Nils Lichtlein von den Füchsen Berlin jubelt | Bild: IMAGO/Contrast

Stand: 07.05.2026 • 07:59 Uhr

Die Füchse Berlin stehen im Final Four der Champions League. Im Viertelfinale setzte sich die Berliner dramatisch gegen Veszprem durch.

Die Füchse Berlin stehen nach großem Drama im Final Four der Champions League. Denkbar knapp und erst nach Siebenmeterwerfen gewannen die Handballer am Mittwochabend ein dramatisches Viertelfinal-Rückspiel gegen das ungarische Top-Team KC Veszprem mit 35:33 (17:15; 31:30). Angetrieben von einem ekstatischen Publikum in der Max-Schmeling-Halle machten die Berliner so ihre knappe Hinspiel-Niederlage vor einer Woche wett. Für die Entscheidung sorgte Mathias Gidsel im letzten Wurf von der Siebenmeterlinie.

Die Füchse starten furios

Dass sie hierfür am Mittwoch zwingend einen Sieg brauchen würden, war den Füchsen und allen, die es mit ihnen halten, vor dem Rückspiel natürlich klar. Und wurden die Berliner in ihrem Prenzlauer Berger Fuchsbau von Beginn an von einem besonders lauten Publikum und einem noch lauteren Hallensprecher angetrieben.

Eine emotionale Extramotivation, die Wirkung zeigte: Vorne trafen Mijajlo Marsenic, Mathias Gidsel und Hakun West av Teigum hinten parierte Dejan Milosavljev. Nach dreieinhalb Minuten führten die bis dato furiosen Füchse mit 5:1.

Milosavljev glänzt

Dabei war es allen voran Milosavljev, der die Fans zur mal raunenden, mal jubelnden Verzückung brachte – und Veszprem verzweifeln ließ. Der Serbe im Berliner Tor präsentierte mit wahnsinniger Reaktionsschnelligkeit und noch mehr Beweglichkeit ein mustergültiges Torwartspiel und nahm den Gästen aus Ungarn einen Ball nach dem anderen ab. Nach 20 gespielten Minuten hatte Milosvljev bei 50 Prozent parierten Bällen bereits acht Paraden auf seinem Konto.

Dass die Berliner zu diesem Zeitpunkt mit 14:8 führten, lag daran, dass nicht nur ihr Torwart glänzend spielte. Egal ob nach Milosavljevs Paraden, Ballgewinnen anderer Art oder sogar kassierten Treffern: Die Berliner rollten immer wieder mit erbarmungsloser Geschwindigkeit auf das ungarische Tor zu. Dort angekommen präsentierten sie sich eiskalt – zumindest bis der Fluss im Füchse-Spiel nach 25 Minuten zum Erliegen kam.

Veszprem kommt eindrucksvoll zurück

Eine Zwei-Minuten-Strafe für Marsenic war die Quelle der spielerischen Dürre. Hinten kassierten die Berliner zwei Würfe ins leere Tor, vorne trafen sie selbst selbiges nicht mehr. Tim Freihöfer zeigte bei seinem fünften Siebenmeter erstmals Nerven. Die Berliner führten zur Halbzeit plötzlich nur noch mit 17:15. Auf ihrem Weg in die Kabinen wurden sie nicht von einem tobenden Publikum begleitet, sondern von ihrem tobenden Geschäftsführer Bob Hanning. Stilecht in ein florales Grün gekleidet, versteht sich.

Aber auch nach der 15-minütigen Pause wurden die Nerven all derer, die rund um Hanning auf den Rängen saßen, weiter strapaziert. In der 32. Minute krönte Veszprems Yanis Lenne einen 6:0-Lauf der Ungarn mit dem 17:17‑Ausgleich. Die gute Nachricht: Auf dem Feld bekamen zumindest die Berliner Spieler ihre Nerven an diesem vermeintlich ersten Scheidepunkt auf dem Weg zum Sieg wieder in den Griff. Das Berliner Spiel wurde zwar nicht noch einmal rasant, aber wieder stabiler.

Die Füchse bewahren ihre Nerven

Dabei zeigten sich die Füchse im Vergleich zum Hinspiel allen voran in der Verteidigung des ungarischen Überzahlspiels deutlich verbessert. Immer wieder ersetzte Veszprems Trainer Xavi Pascual seinen Torwart durch einen siebten Feldspieler, fand seinen taktischen Meister hierbei allerdings in Person von Füchse-Trainer Nicolej Krickau. Der Däne, der am Mittwoch mehrfach mit rudernden Armen das Publikum anpeitschte, hatte seine Mannschaft auf das Sechs-gegen-Sieben exzellent eingestellt. Das Ergebnis: Statt hinten zu kassieren, trafen die Berliner vorne gleich mehrfach ins leere Tor.

Und spätestens, als Milosavljev in der 40. Minute nach knapp 20 Minuten mal wieder einen Ball parieren konnte, stellten sich die Zeichen so langsam wieder auf einen Berliner Halbfinaleinzug. Gute zehn Minuten später erhöhte der einmal mehr herausragende Gidsel die Füchse-Führung auf 27:24 (52. Minute). Aber selbst diese Drei-Punkte-Führung bewahrte die Füchse nicht vor einer dramatischen Schlussphase.

Die Entscheidung fällt im Siebenmeterwerfen

Milosalvjev parierte beim Stand von 30:29 hinten einen Siebenmeter – und sah jubelnd dabei zu, wie Tobias Gröndahl vorne einen verwandelte. Aber auch Veszprem traf noch einmal, und weil Gidsel im letzten Füchse-Angriff wegrutschte, endeten die regulären 60 Minuten mit 31:30 für die Füchse. Der Rückstand aus dem Hinspiel egalisiert, aber nicht überwunden.

Es gab Siebenmeterwerfen. Fünf Schützen pro Team im Duell mit den Torhütern – die ultimative, weil höchstseltene Spannung im Handball. Veszprem legte vor, aber scheiterte prompt an der Latte. Anders als Niels Lichtlein, Freihöfer. Nach jeweils zwei Siebenmetern führten die Füchse mit einem Tor. Dann parierten beide Torhüter. Gröhndal traf, aber Veszprem auch. Der entscheidende Siebenmeter gehörte Mathias Gidsel – und der verwandelte eiskalt. Der Berliner Einzug ins Final Four war perfekt.

Sendung: rbb|24, 06.05.2026, 20:50 Uhr
Audio: rbb|24, 06.05.2026, Jens-Christian Gußmann

Rundfunk Berlin-Brandenburg