{"id":99397,"date":"2026-04-26T20:50:05","date_gmt":"2026-04-26T20:50:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/99397\/"},"modified":"2026-04-26T20:50:05","modified_gmt":"2026-04-26T20:50:05","slug":"van-manen-kylian-goecke-am-theater-basel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/99397\/","title":{"rendered":"\u00abVan Manen\/Kyli\u00e1n\/Goecke\u00bb am Theater Basel"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"h-full object-cover\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/5c732ab0-22bc-46e1-92e5-5c9a83a1592b.jpg\" alt=\"Im ersten Teil von Kyli\u00e1n kommt es zu Br\u00fcchen mit dem klassischen Ballett. Im Bild: Rosario Guerra und Ana Paula Camargo.\" loading=\"lazy\"\/>Im ersten Teil von Kyli\u00e1n kommt es zu Br\u00fcchen mit dem klassischen Ballett. Im Bild: Rosario Guerra und Ana Paula Camargo.<\/p>\n<p>Bild: Rahi Rezvani<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Ein Ballett-Abend befl\u00fcgelt, wenn er durchwegs stimmig ist. Genau das ist dem Basler Ballett-Ensemble gelungen. In \u00abVan Manen\/Kyli\u00e1n\/Goecke\u00bb werden St\u00fccke dreier Choreografen gezeigt, die in ihrer Abfolge ein neues Werk schaffen. Eines, welches das Archiv der Bewegungssprachen zum Leben erweckt und deutlich macht, dass sich Bewegung nur in K\u00f6rpern abspeichert.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Das erste St\u00fcck ist vom tschechischen Choreografen Ji\u0159\u00ed Kyli\u00e1n. In \u00abBella Figura\u00bb, uraufgef\u00fchrt 1995, sind Br\u00fcche mit dem klassischen Ballett zu sehen, etwa einw\u00e4rts gedrehte F\u00fcsse oder kollabierende K\u00f6rper. Die Choreografie zeigt Sch\u00f6nheit, deren Br\u00fcchigkeit jedoch eine Verletzlichkeit freilegt, die noch gr\u00f6ssere Sch\u00f6nheit ausstrahlt.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die teils barocke Musik wird zart interpretiert und in wechselnden Formationen ertanzt. Pr\u00e4zise K\u00f6rperpr\u00e4senz, unterbrochen mit Privatheit, macht die B\u00fchne zu einem Ort der Menschlichkeit. Die Nichtperfektion f\u00fchrt in eine Modernit\u00e4t, die mit vollendeten Formen bricht und diese in Frage stellt. Deshalb ber\u00fchrt der private Schluss, bei dem eine T\u00e4nzerin die Schultern hochzieht und ihr Partner ihr hilft, sie wieder zu entspannen.<\/p>\n<p>Die Moderne zeichnet sich ab<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die zweite Choreografie vom k\u00fcrzlich verstorbenen niederl\u00e4ndischen Hans van Manen \u00abThe Old Man and Me\u00bb, uraufgef\u00fchrt 1996, erz\u00e4hlt den Verlauf einer Liebesbeziehung. Mit viel Witz und tiefer Auseinandersetzung loten zwei Tanzende im Pas de deux ihre Gemeinsamkeiten aus, zu Klaviermusik etwa von Mozart. Die Neubesetzung mit der ausdrucksstarken Lydia Caruso, die seit 2012 dem Basler Ballett-Ensemble angeh\u00f6rt, und Rosario Guerra k\u00f6nnte besser nicht sein.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Mit aufflackernden Momentaufnahmen, die wie Bilder mit Blacks abgegrenzt sind, werden die Phasen der Beziehung gerafft. Auch hier ist der Schluss beeindruckend gesetzt: Die beiden Protagonisten wenden sich voneinander ab, entfernen sich, Black, und dann sind sie nicht mehr auf der B\u00fchne. Der Schmerz, dass die Beziehung endet, ist durch die pl\u00f6tzliche Abwesenheit der Darstellenden auch einer f\u00fcr das Publikum.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die dritte Arbeit des Abends \u00abLe Spectre de la Rose\u00bb hat eine wegweisende Choreografie von Mikhail Fokine von 1911 als Ausgangspunkt. Marco Goecke erhielt das Angebot, eine neue Version davon zu schaffen, die 2009 zur Urauff\u00fchrung kam. Die Handlung ist schnell erz\u00e4hlt: Ein M\u00e4dchen kommt von einem Ball und schl\u00e4ft ein. In ihrem Traum erscheint ein Rosengeist. Schon Mikhail Fokine hat zu seiner Zeit eine innovative Perspektive auf g\u00e4ngige Rollenverh\u00e4ltnisse zwischen Mann und Frau geschaffen.