Der Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ beschäftigt nun auch Ärzte in Deutschland: Eine Person, die auf dem Schiff Kontakt zu einem Hantavirus-Fall hatte, kam am späten Mittwochabend mit einem speziellen Transport-Konvoi zur vorsorglichen Untersuchung im Uniklinikum Düsseldorf (UKD) an. Einsatzkräfte der Feuerwehr Düsseldorf hatten die Person am Flughafen in Amsterdam übernommen.
Nach Infektionen mit dem Hantavirus auf der „Hondius“ hatte es auch drei Todesfälle gegeben – ein älteres niederländisches Ehepaar und eine deutsche Frau starben. Ein schwer erkrankter Brite wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt.
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Drei Menschen wurden unter medizinischer Begleitung von Bord des Schiffes geholt, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das niederländische Außenministerium mitteilten. Darunter war laut niederländischem Außenministerium eine 65 Jahre alte Deutsche. Sie werde nun in Düsseldorf untersucht. Das UKD äußerte sich auf Anfrage nicht näher zu der Person – weder zum Alter, dem Geschlecht noch dem Wohnort. Sie soll Berichten zufolge eine Kontaktperson der am 2. Mai auf dem Schiff gestorbenen Deutschen sein.
Polizisten bewachen die Umgebung der Uniklinik Düsseldorf bevor die deutsche Patientin das Infektionszentrum im Rettungswagen erreicht.
© dpa/Christoph Reichwein
Ein großer Teil der Hantavirus-Infektionen in Deutschland verläuft laut Robert Koch-Institut (RKI) symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Die Viren können aber auch mit Blutungen einhergehendes Fieber und Nierenschäden auslösen. Es gibt aber auch eine Gruppe von Hantaviren, deren Infektion etwa zu Übelkeit, Erbrechen, Husten und einer Lungenerkrankung führen kann. Dazu gehört der südamerikanische Andesvirus.
Person zeigt keine Symptome
Aktuell sei der Zustand der Person stabil und sie zeige keine Symptome einer Infektion, teilte die Feuerwehr Düsseldorf nach der Übernahme der Kontaktperson am Flughafen Amsterdam Schiphol mit. Ein Sprecher der Feuerwehr sagte der Nachrichtenagentur AFP, ein Konvoi von sechs Fahrzeugen sei an dem Transport der Deutschen beteiligt gewesen. Die Einsatzkräfte hätten Spezialanzüge getragen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.
„Es handelt sich um eine Kontaktperson ohne bestätigten Nachweis einer Hantavirus-Infektion“, hatte das Klinikum bereits am Mittwochmittag vor der Ankunft mitgeteilt. Die Aufnahme der Person aus Deutschland erfolge vorsorglich zur medizinischen Abklärung. Weitere Angaben wurden nicht gemacht. Auf der Infektionsstation stehen demnach eine klinische Ersteinschätzung sowie infektiologische Untersuchungen an.
Zweites Flugzeug in Amsterdam gelandet
Am Donnerstag um 8.54 Uhr landete schließlich ein zweites Evakuierungsflugzeug auf dem Flughafen Schiphol. An Bord befand sich die dritte Person, die von dem niederländischen Kreuzfahrtschiff evakuiert wurde. Das berichtete ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Auch das Portal Flightradar24 verzeichnete die Landung. Laut dem Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions ist der Gesundheitszustand des ausgeflogenen Evakuierten „stabil“.
Spezialisierte Klinik auf Teneriffa
Alle Passagiere, die sich noch an Bord des mit dem Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ befinden, sind symptomfrei. Das teilte die spanische Gesundheitsministerin Mónica García auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag mit.
Für die knapp 150 Menschen an Bord des Kreuzfahrtschiffs gibt es nach tagelanger Unsicherheit eine klare Perspektive. Spanien erteilte dem unter niederländischer Flagge fahrenden Schiff die Erlaubnis, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen, und zwar auf Teneriffa.
