Der Hafengeburtstag ist mehr als schnöde Folklore

Der Hafengeburtstag ist eine Hamburger Institution. Daran können auch eine Fressmeile und überteuerte Tickets für Bootstouren nichts ändern. Die historische Verbindung von Hamburg und der Schifffahrt wiegt schwerer als ein bisschen kommerzieller Rummel, der inzwischen rund um den Hafengeburtstag geboten wird.

Das zeigt sich auch daran, dass sowohl Neu-Hamburger, alteingesessene Hanseaten und Touristen sich gleichermaßen für das Fest begeistern können. Das Schlepperballett mit den Wasserfontänen oder die große Einlaufparade sind für alle ein Highlight – auch wenn man das alles schon im Vorjahr gesehen hat.

Dennoch gab und gibt es immer wieder Kritik an dem Event. Doch statt eine Abschaffung zu fordern, haben sich verschiedene Akteure zusammengefunden und bieten nun Alternativen zum kommerziell geprägten Fest. Rund um den Park Fiction findet der „Alternative Hafengeburtstag“ statt. Es gibt Livemusik oder DJs legen auf, etwas zu essen und natürlich Getränke werden auch angeboten. Auch die queere Community feiert den „Hafengayburtstag“ an der Fischauktionshalle. Solche Initiativen zeigen: Die Hamburger lieben ihren Hafengeburtstag – und ist das Fest zu kommerziell, dann gestalten sie die Feierlichkeiten eben selbst.

Wer hier lebt, fühlt sich mit dem Fest verbunden, weil man um die Bedeutung des Hafens für die Stadt weiß. Er ist Hamburgs Tor zur Welt. Die maritime Tradition zieht durch die Jahrhunderte der Stadtgeschichte und war immer ein Treiber für das Selbstverständnis der Hanseaten. Dies einmal jährlich zu feiern, ist den stolzen Hamburgern bis heute ein Anliegen.

Und vielleicht heute mehr denn je. Längst ist das maritime Erbe kaum noch sichtbar, anders als in früheren Zeiten, als noch Hafenarbeiter an den Landungsbrücken Ladung löschten. Mit der Einführung der Container ist die Schifffahrt kalt und kommerziell geworden, die Hafenromantik musste der Effizienz weichen. Schön, dass Hamburg sich einmal im Jahr an seine Tradition erinnert, „denn dort an der Elbe, da wartet mein Glück“, sang schon Hans Albers in den späten 1950er Jahren. „In Hamburg, da bin ich zuhaus‘.“