Viele haben sicher irgendwann mal davon geträumt, ein großer Künstler zu werden. Das ist ungefähr so wie mit dem ultimativen Roman, den man im Kopf hat und auf den die Welt ganz bestimmt gewartet hat. Nur solche Träume tatsächlich in die Tat umzusetzen, das machen nur die wenigsten.
Zumindest das mit der Kunst, das macht Arpine Karapetyan ein Stück weit möglich – und zwar an einem Ort, der so gar nicht an ein stilles, verschlossenes Atelier erinnert. Mitten in den Schadow Arkaden, an einem Pop-up-Stand im Erdgeschoss, werden einmal im Monat Maltische aufgestellt, und verborgene Talente oder spontan Interessierte können sich unter Anleitung der renommierten Künstlerin selbst daran versuchen, eine leere Leinwand mit farbigem Leben zu füllen, während Passanten ihnen dabei über die Schulter schauen. Diese Workshops kommen erstaunlich gut an, „das letzte Mal waren es mehr als 50 Teilnehmer“, berichtet Karapetyan, die gerne auch ihren Mädchennamen Shahnas nutzt, wenn sie in der Öffentlichkeit auftritt. Nächster Termin: Samstag, 9. Mai, vor dem Muttertag.
Dann gibt es zwischen 12 und 18 Uhr wieder verschiedene Zeitslots, zwischen 45 Minuten und einer Stunde dauert ein Workshop, Leinwand und Acrylfarben werden von den Arkaden gestellt. „Die Teilnehmer können sich über ein Tool auf der Website anmelden, oft bleiben aber auch ganz spontan Leute stehen und wollen unbedingt malen“, erzählt Karapetyan. Maximal zehn Teilnehmer können pro Workshop mitmachen, ist die Zahl noch nicht erreicht, dürfen heimlich Kunstinteressierte sich auch spontan daran versuchen, ein womöglich epochales Werk zu erschaffen – entweder unter Anleitung der gebürtigen Armenierin oder ganz frei nach Schnauze.
Der eine hat sein Bild, das er anfertigen will, schon fertig im Kopf, der andere versucht, die abstrakten Werke von Karapetyan nachzumalen. „Einige wollen sofort loslegen, andere sitzen vor der leeren Leinwand und wissen erst mal gar nicht, was sie machen sollen“, sagt die 44-Jährige, die erstmals dieses ungewöhnliche Format im Minto, einer vergleichbaren Shopping Mall in Mönchengladbach, durchgeführt hat. „Da war das Feedback schon sehr positiv. Die Menschen waren auch einfach mal froh, runterzukommen vom Shopping-Stress“, berichtet Karapetyan, die zumindest immer bemüht ist, ihren Schützlingen die Grundtechniken nahezubringen. „Es sind auch schon mal Eltern dabei, die ihr Kind bei mir ,parken’, während sie selbst shoppen gehen“, erzählt die Künstlerin schmunzelnd.
Natürlich dürfen die Teilnehmer ihr fertiges Bild nachher auch mit nach Hause nehmen, „viele posten das dann ganz stolz auf Instagram. Jedenfalls stellt sich eigentlich immer eine Art von Glücksgefühl ein, ich habe als Dank schon große Blumensträuße bekommen“, sagt die in Jerewan geborene Arpine Karapetyan, die 1993 als Zehnjährige mit ihren Eltern aus Armenien nach Deutschland kam und insgesamt schon ganz schön rumgekommen ist: Fünf Jahre England, Spanien, USA. Auch die Orte, wo sie bereits ausgestellt hat, klingen illuster: Brüssel, Zürich, Barcelona, auch in Armenien, in Düsseldorf nahm sie auf der Open-Air-Ausstellung auf dem Carlsplatz teil, ihre abstrakten Bilder hingen zudem im Schloss Wickrath oder im Schloss Garath.
Arpine Karapetyan malt schon seit gut 15 Jahren, arbeitet hauptberuflich bei der Landesregierung NRW als Projektkoordinatorin, „und das werde ich auch so schnell nicht aufgeben“, sagt sie. Dabei verkauft die Künstlerin, die einen Master in Politik und Rechtswissenschaften hat, gut – und nimmt zusätzlich Auftragsarbeiten an, etwa im Zusammenspiel mit Innendesignern für Praxen. „Anfangs konnte ich meine Bilder gar nicht weggeben, weil ich zu ihnen eine emotionale Bindung aufgebaut hatte“, sagt die Mutter von zwei Kindern, die inzwischen aber gelernt hat, was es heißt, in der Kunstszene zu bestehen.
Eine Galerie braucht sie dafür nicht, „da muss man dann auch noch 50 Prozent des Verkaufserlöses abgeben“. Dann doch lieber Käufer über Instagram finden – oder sich eben bei solch ungewöhnlichen Auftritten wie in den Schadow Arkaden präsentieren und so auf die eigenen Arbeiten aufmerksam machen.