Ende März begann die Reise auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“. (Archivbild)
© REUTERS/REUTERS TV
Auf der Urlaubsinsel gibt es eine auf Epidemien spezialisierte Klinik. Dort sollen Besatzung und Passagiere untersucht und gegebenenfalls medizinisch versorgt werden. Später könnten sie in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren.
Die „Hondius“ fuhr am Mittwochabend vor Kap Verde in Richtung Kanarische Inseln los. Die Strecke werde voraussichtlich drei bis vier Tage in Anspruch nehmen, erklärte der Betreiber Oceanwide Expeditions. In Kap Verde seien zusätzlich drei medizinisch geschulte Personen zugestiegen, um für die Strecke eine optimale gesundheitliche Versorgung zu gewähren.
Streit in Spanien um Kreuzfahrtschiff
Doch auf den Kanarischen Inseln sorgte die geplante Ankunft des Schiffes für Aufregung. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das Vorhaben der spanischen Zentralregierung und der WHO. Er beklagt „fehlende Transparenz“ und fordert ein „dringendes Treffen“ mit Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez.
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Gesundheitsministerin Mónica García Gómez wies aber alle Befürchtungen zurück und versicherte, die Aktion berge kein Risiko für die Kanaren. Alle verbleibenden Personen an Bord seien asymptomatisch. Auch die WHO bekräftigte, dass die Gefahr der Infizierung klein sei. „In dieser Phase bleibt das gesamte öffentliche Gesundheitsrisiko niedrig“, schrieb der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus auf X.
Nach Angaben der Reederei Oceanwide Expeditions benötigen zwei Besatzungsmitglieder dringend medizinische Hilfe. Bei dem Ausbruch auf dem Luxusschiff gab es bislang sieben bestätigte Fälle oder Verdachtsfälle.
Ein Passagier, der bereits Ende April von der Kreuzfahrt in die Schweiz zurückkehrte, ist positiv auf das Virus getestet worden. Er wird derzeit im Universitätsspital Zürich behandelt, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die Klinik sei auf solche Fälle vorbereitet und die Sicherheit sowohl des Personals als auch aller Patientinnen und Patienten gewährleistet, hieß es. Das BAG halte das Auftreten weiterer Fälle in der Schweiz für unwahrscheinlich. Für die Bevölkerung sei das Risiko gering.
Hantavirus wurde zwischen Menschen übertragen
Normalerweise wird das Hantavirus durch Kontakt mit infizierten Nagetieren oder deren Ausscheidungen übertragen. Die WHO geht jedoch davon aus, dass es auf dem Schiff zu einer der seltenen Übertragungen von Mensch zu Mensch gekommen sei. Dies betreffe enge Kontaktpersonen wie das niederländische Ehepaar, das gemeinsam eine Kabine bewohnte.
Mittlerweile haben Labortests in Südafrika diese Hypothese bestätigt. Bei dem nach Südafrika ausgeflogenen Briten sei vorläufigen Testergebnissen zufolge der von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Stamm des Hantavirus nachgewiesen worden, gab Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi am Mittwoch bekannt.
Der Andes-Virusstamm ist vor allem in Südamerika verbreitet. Das Kreuzfahrtschiff hatte seine als Naturexpedition beworbene Reise Ende März im südargentinischen Ushuaia begonnen und unter anderem die Antarktis angesteuert. Die Preise für eine Kabine lagen zwischen 14.000 und 22.000 Euro.
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Der erste erkrankte Passagier, der Niederländer, starb bereits am 11. April. Seine Leiche blieb bis zum 24. April an Bord und wurde dann auf der Insel St. Helena im Südatlantik an Land gebracht. Seine Frau, die zu diesem Zeitpunkt bereits Magen-Darm-Symptome zeigte, starb zwei Tage später nach einem Flug nach Johannesburg in einer dortigen Notaufnahme. (dpa, Reuters, AFP, TSP)