Von Mitte bis Dahlem verändert sich die Berliner Museumslandschaft durch Sanierungen, Erweiterungen und neue Konzepte. Ein Überblick zeigt, wie sich die Häuser der Stadt für die Verbindung von Kunst Forschung und Vermittlung der Zukunft neu aufstellen
Deutsches Historisches Museum
© Titelbild / Visualisierung: Herzog & de Meuron
Berlin erlebt einen tiefgreifenden Wandel seiner Museumslandschaft. Mehrere zentrale Häuser stecken mitten in Sanierungsmaßnahmen, Erweiterungen oder Neuordnungen. Anderen stehen solche Maßnahmen kurz bevor.
Dabei geht es um mehr Fläche, bessere Barrierefreiheit, moderne Technik und neue Ausstellungskonzepte. ENTWICKLUNGSSTADT gibt einen Überblick, wie sich die Berliner Museen derzeit verändern.
„Berlin Modern“: Prestigeprojekt am Kulturforum mit Verzögerungen
Eine Visualisierung des Museumsneubaus „Berlin Modern“. Während einige den Entwurf als klar und zeitgemäß loben, bezeichnen andere den Bau kritisch als „Scheune“. / © Visualisierung: Herzog & de Meuron
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Potsdamer Straße 50, 10785 Berlin
- Pläne: Neubau für Kunst des 20. Jahrhunderts mit Sammlungen der Nationalgalerie sowie Sammlungen Pietzsch, Marx und Marzona
- Zeitraum: geplante Fertigstellung ab 2030
- Kosten: rund 526 Millionen Euro
Als eines der prominentesten Museumsbauprojekte Berlins soll „Berlin Modern“ das Kulturforum Berlin neu ordnen und als Erweiterung der Neuen Nationalgalerie zusätzliche Räume für die Kunst des 20. Jahrhunderts schaffen. Der Entwurf des Büros Herzog & de Meuron sieht neben Ausstellungsflächen auch öffentliche Angebote vor. Die Kosten sind inzwischen auf rund 526 Millionen Euro gestiegen, die Fertigstellung wird aktuell für etwa 2030 erwartet. Trotz Baufortschritten wird das Projekt immer wieder diskutiert – sowohl wegen technischer Herausforderungen am Bau als auch aufgrund unterschiedlicher Ansichten zur Architektur.
Naturkundemuseum erfindet sich neu: Vom Archiv zur offenen Wissensplattform
Das Museum für Naturkunde Berlin steckt mitten in einer der größten Sanierungen seiner Geschichte. Der Sauriersaal soll künftig als offener Eingangsbereich dienen, während die Dinosaurier-Exponate in einen überdachten Innenhof verlegt werden. / © Visualisierung: GMP mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekt
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
- Pläne: umfassende Sanierung und Modernisierung, neue Ausstellungsflächen, bessere Barrierefreiheit und nachhaltige Gebäudetechnik
- Zeitraum: laufend bis voraussichtlich 2035
- Kosten: rund 660 Millionen Euro
Das Museum für Naturkunde Berlin steht ebenfalls vor einer umfassenden Transformation: Bis 2035 soll das historische Gebäude an der Invalidenstraße grundlegend saniert und durch einen zweiten Standort in Berlin-Adlershof ergänzt werden. Mit einem Investitionsvolumen von rund 660 Millionen Euro wird das Haus nicht nur baulich erneuert, sondern auch konzeptionell weiterentwickelt; hin zu einem offenen Forschungsmuseum, das Sammlung, Wissenschaft und Öffentlichkeit stärker miteinander verzahnt. Im Fokus steht dabei, die bislang kaum sichtbaren Bestände besser zugänglich zu machen und zugleich den Spagat zwischen Denkmalschutz, moderner Infrastruktur und laufendem Betrieb zu bewältigen.
Pergamonmuseum: Teilöffnung 2027, Großbaustelle bis 2037
So soll das fertige Pergamonmuseum bis voraussichtlich 2037 aussehen. / Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Bodestraße 1–3, 10178 Berlin
- Pläne: Grundsanierung des Gebäudes, Teilöffnung mit Pergamonaltar und weiteren Sammlungen ab 2027
- Zeitraum: bis voraussichtlich 2037
- Kosten: rund 1,5 Milliarden Euro
Nach mehrjähriger Sanierung soll das Pergamonmuseum am 4. Juni 2027 teilweise öffnen. Dann werden Nordflügel und Mittelbau wieder zugänglich, darunter der Pergamonaltar, der Hellenistische Saal, das Aleppo-Zimmer und die Mschatta-Fassade. Gleichzeitig bleibt der Südflügel Großbaustelle. Die vollständige Wiedereröffnung des Pergamonmuseums plant der Bund derzeit für 2037. Die Kosten liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro.
Altes Museum: Denkmalgerechte Sanierung in ein paar Jahren
Das Alte Museum am Lustgarten in Berlin-Mitte ist Teil der UNESCO-Weltkulturerbestätte Museumsinsel. / © Foto: Wikimedia Commons, VitVit, CC BY-SA 4.0
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Am Lustgarten, 10178 Berlin
- Pläne: denkmalgerechte Grundsanierung, neue Gebäudetechnik und bessere Besucherführung
- Zeitraum: Beginn nach Abschluss der Pergamonmuseum-Sanierung
- Kosten: nicht veröffentlicht
Das Alte Museum bildet die letzte große Etappe im Masterplan Museumsinsel. Die umfassende Grundinstandsetzung soll erst nach Abschluss des Pergamonprojekts beginnen. Vorgesehen sind eine denkmalgerechte Sanierung, moderne Gebäudetechnik, bessere Erschließung und neue Wegeführung. Einen konkreten Zeitplan und belastbare Kosten gibt es derzeit noch nicht.
