Was die Verkäufe angeht, hätte es zuletzt besser laufen können für den Airbus A220. Seit Jahresbeginn erhielt der Flugzeugbauer nur zwei Bestellungen für je zehn A220-300. Beim kleineren A220-100 stehen lediglich zehn stornierte Jets in den Büchern.
Im gesamten Jahr 2025 resultierten unter dem Strich lediglich Aufträge für 44 Airbus A220. Und bis Ende März 2026 wurden von dem Flugzeug, inklusive seiner Vergangenheit als Bombardier C-Series, 959 Exemplare verkauft (108 A220-100, 851 A220-300). Die beiden größten Kunden sind bisher Delta Air Lines mit 145 bestellten Jets und Jetblue mit 100.
Erstmals 160 Sitze im Airbus A220 – und dafür eine neue Tür
Doch nun gibt es einen neuen Spitzenreiter, der dem A220 ordentlich Schub verleiht: Air Asia bestellt tatsächlich 150 Airbus A220 fest, wie die malaysische Billigairline und der Flugzeugbauer am Mittwoch (6. Mai) in Mirabel bei Montreal bekannt gaben. Air-Asia-Chef Tony Fernandes sagte in seiner Rede, hinter den Kulissen sei ein Jahr an dem Deal gearbeitet worden.
Airbus erklärt zu der Großbestellung, Air Asia werde zudem «zur Erstkundin für die neue Kabinenkonfiguration des Flugzeugs mit 160 Sitzen». Das mag auf den ersten Blick verwirrend wirken, da der Hersteller den A220-300 schon lange als Flugzeug für 120 bis 160 Reisende bewirbt. Allerdings wurde das Maximum bisher noch nie umgesetzt.
Ein Airbus A220 mit 185 Plätzen ist Air Asia großer Wunsch
Möglich wird es nun durch eine Anpassung im Rumpf des Airbus A220-300. «Die Kapazitätserweiterung um zehn Sitze wird durch den Einbau eines zusätzlichen Notausgangs über den Tragflächen auf jeder Seite des Flugzeugs ermöglicht», so Airbus.
Fernandes sagte, dass diese 160-Sitz-Konfiguration den Ausschlag für seine Kaufentscheidung gegeben habe. Aber auch das sei ihm eigentlich nicht genug. «Wir wollen wirklich, dass ihr die große Variante, den A220-500 mit 185 Sitzen baut», sagte der Air-Asia-Chef in Richtung der anwesenden Airbus-Manager. Das sei das Flugzeug, das er wirklich wolle. «Wenn dieses Flugzeug gebaut wird, kauft Air Asia auch 150 Stück davon.»
Air Asia würde gerne Airbus A320 mit A220-500 ersetzen
Auf die Nachfrage eines Journalisten, warum Air Asia einen noch größeren A220 brauche, sagte Fernandes, aktuell betreibe man Airbus A320 und A321. «Wir haben viele A320 gekauft und diese Flugzeuge kommen nun ans Ende ihres Lebens.» Ein A220 mit 180 oder mehr Sitzen wäre «der perfekte Ersatz» für den A320, sodass Air Asia in Zukunft ganz auf A220 und A321 setzen könnte, so Fernandes. Denn: «Wir Billigairlines mögen keine Komplexität.»
Worauf der Air-Asia-Chef dabei allerdings nicht einging: Pilotinnen und Piloten können den Airbus A320 und den A321 mit ein und derselben Musterzulassung (Englisch: Type Rating) fliegen, für den Airbus A220 dagegen brauchen sie eine andere. Das erhöht die Komplexität, weil es zwei Korps von Cockpitpersonal braucht.
Auslieferungen ab Anfang 2028 geplant, Sitze noch gesucht
Die ersten Auslieferungen der 150 nun bestellten A220-300 erwartet Air Asia im ersten Quartal 2028, oder, wenn es gut laufe, schon etwas früher, sagte Fernandes. Aktuell sehe man sich nach den richtigen Sitzen für die Flugzeuge um. Bei den Triebwerken stehen dagegen nur die von Pratt & Whitney zur Auswahl.
«Ich habe schon 1600 Triebwerke von General Electric gekauft», so der Unternehmer. «Es ist ein neues Gefühl für mich, ein Pratt-Triebwerk zu kaufen.» Man werde Pratt & Whitney stolz damit machen, wie man die Triebwerke einsetze.
Gute Geschichten brauchen Freiraum. Ihre Unterstützung gibt uns diesen Freiraum – und Sie lesen aeroTELEGRAPH ganz ohne Werbung. Für weniger als ein Getränk am Flughafen. Jetzt hier klicken und abonnieren. Jetzt hier klicken und abonnieren