Käthe Kollwitz gilt als eine der ganz großen deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Eine Frau, deren Werk und Wirken sich in Deutschland gleich drei Kunstinstitutionen ganz ausschließlich widmen: die beiden Käthe-Kollwitz-Museen in Berlin und Köln sowie die Stiftung Käthe-Kollwitz-Haus in Moritzburg vor den Toren Dresdens, dem letzten Wohnsitz der Künstlerin. Gewissermaßen Wallfahrtsorte für die Gemeinde derjenigen, die ihre Kunst verehren. Jetzt gibt es bis Ende August noch einen vierten Hotspot: die Kunstsammlungen Chemnitz.
Ein gut gehüteter Schatz in Chemnitz
Als Museumschefin muss man gerade heute, in Zeiten immer knapper bemessener Budgets für Ausstellungen, kreativ sein. Und so dachte sich Florence Thurmes, die Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz, dass es der richtige Zeitpunkt wäre, mal ans Eingemachte zu gehen. Vor allem, wenn man da, im eignen Keller, einen echten Schatz hütet – zumal noch einen von Frauenhand geschaffenen.
Wir haben mit über 100 Werken von Käthe Kollwitz einen sehr schönen Bestand.
Generaldirektorin Florence Thurmes
„Wir haben mit über 100 Werken von Käthe Kollwitz einen sehr schönen Bestand, der hier zuletzt im Jahr 1987 präsentiert wurde“, verrät Florence Thurmes. Es wurde also wieder mal Zeit. Zumal ganz aktuell die alten, von Käthe Kollwitz aufgeworfenen Fragen rund um Themen wie Krieg, Mutterschaft oder das Leid der Menschen an Aktualität gewonnen haben.
Zusammenarbeit mit HGB Leipzig
Doch so ganz eins zu eins lässt sich dieses Werk und seine Wirkung nicht ins hier und heute übertragen. Dessen war sich auch die Kuratorin der Ausstellung, Kerstin Drechsel, bewusst. Was sie auf eine Idee brachte: „Wir wollten die Klammer zum Heute setzen und haben uns überlegt, dazu am besten mit Kunststudentinnen und -studenten Kontakt aufzunehmen.“ Deshalb habe man sich an die Hochschule für Grafik- und Buchkunst in Leipzig gewandt.
Wir wollten die Klammer zum Heute setzen.
Kuratorin Kerstin Drechsel über die Kollwitz-Schau in Chemnitz
In einem einjährigen gemeinsamen Arbeitsprozess sind dabei mit der Fachklasse der Professorin für Fotografie Heidi Specker eigenständige Werke entstanden, die nun als geschickt platzierte künstlerische Kommentare zwischen den ikonischen „Vor-Bildern“ von Käthe Kollwitz zu entdecken sind. Für die Ausstellungsbesucher ein Überraschungsfaktor, der zum Nachdenken verführt. Für die jungen Leute eine gar nicht so einfache Sache, sich da auf Augenhöhe mit den ikonischen Werken der Meisterin im Museum zu beweisen.
Vom Spielplatz zur Bundeswehr
Lam Funke hat sich darauf eingelassen. „Käthe Kollwitz ist ein großer Name, habe ich mir gedacht und überlegt: Was könnte mein Beitrag sein, ohne zu weit wegzugehen von ihr, aber auch die eigene Handschrift zu bewahren“, gibt Lam Funke zu Protokoll. Der in Dessau geborene fand sein Motiv in dem Käthe-Kollwitz-Plakat „Nie wieder Krieg„, dass er, wie viele junge Leute seiner Generation hier im Osten, aus dem Geschichtsbuch kannte.