagenforschung als auch eine vielversprechende Grundlage, um zuk\u00fcnftige Therapien gezielter und effizienter zu entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neurodegenerative Demenzerkrankungen stellen eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen einer alternden Gesellschaft dar. 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