Deutsches Historisches Museum: Verzögerungen bei Sanierung
Das Deutsche Historische Museum wird derzeit umfassend saniert, das historische Zeughaus Unter den Linden bleibt deshalb weiterhin geschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Adresse: Unter den Linden 2, 10117 Berlin
- Pläne: Sanierung des Zeughauses, mögliche Übergangsnutzung im Humboldt Forum
- Zeitraum: Wiedereröffnung der Dauerausstellung frühestens 2031
- Kosten: rund 47 Millionen Euro
Beim Deutschen Historischen Museum verzögert sich die Sanierung des Zeughauses. Die Dauerausstellung könnte frühestens 2031 zurückkehren. Als Übergang prüft das Museum Flächen im Humboldt Forum. Dort könnten rund 3.000 Quadratmeter frei werden, falls Berlin die Räume entsprechend freigibt. Sonderausstellungen laufen weiter im Pei-Bau. Ein Termin für die Wiedereröffnung eines der meistbesuchten Museen Berlins mit zirka 800.000 Besuchern pro Jahr steht in den Sternen.
Deutsches Technikmuseum: Neuer Eingang und Dachpark geplant
So soll das neue Eingangsgebäude des Deutschen Technikmuseums einmal aussehen. / © Visualisierung: querkraft architekten zt GmbH
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Trebbiner Straße 9, 10963 Berlin
- Pläne: neues Eingangsgebäude mit Foyer, Dachpark, Restaurant, Shop und barrierefreiem Zugang
- Zeitraum: Planung läuft, Baubeginn noch offen
- Kosten: 19 Millionen Euro
Auch das Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg wird baulich und funktional weiterentwickelt. Ein neues Eingangsgebäude zwischen Haupthaus und historischem Kopfbau soll den Standort architektonisch wie funktional deutlich aufwerten. Die BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH hat ein Team um querkraft architekten mit der Generalplanung beauftragt. Geplant sind ein großzügiges Foyer, bessere Orientierung, Barrierefreiheit, Restaurant, Shop und ein öffentlich zugänglicher Dachpark.
Brücke-Museum in Dahlem: Behutsame Erweiterung geplant
Das Brücke-Museum in Berlin-Dahlem ist ein international bedeutender Ort für den deutschen Expressionismus. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0
- Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
- Adresse: Bussardsteig 9, 14195 Berlin
- Pläne: behutsame Erweiterung des denkmalgeschützten Gebäudes, neue Flächen für Depot, Vermittlung und Forschung
- Zeitraum: Wettbewerb bis 2026, Umsetzung noch offen
- Kosten: nicht bekannt
Parallel werden auch kleinere Museumsprojekte vorangetrieben: Das Brücke-Museum in Dahlem sucht über einen europaweiten Wettbewerb eine behutsame Erweiterung. Der denkmalgeschützte Bau von Werner Düttmann soll saniert und um Flächen für Ausstellung, Depot, Verwaltung, Forschung und Vermittlung ergänzt werden. Die Entscheidung soll im September 2026 fallen.
Exilmuseum Berlin: Neubau am Anhalter Bahnhof vorerst gestoppt
Das Exilmuseum am Anhalter Bahnhof war eines der sichtbarsten Kulturversprechen der vergangenen Jahre – nun wird es vorerst nicht gebaut. / © Visualisierung: Stiftung Exilmuseum Berlin
- Bezirk: künftig Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: künftig Fasanenstraße 24, 10719 Berlin
- Pläne: Umzug in denkmalgeschützte Villa, Neubau am Anhalter Bahnhof wird vorerst nicht umgesetzt
- Zeitraum: derzeit gestoppt
- Kosten: nicht veröffentlicht
Während es bei einigen Projekten deutlich vorangeht, werden andere Vorhaben vorerst zurückgestellt: Das geplante Exilmuseum am Anhalter Bahnhof wird vorerst nicht gebaut. Die Stiftung nennt die Finanzierung als Grund. Stattdessen soll das Museum Ende 2027 oder Anfang 2028 in eine denkmalgeschützte Villa in der Fasanenstraße 24 ziehen. Der Neubau nach Entwurf von Dorte Mandrup bleibt damit zunächst unrealisiert.
Berlins Museumslandschaft befindet sich weiter im Wandel
Von Kreuzberg bis Mitte, von Dahlem bis Adlershof zeigt sich ein Blick auf Berlins Museumslandschaft als Moment des Umbruchs: Große Häuser werden grundlegend saniert, erweitert und neu gedacht, während parallel neue Projekte entstehen oder vorerst aufgeschoben werden. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, Räume für Sammlung, Forschung und Vermittlung zu modernisieren und die Museen stärker in die Stadtgesellschaft zu öffnen.
Für Berlin bedeutet das eine langfristige Umgestaltung seiner Museumslandschaft – mit mehr offenen, nutzungsflexiblen Häusern, aber auch mit jahrelangen Baustellen, Übergangslösungen und einem hohen Investitionsdruck.
Quellen: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, B.Z., rbb24, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, Brücke-Museum, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stiftung Exilmuseum Berlin, Tagesspiegel, Stiftung Preußischer Kulturbesitz