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Goecke \u00fcberschreibt in seiner Version die Innovation von damals in eine von heute. Carl Maria von Webers \u00abAufforderung zum Tanz\u00bb aus der Romantik interpretieren die acht Tanzenden auf eine radikale Weise, indem sie sich in verschiedenen Formationen mit ruckartigen, synchronen Bewegungen ausdr\u00fccken. Erneut ist der Schluss von extremer Intensit\u00e4t. Fast bis zur Ersch\u00f6pfung stellen Sandra Bourdais und Louis Steinmetz ihre K\u00f6rper der Musik zur Verf\u00fcgung, damit sie sich durch deren K\u00f6rper entfaltet.<\/p>\n<p>Tanz im Jetzt angekommen<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Goeckes Bewegungssprache ist im Kontext mit denjenigen von Kyli\u00e1n und Van Manen \u00fcberaus zug\u00e4nglich. Im Kontrast zeigt sich deutlich Goeckes Suche nach Form. Diese Suche hat etwas Ungeduldiges, etwas Ehrgeiziges. Damit findet er zu einem Tanz-Ausdruck, der die heutige Zeit spiegelt. Die angestrengte Bem\u00fchung, einer Sache eine Form geben zu wollen, ohne dass es vollendet gelingen will. Doch gerade darin zeigt sich eine Vollendung: Diejenige der Frage n\u00e4mlich, ob man heute \u00fcberhaupt noch Form geben kann. Das macht Goeckes Arbeit ehrlich und auch verletzlich.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">Die Choreografien des Ballett-Abends \u00abVan Manen\/Kyli\u00e1n\/Goecke\u00bb hatten am Samstag ihre Schweizer Erstauff\u00fchrung und sind vom Ballett-Ensemble neu einstudiert worden. Die drei St\u00fccke verbinden Gemeinsamkeiten wie pr\u00e4zise Lichtf\u00fchrung, die Farbe Rot und Enden, die in der Erinnerung Spuren hinterlassen. Sie schaffen eine publikumsnahe Hinf\u00fchrung zum Verst\u00e4ndnis von heutigem t\u00e4nzerischem Ausdruck.<\/p>\n<p class=\"liveticker-child !leading-xl max-w-article font-secondary mx-article-width text-xl font-normal text-neutral-800\">\u00abVan Manen\/Kyli\u00e1n\/Goecke\u00bb, Grosse B\u00fchne, n\u00e4chste Vorstellungen: 30.4., 13.5., 17.5., <a class=\"underline decoration-brand-050 [&amp;_.external-link]:inline overflow-hidden decoration-[0.075em] underline-offset-[0.35em] hover:decoration-brand-050-10 hover:text-brand-050  [&amp;_i]:hover:text-brand-050\" href=\"https:\/\/www.theater-basel.ch\/de\/dreimeisterwerke\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.theater-basel.ch <\/a><\/p>\n<p>Van Manen\/Kyli\u00e1n\/Goecke<\/p>\n<p class=\"font-primary text-s !leading-l text-neutral-600\">Theater Basel, Grosse B\u00fchne. N\u00e4chste Vorstellungen: 30. April sowie 13. und 17. Mai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im ersten Teil von Kyli\u00e1n kommt es zu Br\u00fcchen mit dem klassischen Ballett. Im Bild: Rosario Guerra und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":99398,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[28],"tags":[116,26493,1995,26492,86,26495,45,2992,26494],"class_list":["post-99397","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-basel","tag-basel","tag-jiri-kylian","tag-klassische-musik","tag-marco-goecke","tag-musik","tag-pas-de-deux","tag-schweiz","tag-tanz","tag-theater-basel"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@ch_de\/116472978237079999","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/99397","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=99397"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/99397\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/99398"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=99397"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=99397"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/ch-de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=99397"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}