{"id":97824,"date":"2026-04-25T12:47:09","date_gmt":"2026-04-25T12:47:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/97824\/"},"modified":"2026-04-25T12:47:09","modified_gmt":"2026-04-25T12:47:09","slug":"gesamte-klavierkonzerte-von-rachmaninow-weltklasse-klassik-in-bern-mit-pianistin-anna-vinnitskaya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/97824\/","title":{"rendered":"Gesamte Klavierkonzerte von Rachmaninow &#8211; Weltklasse-Klassik in Bern mit Pianistin Anna Vinnitskaya"},"content":{"rendered":"<p>Gesamte Klavierkonzerte von Rachmaninow  | 25. April 2026<\/p>\n<p>Es gibt Konzerte, die man nicht so schnell vergisst. Die zwei Abende im Casino Bern, an denen die mehrfach preisgekr\u00f6nte Pianistin Anna Vinnitskaya gemeinsam mit dem Berner Symphonieorchester unter Krzysztof Urba\u0144ski die gesamten Klavierwerke von Rachmaninow m\u00fchelos hinlegt, geh\u00f6ren klar dazu. Das Berner Publikum feiert die K\u00fcnstlerin mit anhaltendem Jubel und Standing Ovations. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7ok\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10zT02c001d5808080b300001201n7ok.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00ML0bb807d08080800000001201n7ok.jpg\" style=\"width:704px;height:469px;\" alt=\"Begeisterte das Berner Publikum an zwei Abenden im Casino: Die Ausnahmepianistin Anna Vinnitskaya im Bild mit BSO-Chefdirigent Krzysztof Urba\u0144ski.\"\/><\/p>\n<p>Begeisterte das Berner Publikum an zwei Abenden im Casino: Die Ausnahmepianistin Anna Vinnitskaya im Bild mit BSO-Chefdirigent Krzysztof Urba\u0144ski.Fotos: Marvin Mears<\/p>\n<p class=\"pg\">Zwei Klavierabende in Moll, die letzten Donnerstag im Casino Bern begonnen haben. Bereits seit Monaten ausverkauft. Es ist ein \u00abMount Everest\u00bb der Klavierliteratur. Mit Anna Vinnitskaya betritt eine vielfach preisgekr\u00f6nte K\u00fcnstlerin die B\u00fchne. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr 2007, als sie als erst zweite Frau \u00fcberhaupt den prestigetr\u00e4chtigen \u00abConcours Reine Elisabeth\u00bb in Br\u00fcssel gewann. <\/p>\n<p>Konzises Spiel statt triefender Kitsch<\/p>\n<p class=\"pg\">Bereits mit den ersten T\u00f6nen des 1. Klavierkonzerts in fis-Moll macht Anna Vinnitskaya unmissverst\u00e4ndlich klar, worum es ihr geht: Klarheit, Kraft und eine Dezidiertheit ohne triefenden Kitsch. Kein unn\u00f6tiges Schwelgen, kein Z\u00f6gern. Was f\u00fcr manche Ohren zun\u00e4chst ungewohnt trocken wirken mag, entfaltet sich rasch als konzise Meisterschaft. Es ist ein Spiel, das nichts beweisen muss und gerade deshalb durchgehend fesselt. Die leisen Stellen dr\u00fcckt Vinnitskaya mit feinem Gesp\u00fcr und wohltuender Zur\u00fccknahme aus, perlende L\u00e4ufe und satte Akkorde erg\u00e4nzen sich zu einem in sich stimmigen Ganzen. Das Publikum ist bereits zum ersten Mal aus dem H\u00e4uschen. <\/p>\n<p class=\"zitat\">Bereits mit den ersten T\u00f6nen des 1. Klavierkonzerts in fis-Moll macht Anna Vinnitskaya unmissverst\u00e4ndlich klar, worum es ihr geht: Klarheit, Kraft und eine Dezidiertheit ohne triefenden Kitsch.<\/p>\n<p>Rhapsodie als Br\u00fccke<\/p>\n<p class=\"pg\">Als dramaturgisch kluger Einfall erwies sich die Platzierung der Rhapsodie \u00fcber ein Thema von Paganini zwischen dem 1. und 2. Konzert. Prachtvoll, einnehmend, mit Wucht und zugleich feiner Hand gespielt, bildete sie eine ideale Br\u00fccke \u2013 nicht nur programmatisch, sondern emotional. Vinnitskaya meistert dieses Werk mit jener traumwandlerischen Sicherheit, die ihrem Spiel generell eigen ist.<\/p>\n<p class=\"pg\">Dann das ber\u00fchmte 2. Klavierkonzert in c-Moll. Schon der Einstieg birgt eine kleine Besonderheit: Die ber\u00fchmten Akkorde zu Beginn spielt Ann Vinnitskaya mit Vorschlag \u2013 Rachmaninow selbst, mit seinen legend\u00e4r grossen H\u00e4nden, musste dies nicht. Was folgt, ist eine Interpretation, die das Werk vom oft zu dick aufgetragenen Schmalz befreit und der eigentlichen Intention des Komponisten folgt. Ein Ereignis!