Stuttgart. Strommasten sind für Störche ein beliebter Nistplatz. Für Tiere und Stromversorgung kann das jedoch gefährlich werden. Netzbetreiber in Baden Württemberg versuchen deshalb, die Vögel gezielt von Freileitungen fernzuhalten und auf sichere Nistplätze in der Umgebung zu lenken.

Nach Angaben des Netzbetreibers Netze BW kommen dafür mehrere technische Maßnahmen zum Einsatz. Ziel ist es, den Bau von Nestern auf den Masten unattraktiv zu machen, ohne die Tiere zu gefährden.

  • Rotoren aus Edelstahl sollen Störche vom Landen abhalten.
  • Abdeckbleche verhindern, dass sich Äste und anderes Nistmaterial ansammeln.
  • Kabelisolierungen reduzieren das Risiko von Stromschlägen.
  • Aufsitzstangen und Schutzhauben bieten sichere Alternativen.

Die Maßnahmen werden mit regionalen Storchenbeauftragten abgestimmt. Hintergrund ist ein praktisches Problem. Ein Storchenhorst kann mehrere Hundert Kilogramm wiegen. Dadurch kann die Stabilität eines Strommastes beeinträchtigt werden. Außerdem besteht die Gefahr von Kurzschlüssen oder Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften.

Schwere Nester können Infrastruktur belasten

Nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu können Storchenhorste enorme Ausmaße erreichen. Die Tiere nutzen ihre Nester über viele Jahre und bauen sie jedes Frühjahr weiter aus. Dabei sammeln sie alles, was sie finden.

Neben Ästen landen immer häufiger auch Gegenstände aus der Zivilisation im Nest. Dazu zählen Kunststoffschnüre, Folien oder Gummiteile.

Müll kann für Jungstörche gefährlich werden

Wie groß das Problem sein kann, zeigte eine Horstreinigung im Rheinhafen Karlsruhe. Dort wurden nach Nabu Angaben rund vier Kilogramm Müll aus einem Nest entfernt. Darunter befanden sich ein Turnschuh, Gummihandschuhe, Kunststoffschnüre, Folien und sogar ein Stahlband.

Solche Materialien können für Jungstörche gefährlich werden. Sie können sich darin verfangen und verletzen.

Immer mehr Störche im Südwesten

Die Bestände der Weißstörche haben sich in Baden Württemberg in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erholt. Zwischen Rhein, Main und Bodensee zogen zuletzt rund 2600 Storchenpaare etwa 4100 Jungvögel groß.

Zum Vergleich. Mitte der 1970er Jahre lebten im ganzen Bundesland nur etwa 15 Brutpaare.

Ein Teil der Tiere kehrt bereits im Spätwinter aus Spanien oder Südfrankreich zurück. Einige Hundert sogenannte Winterstörche bleiben inzwischen sogar ganzjährig in Deutschland. Mildere Winter und ausreichend Nahrung machen das möglich.

Viele Freileitungen im Land

Auch deshalb arbeiten Energieunternehmen gemeinsam mit Behörden und Naturschutzverbänden am Vogelschutz. Leitungen werden nach und nach umgerüstet und kontrolliert.

In Baden Württemberg gibt es mehr als 60000 Kilometer Mittelspannungsleitungen. Rund 14000 Kilometer davon verlaufen noch als Freileitungen. Viele große Vögel wie Störche, Greifvögel oder Eulen nutzen diese Masten als Sitz oder Nistplatz. Genau dort sollen Schutzmaßnahmen künftig Risiken für Tiere und Stromnetz verringern. dpa/red