Vorsicht an der Bordsteinkante! Denn auch hier geht es so langsam voran wie insgesamt im Berliner Verkehr. Kreuzungen sind der Dreh- und Angelpunkt für Autopiloten und Radfahrende, zwei Drittel aller schweren Radunfälle passieren hier. Zudem quert an den Knotenpunkten die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer: Menschen zu Fuß.

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Für alle zusammen hat der schwarz-rote Senat im Koalitionsvertrag versprochen: „Gefährliche Kreuzungsbereiche bauen wir um.“ Und die damalige Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) legte vor drei Jahren ein Sofortprogramm für sogenannte Querungshilfen auf – also für Zebrastreifen, Mittelinseln und vorgezogene Gehwege, die das Überqueren auch kleiner Straßen sicherer machen. So weit, so wichtig und richtig.

Große Pläne, kleine Schritte Berliner Modellprojekte für einen sicheren Fußverkehr stocken

Doch schon bei der kleinsten Verkehrsreform steckt Berlin im Stau. „Gehwegvorstreckungen“ klingen kompliziert, retten aber ganz einfach Leben. Ihre Einrichtung macht der Verwaltung wenig Mühe und kostet nicht viel Geld: Ein Autoparkplatz kommt pro Fahrbahnseite weg, dafür kommt vielleicht ein Fahrradständer hin, zwei Poller dazu – schon haben Fußgänger und Autofahrende freie Sicht aufeinander. Doch bis Ende 2025 wurden gerade einmal zwölf solcher Vorstreckungen und drei Mittelinseln von der Senatsverkehrsverwaltung umgesetzt. Insgesamt 15 neue Querungen klingen nicht nach „sofort“ und schon gar nicht nach „Programm“.

Berlin steht sich bei der Verkehrssicherheit selbst im Weg.

Tagesspiegel-Autor Robert Ide

Dabei braucht es solche einfachen Querungshilfen eigentlich an jeder Kreuzung. Denn die Unfallforschung zeigt: Viele Menschen laufen nicht bis zur nächsten Ampel. Die Maßnahme wäre schneller umzusetzen als kompliziert zu genehmigende Zebrastreifen und deutlich billiger als der Bau neuer Signalmastanlagen. Ein paar Bezirke wie Friedrichshain-Kreuzberg tun immerhin zusätzlich eine Menge, viele allerdings nicht. Koordiniert wird das schon gar nicht. Warum eigentlich nicht?

Robert Ide

Robert Ide
ist Tagesspiegel-Autor und schreibt unter anderem die Newsletter „Checkpoint“ und „Im Osten“. Er sagt: Fünf Monate vor der Abstimmung über die Zukunft Berlins sticht noch niemand heraus, der sie in die Hand nehmen kann.

Berlin steht sich auch bei der Verkehrssicherheit selbst im Weg. Sogar kleine Projekte werden verschoben, gestoppt oder ziehen sich über Jahre. In Pankow haben Eltern einmal selbst zu Pinsel und Farbe gegriffen und Markierungen auf die Straße gemalt, weil ihnen eine Kreuzung zu gefährlich für den Schulweg ihrer Kinder war. Erst danach hat das Bezirksamt reagiert. Dieses kleine Beispiel zeigt das große Ganze deutlich: Der Bedarf ist da, die Lösungen wären es auch, der politische Wille aber fehlt.

Mehr Folgen von „Berlin kommentiert“:Stopp ohne Go auf allen Strecken Berlins Verkehr fehlt der politische Kraftstoff Wahlkampf in Berlin Vier Schnecken rennen auf das Rote Rathaus zu Nach dem Rückzug von dos Santos Lokalpolitiker müssen besser geschult werden

Sichere Kreuzungen sind eines der wichtigsten und dabei einfachsten Projekte für mehr Verkehrssicherheit: sofort sichtbar, nachgewiesen wirksam, schnell umzusetzen, günstig zu haben und für alle direkt spürbar. Vorangetrieben werden sie dennoch nicht. Berlin redet gern über große Verkehrsprojekte und die Mobilitätswende – scheitert aber oft schon an der Bordsteinkante.

Jeden Donnerstag ab 6 Uhr kommentiert Robert Ide stadtpolitische Themen bei Simone Panteleit und Team im Berliner Rundfunk 91.4. Im Tagesspiegel finden Sie den Kommentar zum Nachlesen und Nachhören.