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7og\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10zX02c001d5808080b300001201n7og.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00Mz0bb807d08080800000001201n7og.jpg\" style=\"width:704px;height:469px;\" alt=\"Formklare Substanz statt hollywoodeskem Gef\u00fchls\u00fcberschwang: Anna Vinnitskaya begeistert in Bern mit Rachmaninow und einem bestens aufgestellten Berner Symphonieorchester unter Krzysztof Urba\u0144ski.\"\/><\/p>\n<p>Formklare Substanz statt hollywoodeskem Gef\u00fchls\u00fcberschwang: Anna Vinnitskaya begeistert in Bern mit Rachmaninow und einem bestens aufgestellten Berner Symphonieorchester unter Krzysztof Urba\u0144ski.<\/p>\n<p>Geerdet, schl\u00fcssig, einnehmend <\/p>\n<p class=\"pg\">Rachmaninow, das belegen seine eigenen Aufnahmen, spielte ernster und klassischer, als die Rezeptionsgeschichte es oft wahrhaben wollte \u2013 kein hollywoodesker Gef\u00fchls\u00fcberschwang, sondern formklare Substanz. Vinnitskaya, die aus einer russischen Musikerfamilie stammt, ist dieser Lesart verpflichtet. Ihre Eltern sind ebenfalls Pianisten, und ihr Grossvater war Dirigent. Ihr Konzert in Bern wirkt aus einem soliden Guss: geerdet, schl\u00fcssig, in den grossen Orchestermomenten einnehmend, in der Intimit\u00e4t ber\u00fchrend auf eine andere, unpr\u00e4tenti\u00f6sere, weit ehrlichere Art.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Mitentscheidend f\u00fcr das grossartige Zusammenspiel ist auch Krzysztof Urbanski. Der polnische Chefdirigent breitet den typisch russischen, leicht schwerm\u00fctigen Klangteppich aus, ohne je ins Sentimentale oder Triviale abzugleiten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7oh\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10xD015a0207808080b300001201n7oh.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00xS053507d08080800000001201n7oh.jpg\" style=\"width:346px;height:519px;\" alt=\"Chefdirigent Krzysztof Urba\u0144ski.\"\/><\/p>\n<p>Chefdirigent Krzysztof Urba\u0144ski.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7oi\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10xC015a0207808080b300001201n7oi.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00xT053507d08080800000001201n7oi.jpg\" style=\"width:346px;height:519px;\" alt=\"Pianistin Anna Vinnitskaya.\"\/><\/p>\n<p>Pianistin Anna Vinnitskaya.<\/p>\n<p class=\"pg\">Mitentscheidend f\u00fcr das grossartige Zusammenspiel ist auch Krzysztof Urba\u0144ski. Der polnische Chefdirigent breitet den typisch russischen, leicht schwerm\u00fctigen Klangteppich aus, ohne je ins Sentimentale oder Triviale abzugleiten. Er dirigiert fast unauff\u00e4llig neben Vinnitskaya \u2013 ein Meister des gezielten Forte und der feinen Zur\u00fccknahme in den leiseren Passagen. Echte Emotion ohne Bluff. Das BSO folgt ihm mit h\u00f6rbar konzentrierter Spielfreude.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7ol\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10zM02c001d5808080b300001201n7ol.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00ME0bb807d08080800000001201n7ol.jpg\" style=\"width:704px;height:469px;\" alt=\"Das BSO ist bekannt daf\u00fcr, die anspruchsvollen Klavierkonzerte Rachmaninows regelm\u00e4ssig mit Weltklasse-Solisten zu besetzen wie jetzt mit der Starpianistin Anna Vinnitskaya.\"\/><\/p>\n<p>Das BSO ist bekannt daf\u00fcr, die anspruchsvollen Klavierkonzerte Rachmaninows regelm\u00e4ssig mit Weltklasse-Solisten zu besetzen wie jetzt mit der Starpianistin Anna Vinnitskaya.