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Wiesbadens Gesundheitsdezernentin Milena Löbcke (Linke). © Michael Schick
Die meisten Vorwürfe stellten sich als unwahr heraus. Doch die Dezernentin sieht trotzdem Verbesserungsbedarf im Gesundheitsamt.
Im Wiesbadener Gesundheitsamt rumort es seit Monaten. Etwa zehn anonyme Schreiben mit teils gravierenden Vorwürfen beschäftigen Verwaltungsspitze und Stadtpolitik. Die Schreiben kursieren seit Jahresbeginn und enthalten teils erhebliche Kritik an Strukturen, Kommunikation und Führungsverhalten innerhalb der Behörde. Sie erreichten Bundes- und Landesbehörden, die Stadtverwaltung und diverse Medien. Unterzeichnet waren sie mit „Die Mitarbeitenden des Gesundheitsamtes Wiesbaden“.
Dezernentin Milena Löbcke (Linke) berichtete am Dienstagabend im Gesundheitsausschuss, dass ein erstes anonymes Schreiben ihr Dezernat im Herbst 2025 erreicht habe und sie daraufhin das Gespräch mit Mitarbeiter:innen des Gesundheitsamts gesucht habe.
Inzwischen sei ein großer Teil der erhobenen Vorwürfe geprüft worden – und hätte sich als unwahr herausgestellt. Weder habe es Anmietungen von Räumen gegeben, die danach leer standen, noch seien IT-Projekte ohne Ausschreibungen vergeben worden. Es gebe eine Reihe weiterer Vorwürfe, die im Prüfprozess nicht erhärtet werden konnten. Schwierig sei zudem, dass Lösungs- und Aufklärungsversuche daraufhin in neuen anonymen Schreiben angegriffen worden seien. Zugleich betonte Löbcke aber auch, dass es unabhängig davon Gesprächs- und Verbesserungsbedarf innerhalb des Gesundheitsamtes gebe.
Verbesserte Situation unter neuer Leitung
Die Herausforderung für die Verwaltung besteht nun darin, zwischen schwer überprüfbaren anonymen Vorwürfen, belegbaren Falschbehauptungen und zugleich erkennbaren strukturellen oder kommunikativen Problemen zu unterscheiden.
Der Konflikt hat sich also zu einer komplexen Gemengelage entwickelt, in der unterschiedliche Teile der Belegschaft gegensätzliche Positionen einnehmen. So gibt es auch Stellungnahmen und anonyme Mails, die sich pro Amtsführung positionieren. Zur Wahrheit gehöre auch, dass sich die Situation im Gesundheitsamt unter der neuen Führung verbessert habe, sagt die Dezernentin.
Die Stadt hatte zunächst auf moderierte Gruppengespräche gesetzt. Dieses Verfahren stieß jedoch innerhalb der Belegschaft auf Vorbehalte. Nach Angaben der Dezernentin wurde daher dem Wunsch nach Einzelgesprächen entsprochen. Diese sollen nun eine differenzierte Aufarbeitung ermöglichen. Inzwischen hätten sich auch Mitarbeitende namentlich an die Stadtspitze gewandt. Das wertet sie als möglichen Schritt hin zu einer offeneren Aufarbeitung.
Das Gesundheitsamt Wiesbaden steht zum wiederholten Male im öffentlichen Fokus: Im Jahr 2023 sorgten Homophobie-Vorwürfe für bundesweites Aufsehen. Mehrere gleichgeschlechtliche Paare waren bei Adoptionsverfahren systematisch mit fragwürdigen medizinischen Gutachten diskriminiert worden. Um die Vorfälle aufzuarbeiten, wurde damals unter anderem ein Runder Tisch mit Vertreter:innen aus Stadtpolitik, Fachbereichen und der LSBTIQ-Community eingerichtet.