
AUDIO: Nachrichten 06:30 Uhr – 07.05.2026 (1 Min)
Stand: 07.05.2026 06:47 Uhr
Südlink – das ist das Kabel, über das Windstrom nach Bayern transportiert werden soll. Aktuell arbeiten Ingenieure an einem Elbtunnel bei Wewelsfleth. Hier soll das Kabel unter die Elbe nach Niedersachsen verlegt werden.
Mit einem Fahrstuhl geht es bis 25 Meter unter die Elbe zum Tunneleingang in der Nähe von Wewelsfleth. Dort sollen 2027 die Südlink-Kabel aus Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) und Wilster (Kreis Steinburg) ankommen. Arbeiter werden sie dann durch den Tunnel unter die Elbe verlegen. Eine Versorgungsbahn fährt von hier aus auf Schienen in den Tunnel, um Material zum Spezialbohrer zu bringen. Der Bohrer Elsa schafft nach Angaben des Tunnel-Projektleiters pro Tag um die zehn Meter. Im Juli soll der Tunnel das andere Elbufer bei Wischhafen erreichen.
Südlink: Projekt kostet 10 Milliarden Euro

Arbeiter beim Beladen von Stahlbetonteilen auf die Transportbahn des Südlink-Tunnels.
Über Südlink soll Windstrom nach Süddeutschland geleitet werden. Das Südlink-Kabel ist 700 Kilometer lang, nach Tennet-Angaben sind erst knapp 40 Kilometer verlegt. Aber 2028 soll durch diese Leitung Windstrom nach Süddeutschland fließen. Für Tennet-Chef Tim Meyerjürgens ein unverzichtbares Projekt der Energiewende: „Südlink ist ein ganz zentrales Projekt. Eins der ganz großen Nord-Süd Projekte, die wir haben. Mit vier Gigawatt Leistung, das entspricht vier Großkraftwerken. Und damit eine wichtige Verbindung, um grüne Energie von Nord nach Süd zu transportieren.“
Allein dieses Projekt kostet rund 10 Milliarden Euro. Weitere Großprojekte dieser Art sind in Planung. Nicht nur von Tennet, sondern auch von anderen Übertragungsnetzbetreibern wie Amprion oder 50 Hertz.
Digitalisierung soll regionale Netze effektiver machen
Energie-Expertinnen wie Claudia Kemfert sehen den Ausbau kritisch und halten ihn auch für überdimensioniert. Sie leitet die Abteilung „Energie, Verkehr, Umwelt“ am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). Die Energiewende gelinge nicht nur über die großen Stromtrassen, die Expertin rückt die regionalen Netze in den Fokus.
Wenn wir in Echtzeit sehen, wann ist der Strom günstig, wann ist er teuer, dann kann die Nachfrage darauf reagieren und die Nutzung der regionalen Netze wird effektiver.
Claudia Kemfert
So ließen sich Belastungen im Netz verschieben, ergänzt Energieexperte Oliver Wagner, Co-Leiter des Forschungsbereichs Energiepolitik am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Dafür aber müsse der Verbrauch mit dem Stromangebot besser synchronisiert werden. Gerade dann, wenn viel grüner Strom da ist, müsse die Nachfrage entsprechend angereizt werden. „Voraussetzung dafür sind aber intelligente Stromzähler. Da hinkt Deutschland anderen Nationen hinterher.“

In vielen Kommunen Niedersachsens wird gebaut. Die Leitung durch sechs Bundesländer soll den Süden mit Windstrom versorgen.
Gutachten: Digitalisierung der Netze spart Milliarden
Die Digitalisierung der regionalen Netze hätte eigentlich an erster Stelle stehen müssen, argumentiert Kemfert. Sie sei wichtig, um den Strombedarf vor Ort effektiv zu lenken und zu speichern. Dann sei erkennbar, wie viel Strom übrig bleibe und abtransportiert werden müsse. Erst dann könne man den überregionalen Netzausbau planen.“ So ließen sich die Energiesystemkosten massiv senken“, so Kemfert.
Kemfert bezieht sich unter anderem auf ein Gutachten des Hamburger Energieexperten Tim Meyer. Der kam zu dem Ergebnis: Dank Digitalisierung und Flexibilisierung ließen sich beim Ausbau der Netze bis 2045 jährlich rund sieben Milliarden Euro einsparen.
Kemfert: Batteriespeicher müssen ans Netz
Batteriespeicher würden außerdem eine wichtige Rolle im Stromnetz übernehmen, sagt Kemfert. Die würden ausreichen, um Phasen mit wenig Sonne und Wind zu überbrücken. „Die Speicher müssen endlich ans Netz gelassen werden“, fordert sie. Dafür gebe es genügend private Investoren, die offenbar gesucht werden, um die Kosten der Energiewende zu stemmen. „Stattdessen werden aber offenbar Gaskraftwerke favorisiert. Fossile Energieträger sind allerdings eine schlechte Wahl, wenn das Ziel Klimaneutralität ist.“

Die Kapazität des Großprojekts könnte sich noch einmal verdreifachen. Am Standort bei Schleswig sind auch Rechenzentren im Gespräch.
Digitalisierung allein reicht nicht
Auch Tennet-Chef Tim Meyerjürgens hält die Digitalisierung der regionalen Netze für einen wichtigen Faktor. „Aber wir haben starke Verbrauchszentren im Süden. Wir haben sehr viel Windenergie im Norden und viel Sonnenenergie im Süden. All das müssen wir ausgleichen und dafür brauchen wir die großen Stromtrassen. Das kann ich nicht mit Digitalisierung lösen.“
Oberirdische Leitungen sind günstiger
Dennoch denkt auch Tim Meyerjürgens über Einsparpotentiale beim Netzausbau nach. So wären oberirdisch verlegte Leitungen günstiger zu bauen. Erst Ende April hatte das Bundeskabinett einen ersten Entwurf vorgelegt, der genau das auch vorsieht. „Das macht einen Kostenunterschied von Faktor drei bis vier aus. Das heißt: Anstelle von 10 Milliarden kann man so ein Projekt auch für drei Milliarden Euro bauen“, meint Meyerjürgens.
Insgesamt sind laut Tennet bei kommenden Projekten 20 Milliarden Euro möglich, die dann weniger investiert werden müssten. Für Südlink kommen derartige kostengünstige Lösungen allerdings zu spät.

Für die Stromkabel der Stromtrasse entsteht ein neuer Elbtunnel. Am Mittwoch wurde der 200 Meter lange Bohrer getauft.

Im Jahr 2028 soll Windstrom aus Schleswig-Holstein nach Süddeutschland fließen. Experten fordern zudem eine Digitalisierung regionaler Netze.

Die 700 Kilometer lange Trasse soll grünen Strom aus Schleswig-Holstein in den Süden transportieren.