<\/p>\n<p>Zweiter Abend: Das R\u00e4tselhafte und das Monumentale<\/p>\n<p class=\"pg\">Den zweiten Abend er\u00f6ffnete das selten gespielte 4. Klavierkonzert in g-Moll \u2013 f\u00fcr viele im Saal unbekanntes Terrain. Das sp\u00e4teste der vier Konzerte, entstanden 1926 im amerikanischen Exil, zeigt einen Rachmaninow im Wandel: Die \u00fcppige Romantik seiner Fr\u00fchwerke weicht einer herberen, muskul\u00f6seren Textur, der Tonfall ist sch\u00e4rfer, der Mittelsatz vom Jazz beeinflusst. Es ist das eigenwilligste und r\u00e4tselhafteste seiner Konzerte \u2013 zu seiner Urauff\u00fchrung von der Kritik verrissen, bis heute zu selten gespielt. <\/p>\n<p class=\"pg\">Vinnitskaya beweist hier, wie souver\u00e4n sie die verschiedenen Schaffensepochen Rachmaninows, es liegen 35 Jahre zwischen dem 1. und 4. Klavierkonzert, nebeneinander stellen kann. Auch in diesem fremdartigeren Werk bleibt ihr Spiel traumwandlerisch pr\u00e4zise, die stilistische Souver\u00e4nit\u00e4t ist bemerkenswert.<\/p>\n<p class=\"zitat\">Den Abschluss bildete das 3. Klavierkonzert in d-Moll. Vinnitskaya meistert es mit einem H\u00f6chstmass an Genauigkeit und einem untr\u00fcglichen Instinkt f\u00fcr die Dynamik.<\/p>\n<p>Innere Logik und Kontrolle <\/p>\n<p class=\"pg\">Den Abschluss bildete das 3. Klavierkonzert in d-Moll \u2013 jenes Werk, das Rachmaninow selbst scherzhaft als \u00abKonzert f\u00fcr Elefanten\u00bb bezeichnete und das Pianisten bis heute an die Grenzen des technisch M\u00f6glichen f\u00fchrt. Vinnitskaya meistert es mit einem H\u00f6chstmass an Genauigkeit und einem untr\u00fcglichen Instinkt f\u00fcr die Dynamik. Der ausgedehnte Solopart, eine der anspruchsvollsten Passagen in der gesamten Klavierliteratur, wird zum Hochgenuss \u2013 nicht durch virtuose Zurschaustellung, sondern durch innere Logik und Kontrolle. Die Spannung im Saal ist greifbar. Urba\u0144ski und das BSO liefern dazu den satten Klangteppich ohne aufgesetzten Bombast.<\/p>\n<p class=\"pg\">Was \u00fcber beide Abende auff\u00e4llt: Vinnitskaya wirkt nie angestrengt. Sie spielt mit sichtlicher Gel\u00f6stheit, hin und wieder wischt sie sich die Stirn \u2014 bei schwierigen L\u00e4ufen formt sich unwillk\u00fcrlich ein konzentrierter Gesichtsausdruck, wie jemand, der Gas gibt, nicht weil er k\u00e4mpft, sondern weil er im Flow ist. Keine Pose, keine Schwere, sondern pure Spielfreude.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"ptimg typ_foto\" id=\"img_1201n7oj\" data-mediamode=\"16\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/gosimg10RS02c00420808080b300001201n7oj.jpg\" data-mediacode=\"gosimg00xQ053507d08080800000001201n7oj.jpg\" style=\"width:704px;height:1056px;\" alt=\"Anna Vinnitskaya stellte sich dem Mount Everest der Klavierliteratur mit den gesamten Klavierkonzerten von Sergej Rachmaninow und wurde daf\u00fcr vom Berner Publikum ausgiebig gefeiert.\"\/><\/p>\n<p>Anna Vinnitskaya stellte sich dem Mount Everest der Klavierliteratur mit den gesamten Klavierkonzerten von Sergej Rachmaninow und wurde daf\u00fcr vom Berner Publikum ausgiebig gefeiert.<\/p>\n<p>Weniger Abgrund, mehr Klarheit <\/p>\n<p class=\"pg\">Ob diese Interpretation Rachmaninows das Dunklere, Abgr\u00fcndigere manchmal zugunsten von Klarheit und Licht zur\u00fcckstellt \u2013 diese Frage darf gestellt werden. Doch wer meint, damit einen Mangel zu benennen, liegt falsch: Es ist eine bewusste \u00e4sthetische Entscheidung, die n\u00e4her an Rachmaninows eigenem Interpretationsideal liegt als manch dramatisch aufgeladene Einspielung der Tradition. Weniger Abgrund, daf\u00fcr mehr Wahrhaftigkeit.<\/p>\n<p class=\"pg\">Der Schlussapplaus war \u00fcberw\u00e4ltigend. Bern bejubelte die russische Pianistin mit grosser Zuneigung und Begeisterung, sie kam mehrfach auf die B\u00fchne, verbeugte sich, war sichtlich ger\u00fchrt. Urba\u0144ski schloss auch am Freitag \u2013 wie schon am Vorabend \u2013 schmunzelnd den Klavierdeckel, um damit anzudeuten, dass die Tour de force nun ihr sehr verdientes Ende finden darf. Das war Weltklasse-Klassik in Bern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gesamte Klavierkonzerte von Rachmaninow | 25. April 2026 Es gibt Konzerte, die man nicht so schnell vergisst. 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